Ganztag in Rheinland-Pfalz: „Mehr als Nachmittagsbetreuung“

Ganztagsschulen mit einem hochwertigen Bildungsangebot, das Chancen eröffnet und bestmögliche Voraussetzungen für Leben und Beruf schafft, sind das Ziel in Rheinland-Pfalz. Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig© Georg Banek

Online-Redaktion: Frau Ministerin, sie sind seit 2016 Bildungsministerin. Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht der Ausbau der Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz?

Stefanie Hubig: Rheinland-Pfalz zeichnet sich bereits jetzt durch ein sehr dichtes Netz an Ganztagsschulen aus. 15 Jahre, nachdem wir den Ganztag in Rheinland-Pfalz eingeführt haben, besitzen rund 1.190 unserer landesweit 1.500 allgemeinbildenden Schulen ein Ganztagsangebot. Das ist enorm. Und zum neuen Schuljahr 2018/2019 wird dieses Netz noch dichter, weil wir das Ganztagsangebot weiter ausbauen. Jede vierte Schülerin und jeder vierte Schüler in Rheinland-Pfalz besucht schon jetzt eine Ganztagsschule. Rheinland-Pfalz ist Ganztagsland, und wir arbeiten ständig daran, dass es noch mehr Ganztagsschulen gibt.

Skulptur „Glockenbaum“ vor dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz
Kunst im öffentlichen Raum: Der „Glockenbaum“ vor dem Bildungsministerium© Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Online-Redaktion: Wo sehen Sie den besonderen Bedarf in Rheinland-Pfalz, eher bei den Grundschulen oder eher in der Sekundarstufe?

Hubig: Unsere Ganztagsschulen leisten einen wichtigen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig schafft die Ganztagsschule zusätzliche Chancen, weil sie Raum für vieles bietet, wofür im Rahmen der normalen Halbtags-Stundentafel oft weniger Zeit bleibt. Das gilt für alle Alters- und Klassenstufen. Eine stärkere Nachfrage können wir weniger an der Unterscheidung Primar- oder Sekundarstufe feststellen. Die Bedarfe der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler stellen sich in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz eher regional unterschiedlich dar. Was zählt ist, dass wir diese Bedarfe decken können. Das ist unser Anspruch.

Online-Redaktion: Die Diskussion dreht sich in allen Ländern um Verlässlichkeit und Flexibilität. Ist die Organisationsform – offene oder gebundene Ganztagsschulen – ein Thema für Sie?

Das Ganztagsschulprogramm Rheinland-Pfalz startete bereits 2001.© Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Hubig: Natürlich ist das ein Thema. Wir diskutieren darüber, wie man Flexibilität für die Eltern, Planungssicherheit für die Schulen und den pädagogischen Anspruch, den wir an ein hochwertiges Ganztagsangebot stellen, bestmöglich vereinbaren kann. Im Bereich der allgemeinbildenden Schulen gibt es bei uns drei Ganztagsschulformen: die Ganztagsschule in Angebotsform, die Ganztagsschule in verpflichtender Form und die Ganztagsschule in offener Form. Das schafft schon viel an Flexibilität.

Ich bin aber auch davon überzeugt, dass das volle Potenzial des Ganztags sich dann am besten entfaltet, wenn es ein rhythmisiertes, also ein über den Tag verteiltes Angebot gibt, in dem sich Lern- und Übungsphasen mit gezielter Förderung und Bewegungs- sowie Entspannungsphasen abwechseln. Damit das funktioniert, müssen die Schülerinnen und Schüler aber auch das volle Angebot wahrnehmen.

Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof
Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Schweich wurde mit IZBB-Mitteln gefördert.© Britta Hüning

Online-Redaktion: Welche Rolle spielt die Qualität der Ganztagsangebote, und mit welcher Unterstützung können die Schulen rechnen?

Hubig: Eine große Rolle. Wie bereits angesprochen, ist ein hochwertiges Ganztagsangebot für uns mehr als nur eine Nachmittagsbetreuung. Individuelle Förderung von leistungsstarken wie leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, soziales Lernen, Sport, aber auch ökonomische Bildung, digitale Kompetenzen oder Demokratieerziehung gehören dazu. Es bieten sich viele Möglichkeiten, und diese Möglichkeiten unterstützen wir – auch in einem erheblichen finanziellen Umfang. Sowohl für die Ganztagsschule in Angebotsform als auch für die Ganztagsschule in verpflichtender Form ist das Land Personalkostenträger. Das heißt, 100 Prozent der Kosten für das pädagogische Personal werden vom Land übernommen. Und: Der schulische Ganztag ist kosten- und gebührenfrei.

„Gut, dass wir am Nachmittag Unterricht haben!“© Realschule plus Gerolstein

Online-Redaktion: Das Thema „Ländliche Räume“ ist wieder mehr in der öffentlichen Diskussion. Sehen Sie hier besondere Herausforderungen für den Ganztag?

Hubig: Gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz ist das natürlich immer ein Thema. Wir diskutieren aber nicht nur darüber, sondern stellen sicher, dass wir hier wie dort ein gutes und hochwertiges Ganztagsangebot sicherstellen, das sich am tatsächlichen Bedarf ausrichtet.

Online-Redaktion: Wo sehen Sie künftig die Schwerpunkte der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz?

Hubig: Der Schwerpunkt liegt für uns ganz klar auf Qualität. Wir stehen für ein hochwertiges Bildungsangebot im Ganztag, das neue Perspektiven eröffnet, Chancen bietet und bei den Schülerinnen und Schülern bestmögliche Voraussetzungen für Leben und Beruf schafft.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

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