(Beginn des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])

Cäcilienschule Oldenburg: Viel Freiheit, viel Verantwortung

In der Cäcilienschule wird viel von den 950 Schülerinnen und Schülern verlangt. Im Gegenzug erhalten sie große Freiheiten, viel Entwicklungsmöglichkeiten und besondere Förderung.

Die Cäcilienschule feiert 2017 ihr 150. Jubiläum© Cäcilienschule Oldenburg

Verantwortung zu übernehmen, gehört zu den pädagogischen Grundsätzen der Cäcilienschule in Oldenburg, UNESCO-Projektschule und Gymnasium mit Offenen Ganztag. Die 950 Schülerinnen und Schüler erfahren das in nahezu allen Aktivitäten und pädagogischen Entscheidungen. Es passt gut zu jener Devise der 150 Jahre alten „Cäci“, wie sie in Oldenburg liebevoll genannt wird: Wenn schon Schule, dann richtig!

Doch was ist richtige Schule? Seit 17 Jahren leitet Oberstudiendirektor Franz Held die „Cäci“. Er hat klare Vorstellungen von „richtiger Schule“: „Unsere Kinder und Jugendlichen, aber auch das Kollegium genießen sehr viele Freiheiten. Auf der anderen Seite erwarten wir, dass jeder ein ebenso großes Maß an Verantwortung für sein eigenes Wirken, Lernen und den Umgang mit den anderen übernimmt. Und wir erwarten Leistungsbereitschaft.“

Binnendifferenzierung planen und gestalten

Die Cäcilienschule ist Unesco-Projektschule (li.: Schulleiter Franz Held)
Die Cäcilienschule ist Unesco-Projektschule (li.: Schulleiter Franz Held)© Cäcilienschule Oldenburg

Wie die von ihm beschriebene Freiheit aussieht, dokumentiert ein Blick in den Unterrichtsalltag. Die Türen – auch die des Lehrerzimmers - stehen offen, Schülerinnen und Schüler nutzen Sitz- und Tischgelegenheiten auf den Fluren. Nicht zum „Chillen“, sondern zur individuellen Arbeit. Oft in kleinen Teams. So wie die zwei Mädchen, die gerade vor dem Klassenzimmer gemeinsam eine Präsentation einstudieren. Sie hören einander zu, geben sich gegenseitig Hinweise, verbessern und haben die Uhr im Blick: „Wir müssen zurück in die Klasse“, läutet eine Schülerin das Ende der Übungsphase außerhalb des Klassenverbandes ein.

„Eine typische Szene“, kommentiert das der Schulleiter. Es gebe klare Absprachen im Unterricht. Wenn Schülerinnen und Schüler in Ruhe außerhalb der großen Runde etwas einstudieren, Inhalte vertiefen wollen, stimmen sie sich mit ihrer Lehrkraft ab, bekommen ein klares Zeitfenster benannt und sind pünktlich zurück in der großen Gruppe. Seine Erwartung an die Kolleginnen und Kollegen formuliert Franz Held so: „Optimal ist es natürlich, wenn sie ihren Unterricht von vornherein so planen und gestalten, dass binnendifferenzierte Gruppenarbeit vorgesehen ist und kein Zufallsprodukt darstellt.“

© Fotostudio Diekmann

Die konsequent den Stundenplan prägenden Doppelstunden erleichtern die Binnendifferenzierung. Zumal auch hier den Lehrkräften zusätzliche Freiheit geboten wird. Die Fünf-Minuten-Pause kann flexibel eingesetzt werden, sprich, der Unterricht wird unterbrochen, wenn es auch inhaltlich sinnvoll ist. Einzige Ausnahme: Die Pause darf nicht zu Beginn oder zum Ende der Doppelstunde liegen.

Pendeln zwischen den Schulen

Freiheit bedeutet für die Schülerinnen und Schüler auch größtmögliche Wahlfreiheit bei den Kursen in der Oberstufe. Die Gymnasien und zwei Integrierten Gesamtschulen mit Oberstufe in der Stadt kooperieren, stimmen ihre Stundenpläne aufeinander ab und ermöglichen so, dass alle denkbaren Kurse gewählt werden können und viele Fremdsprachen im Angebot sind. Mit einer das Stadtbild prägenden Folge: Pünktlich in den Großen Pausen und in der Mittagszeit radeln hunderte Wissbegierige von einer Schule zur anderen.

