Gymnasium Dresden-Bühlau: Ganztagsangebot mit LiSSi

Mit LiSSi hat das Gymnasium Dresden-Bühlau ein ausgefeiltes Konzept zur Förderung von Kompetenzen entwickelt. Nicht das einzige Erfolgsrezept des Gymnasiums mit Ganztagsangebot.

Team des Gymnasiums mit Schulleiterin Sylvia Sobieraj (3.v.r.) auf dem Ganztagsschulkongress 2017 in Berlin
Schulleiterin Sylvia Sobieraj (2.v.r.) auf dem Ganztagsschulkongress 2017 in Berlin© DKJS/Ganztägig lernen

Für Sylvia Sobieraj hat sich ihr Lebenstraum schon erfüllt. „Eine Schule zu gründen und aufzubauen, ist ein Traum.“ Und dazu einer, der sich in der Realität eines nunmehr seit zehn Jahren erfolgreich arbeitenden Gymnasiums niedergeschlagen hat. Das Gymnasium Dresden-Bühlau startete 2007 mit drei fünften Klassen, 85 Schülerinnen und Schülern, zwölf Lehrerinnen und Lehrern. Heute lernen hier 1.250 Schülerinnen und Schüler, die Schule ist sechszügig, und gut 100 Lehrkräfte arbeiten im Team.

„Der Standort ist von der Stadt Dresden aber auch klug ausgewählt worden. Hier gibt es ein großes Einzugsgebiet“, erzählt die Schulleiterin, die vom ersten Tag an dabei ist. „Damals herrschte ein riesiger Pioniergeist, es war eine tolle Zeit“, erinnert sich Sylvia Sobieraj. Die nach und nach hinzukommenden jungen Kolleginnen und Kollegen sorgten dann für eine „unheimliche Dynamik“ – auch abseits des Schulgebäudes. „40 Kinder sind im Kollegium in den letzten zehn Jahren geboren worden“, erzählt die Schulleiterin mit einem Schmunzeln.

Masterclass Physik: Teilchenpoker © Gymnasium Dresden-Bühlau

Die zwölf „Gründungsmitglieder“ sind alle noch an der Schule – auch ein Zeichen, wie wohl sich Kolleginnen und Kollegen hier fühlen. Von Beginn an waren Eltern, Schülerinnen und Schüler in die Entscheidungsprozesse involviert. Und von Anfang an hielt die Schulleitung alles in Konzepten fest. Diese wurden schließlich im 2016 verabschiedeten Schulprogramm gebündelt. Das steht unter dem Motto „gestalte deine bildung“. Die Initialen „gdb“ stehen zugleich für „Gymnasium Dresden-Bühlau“.

Baustein der Persönlichkeitsentwicklung

Theateraufführung des Gymnasiums Dresden-Bühlau
Theaterpädagogik bereichert das künstlerische Profil © Gymnasium Dresden-Bühlau

„Die Gesellschaft hat sich verändert. Und das spiegelt sich auch in der Schule. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben in einer sich rasch entwickelnden Gesellschaft vorbereiten“, erläutert die Schulleiterin. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Altherkömmliche nicht mehr reicht. Es braucht heute eine Vielfalt von Lehr- und Lernformen, und wir müssen Gymnasiasten heute mehr abfordern. Es reicht auch nicht, sie mit Wissen vollzustopfen, sondern das soziale Engagement spielt genauso eine Rolle. Wir gestalten unsere Schule als offenen Lern- und Lebensraum. Und wir begleiten junge Menschen auf ihrem Weg zu einer gereiften und selbstbestimmten Persönlichkeit, zu demokratisch denkenden Menschen, was ich gerade hier in Sachsen wichtig finde.“

Rhythmisierung im gdb © Gymnasium Dresden-Bühlau

Von Anfang an gehörte das Ganztagsangebot dazu, das Sylvia Sobieraj als einen Baustein für die Persönlichkeitsentwicklung ansieht. Die Schule könne außerschulische Expertinnen und Experten hineinholen, beispielsweise Theaterpädagogen, die das künstlerische Profil des Gymnasiums bereichern, oder das Deutsche Rote Kreuz als Kooperationspartner für den Schulsanitätsdienst.

