"Starke Schule" = gebundene Ganztagsschule?

In einer Umfrage im Wettbewerb „Starke Schule“ der Hertie Stiftung sprachen sich fast 50 Prozent der Schulleitungen und Lehrkräfte für die gebundene Ganztagsschule als bestes Modell aus.

In einer Umfrage der Hertie-Stiftung unter Schulleitungen und Lehrkräften der Sekundarstufe im Wettbewerb „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ favorisieren Lehrkräfte die gebundenen gegenüber teilgebundenen und offenen Ganztagsschulen und sehen insgesamt Entwicklungsbedarf bei der individuellen Förderung.

Für die Umfrage wurden im September/Oktober 2016 – online-basiert – Schulleitungen und Lehrkräfte, deren Schulen an Deutschlands größtem Schulwettbewerb „Starke Schule“ teilgenommen haben, zu den vier Themenkomplexen Ganztagsschule, Berufsorientierung, Heterogenität und Entwicklung befragt. Als „Starke Schule“ werden alle zwei Jahre allgemeinbildende Schulen der Sekundarstufe I – beispielsweise Gesamtschulen, Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen – ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die schulische Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler einsetzen. An der Umfrage haben insgesamt 102 Schulleitungen und Lehrkräfte teilgenommen.

Bei dem Thema Ganztagsschule gaben 47 Prozent der Befragten an, dass sie von den drei Varianten der Ganztagsschule – gebunden, teilgebunden, offen – das gebundene Modell für das bestmögliche halten. 22 Prozent der Lehrkräfte sprachen sich für die teilgebundene, 19 Prozent für die offene Ganztagsschule aus. Von den Befragten aus gebundenen Ganztagsschulen sprachen sich sogar 78 Prozent für das gebundene und 5 Prozent für das teilgebundene Modell aus. Von den Befragten aus teilgebundenen Ganztagsschulen sehen 48 Prozent das teilgebundene Modell als das bestmögliche an, 35 Prozent jedoch favorisieren die gebundene Variante. Unter den befragten Schulleitungen und Lehrkräften aus offenen Ganztagsschulen sind 46 Prozent vom offenen Modell überzeugt, aber immer noch 18 Prozent halten die gebundene und 14 Prozent die teilgebundene Ganztagsschule für die bestmögliche.

Tabelle: Favorisiertes Ganztagsschul-Modell (N = 102)

  Favorisiertes GTS-Modell
Befragte Schulart Gebundene GTS Teilgebundene GTS Offene GTS
Gebundene GTS 78% 5% k.A.
Teilgebundene GTS 35% 48% 9%
Offene GTS 18% 14% 46%


Eine Vielzahl der Befragten meint, dass der Tagesablauf in gebundenen Ganztagsschulen besser an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst werden könnte und ein besseres soziales Miteinander möglich wäre. Für eine offene Variante spricht aus Sicht der Befragten, dass Schülerinnen und Schüler dadurch die Möglichkeit hätten, sich auch außerschulisch zu betätigen, und Eltern die Wahlmöglichkeit hätten, die Kinder selbst am Nachmittag zu betreuen.

Ein wichtiges Thema für die Befragten ist die Berufsorientierung. Gerade im Rahmen der Ganztagsschule wird eine Vielzahl von Maßnahmen zur Berufsorientierung angeboten, bei denen Unternehmen bereits stark engagiert sind: 72 Prozent der Befragten gaben an, dass sie von der regionalen Wirtschaft bereits hilfreiche Unterstützung erhalten hätten. Auch Stiftungen und private Akteure (53 Prozent) sowie lokale Bildungsreinrichtungen (44 Prozent) engagierten sich. Gleichwohl ist der Wunsch nach mehr Unterstützung durch externe Akteure vorhanden: Nur 27 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass sie keine Unterstützung benötigen – drei Viertel der Befragten wünschen sich hingegen mehr externes Engagement. 37 Prozent der Befragten sehen die regionale Wirtschaft noch stärker in der Pflicht, aber auch Kultusministerium (25 Prozent) und Kommune (24 Prozent).

Interessant sind auch die Befragungsergebnisse zum Thema Heterogenität. Über 90 Prozent der Befragten meinen, dass die Heterogenität ihrer Schülerschaft zunehme. Über 40 Prozent verorten ihre Schule in einer benachteiligenden Lage. Eine Schulstrategie zum Umgang mit dieser Heterogenität der Schulgemeinschaft bestätigen 74 Prozent der Befragten. Dennoch fühlt sich jede vierte Lehrkraft überfordert, in Schulen in sogenannten sozialen Brennpunkten sogar jede dritte Lehrkraft.

Beim Thema Schulentwicklung werden besonders positiv die Lehrer-Schüler-Beziehungen sowie die Gestaltung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben eingeschätzt. Entwicklungsbedarf sehen die Befragten vor allem im Bereich der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern, in der „Beständigen Qualitätsentwicklung an der Schule“, in der Kooperation mit lokalen und regionalen Partnern sowie in der Einbindung der Eltern.

Quelle: Gemeinnützige Hertie Stiftung

 

 

 


 
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