Jahrbuch Ganztagsschule 2018: Lehren und Lernen

Das Jahrbuch Ganztagsschule 2018 hat den Schwerpunkt „Lehren und Lernen in der Ganztagsschule“ und bietet dazu Grundlagenbeiträge, Forschungsergebnisse und vor allem Beispiele aus der Praxis.

© Debus Pädagogik Verlag

Im Jahrbuch Ganztagsschule 2018 finden sich verschiedene Beiträge, die in diesem Jahr unter dem Leitthema „Lehren und Lernen in der Ganztagsschule“ stehen. Dem Herausgeberteam um Sabine Maschke, Gunild Schulz-Gade und Ludwig Stecher ist es gelungen, Autorinnen und Autoren aus nationaler und internationaler Forschung sowie Schulpraxis und Schulämtern zu gewinnen. Das Sammelwerk gliedert sich in sechs Themenkomplexe mit insgesamt 19 Beiträgen: I Leitthema, II Grundlagen, III Wissenschaft, IV Praxis, V Bundesländer, VI Ausland. Abgeschlossen wird das Jahrbuch mit drei Rezensionen zu aktuellen Publikationen zur Ganztagsschule.

I Leitthema Lehren und Lernen in der Ganztagsschule

Den Autoren gelingt es, aufbauend auf Grundlagen und Zielen von Ganztagsschule wie Öffnung von Unterricht, Lernschwierigkeiten oder Übungen, bestehende Perspektiven auf die ganztägige Schule darzustellen, in ein neues Licht zu rücken und so neue Blickwinkel zu bieten. So liefern die Texte vor allem Impulse, die sich für die Praxis als relevant zeigen.

II Grundlagen

Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof
© Britta Hüning

Im zweiten Block werden unter anderem die Rahmungen für eine ganztägige Schule unter der Prämisse sich verändernder Generationslagen mit jeweils unterschiedlichen Bedarfen und Stärken beleuchtet und daraus mögliche Chancen sowie Handlungsfelder für Schule prägnant erörtert.

Die Öffnung des Verständnisses von Schule wird in einem weiteren Artikel auf das Spielen bezogen. Das vielschichtige und mehrdimensionale Spiel wird als ein lohnenswertes Konzept dargestellt, welches über spielpädagogische Methoden verschiedenste Bereiche der Entwicklung von Schülerinnen und Schülern bereichern kann.

III Wissenschaft

In diesem Komplex finden sich Zusammenfassungen von Studien im Feld der Ganztagsschule. Vor allem die Arbeiten, welche sich mit der Elternperspektive und Qualitätsdimensionen ganztägiger Schulen beschäftigen, sind hervorzuheben. Drei weitere Beiträge in diesem Teil beschäftigen sich mit der Rhythmisierung des Spracherwerbes im Fach Englisch, den positiven Effekten der Ganztagsschule und den Implikationen für Forschung sowie zuletzt mit einem Beitrag zur psychosozialen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler die auf qualitativ hochwertige Ganztagsangebote angewiesen ist.

IV Praxis

© Britta Hüning

Der vierte Themenkomplex fokussiert auf Projekte und Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Die Beiträge in diesem Teil gehen auf die Verzahnung von Unterricht und Ganztag über selbstständige Arbeitsformen, den Mehrwert von und für Lerncoaches aus der Schülerschaft, Inklusion als strukturell-praktische Aufgabe sowie Lernzeitmodelle nach Dalton in praktischer Anwendung ein. Die Beiträge hier stellen wichtige und für Forschung notwendige Einblicke in die Realität von Schule dar.

V Bundesländer

Zwei Beiträge bieten Einblicke in die Länderebene. So stellt das Interview mit Rainer Götzelmann die Herausforderungen und Perspektiven im Umgang mit jungen Geflüchteten dar.

Der zweite Beitrag stellt die Entwicklung ganztägiger Schulen in Berlin dar und beleuchtet kurz die Herausforderungen und Chancen von Grundschulen, Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen.

VI Ausland

Die bis hierhin dargestellten Erkenntnisse und Perspektiven auf die Ganztagsschule werden im sechsten Teil um eine italienische und eine tschechische Erfahrung erweitert. In beiden Ländern werden die Ganztagschullandschaften und deren Entwicklung dargestellt. Für Italien wird ein deutlicher Mangel an strukturierter Forschung und Daten festgehalten. Für Tschechien wird das Fehlen eines organisierten Ganztagsschulsystems kritisiert.

Fazit

Schüler im Unterricht
© Britta Hüning

Das Jahrbuch Ganztagsschule 2018 stellt ein für unterschiedliche Personengruppen wertvolles und fundiertes Werk dar, in dem aktuelle Entwicklungen und Impulse praxisnah und leserfreundlich aufbereitet sind. Die Einblicke in die Felder bleiben allerdings oberflächlich und erfordern für ein vertiefendes Verständnis die Auseinandersetzung mit der angegebenen Primärliteratur.

So bieten insbesondere die Themenkomplexe „Grundlagen“ und „Wissenschaft“ Erkenntnisse für Schulleitungen sowie Impulse, die Schulentwicklungsarbeit voranzutreiben und im Kollegium transparent machen zu können. Für die praktische Arbeit von Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal zeigen sich das „Leitthema“ und das Kapitel „Praxis“ als besonders relevant. Die Erfahrungen aus anderen Schulen etwa zeigen auf, was – im Sinne von Best Practice – möglich und sinnvoll ist. Für all diese Gruppen sind die aufbereiteten und kurz zusammengefassten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Perspektiven gewinnbringend, um den Bezug zu aktuellen Entwicklungen herstellen zu können. Aus dem Blickwinkel der Forschung zeigen sich die Einblicke in schulpraktische Arbeit und die neue Betrachtung bestehender Konzepte (wie etwa Übungen) als wertvolle Impulse, um den Bezug zu Praxis und anderen Forschungsbereichen zu erweitern.

Sabine Maschke, Gunild Schulz-Gade, Ludwig Stecher (Hrsg.) (2017): Jahrbuch Ganztagsschule 2018: Lehren und Lernen in der Ganztagsschule. Grundlagen – Ziele – Perspektiven. Schwalbach/Ts.: Debus Pädagogik Verlag.

 

Wolf-Dieter Lettau ist Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Schulpädagogik der Universität Rostock. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Empirische Forschungsmethoden, Schulqualität, Übergänge in der Bildung und Ganztagsschule.


 

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