Hexenjagd
Ergänzungsfach Darstellendes Spiel: "Hexenjagd" von Arthur Miller© Cäcilienschule Oldenburg

Jede der Schulen hat einen Mitarbeiter auserkoren, der die Kooperation mit den Partnerschulen koordiniert. Das sei auch schon mal eine Tauschbörse, schmunzelt der Schulleiter: „Ich habe fünf Informatiker zuviel, wer kann sie aufnehmen? Ich biete dafür…“ Franz Held weiß, dass die Schulen in einem gewissen Wettbewerb miteinander stehen. Doch an der Kooperation kommen dennoch keinerlei Zweifel auf: „Es geht um die Schülerinnen und Schüler. Und da überwiegen bei diesem Modell einfach die Vorteile.“ Welche Schule welche Kurse anbietet, hängt einerseits vom jeweiligen Profil, aber auch von der Zusammensetzung der Fachlehrer und Fachlehrerinnen ab.

Kooperationsverbund Begabungsförderung

Einen Schwerpunkt der „Cäci“ stellt die Musik dar. Jedes Jahr startet in Jahrgangsstufe 5 eine eigene Musikklasse. 30 Kinder können aufgenommen werden. Wer zu den Glücklichen gehören möchte, durchläuft ein kleines Aufnahmeverfahren. Die meisten, die am Ende eine Zusage erhalten, spielen bereits beim Wechsel auf das Gymnasium ein oder mehrere Instrumente. Sie alle bilden ein Ensemble. Jede Musikrichtung, alle Instrumente sind vertreten. Die Gruppe bleibt bis Klasse 10 zusammen. Musik ist für sie fünfstündiges Hauptfach.

"Galerie der Cäcilien": Inspiriert durch Porträts der Namensgeberin Cäcilie (1807-1844)© Cäcilienschule Oldenburg

Die Schule unternimmt alles, die jungen Talente zu fördern, und arbeitet eng mit der städtischen Musikschule zusammen. Franz Held ist überzeugt: „Die Schülerinnen und Schüler der Musikklasse sind besonders leistungsstark, kreativ und zeichnen sich durch eine hohe Selbstdisziplin aus.“ Apropos Begabtenförderung: Die Cäcilienschule ist auch gymnasiales Mitglied im Kooperationsverbund Oldenburg Stadt zur Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler, zu dem sieben Grundschulen, die IGS Flötenteich und die Oberschule Alexanderstraße gehören.

Die Cäcilienschule bietet zusätzlich über sogenannte Pullout- und Enrichment-Verfahren verschiedene Differenzierungsmöglichkeiten, die sich auch im Kollegium widerspiegeln. Drei Fachberaterinnen zur Förderung besonderer Begabungen der Landesschulbehörde unterrichten an der „Cäci“. Das spricht nach Ansicht des Schulleiters für die leistungsfördernde Atmosphäre der Schule, die sich wiederum einordne in ein insgesamt „gutes Miteinander“ bei allen Beteiligten.

Einladungsflyer zur Schulfeier
© Cäcilienschule Oldenburg

Seit 1998 ist die Cäcilienschule anerkannte Unesco-Projektschule. Dazu gehört nicht nur, dass die Schule seit 2008 Ökostrom bezieht oder Energie-AG und Umwelttechnik-AG sich um Nachhaltigkeit kümmern, sondern auch die Verpflichtung gegenüber Werten wie Men-schenrechten, Bekämpfung der Armut, Erziehung zu Toleranz, Respekt, Hilfsbereitschaft und Gewaltlosigkeit. In der Unesco-AG oder einem Unesco-Seminarfach arbeiten die Schülerinnen und Schüler dazu in konkreten Praxisprojekten.

Deutsch – ein Problem

Beim Thema Leistung verhehlt Deutschlehrer Held nicht, dass ihm eine Entwicklung Sorgen bereitet – die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in der deutschen Sprache, besonders, was die Rechtschreibung und die Grammatik anbelangt. „Die Zahl derer, die mit deutlichen Schwächen von den Grundschulen zu uns kommen, wächst. Und uns gelingt es bislang in der Sekundarstufe I nicht ausreichend, das auszugleichen“, bedauert er. Doch es gibt Licht am Ende des Deutsch-Tunnels. Erstmals sank vor zwei Jahren die Zahl der Fehler, die in Abiturarbeiten zu Punktabzügen führen.

