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Regionale Schule Göhren: Sommergruß vom Strandkasperle

Strandkasperle, Junior Ranger und Saftladen – das Ganztagsangebot der Regionalen Schule "Tom Beyer" in Göhren auf Rügen, einer teilgebundenen Ganztagsschule, kann sich sehen lassen.

© Regionale Schule Göhren

Da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Für das Kollegium der Regionalen Schule „Tom Beyer“ in Göhren auf Rügen fühlt sich das so an, gerade jetzt in den Sommerferien, wenn sich die Insel mit Touristen füllt und auch das sonst so beschauliche Ostseebad mit 1.300 Einwohnern in den Urlaubstrubel gerät. Nur 200 Meter sind es von der teilgebundenen Ganztagsschule zum Strand. Kein Wunder, dass da auch schon mal ein Surf-Kurs auf dem Stundenplan steht.

Als Kölner „Stadtkind“ hat es Jan Wellems, von Hause aus Gymnasiallehrer, auch aus diesem Grund vor zwei Jahren an die Regionale Schule mit den Jahrgangsstufen 5 bis 10 nach Göhren gezogen. „Ich wollte raus aus der Stadt, und mir gefällt hier die Gemütlichkeit im Grünen“, erzählt der der Englisch- und Geschichtslehrer, der inzwischen auch Mitglied der Schulentwicklungsgruppe und des Inklusionsstufenteams ist. Was auch bereits auf die weitere Motivation des Lehrers, etwas zur Schulentwicklung beizutragen, verweist. Ihn sprachen auch die „didaktische Ausrichtung“ und „der Ganztag“ der Schule an – ein Reiz, „der bis heute nicht nachgelassen hat“, wie der Pädagoge verrät.

Surfen
Surfunterricht am 200 Meter entfernten Strand© Regionale Schule Göhren

Für sein Engagement hat sich Jan Wellems auf jeden Fall spannende Zeiten ausgesucht, in denen in der Schulentwicklung viel in Bewegung ist. Die 1982 gegründete Schule ist seit dem Schuljahr 2003/2004 Ganztagsschule. Rund 130 Schülerinnen und Schüler lernen hier zusammen mit 13 Lehrkräften. Zum Schuljahr 2016/2017 ist die weitgehend einzügig geführte Schule von der offenen in die teilgebundene Form gewechselt. Alle Schülerinnen und Schüler nehmen seitdem an mindestens einem Angebot des Ganztagsunterrichts (GTU) teil. Dessen Stunden finden dienstags bis freitags von 14:05 bis 14:50 Uhr statt, einige liegen aber auch am Vormittag, um den Tag abwechslungsreicher zu rhythmisieren.

Mönchguter Strandkasperle, Flitzer Blitzer und Saftladen

Tischtennis-AG© Regionale Schule Göhren

Derzeit gibt es über ein Dutzend Ganztagsangebote, die von externen Partnern und von Lehrkräften angeboten werden, zum Beispiel Fußball, Tischtennis, Badminton, Holzbearbeitung, Computer Kids, Hauswirtschaft und ein Babysitter-Kurs des Deutschen Roten Kreuzes. Als Junior Ranger geht es mit einer GTU-AG ins Biosphärenreservat Südost Rügen, wo die Schülerinnen und Schüler mit den Rangern in der Natur unterwegs sind und praktischen Naturschutz leisten.

Eine Besonderheit sind die Schülerfirmen, die auch als Ganztagsangebote angeboten werden. Seit 2004 gibt es das „Mönchguter Strandkasperle“, das Puppentheater der Schule. Die Schülerinnen und Schüler haben Kulissen, Requisiten und Puppen, die auch Rügener Originale zeigen, selbst hergestellt. Sie schreiben die Drehbücher, die an Handlungsorten rund um Göhren auf der Halbinsel Mönchgut spielen. Zu öffentlichen Veranstaltungen, aber ebenso für private Feierlichkeiten wird die Schülerfirma gebucht.

Saftladen
Schülerfirma "Saftladen" produziert Apfelsaft© Regionale Schule Göhren

Neu an den Start gegangen ist vor einem Jahr der „Saftladen“. Die Schülerinnen und Schüler pflücken und sammeln Äpfel auf, die sonst vergammeln würden, und stellen einmal in der Woche mit Hilfe einer Presse mit Schreddereinheit und einer Pasteurisierungs- und Abfüllmaschine ihren naturtrüben Apfelsaft her, den sie an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler verkaufen. Auch hier besteht bereits das Interesse von Gastronomen und Privatpersonen. Auf der erneuten Auszeichnung als "Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule" im vergangenen Jahr in Neustrelitz schenkte der „Saftladen“ den Gästen seinen Apfelsaft aus.

