Ganztagsschule mit Tiefgang: Schrenzerschule Butzbach

Die AG Tauchen ist ein Hit an der Schrenzerschule Butzbach, auch im notorisch „ganztagsfaulen“ Jahrgang 8 – und Teil umfangreicher Förderung bis zum Abschluss. Dazu gehört auch eine umfassende Berufsorientierung.

© Schrenzerschule Butzbach

Auf den Anfang kommt es an. Wenn die Schulleitung der Schrenzerschule, eine Integrierte Gesamtschule im Wetteraukreis (Hessen), in dieser Woche im August die Fünftklässler willkommen heißt, wird Achim Schwarz-Tuchscherer auch die „Schrenzer-Expedition“ erwähnen, denn diese richtet sich direkt an die Neuankömmlinge. „Die Schrenzer-Expedition ist ein Rahmen zum gegenseitigen Kennenlernen, für die Bildung einer guten Klassengemeinschaft und zur Stärkung des Selbstwertgefühls, damit die 5. Klassen gut zusammenwachsen“, erläutert der Schulleiter.

In einer Doppelstunde pro Woche sind zwei Lehrkräfte zusammen in den 5. Klassen, um mit den Schülerinnen und Schülern Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Interaktionsspiele und erlebnispädagogische Angebote wie Ausflüge durchzuführen. „Es geht um Teambildung und Teamtraining. Die Schülerinnen und Schüler können hier ihre Stärken wahrnehmen, soziale Kompetenzen entwickeln, Selbstvertrauen aufbauen und sich in die Gruppe integrieren“, beschreibt es Jahrgangsstufenleiterin Karin Balasch.

Schrenzerschule Butzbach Schüler
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Richtig Ohren dürften die neuen Schülerinnen und Schüler dann aber machen, wenn ihr neuer Schulleiter das umfangreiche AG-Angebot erwähnt. Rund 25 Angebote können in der offenen Ganztagsschule an allen fünf Wochentagen in der Zeit von 13.45 bis 15.15 Uhr wahrgenommen werden. Zum Beispiel der Schulgarten. Auf allen Grünflächen rund um das Schulgebäude säen, jäten und ernten die Schülerinnen und Schüler regelmäßig Kräuter und Gemüsepflanzen.

Tauchsportverein Delphin begeistert Jugendliche

In der Sporthalle wartet die Kletterwand auf die Schülerinnen und Schüler, die in der Kletter-AG Sicherungstechniken, Material- und Knotenkunde erlernen wollen, um dann selbst in die Höhe zu steigen oder aber ihre Mitschülerinnen und Mitschüler abzusichern. Im „Klasse Klima“-Projekt „Energiedetektive“ sammeln die Schülerinnen und Schüler unter anderem nicht mehr gebrauchte Handys, die sie zu einem Recycling-Betrieb schicken. Der zahlt bis zu 1 Euro pro Handy. Die Summe steckt die Schule in energiesparende Maßnahmen und in die Bildung für nachhaltige Entwicklung.

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Aber der Höhepunkt ist und bleibt die AG Tauchen, und Fünftklässler werden sich vermutlich wünschen, dass sie schon drei Jahre älter wären. Denn die AG Tauchen ist den Klassen 8 bis 10 vorbehalten und hat laut Schwarz-Tuchscherer dazu geführt, dass selbst im notorisch „ganztagsfaulen“ Jahrgang 8 die Anmeldungen wieder gestiegen sind. Dank einer Kooperation mit dem Tauchsportverein Delphin können zwölf Schülerinnen und Schüler mit richtiger Tauchausrüstung im Sprungbecken des Hallenbades abtauchen. Bevor es so weit ist, lernen die Jugendlichen alles, was sie wissen müssen, über Tauchphysik, Tauchmedizin, Tauchen und Umwelt und die Ausrüstung, und absolvieren dann einen Theorietest.

„Begeisterung und Freude, man sieht es an den Gesichtern“, ist Lehrer und AG-Leiter Holger Müller angetan. „Die Tauchausbilder sind wahnsinnig engagiert, und es macht ihnen selbst ungeheuren Spaß, mit den Kids zu arbeiten.“ Der Spaß hört da nicht auf – inzwischen arbeiten zwei Schüler im Delphin-Vereinsvorstand mit.

Schulsozialarbeit neben dem Lehrerzimmer - nur bedingt eine gute Idee...

Solche Impulse wären ohne die Ganztagsschule nicht möglich. Von den rund 540 Schülerinnen und Schülern sind 250 im Ganztag angemeldet. 45 Lehrkräfte arbeiten hier zusammen mit zwei Schulsozialarbeitern. Neben den Arbeitsgemeinschaften gehören zu den Eckpfeilern des Ganztags die Frühbetreuung von 7.30 bis 8.30 Uhr, das Mittagessen in der neuen Mensa, das Lesen und Lernen in der Bibliothek mit deren 4.000 Büchern und die Hausaufgabenhilfe. „Viele der Ganztagsmittel stecken wir in die AGs, die Betreuung und die Schulsozialarbeit. In der Bibliothek sitzt jeden Tag eine Mitarbeiterin von 7.30 bis 16.00 Uhr“, so Schwarz-Tuchscherer.

