KGS Fußfallstraße: Gleise des Ganztags zusammengeführt

Vieles lief an der KGS Fußfallstraße in Köln-Merheim auch schon vor drei Jahren gut. Doch Schule und Ganztag wirkten wie parallele Gleise. Das hat sich geändert. Die Zusammenarbeit der multiprofessionellen Teams wurde optimiert.

© KGS Fußfallstraße/B. Muer

Kommunikation und Transparenz prägen die Katholische Grundschule Fußfallstraße in Köln-Merheim. Das spürt der Gast, sobald er das Schulgebäude betritt und sich den Räumen der Schulleitung nähert. An den Türen zum Sekretariat und zum Büro von Schulleiterin Uta Will hängen Zettel. Inhalt: Aufenthaltsort und Erreichbarkeit. Eine einfache Wäscheklammer markiert den aktuellen Status: Uta Will ist anwesend und ansprechbar.

Zu erzählen hat sie die Geschichte einer Annährung. Zwei Gleise liefen bis vor drei Jahren gut, aber parallel: der Vormittagsunterricht, die Schule auf dem einen Gleis, der Offene Ganztag auf Gleis zwei. Uta Will identifizierte als frischgebackene Leiterin die unterschiedlichen Fahrpläne schnell. Schließlich kam sie von der Bornheimer Verbundschule, einer Schule mit den Förderschwerpunkten Sprache und Lernen, in der die Verzahnung von Schule und Ganztag bereits selbstverständlich war. „Der Offene Ganztag lief gut, die Schule ebenfalls. Was fehlte, waren das gemeinsame Band, die gemeinsame Strategie und Ausrichtung“, erinnert sie sich.

Kollegium
Kollegium© KGS Fußfallstraße/B. Muer

Noch bevor sie offiziell ihren Dienst in Merheim antrat, sammelte sie Eindrücke aus den Parallelwelten. Und stellte voll Freude fest: Handlungsbedarf sahen beide Seiten. „Immer wieder hörte ich: Wir sind nicht mehr so kindgerecht, die Kinder und ihre Bedürfnisse haben sich verändert, eigentlich könnten wir gemeinsam doch viel mehr erreichen“, sagt sie heute und fügt hinzu, welche Frage sie an die Akteure richtete: „Sollten wir uns einmal auf den Weg machen, Schule und Ganztag zusammenzuführen?“ Die Antwort: „Ja!“

Kommunikation und Transparenz


Die Herausforderungen, der sich Schule und Offene Ganztagsschule (OGTS) gegenübersahen und sehen, stiegen im Sommer 2014 durch den Beschluss der Stadt Köln, die Katholische Grundschule Fußfallstraße zur Schule des gemeinsamen Lernens zu ernennen, weiter an. Und damit auch der Bedarf, sich intensiv mit jedem einzelnen Grundschulkind zu beschäftigen, es zu fördern und zu fordern. 16 der aktuell 420 Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf auf.

© KGS Fußfallstraße

„Es ist doch naheliegend, dass man sich in einer veränderten Gesellschaft und mit einer sich wandelnden, heterogenen Schülerschaft stärker austauschen muss“, betont Uta Will. Wie erleben die unterschiedlichen Professionen ein Kind? Wie verhält es sich im Unterricht? Wie in der AG oder Lernzeit? Wie kommt es aus dem Unterricht in die OGTS? Aus den Gesprächen ergibt sich ein Bild, das das gemeinsame pädagogische Handeln prägt. Der Weg dorthin erforderte intensive Arbeit.

Vorrangiges Ziel der vergangenen drei Jahre war es daher, die strukturellen und organisatorischen Bedingungen sowie die Lernkultur so zu verändern, dass eine individuelle Förderung auch im OGTS-Bereich für alle Schülerinnen und Schüler möglich wird. Und zwar nicht nur für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, sondern für alle, bis hin zu besonders Begabten.

Einen verbindlichen Leitfaden erarbeitet

Eine Planungsgruppe, bestehend aus einem Mitglied des OGTS-Trägers, OGTS-Mitarbeiterinnen und -leitung, Lehrerinnen sowie des Schulleitungsteams, klärte grundlegende organisatorischen Fragen:

Schulgarten
© KGS Fußfallstraße/B. Muer
Wie können Räumlichkeiten genutzt werden? Brauchen wir andere Zeitmodelle? Inhaltlich gelang schnell die Weiterentwicklung eines breiten Angebots für Lerngelegenheiten. Einen wesentlichen Kernpunkt bilden die neuen Lernzeiten, die für die Kinder, die die OGTS nutzen, die Hausaufgaben ersetzen.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Lehrerinnen und Lehrer sind in erster Linie die Ansprechpartner für fachliche Fragen. Die dem Tandem zugehörige OGTS-Kraft kümmert sich verstärkt um die Organisation der Lernzeit, beaufsichtigt den Ablauf, „darf“ aber natürlich auch inhaltliche Fragen beantworten. Wo erforderlich, ergänzt eine Sonderpädagogin das Duo. Uta Will: „Die Kinder sollen spüren, jeder im Team trägt hier Verantwortung.“

Live-Dia-Vortrag für über 200 Kinder der Stufen 2, 3 und 4.© KGS Fußfallstraße/B. Muer

Ein Jahr währte diese Startphase. Doch was nahezu alle Beteiligten spürten, wurde zu Beginn des vergangenen Schuljahres auch ausgesprochen: Die Zeit für den Austausch zwischen Kollegium und OGTS-Team wurde als unzureichend eingestuft. Beraten und beschlossen wurde ein pädagogischer Tag unter dem Motto „Boxenstopp – Austausch – Zwischenbilanz“. Drei Schwerpunktthemen prägten ihn: „Gestaltung der gemeinsamen Lernzeiten“, „Rückmeldungen zu den Schülerleistungen“ sowie „gemeinsame Gesprächszeiten“.