„Wir hatten 2007 Glück, dass wir dank der Mittel aus dem IZBB-Programm ein Haus für die Ganztagsangebote erhalten haben“, erinnert sich die Schulleiterin. „Dort gibt es vier Räume: einen vom Schulclub genutzten „Chill-Raum“ mit kleiner Küche und Computerarbeitsplätzen, einen Requisitenraum mit Nähmaschine und einen Kursraum für Unterricht, der als Multifunktionsraum nutzbar ist und in dem auch ein Klavier steht.“

Ganztagsangebot nicht als „Anhängsel“

Für Sylvia Sobieraj soll der Ganztag nicht nur „Anhängsel“ des Vormittagsunterrichts sein. Dass in Sachsen die Ganztagsangebote mit diesem Schuljahr in das Schulgesetz aufgenommen wurden, freut sie: „Das gibt Rechtssicherheit.“ Die an allen Tagen der Woche bis 17.15 Uhr stattfindenden Arbeitsgemeinschaften sind am Gymnasium Dresden-Bühlau den Kernbereichen schulischer Bildung zugeordnet, darunter Spitzenförderung Mathematik oder „Schachabenteuer“, um mathematisches und räumliches Sehen zu fördern, Chor, Schulorchester, Bühnenkunst, Fotodesign oder auch „Naturschutz auf der Streuobstwiese“. Die Ganztagsangebote decken den musisch-künstlerischen, den sprachlichen, den gesellschaftswissenschaftlichen und den sportlichen Bereich ab.

Theateraufführung des Gymnasiums Dresden-Bühlau
Theatertraining: Körper als kompositorisches Element © Gymnasium Dresden-Bühlau

Manche Ansätze seien, so die Schulleiterin, überhaupt nur im Ganztag zu entwickeln. Eine Besonderheit des Gymnasiums ist beispielsweise LiSSi: „Lernen lernen – individuell – Stärken stärken – Schwächen schwächen – im Team“. Das Förderkonzept stellt die Kompetenzentwicklung und die individuelle Förderung in den Mittelpunkt. Es ist fest im Stundenplan verankert, montags für die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen, donnerstags für die 6. Klassen. LiSSi wurde im Gymnasium Bühlau selbst entwickelt.

Mit Leben gefüllt wird LiSSi in zwei Modulen: Das erste, das von den jeweiligen Klassenlehrerinnen und -lehrern betreut wird, beinhaltet die fachübergreifende Kompetenzentwicklung. Es geht um Lernkompetenz – „Wie lerne ich für Tests und Klassenarbeiten?“ –, um Selbstkompetenz – „Welche Stärken und Schwächen habe ich, und welche Ziele stecke ich mir?“ –, schließlich um Sozialkompetenz: „Welche Gruppenregeln haben wir?“ Die Schülerinnen und Schüler lernen, eigenverantwortlich ihre Arbeitsprozesse zu organisieren und fachspezifisch an Stärken und Schwächen zu arbeiten.

Vielfältige Lernformen sind A und O

Der LiSSi-Planet © Gymnasium Dresden-Bühlau

Das zweite Modul ist die LiSSi-Lernzeit. Hier geht es um die Entwicklung fachspezifischer Kompetenzen, werden Unterrichtsinhalte vor- und nachbereitet, Hausaufgaben gemacht, Wettbewerbe vorbereitet oder zuvor besprochene Inhalte erarbeitet. Begleitet wird die klassenübergreifend organisierte Lernzeit von mehreren Fachlehrkräften und zwei Kolleginnen aus dem Ganztag.

Während der Lernzeit dominieren offene Unterrichtsformen wie Freiarbeit oder Stationenlernen, Partner- oder Gruppenarbeit. Die Umsetzung der LiSSi-Module wird durch einen Lernpass unterstützt. Dieser ist in einen „Schülerplaner“ integriert, der ebenfalls vom Gymnasium selbst entwickelt wurde, einmal für die Jahrgangsstufen 5 bis 7 und einmal für die Jahrgangsstufen 8 bis 12. Die Schülerinnen und Schüler protokollieren damit ihre Lernfortschritte. Darüber hinaus bietet die LiSSi-Lernzeit Raum und Zeit, Talente und Neigungen zu fördern.

