Guter Ganztag in Hamburg!

Die Hamburgische Bürgerschaft hat „Maßnahmen zur Verbesserung des Ganztags an Hamburger Schulen beschlossen und damit einen Konsens mit den Initiatoren der Volksinitiative „Guter Ganztag“ hergestellt.

Mit dem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft im Juni 2016 wurde der Startschuss für einen Prozess für eine gemeinsame Weiterentwicklung des Ganztags an Hamburger Schulen gegeben. Dabei ist das Qualitätsmanagement an Schule ebenso im Blick, wie die Verbindung von Pädagogik und Raum, gesunde Ernährung und eine verbesserte Personalausstattung, um nur einige Schlaglichter zu nennen.  Der Prozess setzt in praktisch allen Bereichen auf dem auf, was an vielen Schulen bereits besteht oder in der Entwicklung ist.

Einrichtung eines Ganztagsausschusses durch die Schulkonferenz ab Beginn des Schuljahrs 2016/17

Eine wesentliche Zielsetzung des Maßnahmenpakets zur Verbesserung der Ganztagsschulen in Hamburg ist es, die an vielen Schulen bereits gut laufende Beteiligungsstruktur und den Austausch aller an der Schule Beteiligten zu stärken. Dazu ist gemäß § 56a Hamburgisches Schulgesetz (HmbSG) ab Beginn des Schuljahrs 2016/17 ein paritätisch besetztes Gremium – der Ganztagsausschuss – zu bilden, der mehrere Aufgaben im Bereich der ganztägigen Betreuung hat: Dazu gehört u.a.:

  • Der Ganztagsausschuss berät über alle wichtigen Fragen der ganztägigen Bildung und Betreuung und bereitet Beschlüsse der Schulkonferenz in Ganztagsfragen vor.
  • Der Ganztagsausschuss ist vor Entscheidungen der Schulkonferenz zu Fragen der ganztägigen Bildung und Betreuung zu hören.
  • Der Ganztagsausschuss wird bei der Erstellung des schulischen Raumkonzepts für Ganztag beteiligt.

Der Ganztagsausschuss stärkt somit den Austausch und die Verständigung über das Ganztagsangebot innerhalb einer Schule, er hat keine Entscheidungsbefugnis in rein schulischen Angelegenheiten. Diese Befugnis steht wie bisher der Schulkonferenz oder der Schulleitung zu. Die Ablehnung oder Änderung von Empfehlungen und Vorschlägen des Ganztagsausschusses ist aber von der Schulkonferenz gegenüber dem Ganztagsausschuss zu begründen.

Viele Ganztagsschulen haben bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der die Weiterentwicklung des Ganztags gemeinsam vorangebracht wird. Diese Arbeitsgruppe kann selbst-verständlich beibehalten und zum Ganztagsausschuss weiterentwickelt werden, muss aber künftig paritätisch besetzt sein, damit auch der Austausch aller an Schule Beteiligten gewährleistet wird.

Das Gesetz sieht vor, dass der Ganztagsausschuss ein paritätisch aus der Schulleitung, den Sorgeberechtigten, den Mitgliedern der Lehrerkonferenz, gegebenenfalls den Mitgliedern des Schülerrats sowie an GBS-Schulen den Vertreter/innen des Jugendhilfeträgers bestehen muss. Bei der Vertretung der Sorgeberechtigten soll dafür Sorge getragen werden, dass ins-besondere Eltern im Ganztagsausschuss vertreten sind, deren Kinder auch am Ganztagsangebot teilnehmen. Bei GBS-Schulen ist zudem darauf zu achten, dass möglichst Sorgeberechtigte im Ganztagsausschuss vertreten sind, die sowohl den Elternrat als auch – wenn an der Schule vorhanden – den Elternausschuss vertreten.

An GTS-Schulen gehören Vertreter des Jugendhilfeträgers gemäß § 56a HmbSG dem Ganztagsausschuss nicht an, sie können aber als Gäste hinzugeladen werden. Dieses liegt in der Entscheidung der jeweiligen Schulleitung. In einem ersten Schritt entscheidet die Schulkonferenz über die Anzahl der Mitglieder. Entsprechend der festgesetzten Mitgliederzahl wählen dann der Elternrat bzw. an GBS-Schulen der Elternausschuss ihre Vertreterinnen und Vertreter, ebenso wie die Lehrerkonferenz, ggf. der Schülerrat. Die Mitglieder des Ganztagsausschusses werden für zwei Jahre gewählt (siehe § 55 Absatz 3 HmbSG). Ganz unabhängig von der festgesetzten Mitgliederzahl ist es ausreichend, wenn die Schulleitung und der Träger eine Person benennen. Das Gebot der paritätischen Besetzung ist so zu verstehen, dass jede Gruppe mit gleichem Gewicht vertreten sein muss, um den Austausch aller an Schule Beteiligten sicherzustellen.  Sobald alle Vertreterinnen und Vertreter benannt sind, setzt die Schulkonferenz den Ausschuss ein. Das Gremium soll mindestens viermal im Jahr schulöffentlich tagen. 

