Nonstop in Bremen: Offene Ganztagsgrundschule

Bremer Ganztagsgrundschulen nutzten die Gelegenheit, im Nonstop-Austausch beim "Forum offene Ganztagsgrundschule" der Serviceagentur "Ganztägig lernen" am 28. Februar 2017 voneinander zu lernen.

Teilnehmende des „Forums offene Ganztagsgrundschule“
© Serviceagentur Bremen

Innerschulische Kommunikation gilt als einer der Faktoren einer erfolgreich arbeitenden Ganztagsschule. Ohne regelmäßigen Austausch, Rückkoppeln von Informationen und gemeinsame konzeptionelle Arbeit würden die verschiedenen Ebenen und Professionen in der Schule schnell an ihre Grenzen kommen, versichern Praktiker immer wieder. Kommunikation und Austausch kann aber auch schulübergreifend wirken. Das berühmte Rad, das nicht immer wieder neu erfunden werden muss – es kann auch in der Nachbarschule stehen oder im nächsten Stadtteil.

Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Bremen hat dazu eine so simple wie effektive Idee gehabt und am 28. Februar 2017 im Landesinstitut für Schule (LIS) verwirklicht: Ganztagsgrundschulen der Stadt den direkten Austausch untereinander zu ermöglichen, drei Stunden bei minimaler Moderation, nonstop. Zehn Ganztagsgrundschulen der Hansestadt folgten der Einladung, um gute Praxis untereinander kennenzulernen, Themen zu diskutieren, die sie interessieren, und Unterstützungsbedarfe zu klären.

Serviceagenturleiterin Angelika Wunsch begrüßt die Teilnehmenden© Serviceagentur Bremen

„Wir sind überzeugt, dass Schule leichter fällt und mehr Freude macht, wenn man sich austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen kann“, erklärte Angelika Wunsch, die Leiterin der Serviceagentur zum Auftakt. „Jede Schule tickt anders, und wir wollen beim qualitativen Ausbau helfen.“ Wie unterschiedlich die Arbeitszufriedenheit in den einzelnen Schulen ist, zeigte sich ganz zu Beginn, als sich die Vertreterinnen und Vertreter der zehn Schulen in eine Reihe nach dem Grad ihrer Selbsteinschätzung aufstellen sollten. Während sich eine Schule bei der niedrigen „Eins“ verortete – „wir werden gerade Ganztagsschule, aber es geht uns zu schnell“ –, stellte sich eine andere bei der „Fünf“ auf – „die bauliche Situation ist schlecht bei uns, inhaltlich sind wir zufrieden“. Die Vertreterinnen der Schule an der Witzlebenstraße hingegen platzierten sich bei der „Neun“: „Bei uns läuft alles gut.“

Halbtagsschüler kommen am Nachmittag wieder

Im Vorfeld hatten die Grundschulen Themen, über die sie informiert werden und über die sie diskutieren wollten, angeben können, so dass diese an Thementischen besprochen werden konnten. Zugleich hatten alle zehn Ganztagsgrundschulen eine kleine Präsentation ihrer Schulen vorbereitet, um im ersten Programmpunkt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Arbeit von drei bis vier Schulen zu informieren und Rückfragen zu ermöglichen.

Teilnehmende des „Forums offene Ganztagsgrundschule“ an einem Tisch im Gespräch
© Serviceagentur Bremen

So die Grundschule an der Admiralstraße aus dem Stadtteil Findorff, an der 156 der 246 Schülerinnen und Schüler im Ganztag lernen. Hier besteht ein gutes Verhältnis zu den außerschulischen pädagogischen Mitarbeitern, die auch im Vormittag eingesetzt sind und zu den Dienstbesprechungen der Lehrkräfte hinzukommen, die von 15.15 bis 17.15 Uhr stattfinden. Die pädagogischen Mitarbeiter tauschen sich regelmäßig mit der Schulleitung aus.

„Wir wollen aber gebundene Ganztagsschule werden, um mehr personelle Kontinuität in den Tag zu bekommen. In den Lernzeiten sitzen immer andere Ansprechpartner für die Schülerinnen und Schüler“, so die stellvertretende Schulleiterin Cornelia Schulz, „und gerade die schwierigeren Kinder benötigen feste Bezugspersonen.“ In der an der Schule gebildeten Arbeitsgruppe „Gebundener Ganztag“ sind ebenfalls außerschulische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertreten. „Achten sie darauf, dass sie Externe beschäftigen, die jeweils möglichst viele Stunden haben“, riet Cornelia Schulz.

Teilnehmerin mit einer Broschüre in der Hand
© Serviceagentur Bremen

Die Grundschule an der Delfter Straße ist mit 450 Schülerinnen und Schülern die größte Grundschule in Bremen. 140 Kinder sind im offenen Ganztag angemeldet. „Wir haben ein sehr gut aufgestelltes AG-Angebot mit vielen Kooperationspartnern wie dem Kulturladen, der Basketball-Akademie und dem Leichtathletikverband“, berichtete Birgit Bode, die stellvertretende Schulleiterin. Eine Besonderheit: Auch die Halbtagsschüler können ab 15 Uhr an den Arbeitsgemeinschaften teilnehmen. „Diese Schülerinnen und Schüler gehen nach dem Unterricht nach Hause und kommen dann zu den AGs wieder. Das klappt problemlos“, erzählte Birgit Bode.