Rückmeldungen, Rückmeldungen, Rückmeldungen

Nach intensivem Gedankenaustausch stand fest: „Wir benötigen für alle drei Punkte einen verbindlichen Leitfaden.“ Dieser wurde in den folgenden Wochen und Monaten von einer neu konzipierten Arbeitsgruppe erarbeitet. Jeden einzelnen Aspekt darzustellen, würde den Rahmen jeder Berichterstattung sprengen. So fällt der Blick einerseits auf die Lernzeit und andererseits auf den Austausch im multiprofessionellen Team. Beides wurde im gemeinsamen Leitfaden definiert. Beispiel 1: Zu Beginn des Schuljahres verständigen sich Klassenlehrerin und OGTS-Mitarbeiterin darüber, welche Materialien von den OGTS-Kindern genutzt werden dürfen.

© KGS Fußfallstraße/Raderschatt

Beispiel 2: Die Lehrerinnen entwickeln für ihre Schülerinnen und Schüler Wochenpläne, die im Zeitfenster der Lernzeiten optimal erfüllt werden können. Rückmeldungen, ob dies gelang, erhalten sie von den in der Lernzeit eingesetzten Kräften. Beispiel 3:  Zu Beginn des Schuljahres erhalten alle in der Schule Beschäftigten Informationen über den Einsatz der Sonderpädagoginnen und SozialarbeiterInnen während der Lernzeit. Sie informieren diese gegebenenfalls über den individuellen Förderbedarf ihrer Schülerinnen und Schüler.

Die Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf oder individuellem Förderbedarf findet temporär – das heißt: nur, wenn erforderlich – in einem Extraraum statt. Dafür gibt es eine Liste der freien Räume. Die Liste der konkreten Absprachen zwischen den Professionen ist lang. „So weiß ein jeder um seine Aufgabe“, betont die Schulleiterin. Ihr Credo: Rückmeldungen, Rückmeldungen, Rückmeldungen. Nur wenn diese konsequent, regelmäßig und offen erfolgten, sei eine optimale Förderung der Kinder möglich.

Schulfest
Schulfest 2017© KGS Fußfallstraße/Schöckel

„Aber“, so fügt Uta Will hinzu, „diese Rückmeldungen benötigen die unterschiedlichen Professionen auch untereinander. Unterschiedliche Vorstellungen von der Gestaltung der Räume, von didaktischen Methoden, von Ordnung, Disziplin oder von Arbeitszeit, auch durch die eigene Ausbildung bedingte Unterschiede erfordern die Kommunikation. „Nur dadurch kann ich nachvollziehen, warum eine Kollegin oder ein Kollege so und nicht anders denkt und handelt.“

Die „unterschiedlichen Brillen“ sind wichtig

Die Schulleiterin räumt ein, dass Missverständnisse oder auch zu wenig Wissen über die jeweils andere Profession zeitweise Widerstände auslösten. Sie konnten durch die verbindliche Festlegung auf den Leitfaden überwunden werden. „Entscheidend aber dürfte sein, dass sich alle ernst genommen, gehört, wertgeschätzt fühlen können, mit ihren Interessen und ihrer Fachlichkeit, mit ihren Vorstellungen und Wünsche “, ist Uta Will überzeugt.

© KGS Fußfallstraße

Dieses gegenseitige Verständnis ermöglicht den Handelnden, mit unterschiedlichen Brillen auf ihre Kinder zu blicken. Klärende Aspekte finden Niederschlag in den Tagesordnungen der Lehrerkonferenzen, an denen die OGTS-Leitung regelmäßig teilnimmt. Die OGTS-Mitarbeiterinnen wissen mitunter von bislang unerkannten Fähigkeiten eines Kindes zu berichten, das sie in einer AG, im freien Spiel oder einem der Themenräume (z. B. Bauen, Künstlerisch gestalten, Theater, Bewegung) erlebt haben.

Um diesen förderlichen Austausch weiter zu intensivieren, hegt Uta Will einen dringenden Wunsch. Sie hofft darauf, dass der Träger der OGTS sich bereit erklärt, die Stundenzahl seiner Angestellten zu erhöhen. Dann nämlich könnten OGTS-Mitarbeiterinnen an der letzten Unterrichtsstunde teilnehmen und so einen noch tieferen persönlichen Eindruck von den Kindern in ihre Arbeit mitnehmen. In den vergangenen drei Jahren stieg die Zahl der Kinder im Offenen Ganztag von 175 auf 250. Nicht gerade ein Zeichen unzufriedener Eltern und Kinder. Offensichtlich sagt ihnen die neue Weichenstellung in der KGS Fußfallstraße zu.

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