Ganztag in Brandenburg: „Viele Schulen sind seit langem sehr erfahren“

Brandenburg kann bei Ganztagsangeboten auf ein beständiges Element der pädagogischen Schulentwicklung aufbauen. Qualität durch Austausch und hochwertige Beratungsangebote sind aktuelle Ziele. Bildungsministerin Britta Ernst im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Bildungsministerin Britta Ernst© MBJS Brandenburg

Online-Redaktion: Frau Ministerin, Brandenburg hat schon seit Ende der 1990er Jahre Ganztagsschulen ausgebaut. Wie schätzen Sie den derzeitigen Stand der Entwicklung ein?

Britta Ernst: Insgesamt besuchen fast 48 Prozent der Schülerinnen und Schüler ganztägige Angebote an Schulen in öffentlicher Trägerschaft. Das ist im bundesweiten Vergleich ein guter Wert. Wichtig ist mir aber vor allem, dass dies dem Bedarf im Land insgesamt sehr gut entspricht.

Online-Redaktion: Neben den Ganztagsschulen haben in Brandenburg auch die Schulhorte eine starke Tradition. Welche Bedeutung haben sie für die ganztägige Bildung?

Ernst: Die Schulhorte sind wichtige Partner der Grundschulen. Verlässliche Halbtagsschulen haben neben offenen Ganztagsangeboten immer auch Angebote der Kindertagesbetreuung, das sind natürlich oft die Horte. An den Schulen, die eine direkte Kooperation mit einem Hort pflegen, entstehen aus dieser Kombination große Chancen für eine hochwertige ganztägige Betreuung. Am Nachmittag sollen so genannte non-formale Angebote gemacht werden, die das zuvor im Unterricht Gelernte verfestigen. Auch beim Spielen lernen Kinder.

Außenansicht des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport
Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport© MBJS Brandenburg

Online-Redaktion: Die Diskussion dreht sich in vielen Bundesländern um die Frage Verlässlichkeit und Flexibilität. Ist die Organisationsform – offener oder gebundener Ganztag – auch ein Thema in Brandenburg?

Ernst: Auch im Land Brandenburg gibt es verschiedene Organisationsformen für den Ganztag. Es gibt sogar ein Modell mit einer verbindlichen Kernzeit und zusätzlichen optionalen Angeboten, wie es von einigen Wissenschaftlern im letzten Jahr prominent publiziert worden ist. Die Frage nach der richtigen Organisationsform wurde auch im Land Brandenburg umfassend diskutiert. Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle wurden hinterfragt und angepasst.

In den 1990er Jahren wurden nur gebundene Modelle genehmigt, zurzeit gibt es die gesamte Palette an Organisationsformen. Die Bildungsforschung hat uns bestätigt: Nicht auf die Form, sondern auf die Qualität der Angebote und die Teilnahme kommt es an. Letztlich brauchen wir Modelle, die Spielraum für die einzelne Schule lassen, auch um auf die Erwartungen der Elternschaft reagieren zu können.

Grundschule an den Havelauen in Hennigsdorf© Wolf-Emanuel Linsenhoff

Online-Redaktion: Wie lässt sich die Qualität der Ganztagsangebote sicherstellen, und mit welcher Unterstützung können die Schulen rechnen?

Ernst: Zuerst einmal: Viele Schulen sind in der Frage seit langem sehr erfahren, und ich bin froh, dadurch auf ein sehr beständiges Element der pädagogischen Schulentwicklung aufbauen zu können. Die Diskussion über die Qualität der Angebote möchte ich mit Augenmaß führen. Wir legen Wert darauf, dass Schulen die vorhandenen Angebote, zum Beispiel zur Selbstevaluation, noch stärker nutzen. Auch bei Schulvisitationen ist der Ganztag ein wichtiger Gegenstand. Zusätzlich lasse ich gerade unser Beratungs- und Unterstützungssystems Schule und Schulaufsicht (BUSS) für die Qualitätsentwicklung im Ganztag überprüfen. Hier möchte ich gern klarere Strukturen schaffen, damit die Schulen auch künftig auf hohem Niveau beraten werden.

Astronauten-Zeichnung auf dem Giebel der Sigmund-Jähn-Grundschule
Regine Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder© Wolf-Emanuel Linsenhoff

Online-Redaktion: Das Thema „Ländliche Räume“ ist wieder mehr in der öffentlichen Diskussion. Spielt es für die Ganztagsangebote in Brandenburg eine Rolle?

Ernst: Brandenburg ist reich an so genannten ländlichen Räumen – selbstverständlich ist das für alle Fragen der Schulentwicklung von Bedeutung, so auch für den Ganztag. Hier heißt es gern, dass es in ländlichen Räumen manchmal schwierig sei, geeignete Kooperationspartner für die Schulen zur Umsetzung hochwertiger ganztägiger Angebote zu finden. Das ist sicher für einige Schulen ein Problem, und die Schulen wenden viel Energie dafür auf, dieses zu lösen.

Fortbildung im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg© LISUM

Mir scheint es aber aus Landessicht ebenso wichtig, auf die organisatorischen Probleme der Schulen zu schauen. Wenn zum Beispiel der Schulbus nur einmal am Nachmittag fährt, definiert der Fahrplan des ÖPNV die Organisation des Ganztages. Hier braucht es eine konstruktive Abstimmung zwischen den Beteiligten – Schule, Schulträger, Träger des Nahverkehrs.

Online-Redaktion: Wo sehen Sie künftig die Schwerpunkte der Ganztagsschule in Brandenburg?

Heinz-Sielmann-Oberschule Elstal in Wustermark
Die Heinz-Sielmann-Oberschule Elstal in Wustermark wurde mit IZBB-Mitteln gefördert.© Britta Hüning

Ernst: Wir haben zum laufenden Schuljahr die Ausstattung der Schulen mit Mitteln für ganztägige Angebote um 18 Prozent erhöht. Zudem ist es nach der Änderung des Brandenburgischen Schulgesetzes möglich, auch sonstiges pädagogisches Personal – zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher – in der Ganztagsbetreuung einzusetzen. Das entlastet die Lehrkräfte und hilft den Schulen.

Mit dem Blick auf die schon genannten Fragen der Qualitätsentwicklung und organisatorische Handlungsspielräume sehe ich zugleich weiterhin wichtige Gestaltungsaufgaben. Insofern möchte ich den innerschulischen Austausch aber auch die Kooperation und den Austausch schulischer Expertise zwischen den Schulen befördern.

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