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Gymnasium Kirchheim: Mit Qualitätsmanagement zum Schulpreis

Mit Ganztagsangebot, Jugendsozialarbeit, Förderung und vor allem seiner systematischen Schulentwicklung hat das Gymnasium Kirchheim im Landkreis München die Jury des Deutschen Schulpreises 2017 überzeugt.

© Robert Bosch Stiftung / Max Lautenschläger

Lange müssen die zehn Vertreterinnen und Vertreter des Gymnasiums Kirchheim am 29. Mai 2017 nicht bangen und hoffen, als im E-Werk, dem geschichtsträchtigen Veranstaltungsort in der Berliner Mauerstraße, die sechs Preisträger des diesjährigen Deutschen Schulpreises bekannt gegeben und ausgezeichnet werden. Denn der Name der Ganztagsschule wird bereits im ersten Durchgang genannt und sorgt für Jubel bei Schulleiter Matthias Wermuth, seiner Stellvertreterin Lilly Nürnberger, den sechs Schülerinnen und Schülern sowie dem Vorsitzenden des Elternbeirats, die bei der Preisverleihung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Ort sind.

„Schule – und alle machen mit“

Jubel gibt es auch in Kirchheim im Landkreis München: 200 Schülerinnen und Schüler verfolgen „dahoam“ in der Aula die im Fernsehen übertragene Veranstaltung. Der Deutsche Schulpreis würdigt auch ihre Leistungen, die ihrer Lehrerinnen und Lehrer und all derer, die das Gymnasium Kirchheim dahin gebracht haben, wo es jetzt steht.

Gymnasium Kirchheim
Schulleitung: Matthias Wermuth und Lilly Nürnberger mit dem EFQM-Kursbuch© Redaktion www.ganztagsschulen.org

Nach der Elisabeth-Selbert-Schule, einer berufsbildenden Schule aus Hameln, die in diesem Jahr den Hauptpreis gewinnt, wird das Gymnasium Kirchheim zusammen mit der Waldparkschule Heidelberg, der Grundschule Borchshöhe aus Bremen und der Europaschule Bornheim – alle sind Ganztagsschulen – mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. 81 Schulen hatten sich auf den Schulpreis beworben, 14 von ihnen waren nominiert. Platz 2 als eine der besten allgemeinbildenden Schulen zu erreichen, ist allemal Grund zum Jubeln.

Im Februar hat die Jury des Schulpreises das Ganztagsgymnasium – wie alle nominierten Schulen – zwei Tage lang besucht. Sie hat Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler befragt und im Unterricht hospitiert. „In der Begründung für die Nominierung ging es weniger um unser Qualitätsmanagement, wie ich vermutet hatte, sondern mehr um die umfangreichen Förderangebote, die Beratungsunterstützung und die Erziehungsangebote“, erinnert sich Schulleiter Wermuth. In der Tat heißt es in der Jurybegründung: „Am Gymnasium Kirchheim finden wirklich alle Schüler ihren Platz. Die Schwachen werden unterstützt und die Starken gefördert.“ Die Presse titelt nach der Auszeichnung: „Schule – und alle machen mit.“

Lieber offen als gebunden

Alle – das sind am Gymnasium Kirchheim derzeit 1.251 Schülerinnen und Schüler, 116 Lehrkräfte, Schulsekretärinnen, der Hausmeister, ein Praktikant und die Jugendsozialarbeiterinnen vom Kreisjugendring München-Land, Letztere mit zwei vollen Stellen. Es gibt drei Gruppen im offenen Ganztag und in der 5. und 6. Jahrgangsstufe jeweils eine Ganztagsklasse.

© Gymnasium Kirchheim

„Leider haben sich für das kommende Schuljahr zu wenige Eltern entschieden, ihr Kind in der Ganztagsklasse anzumelden“, bedauert Lilly Nürnberger. Über die Gründe könne man nur spekulieren, aber den Trend weg vom gebundenen hin zum offenen Ganztag gebe es im ganzen Landkreis. Für einige Eltern sei die zusätzliche Förderung im gebundenen Ganztag weiter relevant. Für andere scheine jedoch möglichst große Flexibilität wichtiger zu sein. Das zeige sich in der Tatsache, dass es im kommenden Schuljahr in der Gesamtheit nicht weniger Ganztagsschülerinnen und -schüler geben wird, sondern eben nur mehr im offenen statt im gebundenen Ganztag. „Ab dem Herbst werden wir erstmals vier Ganztagsgruppen haben. Wir sind 2009 mit zwei gestartet“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin.