Selbstorganisiertes Lernen stärkt Eigenverantwortung

Den Titel als eine von 35 Umweltschulen in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Regionale Schule auch durch ihr Grünes Klassenzimmer verdient, das rege für den Unterricht genutzt wird. Betreut wird es von einer Biologielehrerin. Seit ein paar Jahren veranstaltet die Schule auch den „Tag des Waldes“, bei der verschiedene Rallyes stattfinden und eine „Waldkönigin“ und ein „Waldkönig“ gekrönt werden.

Grünes Klassenzimmer© Regionale Schule Göhren

Der Titel als Umweltschule wurde der Regionalen Schule erstmals 2008 verliehen; neueren Datums ist das Engagement als eine von 21 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern im Modellvorhaben „Integrierte Berufsorientierung“, das im kommenden Schuljahr in die Erprobungsphase gehen wird. Die Modellschulen werden das Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik weiterentwickeln, Informatik und Medienkunde als eigenständiges Unterrichtsfach einführen sowie eine Potentialanalyse erstellen. Mit Hilfe dieser Maßnahmen sollen Jugendliche so gut auf ihren Weg nach der Schule vorbereitet werden, dass die Anzahl der Ausbildungs- und Studienabbrüche zurückgeht.

Selbstbestimmtes Lernen
© Regionale Schule Göhren

Bereits jetzt hofft die Schule, mit ihren in diesem Schuljahr eingeführten Methoden des Selbstorganisierten Lernens, die Schülerinnen und Schüler in ihrer „im Aufteilen von Verantwortung, in ihrer Eigenverantwortung und der Fähigkeit zur Präsentation“ zu stärken, wie Jan Wellems berichtet. In der 5. und 6. Jahrgangsstufe lernen die Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik mit Wochenplänen, die in drei Kompetenzstufen vorliegen, deren Schwierigkeitsgrade sich steigern. In der 7. Jahrgangsstufe arbeiten die Jugendlichen mit Wochenplänen, die sich über jeweils zwei Wochen erstrecken und bei denen weniger vorgegeben wird. Ab der achten Jahrgangsstufe stehen zwei Wochenstunden „Selbstorganisiertes Lernen“ auf dem Stundenplan, bei dem die Schülerinnen und Schüler fächerübergreifend über acht Wochen an einem Thema arbeiten. „Dieses muss mit einer gemeinschaftlichen Präsentation abgeschlossen werden, die genauso bewertet wird wie der Prozess“, erklärt Jan Wellems.

Ganztagsangebot wird ausgeweitet

Spielplatz auf dem Schulhof© Regionale Schule Göhren

Nach der Erprobungsphase im ersten Jahr zieht der Lehrer ein positives Fazit: „Wir hatten davor ein klassisches Lernzeitsystem, das nicht ganz so effektiv war. Jetzt wird das selbstorganisierte Lernen sehr gestärkt und bringt auf jeden Fall mehr als Hausaufgaben. Es besteht aber auch noch Potential nach oben in der Kommunikation der Schüler untereinander als auch in der Kommunikation mit den Lehrkräften. Der ganze Lernprozess muss noch transparenter werden: wo stehen wir gerade?“

In Mathematik und Englisch bietet die Regionale Schule für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in der Orientierungsstufe eine „Bestenförderung“ mit je einer zusätzlichen Wochenstunde Englisch und Mathematik an, um die Kinder für einen Wechsel zum Gymnasium zu unterstützen, das in Mecklenburg-Vorpommern erst mit der 7. Jahrgangsstufe beginnt.

Turnhalle
© Regionale Schule Göhren

Die Ganztagsangebote werden Jan Wellems zufolge von den Schülerinnen und Schülern „begeistert aufgenommen“, wie man ihren Erzählungen im Unterricht oft entnehmen könne. Im kommenden Schuljahr sollen die Angebote ausgeweitet werden. „Ich möchte demnächst eine Schülerzeitungs-AG und einen Englischen Filmclub anbieten“, nennt der Lehrer als Beispiel, bevor er sich in die wohlverdienten Ferien verabschiedet, für die er – dem Touristenstrom entgegen – die schöne Insel Rügen verlassen wird.

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