„Das macht für mich den Ganztag aus“

An der Grundschule Borgfeld lernen 113 Schülerinnen und Schüler in fünf festen Stammgruppen, die jahrgangsgemischt gebildet werden. Die Nähe der Schule zum Fluss Wümme wird auch im Unterricht genutzt. Den Klassen und Arbeitsgemeinschaften steht ein „Blaues Klassenzimmer“ – ein Teich im Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen – zur Verfügung. Dann gibt es noch das „Grüne Klassenzimmer“, einen Garten direkt vor der Schule, und die „tiergestützte Pädagogik“: Hühner, Meerschweinchen und Schildkröten wollen durch die Kinder gepflegt werden, was auch in den Ferien gut klappt.

Tafel mit der Zeitstruktur der Grundschule In der Vahr, Bremen
© Serviceagentur Bremen

An der Grundschule in der Vahr arbeiten neben Grundschullehrkräften auch Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen als Inklusionsfachkräfte, Erzieher und Erzieherinnen, ein Schulsozialarbeiter mit halber Stelle und vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hans-Wendt-Stiftung. Die gute Zusammenarbeit im Team ist die Basis der erfolgreichen Arbeit, mit der im Sommer 2015 die Herausforderung, „von Null auf Hundert“ im offenen Ganztag gemeistert wurde, wie Erzieherin Inge Bitzer berichtete. Aktuell nutzen 160 von 230 Schülerinnen und Schülern hier die offenen Ganztagsangebote.

„Die Erzieherinnen und Erzieher arbeiten am Vormittag fest in den Klassen mit, bieten aber auch alleine Arbeitsgemeinschaften an“, so Inge Bitzer. „Ab 13 Uhr beginnt die 'Dies und das'-Zeit, in der die Schülerinnen und Schüler ganz frei entscheiden können, was sie machen wollen. Sie können in die 'Villa Kunterbunt' gehen – das ist ein Klassenzimmer, den wir zum Bewegungsraum umgestaltet haben –, auf den Hof, in den Leseclub oder in das Kicker-Zimmer.“ In der anschließenden Lernzeit sind Lehrkräfte und Erzieherinnen gemeinsam im Einsatz. „Da ist es wertvoll, dass wir Erzieherinnen auch am Vormittag im Unterricht dabei sind, denn so sind wir gut orientiert, was die Kinder für Aufgaben haben“, meinte Inge Bitzer. „Das macht für mich den Ganztag aus.“

Konstruktiver Austausch als Mutmacher

Nach dem „Gallery Walk“ an den Ständen der Schulen und einer kurzen Pause, in der der Austausch nahtlos weiterging, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zu thematischen Diskussionen in Tischgruppen. Themen waren „Lernzeit“, „Vom offenen zum gebundenen Ganztag“, „Multifunktionale Raumnutzung“, „Inklusion“ und „Kooperationszeiten“. Letzteres Thema ist ein Dauerbrenner.

© Serviceagentur Bremen

Was kann man tun, um bei knapp bemessener Zeit und unterschiedlichen Arbeitszeiten im Austausch zu bleiben? Eine Grundschule nutzt Handbücher mit kurzen Mitteilungen für den Austausch. An der Schule an der Witzlebenstraße hat sich ein Logbuch als Kommunikationsmittel zwischen Eltern, Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern bewährt. An einer anderen Grundschule gibt es E-mail-Verteiler und Whatsapp-Gruppen. Im Lehrerzimmer gibt es ein Fach für die Erzieherinnen und Erzieher, in dem alle Informationen und Protokolle zugänglich gemacht werden.

In der gemeinsamen Abschlussrunde wurde deutlich, dass die Serviceagentur mit ihrem ersten Forum dieser Art einen Nerv getroffen hat. Die Rückmeldungen waren unisono positiv. Viele wünschten sich eine Fortsetzung. „Man lebt sonst in seiner Schule wie auf einer Insel. Jetzt ist es schön gewesen, andere kennenzulernen, und jetzt auch Gesichter mit den anderen Schulen zu verbinden“, meinte eine Teilnehmerin. Ein Teilnehmer empfand die Veranstaltung als „Mutmacher“ und lobte den „konstruktiven Austausch“ statt gemeinsamen Wehklagens über schlechte Bedingungen: „Es gab keinen defizitären Blick, sondern gute Beispiele.“

Möglicherweise wird das Forum der Startpunkt für ein Hospitationsnetzwerk. Für die Senatorin für Kinder und Bildung war Karla Wagner, zuständig für die Ganztagsschulen in Bremen, als stille Beobachterin gekommen. Sie war begeistert: „Zehn von 15 Ganztagsgrundschulen sind eine tolle Teilnahmequote. Die Idee der Serviceagentur ist voll aufgegangen, und auch mir hat die konstruktive Atmosphäre gefallen.“

 

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