Beispiele für die Zusammensetzung des Ganztagausschusses

Die folgenden Beispiele stellen die Mindestgröße der durch die Schulkonferenz zu benennenden Mitglieder je Schulform dar:

GBS-Grundschule: Die Schulkonferenz legt die Mitgliederzahl auf 4/5 fest. Jeweils ein/e Vertreterin/Vertreter der Schulleitung, der Lehrerkonferenz, des GBS-Kooperationspartners, des Elternrats, des Elternausschusses (wenn möglich Benennung einer Elternvertretung, die sowohl den Elternrat als auch den Elternausschuss repräsentiert).

GTS-Grundschule: Die Schulkonferenz legt die Mitgliederzahl auf 3 fest. Jeweils ein/e Vertreterin/Vertreter der Schulleitung, der Lehrerkonferenz, des Elternrats.

Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an Grundschulen: Um die Partizipation der Schülerinnen und Schüler auch an den Grundschulen sicherzustellen, ist es empfehlenswert im Vorfeld die vom Ganztagsausschuss behandelten Themen in den Schülergremien (Klassenrat/ Kinderkonferenz) zu diskutieren und die Ergebnisse an den Ganztagsausschuss zu übermitteln.

Weiterführende Schule (GTS): Die Schulkonferenz legt die Mitgliederzahl auf 4 fest. Jeweils ein/e Vertreterin/Vertreter der Schulleitung, der Lehrerkonferenz, des Elternrats, des Schülerrats.

Zusätzliches Personal an GBS- und GTS-Schulen ab dem Schuljahr 2017/18

Im Rahmen des Haushaltsplanes 2017/18 sollen die Personalressourcen an GBS- und GTS-Grundschulen ab dem Schuljahr 2017/18 auf 1,1 Stellen pro Gruppe verbessert werden. Die Honorarmittel an GTS-Schulen steigen um 10%. Im Rahmen des Haushaltsplanes 2019/20 sollen die Personalressource an GBS- und GTS-Grundschulen ab dem Schuljahr 2019/20 auf 1,175 Stellen pro Gruppe erhöht werden. Die Honorarmittel an GTS-Schulen steigen um 7,5%. Im Rahmen des Haushaltsplanes 2019/20 sollen die Personalmittel für Lehrer und Erzieherstellenanteile in GTS-Stadtteilschulen für die Klassen 5 und 6 ab dem Schuljahr 2019/20 auf 1,1 Stellen verbessert werden. Die Honorarmittel steigen um 10 Prozent. In der Behörde für Schule und Berufsbildung wird derzeit an einem verbesserten Zuweisungsschlüssel für die GTS-Schulen gearbeitet, der transparent und nachvollziehbar gestaltet werden soll.

Einführung der Kooperationspauschale an GTS-Grundschulen ab dem Schuljahr 2017/18

GTS-Grundschulen erhalten ab dem Schuljahr 2017/18 jährlich und zusätzlich 12.500 Euro als Kooperationspauschale. Weitere Informationen hierzu erfolgen rechtzeitig vor dem Start in das nächste Schuljahr.

Einrichtung des Sonderfonds „Guter Ganztag“

Der Sonderfonds „Guter Ganztag“ mit 25 Mio. Euro steht bereits in 2016 zur Verfügung. Aus ihm können zu gleichen Teilen Maßnahmen finanziert werden,

  • mit denen die räumliche Situation an Schulen durch kleinere Umgestaltungen oder anderes Mobiliar verbessert werden können und
  • mit denen durch einfache Veränderungen substantielle Verbesserungen des Frischeangebots des Essens und der Kantinensituation erreicht werden können.

Die zur Verfügung stehenden Mittel zielen auf „einfache“ Verbesserungen ab. Sie ermöglichen es nicht, bestehende Standardküchen zu Vital- oder Produktionsküchen umzubauen. Voraussetzung für eine Mittelbeantragung seitens der Schulen ist ein mit allen schulischen Beteiligten abgestimmtes Raum- bzw. ein Ernährungskonzept, siehe auch die nachfolgenden Informationen zu Raum- und Ernährungskonzepten. Entsprechende Vergaberichtlinien und Antragsverfahren werden in der Behörde entwickelt.

