Schülerzeitung im Ganztag: Informieren und sensibilisieren

Neuen Herausforderungen für gute Presse stellen sich auch die „Sonnenberg-News“, „Globus“ und „Yellow Press“, die beim diesjährigen bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb ausgezeichnet wurden.

© Lisa Schucht

"Posten, teilen, tweeten, bloggen... - alles kein Problem?" war ein Workshop beim diesjährigen bundesweiten Schülerzeitungskongress überschrieben. Eine Frage, der sich auch Schülerzeitungen stellen. Ein weiteres Thema, das die Jugendpresse Deutschland als Bundesverband der Jugendpresse-Verbände, diesmal aufgreift: „Fake News“, Nachrichten ohne jeden Wahrheitsgehalt, die von unseriösen Verursachern inzwischen sogar in den politischen Diskurs gestreut werden. „Falschnachrichten verbreiten sich besonders im Internet, wenn sie ungeprüft geklickt und geteilt werden“, meint Martin Winter vom Vorstand der Jugendpresse. „Umso wichtiger ist es, dass Journalistinnen und Journalisten gründlich recherchieren und versuchen, der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen.“

„Phantastische Medienwelten. Manege frei für das Wahljahr 2017“ lautete deshalb das Motto des diesjährigen Schülerzeitungskongresses, der einen Tag vor der Preisverleihung im bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb am 8. Juni 2017 mit den Redaktionen der in diesem Jahr ausgezeichneten Schülerzeitungen stattfand. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer diskutierten in 15 Workshops – wie „Manege frei – Vom Comic bis zur Nachricht!“, „Mit Fotos Geschichten erzählen“, „Richtig Recherchieren – Fake News erkennen“ oder „Einführung ins Presserecht“ – über aktuelle Themen der Presselandschaft und konnten sich in der Pressearbeit fortbilden.

Kongressrunde
Kongressrunde© Jugendpresse Deutschland/Timon Suhk

35 Schülerzeitungen aus elf Bundesländern freuen sich über Preise. Die Jury des 14. bundesweiten Schülerzeitungswettbewerbs hatte sie Ende Februar aus rund 1.900 Einsendungen ausgewählt. Die Qualität der Artikel, die Gestaltung, die Themenauswahl und die Kreativität waren Kriterien der Auswahl. Am Ende wurden die Gewinner nach sechs Schulkategorien ausgezeichnet. Darüber hinaus gab es wieder Förder- und Sonderpreise wie zum Beispiel den Innovationspreis des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, den „SPIEGEL-Sonderpreis für die beste journalistische Leistung“ oder den Preis „Das beste Interview“ der Otto-Brenner-Stiftung.

Schülerzeitung „Globus“: „Sich informieren und eine Meinung bilden“

Ein Sonderpreis für die „beste journalistische Leistung“ geht an die Schülerzeitung „Globus“ des Johann-Schöner-Gymnasiums Karlstadt in Unterfranken. Chefredakteur Moritz Baumann hatte sich in einem Artikel mit dem Begriff „Lügenpresse“ beschäftigt, mit dem einige aggressiv ihre Verweigerung gegenüber den traditionellen Medien und deren Rolle in der Demokratie mitteilen. Baumann sieht darin ein gestörtes Verhältnis zwischen Presse und Teilen der Leserschaft. Er recherchierte, wie sich dieses Phänomen entwickelt hat, und versuchte, den Prozess zu verstehen. Dazu sprach er auch mit Journalisten, verglich die Berichterstattung auf Online-Portalen und ergründete, wie nah der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Politik steht.

"Globus"-Chefredakteur Moritz Baumann (Mitte)© Jugendpresse Deutschland / Timon Suhk

20 Schülerinnen und Schüler arbeiten in der Redaktion „Globus“. "Die Schülerzeitung ist in einigen Fällen – neben einem Blick auf die Facebook-Timeline – eines der wenigen Medien, über das sich die Schüler gerne informieren und eine Meinung bilden", berichtet der Zwölftklässler. Die Redaktion organisiert auch regelmäßig Seminare, um jüngere Schüler für die Fähigkeiten zu sensibilisieren, die es braucht, um eine solide, faktenbasierte Zeitung zu machen. Bisher gibt es den „Globus“ als gute alte Printausgabe, aber demnächst wollen die jungen Blattmacher ihr Magazin auch ins Internet bringen.

„Yellow Press“ der IGS Roderbruch

Die Schülerinnen und Schüler der IGS Roderbruch aus Hannover, einer gebundenen Ganztagsschule, sind hingegen mit ihrer Schülerzeitung „Yellow Post“ schon länger als Blog und Podcast im Netz präsent. Nun ist sogar geplant, einen Bildschirm in der Schule zu platzieren, in dem die aktuellen Blogartikel der Redaktion für alle Mitschülerinnen und Mitschüler sichtbar zu lesen sind.

"Yellow Post" mit Laudatorin Anja Pasquay
"Yellow Post" mit Laudatorin Anja Pasquay© Jugendpresse Deutschland / Anna Rakhmanko

Der „Klartext“-Blog in der „Yellow Post“ dreht sich um das Schreiben selbst und reflektiert die eigene Arbeit. Der Blog bietet eine breite Spannweite an Themen wie zur Bundestagswahl oder „Die Bundesrepublik – Für Einsteiger“ über Berichte von Auslandserfahrungen der Schülerinnen und Schülern bis hin zu Wochenendtipps. Besonders der Podcast, in dem Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer kontroverse Themen diskutieren, überzeugte den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der den Innovationssonderpreis verleiht.