Chor des Gymnasiums Dresden-Bühlau
Chöre, Orchester und Schulband gehören zum Ganztagsangebot. © Gymnasium Dresden-Bühlau

„Ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Umsetzung war die Verschriftlichung des Konzepts“, berichtet Sylvia Sobieraj. „Alle Kolleginnen und Kollegen kennen die Inhalte, Anforderungen und Verbindlichkeit des Konzepts genau. Die Handreichung enthält Themen und Techniken für den LiSSi-Unterricht, deren Zuordnung nach Klassenstufen sowie extra für LiSSi entwickelte Methodenblätter.“

Sylvia Sobieraj wünscht sich auch im Unterricht eine Vielfalt von Lehr- und Lernformen. Dass inzwischen hauptsächlich im Blockunterricht von 90 Minuten und in Quartalen, in denen einstündige Fächer gebündelt unterrichtet werden, gelehrt und gelernt wird, erleichtert diese Vielfalt. „Wann ich wie welche Lernform einsetze, ist das A und O“, so die Schulleiterin. Bedauerlich ist für sie, dass das Projektlernen bei nicht wenigen Eltern noch einen schweren Stand hat. „Manche sehen noch nicht, was in diese Projekte investiert wird und was sie anstoßen.“

Umso mehr habe sie sich gefreut, als an einem pädagogischen Tag zum zehnten Schuljubiläum Eltern, Schülerinnen und Schüler, Kollegium und Schulleitung in den Austausch kamen, um das Erreichte kritisch zu hinterfragen und Anregungen zu geben, und die Schülerinnen und Schüler selbst das offene Lernen propagierten.

„Wer keinen Zielhafen hat, dem weht jeder Wind aus der falschen Richtung“

Eines der modernsten Schulgebäude Dresdens © Gymnasium Dresden-Bühlau

Die Schulentwicklung betreibt Silvia Sobieraj natürlich nicht alleine. Sie sieht ihre Aufgabe eher darin, Denkanstöße ins Kollegium hereinzugeben, in welche Richtung das Gymnasium Dresden-Bühlau sich weiterentwickeln soll. Die Denkanstöße kommen jedoch aus der Erweiterten Schulleitung, einem Team, zu dem der stellvertretende Schulleiter Ronald Noack, die Oberstufenberater Sibylle Stöcker und Bernhard Steinbrecher sowie die Fachleiterinnen und -leiter Sabine Stelzner, Jana Berthold, Kathrin Furmanek und Manfred Haupt gehören, und aus den Fachkonferenzen.

Die Schulleitung formuliert die Schuljahresziele und orientiert sich dabei an den Aufgabenstellungen der Fachkonferenzen, die in einem Schulleitungsbrief den Eltern übermittelt werden. Jedes Jahr gibt es dafür ein Motto prominenter Mottogeber, wie im letzten Jahr des Schriftstellers Ernest Hemingway – „Niemand weiß, was in einem drinsteckt, solange er nicht versucht hat, es herauszuholen“ – oder in diesem Jahr des Malers Francis Bacon: „Wer keinen Zielhafen hat, dem weht jeder Wind aus der falschen Richtung.“

Kinder
Sturmerprobt auf der Studienfahrt Sylt© Gymnasium Dresden-Bühlau

Für das aktuelle Schuljahr lautet die Zielvorgabe: „Moderne Schule – Moderner Unterricht“. Die ist unterfüttert durch kurz- und langfristige, fächerspezifische und fachübergreifende Ziele und die dazugehörigen Maßnahmen. Alle Ziele knüpfen an das Leitbild im Schulprogramm des Gymnasiums Dresden-Bühlau an.

Die Schülerinnen und Schüler haben aber noch einen ganz handfesten Wunsch für das Schuljahr: Sie wünschen sich Sitzgelegenheiten für das Foyer, um dort neben dem Schulkiosk einen Treffpunkt zu haben. „Da sind wir dran“, versichert Sylvia Sobieraj.

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