Der offene Ganztag, der von Montag bis Donnerstag stattfindet und vom Kooperationspartner Kreisjugendring getragen wird, schließt sich von 13 bis 16 Uhr an den Vormittagsunterricht an und umfasst das Mittagessen, die Hausaufgaben- und Lernzeit und die anschließenden Freizeitangebote in der Neigungszeit. „Hier können Schülerinnen und Schüler kochen und backen, spielen, kreative und sportliche Angebote nutzen“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin. Zwei Sozialpädagoginnen, zwei weitere pädagogische Fachkräfte und Jugendliche aus der Oberstufe begleiten die Schülerinnen und Schüler dabei. Die Eltern haben die Möglichkeit, ihre Kinder für mindestens zwei Tage in der offenen Ganztagsschule anzumelden.

Qualitätsmanagement als Markenzeichen

„Ich persönlich bedauere es, dass im kommenden Jahr keine gebundene Ganztagsklasse zustande kommt“, meint Matthias Wermuth. „Gerade die verlässliche Anwesenheit im Klassenverband bis 16 Uhr hat den Kindern gutgetan. In unserer Schülerbefragung haben die Schülerinnen und Schülern der Ganztagsklasse die Frage nach dem Wohlfühlen in der Klasse auch immer noch einen Tick positiver beantwortet.“

Streicherklasse
Streicherklasse© Gymnasium Kirchheim

Die jährlichen Befragungen der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Lehrerinnen und Lehrer im Vierjahresrhythmus gehören zum ausgefeilten, systematischen Qualitätsmanagement der Schule. Dieses begann im Schuljahr 2000/2001 im Zusammenhang mit dem Modellversuch Bildungspakt Oberbayern-Ost und ist heute zum Markenzeichen des Gymnasiums geworden.

Das EFQM-Modell der European Foundation for Quality Management war eigentlich zur Selbstevaluation in Unternehmen entwickelt worden. Es soll eine ganzheitliche Sicht auf Organisationen ermöglichen und Stärken und Verbesserungspotentiale ermitteln. Die Schule wendet es erfolgreich an. Die Schulentwicklung wurde so auf eine breitere Basis gestellt und systematisiert. Alle vier Jahre wird seither der Stand der Schulentwicklung reflektiert, es werden immer wieder Verbesserungsvorschläge gemacht. Der gesamte Prozess wird in einer voluminösen Dokumentation festgehalten.

Offener Ganztag© Gymnasium Kirchheim

„Bei unserer letzten Evaluation 2013 haben wir 175 Verbesserungspotentiale formuliert“, berichtet Matthias Wermuth. Diese wurden priorisiert und bilden die Arbeitsgrundlage der letzten vier Jahre für Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler. Die Umsetzung erfolgt, gesteuert von der Schulleitung und der Schulentwicklungsgruppe, kontinuierlich in thematischen Arbeitsgruppen. Planungen werden in Lehrerkonferenzen, Elternbeiratssitzungen, der Schülermitverwaltung und im Schulforum diskutiert. Wichtig: Der jeweilige Stand der Umsetzung neuer Vorhaben wird regelmäßig bekannt gemacht.

Keine Angst vorm Mathe-Abi!

Bis zum Schuljahresende 2016/2017 werden dank der Arbeit in den Arbeitsgruppen zahlreiche Maßnahmen umgesetzt sein, darunter in vier Themen, die 2013 priorisiert worden waren. "Wertvolles GyKi" umfasst verschiedene Projekte zur Werteorientierung und Sozialkompetenz, Themen sind zum Beispiel „Homophobie in der Schule“ oder „Gender, Gleichstellung und vielfältige Lebensformen“.