Cäcilienschule Oldenburg
© Cäcilienschule Oldenburg

Die Erkenntnis resultiert nicht aus einem Bauchgefühl, sondern aus Fakten. Denn Franz Held führt seit sieben Jahren Statistik. Er nimmt jede Abiturarbeit nur unter diesem Gesichtspunkt unter die Lupe. Eine Erklärung für den leichten Aufschwung hat er ebenfalls parat: die Hausaufgaben. „Sie gibt es reichlich. Und wir legen Wert darauf, dass in ihnen möglichst viel Fließtext verlangt wird. Das ist wichtige Übung! Nur so lernen die jungen Menschen richtig Deutsch“, ist der Schulleiter überzeugt.

Er verschweigt nicht, dass nicht alle im Kollegium angesichts der Mehrarbeit bei diesem ihm wichtigen Schwerpunkt des Lernens begeistert waren. „Aber letztendlich ziehen alle mit. Und ich sage auch ganz klar: Wenn Jugendliche in der Lage sind, ein physikalisches Gesetz zu lernen und es richtig anwenden zu können, dann sollte ihnen einfaches Regellernen bei der Muttersprache doch wohl auch möglich sein“, argumentiert Held.

Plädoyer für den Offenen Ganztag

Klar ist er auch in Sachen Ganztagsschule.

Team der Mensa "Cäciteria"© Cäcilienschule Oldenburg
„Den Offenen Ganztag begrüße ich. Den gebundenen Ganztag wollen unsere Eltern nicht. Und auch ich habe da ein anderes Familienbild“, sagt er. Allerdings stellt er den Trend fest, dass immer mehr Kinder zum Mittagessen in der Schule bleiben, das Angebot der hauseigenen „Cäciteria“ nutzen und dann erst nach Hause gehen. Jenen, die ab 14 Uhr die Angebote – von der Hausaufgabenbetreuung bis zu den zahlreichen Arbeitsgemeinschaften – nutzen, wird große Flexibilität geboten. Zur Unterstützung bei den Hausaufgaben oder bei Verständnisfragen können Schülerinnen und Schüler jederzeit unangemeldet kommen – unabhängig davon, ob ihre Eltern für sie die OGS „gebucht“ haben. Wer sich allerdings für eine AG entscheidet, muss diese auch mindestens ein halbes Jahr lang besuchen.

Schule mit Medienkonzept

Ein Lob hält Franz Held für die Stadt Oldenburg parat: „Im Jahr unseres 150jährigen Bestehens kann ich sagen: Unsere Schule ist technisch bestens ausgestattet.“ Jeder Klassenraum ist mit WLAN, Beamer, Akustiksystem, Voicemaker als Abspielgerät und Overheadprojektor bestückt. Wer WLAN sagt, ist schnell bei der Frage: Ist die Handynutzung für die Schülerinnen und Schüler erlaubt?

Cäcilienschule Oldenburg
© Cäcilienschule Oldenburg

Antwort: Im Unterricht nein. Es sei denn, Lehrkräfte setzen es gezielt im Lernprozess ein. Außerhalb des Unterrichts herrscht Nutzungsfreiheit. In den Klassenstufen 8 und 9, in denen erfahrungsgemäß mehr Jugendliche ein Problem mit zu intensiver Mediennutzung entwickeln, steht das Gymnasium mit Beratungsangeboten zur Seite. Die Cäcilienschule hat ein umfassendes Medienkonzept entwickelt, das vom „Umgang mit Informationen“ über „Computerwissen“ bis zur „Medienreflexion“ reicht, aber auch Fortbildungen der Lehrkräfte einschließt. Fachlehrerinnen und Fachlehrer mit besonderen Medienkompetenzen – etwa You-tube, Filmanalyse oder Smartboardtechnik – bieten Beratung für die Unterrichtsgestaltung an.

Franz Held ist deutlich: „Schule ist anstrengend. Erfolgreiches Lernen gelingt nur, wenn sich Schüler und Lehrer wohl fühlen. Das bedarf eines Höchstmaßes an Freiheit.“

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt.
Wir bitten um folgende Zitierweise: Autor/in: Artikelüberschrift. Datum. In: https://www.ganztagsschulen.org/xxx. Datum des Zugriffs: 00.00.0000

 
(Ende des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
 

(Beginn der inhaltlichen Zusatzinformationen [zum Inhalt Taste I, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
 
(Ende der inhaltlichen Zusatzinformationen)