Grundschule Sternschanze überzeugt Handelskammer Hamburg

Die Grundschule Sternschanze ist Hamburgs „Beste Ganztagsschule 2016“. Der Preis wurde zum vierten Mal von der Handelskammer Hamburg verliehen.

Nachdem sieben der acht teilnehmenden Schulen bereits ihre Urkunden bekommen hatten, brach im Hörsaal des InnovationsCampus in der Hamburger Innenstadt großer Jubel aus. Denn nun stand der Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs der Handelskammer Hamburg fest: Die Grundschule Sternschanze wurde am vergangenen Freitag als „Beste Ganztagsschule 2016“ der Hamburger Wirtschaft gekürt. Die vollgebundene Ganztagsschule mit rund 550 Schülerinnen und Schülern ist die zweitgrößte Grundschule der Hansestadt.

Beste Ganztagsschule 2016: die Grundschule Sternschanze© Claudia Pittelkow

Zum vierten Mal hat die Handelskammer den Preis vergeben. „Überzeugt hat die Jury vor allem die gute Vernetzung im Stadtteil, die enge Kooperation mit lokalen Partnern und natürlich die über 50 Kursangebote, darunter so spannende Themen wie Weltraumforschung“, begründete Angela Hellberg, Leiterin der Abteilung Berufsorientierung, Schule und Wirtschaft in der Handelskammer, die Entscheidung der Jury.

Kaum verkündet, stürmten ein halbes Dutzend Schülerinnen und Schüler im einheitlich blauen T-Shirt mit Schullogo sowie Lehrkräfte und Schulleitung auf die Bühne, um die Urkunde und den mit 5.000 Euro dotierten Preis entgegenzunehmen. „Wir freuen uns sehr, eigentlich hatte ich erwartet, dass eine andere Schule den ersten Platz macht“, gestand Schulleiterin Gisela Rathjens mit Blick auf den zweiten Sieger, den Leiter der Schule Alter Teichweg, Björn Lengwenus. Umso größer war die Freude über den unverhofften Sieg. „Die Siegerprämie kommt zeitlich genau richtig“, so Rathjens. „Unsere alte Lehrküche gibt gerade den Geist auf. Jetzt können wir eine neue Küche kaufen!“

Handelskammer Hamburg bevorzugt „echte“ Ganztagsschulen

In der Grundschule Sternschanze gibt es für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden Unterricht von morgens bis nachmittags – also das, was die Handelskammer als „echte Ganztagsschule“ bezeichnet. Ruth Berckholtz, Mitglied im Ausschuss für Bildung der Handelskammer, erklärt, warum dieses Modell favorisiert wird. „Hamburger Betriebe sind wegen der demografischen Entwicklung mehr denn je auf Jugendliche angewiesen, die die allgemeinbildenden Schulen ausbildungsreif verlassen“, betont sie.

Hamburgs „Beste Ganztagsschule 2016“
Schülerinnen der Grundschule An der Haake präsentieren ein Hörspiel© Claudia Pittelkow

Damit es gelinge, möglichst alle jungen Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren, müsse der schulische Erfolg stärker vom sozialen Hintergrund und vom persönlichen Engagement der Eltern entkoppelt werden. Berckholtz: „Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es aus unserer Sicht nur eine Lösung: Wir benötigen die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen mit einem verpflichtenden Angebot, in denen die Schüler ein warmes und gesundes  Mittagessen erhalten und am Nachmittag eine durch Lehrkräfte oder geeignetes Fachpersonal durchgeführte Hausaufgabenbetreuung stattfindet.“

Landesschulrat: Grundstein wird in der Grundschule gelegt

Auch der Hamburger Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack sieht in den Ganztagsschulen den richtigen Weg. „Als zuständige Behörde freut es uns besonders, dass die Hamburger Handelskammer dem Thema Ganztag einen so hohen Stellenwert beimisst“, so der Leiter des Amts für Bildung. Man könne annehmen, dass junge Menschen für die Wirtschaft erst dann interessant würden, wenn sie sich dem Schulabschluss näherten. „Doch die Grundsteine dafür, dass Kinder und Jugendliche ihren Platz in der Gesellschaft finden, sich aktiv einbringen und beruflich erfolgreich sind, werden schon im Grundschulalter gelegt“, betont Altenburg-Hack.

Hamburgs „Beste Ganztagsschule 2016“
2. Preis für die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg© Claudia Pittelkow

Aus diesem Grund habe die Stadt das Ganztagsangebot an Schulen ausgebaut. Nach dem flächendeckenden Ausbau im Grundschulbereich haben inzwischen auch alle anderen staatlichen allgemeinbildenden Schulen der Hansestadt Ganztagsangebote. „Bei meinen Schulbesuchen bin ich immer wieder begeistert, welche tollen Konzepte vor Ort in kürzester Zeit umgesetzt wurden“, so der Landesschulrat.

