Baden-Württemberg: Qualitätskonzept für das Bildungssystem

Baden-Württemberg wird ein Qualitätskonzept für das Bildungssystem umsetzen. Dazu gehört auch das neue Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung für mehr Qualität in Unterricht und Schule.

Das Kabinett von Baden-Württemberg hat am 24. April die Umsetzung eines Qualitätskonzepts für das Bildungssystem beschlossen. „Wir haben zentrale Veränderungen für eine qualitätsorientierte Entwicklung unseres Bildungssystems auf den Weg gebracht. Denn entscheidend für gute Schülerleistungen ist eine gute Unterrichtsqualität“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats. „Grundvoraussetzung dafür sind klar an der Qualität orientierte und effiziente Unterstützungsstrukturen für die Schulen.“

Dazu werde die Landesregierung zum Jahr 2019 zwei neue und eng miteinander verzahnte Institutionen einrichten. Gegründet werden das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und das Institut für Bildungsanalysen. Bisherige Doppelstrukturen werden aufgelöst. Derzeit auf zahlreiche Behörden, Anstalten und Stiftungen verteilte Zuständigkeiten in den Bereichen Beratung, Lehrerfortbildung und Lehrerausbildung werden in den neuen Institutionen gebündelt. Ein wissenschaftlicher Beirat wird die Einrichtungen beraten und Leitlinien für eine wissenschaftlich fundierte Praxis der Institutionen vorgeben.

„Eine Weiterentwicklung der Unterstützungssysteme, die den notwendigen Qualitätsprozess an den Schulen aktiv voranbringen, ist in Baden-Württemberg seit vielen Jahren überfällig. Die ernüchternden Ergebnisse der letzten Lernstandserhebungen und Schulleistungsvergleiche unterstreichen den akuten Handlungsbedarf“, betonte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann. Dass effiziente Strukturen Grundvoraussetzung für mehr Qualität an Schule und Unterricht seien, zeigten auch die Erfahrungen in anderen Bundesländern, so Eisenmann. In Baden-Württemberg gebe es bislang kein professionelles Bildungsmonitoring und keine datengestützte Schulentwicklung.

„Ohne gesicherte Ergebnisse zu Schülerleistungen und der Qualität von Unterricht wissen wir nicht, welche bildungspolitischen Vorgaben und pädagogischen Konzepte an welcher Stelle Sinn machen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. „Das neue Institut für Bildungsanalysen wird diese Lücke schließen und künftig ein systematisches Bildungsmonitoring aufbauen.“ Damit schaffe man die Grundlagen für eine datengestützte Qualitätsentwicklung auf allen Ebenen des Bildungssystems – vom Kultusministerium bis hin zur Schule. Ziel sei, dass Schulen und Schulaufsicht auf Grundlage einer soliden Datenbasis, wie beispielsweise den Ergebnissen von Lernstandserhebungen, arbeiten könnten. Die Kultusministerin: „Wir müssen wissen: Wo steht ein Kind, und wie können wir es individuell fördern?“ Außerdem sollen etwa Fortbildungs- und Unterrichtskonzepte künftig vor ihrem Einsatz auf ihre Wirksamkeit überprüft werden, so Eisenmann.

Künftig wird das neue Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung zentral gesteuerte Ausbildungs-, Fortbildungs- und Unterstützungskonzepte für mehr Qualität in Unterricht und Schule entwickeln. Die dazu erforderliche wissenschaftliche Datengrundlage wird das Institut für Bildungsanalysen liefern. Die beiden Institute werden dazu eng verzahnt arbeiten. Regionalstellen, werden die zentral entwickelten Konzepte und Unterstützungsangebote in die Fläche tragen.

Die aktuellen Fortbildungsaufgaben und Beratungsleistungen der Schulaufsicht (Fachberater Schulentwicklung, schulpsychologische Dienste etc.) gehen auf das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und seine Regionalstellen über. „Damit stärken wir die Regierungspräsidien und Staatlichen Schulämter in ihren originären Aufgaben, nämlich als Schulaufsichtsbehörden und bei der Steuerung der Unterrichtsversorgung“, so Eisenmann. Als wichtige Dienstleistung für die Schulen wird an jeder Regionalstelle eine „Leitstelle pädagogische Unterstützung“ eingerichtet, die als Kontaktstelle für alle Anliegen von Schulen und Einzelpersonen dient. Die Beratungsleistungen der Schulpsychologischen Dienste werden unverändert an ihren bisherigen Standorten erbracht.

In die Zuständigkeit des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung fallen künftig auch das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik und die Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater. Das Zentrum kooperiert darüber hinaus systematisch mit weiteren Einrichtungen im Kultusbereich wie dem Landesmedienzentrum oder der Landesakademie für die musizierende Jugend.

„Entscheidend bei der Erarbeitung des Konzeptes war und ist, dass wir Betroffene miteinbeziehen", betonte Eisenmann. Der Prozess zur Erarbeitung und Umsetzung des Qualitätskonzeptes wird unter enger Mitwirkung von Expertinnen und Experten aus Schulpraxis und Schulverwaltung gestaltet und mitgetragen. Es sind insgesamt rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Ebenen der Schulverwaltung (Kultusministerium, Regierungspräsidien, Staatliche Schulämter), aus dem Landesinstitut für Schulentwicklung, der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung sowie aus Schulen in den zwölf Arbeits- und Projektgruppen vertreten. Auch der wissenschaftliche Beirat begleitet die Umsetzungsphase des Qualitätskonzeptes. Vorsitzender des Beirats ist Prof. Dr. Ulrich Trautwein (Universität Tübingen), weitere Mitglieder sind Prof. Dr. Anne Sliwka (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Reinhold Nickolaus (Universität Stuttgart) und Prof. Dr. Timo Leuders (Pädagogische Hochschule Freiburg).

Die vollständige Pressemitteilung unter:

Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

 

 


 
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