USA: Schulen mit erweiterter Lernzeit

Ein Forschungsbericht aus den USA erkundet den Nutzen erweiterter Lernzeit für Schülerinnen und Schüler der Primarstufe am Beispiel dreier Schulen.

Ein vom National Center on Time & Learning (NCTL) im Jahr 2016 veröffentlichter Bericht bietet Grundschullehrerinnen in den USA, die Wege suchen, den vielfältigen Lern- und Entwicklungsbedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, erprobte Praxisbeispiele.

Der Bericht „Creating Learning Environments in the Early Grades That Support Teacher and Student Success“ („Lernumgebungen in den unteren Klassenstufen schaffen, die Lehrer- und Schülererfolg unterstützen“) beleuchtet gute Beispiele von Schulen, die zu einem erweiterten Zeitmodell übergegangen sind, und fragt, wie es ihnen gelungen ist, ihre Bildungsziele bei jüngeren Schülerinnen und Schüler besser umzusetzen. Porträtiert werden drei Grundschulen mit erweiterter Lernzeit in benachteiligten Communities: die John Barry Elementary School in Meriden (Connecticut), die Centennial Elementary School in Denver (Colorado) und die Hill Elementary School in Revere (Massachusetts).

„Bei steigenden Armutsquoten und einer sich öffnenden Schere bei den Bildungschancen brauchen Kinder aus benachteiligenden Verhältnissen die bestmöglichen Bildungs- und Entwicklungsgelegenheiten“, sagt Jennifer Davis, Mitbegründerin und Vorsitzende des National Center on Time & Learning. „Die in dem Bericht porträtierten Schulen bieten ebenso umfangreichere Bildungserlebnisse wie mehr informelle Freizeit und Angebote zur sozialen Entwicklung, die zu viele Schulen gegenwärtig deshalb nicht bieten können, weil ihnen dafür einfach nicht genügend Zeit zur Verfügung steht.“

Das National Center on Time & Learning hat mehrfach dokumentiert, wie ein erweitertes Zeitmodell, wenn es von den Akteuren gut genutzt wird, die Begrenzungen, denen sich herkömmliche Schulen gegenübersehen, überwinden kann. Übergreifend identifiziert der Bericht fünf effektive Vorgehensweisen, die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zum Erfolg geführt haben:

  • Eine entwicklungsfördernde Zeitstruktur schaffen und einhalten
    Die Lehrkräfte organisieren Klassenzimmer, die alle einschließen, z. B. durch individuelle und Kleingruppenarbeit; akademisch orientierten Unterricht; Aktivitäten, die auch nicht-akademische Kompetenzen stärken; körperliche Bewegung einhergehend mit Erholung und sozialer Interaktion
  • Die Interaktion mit einer Zahl qualifizierter Erwachsener über den ganzen Tag fördern
    Die Kinder haben über den ganzen Tag regelmäßige Gelegenheiten, Beziehungen mit anderen Erwachsenen als ihren Klassenlehrern zu gestalten, z. B. mit Experten für zusätzliche Lerngelegenheiten und weiteren qualifizierten Fachkräften, freiwilligen Tutoren, Sprach- und Matheexperten.
  • Sorgfältige Beobachtung der fachlichen und nichtfachlichen Lernfortschritte jedes Schülers/jeder Schülerin
    Die Schulen verwenden nicht nur traditionelle Methoden, den Lernfortschritt der Kinder zu beobachten, sondern die Schülerinnen und Schüler verfolgen auch selbst ihr eigenes Lernen und die eigene Entwicklung.
  • Regelmäßige Kommunikation mit den Familien, um starke Beziehungen zum Nutzen der Kinder auszubauen
    Die Pädagoginnen und Pädagogen an den drei Schulen laden die Eltern und andere Familienmitglieder oft ins Klassenzimmer ein, um zu verdeutlichen, dass sie Partner beim Aufwachsen der Kinder sind.
  • Regelmäßige Lehrerkooperation, die auf kontinuierliche Verbesserung setzt
    In festen Zeiten, die für die Lehrkräftezusammenarbeit vorgesehen ist, entwerfen die Lehrkräfte anspruchsvolle Lehrpläne, reflektieren den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler und unterstützen sich generell gegenseitig, hohen Erwartungen zu entsprechen.

„Die erweiterte Lernzeit für alle Schülerinnen und Schüler hat dem, was wir als Pädagogen tun können, richtig Auftrieb gegeben“, sagt Schulleiter Ed Moccia von der Hill Elementary School in Revere (Massachusetts). „Unsere Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich ermutigt, kreativ über ihren täglichen Zeitplan nachzudenken, was die fachlichen Lernergebnisse und die zusätzlichen Lerngelegenheiten für junge Lerner verbessert und zugleich eine einladende, wirklich kooperative Lernumgebung für Schüler, Lehrer und die Community geschaffen hat.“

Der Autor des Berichts, Dr. David Farbman, erklärt: „Die Forschung zeigt, dass das formale Lernen eine besonders einflussreiche Rolle im Leben junger Menschen in Armut spielt. Zu oft haben die Kinder, die es am meisten brauchen, nicht den Zugang zu Lern- und Entwicklungsgelegenheiten außerhalb der Schule. Daher kann die zusätzlich angebotene Zeit für benachteiligte Kinder gerade in den unteren Klassenstufen den positiven Einfluss der Schule verstärken. Für Praktiker, die ihre Schüler auf einen Erfolgsweg bringen wollen, zeigt der Bericht den großen Wert eines längeren Schultags für Kinder der jüngeren Klassenstufen. Er zeigt ebenso Wege, wie Pädagogen die Zeitnutzung optimieren können.“

Das National Center on Time & Learning (NCTL) engagiert sich für eine erweiterte Lernzeit, um Schülerleistungen zu verbessern und eine vielseitige Bildung zu ermöglichen. Durch Forschung, Strategiekonzepte und technische Dienstleistungen unterstützt das NCTL nationale, bundesstaatliche und lokale Initiativen, die signifikant mehr schulische Zeit für akademische und zusätzliche Lerngelegenheiten nutzen, um allen Kindern zu helfen, den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

David Farbman, Ami Novoryta (2016): Creating Learning Environments in the Early Grades that Support Teacher and Student Success. Profiles of Effective Practices in Three Expanded Learning Time Schools. Boston: NCTL.

Quelle: National Center on Time & Learning
 

Übersetzung: Redaktion

 

 


 
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