Seit 2015 wird Schach als Wahlkurs angeboten
Seit 2015 wird Schach als Wahlkurs angeboten© Gymnasium Kirchheim

Eine Arbeitsgruppe „Arbeitsplätze“ hat unter anderem eine Optimierung bei den Computerarbeitsplätzen für die Lehrerinnen und Lehrer erreicht. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema führte als praktisches Nebenprodukt zu einem Raumkonzept für Lehrerzimmer und Lehrerarbeitsplätze im künftigen Schulneubau, der in einigen Jahren auf der gegenüberliegenden Straßenseite das jetzige Schulgebäude ersetzen wird.

Nachdem bei der EFQM-Befragung die „Förderung einer motivierenden Atmosphäre für Schülerinnen und Schüler“ am dritthöchsten priorisiert wurde, machten sich nach einem Konzept der Arbeitsgruppe „Positive Atmosphäre“ professionelle Handwerker, aber auch die Jugendlichen selbst daran, die Klassenzimmer zu verändern.

Auch die Arbeitsgruppe „Keine Angst vor schulischen Misserfolgen“, die aus Eltern, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern besteht, hat eine Reihe von Maßnahmen angestoßen. Zum Beispiel haben viele Schülerinnen und Schüler gestanden, Angst vor der Mathematik-Abiprüfung zu haben. Ihnen kann geholfen werden: Die Schule bietet nun Intensivierungseinheiten an, in denen Grundlagen wiederholt werden.

© Gymnasium Kirchheim

Das Thema Hausaufgaben ist genauso durch das Qualitätsmanagement auf den Tisch gekommen. „Wir haben inzwischen schon viel Übungszeit in den Unterricht integriert, das meiste Lernen findet dort statt. Und wir haben Lernkontrollbögen eingeführt, anhand derer jeder Schüler seinen Leistungsstand einsehen kann.“

... nicht nur Sache von zwölf Leuten

Die Verankerung der Jugendsozialarbeit am Gymnasium Kirchheim – damals die erste Jugendsozialarbeitsstelle an einem bayerischen Gymnasium – geht ebenfalls auf eine EFQM-Befragung im Jahr 2005 zurück. Ebenso die Positionierung als Umweltschule vor acht Jahren: „Seit zwei Jahren haben wir nun sogar sechs Bienenvölker an der Schule“, berichtet Lilly Nürnberger.

Gymnasium Kirchheim
© Gymnasium Kirchheim

Schulleiter Wermuth ist wichtig, dass „die Schulentwicklung hier die Sache möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen und nicht nur einer Gruppe mit zwölf Leuten“ ist. Lilly Nürnberger ergänzt: „Als Lehrkraft liebt man sein Fach. Aber Erziehung ist die Basis von allem. Daher muss es neben uns Lehrern auch andere Professionen in der Schule geben, die sich um die Kinder und Jugendlichen kümmern.“ Es vergehe keine Konferenz, auf der Matthias Wermuth nicht dazu ermutige, jeden Schüler ganzheitlich in den Blick zu nehmen.

Am Gymnasium Kirchheim gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit. Einmal in der Woche stecken Schulleitung, Klassenlehrer, Vertrauenslehrer und Sozialpädagoginnen die Köpfe zusammen. Aus dem Austausch hat sich das Projekt „Together“ entwickelt. Schülerinnen oder Schüler, die als „verhaltensauffällig“ gelten, können bis zu eineinhalb Jahren einen Lehrermentor zur Seite gestellt bekommen. „40 Kolleginnen und Kollegen machen da mit. Sie gewinnen so einen ganz anderen Blick auf den einzelnen Schüler und seine Probleme“, berichtet der Schulleiter.

P-Seminar „StreetArt“: Bunt statt grau© Gymnasium Kirchheim

„Ich bin stolz auf das Kollegium, das diese Schulentwicklung trägt. Ohne das Engagement der Kolleginnen und Kollegen könnte man Schule gar nicht so gestalten, wie man sich das vorstellt“, meint Matthias Wermuth. Am Gymnasium Kirchheim dürfen sich wirklich alle als Preisträger fühlen. Herzlichen Glückwunsch!

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