"Ganztagsschulen sind wichtiger geworden"

Interview mit Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, für das Ganztagsschulportal www.ganztaegig-lernen.de der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Online-Redaktion: Der vierte Ganztagsschulkongress 2007 stand unter dem Motto "Ganztagsschulen werden mehr. Bildung lokal verantworten". Welche Eindrücke haben Sie vom Kongress mitgenommen?

Rundgang durch den 4. Ganztagsschulkongress

Schavan: Der Kongress hat auf eindrucksvolle Weise das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, von Schulleitungen sowie von bildungspolitisch Verantwortlichen gezeigt. Mit seinem diesjährigen Thema hat er auch die Leistungen der Kommunen gewürdigt. Der Kongress hat sicherlich sehr motivierend gewirkt, um die Aufgaben vor Ort mit neuen Ideen anzugehen.

Online-Redaktion: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Ganztagsschulen der vergangenen Jahre ein?

Schavan: Mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) unterstützt der Bund eine Entwicklung, die in den Ländern gestartet wurde. Durch den bedarfsgerechten Ausbau von Ganztagsschulen wird - dem internationalen Vorbild folgend - eine wichtige Voraussetzung für die notwendige Verbesserung der Bildung in Deutschland geschaffen. Ganztagsschulen sind in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Rund 6.400 Schulen profitieren bislang bundesweit von den Fördermitteln des Bundes. Damit wird inzwischen jede sechste allgemein bildende Schule in Deutschland als Ganztagsschule ausgebaut. Wir sind also auf einem guten Weg zu einem bedarfsgerechten Ganztagsangebot, das ja auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen soll. Die Bundesregierung stellt hierfür insgesamt vier Milliarden Euro bereit.

Online-Redaktion: Im Frühjahr 2007 sind erste Ergebnisse der vom BMBF geförderten "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen - StEG" veröffentlicht worden. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse?

Rundgang durch den 4. Ganztagsschulkongress

Schavan: Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt sicherlich, dass sich Ganztagsangebote und Erziehung in der Familie bereichern können. Ganztagsschulen wirken sich positiv auf die Work-Life-Balance von Familien, auf das Familienklima und auf die Familienzeit aus. Auch dass Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Umfeldern von Ganztagsangeboten profitieren, ist ein erfreuliches Ergebnis. Ein wichtiger Befund ist außerdem, dass Ganztagsschulen viele neue Chancen für außerschulische Partner eröffnen, zum Beispiel für Sportvereine und Träger kultureller Bildung, aber auch für ehrenamtliches Engagement.

Die Studie zeigt, dass es ganz wesentlich von der einzelnen Schule abhängt, wie das Ganztagsangebot wahrgenommen und angenommen wird - von der Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehungen ebenso wie von der gelingenden Kooperation mit Partnern vor Ort.

Online-Redaktion: Sie haben viele Jahre als Kultusministerin selbst Schulpolitik verantwortet. Wo müssen aus Ihrer Sicht zukünftig Schwerpunkte in der Arbeit von Ganztagsschulen gesetzt werden und welche Unterstützung kann der Bund hier geben?

Schavan: Es reicht nicht, den Schultag einfach zu verlängern oder nur Betreuung anzubieten. Die Angebote müssen überzeugen, und sie müssen Lernen und Leistung stärken, vor allem durch mehr individuelle Förderung. Hier ist in den nächsten Jahren noch viel zu tun.

Das BMBF fördert gemeinsam mit den Ländern das Begleitprogramm "Ideen für mehr! Ganztägig lernen" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Die regionalen Serviceagenturen in den Ländern zeigen mögliche Perspektiven, wie Ganztagsschulen effektiv durch Beratung, Fortbildung und Vernetzung der beteiligten Partner unterstützt werden können. Der Bund wird das Begleitprogramm im Rahmen der Laufzeit des IZBB bis 2009 fördern. Ich würde mir wünschen, dass die regionalen Serviceagenturen bis dahin so tragfähig geworden sind, dass die Länder die Impulse weiterentwickeln.

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