Erstellung eines schulischen Raumkonzepts

Schule als Raum zum Leben und zum Lernen bedeutet, nicht nur die Funktionalität für den Unterricht zu berücksichtigen, sondern ausdrücklich die ganztägige Nutzung, die auch Ruhe und freies Spiel beinhaltet, in den Blick zu nehmen. In diesem Sinne gilt es, an allen allgemeinbildenden Schulen die zur Verfügung stehenden Räume und Flächen noch stärker an den Ganztagsbedürfnissen der Kinder und Jugendlichen nach Bewegung, Spiel und Ruhe auszurichten. Alle allgemeinbildenden Schulen sind aufgefordert, ein Raumkonzept zu erarbeiten, das für die Schule die individuelle Verknüpfung von Raum und Pädagogik beschreibt und die Bedürfnisse der Kinder im Ganztag berücksichtigt. Dabei kann selbstverständlich auf bestehenden Konzepten und Überlegungen aufgebaut werden. Eine Handreichung zur Unterstützung der Schulen bei der Entwicklung von Raumkonzepten und ein Raumkonzeptmuster werden derzeit entwickelt.

Unabhängig von einer Beantragung auf Mittel aus dem Sonderfonds gilt für alle allgemeinbildenden Schulen, dass ein Raumkonzept bis zum Schuljahr 2018/19 entwickelt sein sollte. Dabei sind die jeweiligen Voraussetzungen an der einzelnen Schule – insbesondere bereits längerfristig geplante Bau- und Sanierungsmaßnahmen – zu berücksichtigen. Schulleitungen und Schulaufsichten werden dies im Rahmen der Gespräche über die schulische Ziel- und Leistungsvereinbarung konkretisieren. 

Erstellung eines schulischen Ernährungskonzepts

Ein gesundes und möglichst frisch zubereitetes Essen ist für einen erfolgreichen Ganztag von großer Bedeutung. Es ist wichtig, Kinder heute in ihren Schulen an frisches Essen sowie ausgewogene und gesunde Ernährung und an Fragen von Nachhaltigkeit heranzuführen. Um die Schulen dabei zu unterstützen, gemeinsam mit den Beteiligten im Ganztag vor Ort ein entsprechendes Ernährungskonzept zu entwickeln arbeitet die Schulbehörde derzeit gemeinsam mit Experten an der Entwicklung von Qualitätskriterien und einer Handreichung zur Erstellung schulischer Ernährungskonzepte.   

Möchte eine Schule Mittel aus dem Sonderfonds „Guter Ganztag“ beantragen, so ist in jedem Fall ein Ernährungskonzept mit allen an einer Schule Beteiligten zu entwickeln.

Ergänzung des Musterflächenprogramms für inklusive allgemeinbildende Schulen mit Ganztagsangeboten

Gemäß dem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft aus dem Juni 2016 ist das Musterflächenprogramm (MFP), das Grundlage für die Planungen von Zu- und Neubauten sowie größeren Sanierungsvorhaben im Schulbau ist, ergänzt werden. Wesentlichste Neuerung ist, dass der Aspekt Ganztag sich im gesamten MFP als selbstverständlicher Teil schulischen Alltags wiederfindet und die verschiedenen Aspekte ganztägiger Nutzung von Schulflächen in den jeweiligen Kapiteln (insbesondere bei den allgemeinen Unterrichtsräumen und den Gemeinschaftsflächen) berücksichtigt werden. Anforderungen des Unterrichts und der Anspruch der Schule als Lebensraum für Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Zusammenhang besser verknüpft werden.

Leitfaden zum grundsätzlichen Vorgehen bei Neu- und Zubauten sowie größeren Sanierungsvorhaben

Anstehende Neubau-, Erweiterungs- sowie größere Sanierungsmaßnahmen an Schulen eröffnen die Möglichkeit, das pädagogische Konzept für die Schule einmal ganz neu im Hinblick auf Unterrichtsgestaltung sowie auf gelebte Ganztägigkeit zu betrachten. Dabei ist die Schulkonferenz bereits im frühen Stadium der Planungsphase (Leistungsphase 0) zu beteiligen. Sie richtet unter Beteiligung des Ganztagsausschusses eine Arbeitsgruppe ein, die die Interessen und Bedarfe der Schul- und Ganztagsgemeinschaft – insbesondere der Schüle-rinnen und Schüler – im Rahmen der Leistungsphase 0 einbringt und vertritt. In der Behörde wird derzeit ein Leitfaden entwickelt, der die Schulen in Planung und Verfahren unterstützen und allen Beteiligten mehr Handlungssicherheit geben soll.

Quelle: Behörde für Schule und Berufsbildung


 

 

 


 
(Ende der inhaltlichen Zusatzinformationen)