Nicht mehr mit Schreibmaschine, Schere und Klebstoff

Die Schirmherrschaft über die jeweilige Wettbewerbsrunde übernimmt traditionell der Präsident beziehungsweise die Präsidentin des Bundesrats. In diesem Jahr ist das Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, die am 8. Juni in einer feierlichen Zeremonie im Bundesrat die Schülerzeitungsredakteurinnen und -redakteure auszeichnete. Die Politikerin war, wie sie berichtete, einst selbst Schülerjournalistin, als sie in den 1970er Jahren am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße mit anderen die Schülerzeitung „Initiative“ ins Leben rief.

Vorfreude bei der "Globus"-Redaktion© Jugendpresse Deutschland / Lisa Schucht

Damals seien die Blätter noch mit Schreibmaschine, Schere, Klebstoff und Matrizen im Bleisatz entstanden. Aber: „Wichtig war damals wie heute, dass man sich austauscht, Meinungen wiedergibt, Stellung bezieht und die Gemeinschaft unterstützt“, so die Bundesratspräsidentin zur Preisverleihung. „Ich finde es wichtig, dass Sie Ihre Meinung äußern, und finde es toll, dass Sie keine Probleme haben, Ihre Meinung vor vielen zu präsentieren. Ich wünsche mir, dass Sie sich einbringen, und dazu ist die Schülerzeitung ein ganz tolles Mittel, sich kreativ zu äußern und seine Talente auszuprobieren.“

„Sonnenberg-News“: Schon Erstklässler wollen mitmachen

Aus Rheinland-Pfalz angereist, mitten im Trubel des Kongresses und dann als stolze Gewinner der Kategorie „Grundschule“ im Bundesrat dabei sind die „Sonnenberg-News“ der Grundschule am Sonnenberg aus Alsheim im Landkreis Alzey-Worms. Die jungen Redakteurinnen und Redakteure Manja, Lilly, Mara und Clemens sind zusammen mit ihren Lehrern Anke Streit und Jens Klamroth sowie Schulleiterin Nina Lossau angereist.

"Sonnenberg-News" mit Bundesratspräsidentin Malu Dreyer
Redaktion "Sonnenberg-News"© Jugendpresse Deutschland / Lisa Schucht

Die Jury hob die „gelungene Mischung aus verschiedenen Formaten, Info-, Mitmach- und Unterhaltungsangeboten wie Comics, Suchbildern, Rätseln und weiterzuschreibenden Geschichten“ hervor. Die jährlich erscheinende Schülerzeitung gibt es gedruckt in einer Auflage von 100 bis 175 Exemplaren und online. Sie entsteht im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft der Ganztagsschule an jedem Donnerstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr. Acht Laptops, Kameras und Malpads stehen den Dritt- und Viertklässlern - auch aus den Halbtagsklassen - zur Verfügung.

Die seit fünf Jahren bestehende Schülerzeitungs-AG ist so beliebt, dass schon Erstklässler fragen, ob sie in der Redaktion mitmachen können. „Seitdem wir die Preise auf Landes- und jetzt auf Bundesebene gewonnen haben, ist die Nachfrage nochmal explodiert“, berichtet Anke Streit, die die AG zusammen mit Jens Klamroth leitet. „Es ist wohl auch die Tatsache, dass man am Schuljahresende ein fassbares Ergebnis in Händen hält, welches man zeigen und weitergeben kann, die die Schülerzeitungs-AG so beliebt macht“, glaubt Schulleiterin Lossau.

Informationsquelle für das Kollegium

Für sie selbst seien die „Sonnenberg-News“ eine „wichtige Informationsquelle“ gewesen, als sie vor eineinhalb Jahren die Schulleitung übernahm. „Ich habe alle alten Ausgaben gelesen und war am Ende gut informiert, was in der Schule passiert und was die Kinder bewegt“, erinnert sich Nina Lossau.

Diskussion
© Jugendpresse Deutschland/Timon Suhk

Die mit den Auszeichnungen verbundenen Preisgelder reinvestiert die Schule nicht nur in weitere Ausstattung, sondern auch als Dankeschön für die jungen Reporter. „Feiern muss auch mal sein!“, so die Rektorin. So haben die Kinder zuletzt die „Dschungeltour“ beim Südwestrundfunk im Mainz mitgemacht und auch etwas über die Arbeit des Senders im Fernsehen, Internet und Radio erfahren.

An der Grundschule am Sonnenberg gibt es neben der offenen Ganztagsschule auch Ganztagsklassen mit Angeboten von Montag bis Donnerstag. 210 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schwerpunktschule. „Die Ganztagsschule tut den Kindern gut. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann, dass alle dabei wären“, so Nina Lossau. „Durch die Ganztagsschule gibt es nochmal andere Anregungen für die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Zeit, sich mal zurückzuziehen. Und wenn man mit den Kindern beim Mittagessen zusammensitzt, bekommt man mehr von ihren Problemen mit. Wir bekommen sogar Tipps von ihnen, was wir Lehrerinnen und Lehrer besser machen können.“

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