Lernen am historischen Ort: Stasi in der DDR

Am 15. Januar 1990 besetzten DDR-Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin, um die Vernichtung der Geheimdienstakten, die seit Ende 1989 im vollen Gange war, zu stoppen. Heute befindet sich hier ein historischer Lernort.

Coverbild „Quellen für die Schule: Zersetzung“
Cover „Quellen für die Schule: Zersetzung“© BStU

Am 15. Januar 1990 besetzten DDR-Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin, um die Vernichtung der Geheimdienstakten, die im vollen Gange war, zu stoppen. „Mit Fantasie und ohne Gewalt“ lautete der Aufruf der Bürgerbewegung „Neues Forum“. Bereits im Dezember 1989 hatten DDR-Bürger in Städten wie Erfurt und Leipzig Stasi-Niederlassungen besetzt.

Heute befindet sich in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin ein historischer Lernort. Das Bildungsteam des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) bietet Lehrerinnen und Lehrern an, gemeinsam mit ihnen Veranstaltungen für ihre Schülerinnen und Schüler zu konzipieren und zu betreuen, einfache Vorträge oder auch mehrtägige Projekte und Workshops. Angeboten werden auch Archivführungen und Besuche der Ausstellungen der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Bildungsangebote in der Region

Mehr als die Hälfte aller aufgefundenen Stasi-Unterlagen lagert in den Archiven der zwölf Außenstellen der Stasi-Unterlagen-Behörde. In den Außenstellen stehen Bildungsorte ganz unterschiedlicher Art zur Verfügung, von Informations- und Dokumentationszentren über dauerhafte Ausstellungen bis hin zu den Gedenkorten in Frankfurt (Oder) und Rostock. Informations- und Dokumentationszentren befinden sich in Berlin, Dresden, Erfurt, Halle und Frankfurt (Oder).

So stellen die Außenstellen des BStU in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg mit dem Internetprojekt „Zivilcourage im Norden“ eine Anzahl Akten zur Verfügung, die Verweigerungen belegen, und würdigen damit Frauen und Männer, die „Nein“ gesagt oder gegen Ungerechtigkeiten protestiert haben.

„Quellen für die Schule“

Für den Unterricht und für Projekttage stehen Printmaterialien, Audio- und Videoangebote sowie Downloads zur Verfügung. Das Spektrum reicht von Lehrerhandreichungen mit Vorschlägen für die Unterrichtspraxis über Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler bis zu einem Unterrichtsfilm. Ein besonderes Angebot stellen die „Quellen für die Schule“ dar.

In der aktuellen Broschüre aus der Reihe „Quellen für die Schule“ steht die Stasi-Methode der „Zersetzung“ im Mittelpunkt. „Zersetzung“ war zunächst eine geheimdienstliche Arbeitsweise der Stasi im Ausland. Sie beinhaltete Maßnahmen wie Telefonterror, die Verbreitung von Gerüchten, die Zerstörung von Karrieren, Freundschaften und Beziehungen sowie brutalen Psychoterror. Seit den 1970er Jahren wurde mit der Methode der „Zersetzung“ verstärkt auf oppositionelle Aktivitäten im Inneren der DDR reagiert. Menschen sollten damit zermürbt werden. Ein Beispiel ist eine Gruppe Berliner Jugendlicher, die von 1984 bis 1987 unter dem Dach der evangelischen Kirche Theater spielte. Die Jugendlichen kritisierten in ihren Programmen verschiedene Missstände in der DDR. Daraufhin leitete die Stasi den Vorgang der „Zersetzung“ ein. Die Broschüre kann einschließlich der dazu gehörenden Arbeitsbögen kostenfrei erworben werden: bildung@bstu.bund.de.

Jugendopposition in der DDR

Material für Schule und Unterricht enthält auch das Online-Portal Jugendopposition.de, ein multimediales Internetangebot über die Auflehnung von Jugendlichen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR bis 1990. Kernstück des Multimedia-Projekts sind 24 Biografien junger Menschen, die aktiv gegen die politischen Verhältnisse in der DDR protestiert haben.

Zu allen Themen gibt es Video- und Audiosequenzen, Zeitzeugeninterviews, Texte, Fotos und Originaldokumente, sodass man sich anhand von verschiedenen Quellen ein eigenes Bild von den historischen Geschehnissen machen kann. Für den pädagogischen Einsatz werden außerdem ergänzende Unterrichtsmaterialien angeboten.

Die Zeitzeugeninterviews verdeutlichen unter anderem, welche Gründe die Jugendlichen für ihre oppositionelle Haltung hatten und welche Konsequenzen ihr Handeln zur Folge hatte. Unter ihnen sind bekannte Namen wie Roland Jahn, heute Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, die Musiker Bettina Wegner und Christian Kunert und weniger bekannte Frauen und Männer, die ihre Lebensgeschichten erzählen, wie Johanna Kalex  oder Doris Liebermann.

Jugendopposition.de entstand in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. Es ist 2005 wurde die Website mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Quellen:
BStU
Jugendopposition.de


 

 

 


 
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