AG Klettern
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Dass gleich zwei Schulsozialarbeiterstellen finanziert werden können, ist auch dem Wetteraukreis und der Stadt Butzbach zu verdanken, die an allen weiterführenden Schulen der Stadt die Schulsozialarbeit mit je einer viertel Stelle bezuschusst. „Die Stadt hatte festgestellt, dass die offene Jugendarbeit nicht so an die Kinder herankam wie erhofft“, berichtet Achim Schwarz-Tuscherer, „und die Schulsozialarbeit als notwendig erkannt. Diese ist jetzt ein wichtiger Baustein unserer Schule.“

Auch innerhalb des Schulgeländes ist der Standort der Schulsozialarbeit entscheidend für deren Akzeptanz gewesen, wie sich Karin Balasch erinnert. „Die Schulsozialarbeiter waren zuerst mit ihrem Büro im Flur neben dem Lehrerzimmer untergebracht. Da war die Hemmschwelle zu groß, die Schülerinnen und Schüler sind ausgeblieben. Als dann die alte Hausmeisterwohnung frei wurde, ließ die Schulleitung diese umbauen, um dort die Schulsozialarbeit unterzubringen.“

Präventionstag Alkohol und Drogen im Straßenverkehr© Schrenzerschule Butzbach

Diese Entscheidung war goldrichtig: Im ansprechend gestalteten und eingerichteten „Sozialhäuschen“ stieg die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die sich dort beraten lassen, deutlich an. „Die Schulsozialarbeiterin und der Schulsozialarbeiter kommen in den Pausen auch ins Lehrerzimmer, der ständige Austausch ist gewährleistet“, berichtet der Schulleiter. „Außerdem treffen Frau Balasch und ich uns einmal die Woche mit ihnen und den Förderlehrkräften des Beratungs- und Förderzentrums zum Austausch.“

Der Wetteraukreis ist seit 2014 Modellregion „Inklusive Bildung“, sodass an der Schrenzerschule auch viele Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf lernen. Die Lehrkräfte des regionalen Beratungs- und Förderzentrums (rBFZ) helfen zum Beispiel bei Sprach- und Lernstandsdiagnosen, fördern Schülerinnen und Schüler einzeln oder in Gruppen oder führen Gespräche mit Eltern, Lehrkräften und Institutionen der Jugendhilfe. „Wir sind auf einem sehr guten Weg der Zusammenarbeit. Das erfordert sehr viel Kooperation, Koordination und Binnendifferenzierung. Wir finden allerdings, dass die rBFZ-Stunden noch nicht ausreichend sind“, meint Schwarz-Tuchscherer.

IlaS – Individuelles Lernen am Schrenzer

Individuelle Förderung gewährleistet die Schrenzerschule durch Förderangebote in den Hauptfächern, Wahlpflichtfächer ab der 7. Klasse und „ILAS – Individuelles Lernen am Schrenzer“, das in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 mit zwei Wochenstunden stattfindet. „Es geht hier darum, das Lernen zu lernen“, so Karin Balasch. „Früher hatten wir zwei Methodentage pro Halbjahr, aber das erschien uns als zu inselhaft. Jetzt bekommen die Schülerinnen und Schüler permanent Methoden an die Hand, selbstständig zu lernen und in Teams zu arbeiten. Und sie erwerben Medienkompetenz.“

Besuch der 8b im Opelwerk Rüsselsheim© Schrenzerschule Butzbach

Auf den Anfang kommt es an, aber natürlich auch auf das Ende – beziehungsweise den Übergang. Die Ganztagsgesamtschule bietet ab der 7. Klasse berufsorientierten Unterricht. Im Wahlpflichtunterricht mit zwei, ab der 9. Klasse mit vier Wochenstunden sind praktische Arbeiten in den Bereichen Holztechnik, Informatik, Schülerfirma, Kunst und Gestaltung sowie Darstellendes Spiel integriert. Die Schülerinnen und Schüler werden auch von Berufsschullehrern unterrichtet und arbeiten in Werkstätten. Ein Schuljahr lang belegen sie in einem Trimester Kurse für Umwelttechnik, Medientechnik, Solartechnik, Metall und Elektronik.

Dazu kommen ein halbjährliches Sozialpraktikum, Betriebserkundungen, Schnuppertage und individuelle Beratungen. Die Schulsozialarbeit unterstützt die Jugendlichen ebenfalls beim Übergang in den Beruf. Diese ganzen Maßnahmen fruchten: „Wir haben nur eine kleine Quote von Schülerinnen und Schülern, die den Abschluss nicht schaffen“, stellt Achim Schwarz-Tuchscherer fest.

Sport
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Der Anfang ist wichtig, das Ende – und alles, was dazwischenliegt: „Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind sehr engagiert, weil ihnen die Schülerinnen und Schüler wichtig sind“, findet der Schulleiter. „Diese Grundhaltung spielt eine große Rolle.“

Im neuen Schuljahr bekommt die Schrenzerschule einen W-LAN-Anschluss und Notebook-Koffer zur Stärkung des individuellen Lernens sowie einen neuen Schulhof mit Atrium, Bolzplatz und Ruhezone. Das Schulhofkonzept haben Eltern, Schülerinnen und Schüler mitentwickelt. „Ich glaube nicht, dass hier so viel investiert würde, wenn wir nicht so gut wären“, resümiert Achim Schwarz-Tuchscherer mit einem Augenzwinkern.

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