Erste Hamburger Ganztagsgrundschule

Während viele Hamburger Schulen erst seit kurzem Ganztagsangebote haben, ist der diesjährige Wettbewerbssieger in Sachen Ganztag ein alter Hase. Die Grundschule Sternschanze – ehemals Grundschule Ludwigstraße – gehört zu den ersten Ganztagsschulen Hamburgs. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 werden die Schülerinnen und Schüler ganztägig unterrichtet. Damals war der Ganztag noch nicht verpflichtend, viele Schülerinnen und Schüler gingen zum Mittagessen nach Hause und kamen am Nachmittag zurück in den Klassenraum.

Die Grundschule An der Haake freute sich über Platz 3© Claudia Pittelkow

Doch von Anfang an wurde der Unterricht ausnahmslos von Lehrkräften gestaltet, auch am Nachmittag. „Das nannte man früher Lehrermodell“, erinnert sich Schulleiterin Gisela Rathjens, die 1988 als Lehrerin an der Grundschule anfing. Ganz bewusst habe sie sich für diese Schule entschieden. Der Grund: „Ich bin eine komplette Anhängerin der echten Ganztagsschule“, bekennt sie. Sechs Jahre später wurde sie Schulleiterin – und führte quasi als erste Amtshandlung den gebundenen Ganztag ein. „Wir hatten dadurch einen enormen Zulauf“, erzählt Rathjens.

Durch die Fusionierung mit der benachbarten Grundschule Altonaer Straße, damals noch eine Grund-, Haupt- und Realschule, wuchs die Schule unter ihrem neuen Namen Grundschule Sternschanze weiter an. Heute ist die Schule sechs- bis siebenzügig und hat zwei Standorte: einen kleineren in der Ludwigstraße (Vorschule und 1. Klasse) und einen größeren in der Altonaer Straße (Klassen 2 – 4). Am Standort Ludwigstraße gibt es keine Mensa, die Vorschüler und Erstklässler essen im Klassenverband, was laut Rathjens „ideal für diese Altersklasse“ ist. In der Altonaer Straße gibt es eine Vitalküche, in der täglich frisch und gesund gekocht wird. „Das ist richtig lecker, alles Bio, und man kann zugucken, wie das Essen gekocht wird“, schwärmt Schülerin Laila. Vor allem der Koch sei großartig. „Da darf man sich sogar etwas wünschen“, so die Elfjährige.

Highlight der Schule: Über 50 Kurse

Auf die Frage, was ihre Ganztagsschule auszeichnet, antwortet Rathjens spontan: „Unsere Kurse, die organisiere ich selbst!“ Mehr als 50 Kurse werden ab der zweiten Klasse angeboten. Neben den üblichen sportlichen, musischen und kreativen Kursen finden sich auch ganz außergewöhnliche Angebote, darunter die erwähnten „Weltraumforscher“ oder die Kurse „Wikinger“ oder „3-D-Drucken“. Rathjens: „Oft handelt es sich um Themen, die im Sachunterricht zu kurz kommen.“

Jeder Kurs dauert ein Schulhalbjahr, außer die Geigen- und Cellokurse, die über ein ganzes Jahr gehen. Am Ende der Grundschullaufbahn haben alle Kinder zehn Kurse absolviert. „Das ist anspruchsvoll, da die Kinder immer wieder mit neuen Kindern zurechtkommen müssen. So wird Sozialverhalten trainiert!“

„Allesamt tolle Konzepte“

Der zweite Preisträger, die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg  im strukturschwachen Stadtteil Dulsberg ist eine sogenannte Langformschule von Klasse 0 bis 13 mit 1.240 Schülerinnen und Schülern aus mehr als 50 Nationen. „Über die Hälfte der Kinder erhalten Sozialleistungen, eine gute schulische Förderung geht hier nur über den Ganztag“, sagt Schulleiter Björn Lengwenus. Die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg ist eine sportbetonte Schule und seit 2006 „Eliteschule des Sports“. Durch den Ganztagsbetrieb haben sportbegabte Schüler hier die Möglichkeit, schulische Bildung und sportliche Ausbildung zu verbinden. Außerdem war die Grund- und Stadtteilschule die erste Integrationsschule Hamburgs.

V.l.n.r.: Ruth Berckholtz, Thorsten Altenburg-Hack und Angela Hellberg© Claudia Pittelkow

Auch die Grundschule An der Haake, teilgebundene Ganztagsschule aus dem Stadtteil Hausbruch im Hamburger Süden, überzeugte die Jury mit tollen Projekten, etwa dem Gewaltpräventionstraining „Cool in School“ oder dem Schulradio-Kurs. Zur Preisverleihung hatten die Schüler ein bewegendes Hörspiel über ein afghanisches Flüchtlingskind mitgebracht, das in Hamburg zur Schule geht. Ihre Schule stellten die Kinder auf der Bühne selbst vor – und sorgten damit für Heiterkeit im Publikum: „Alles Spannende über unsere Schule findet ihr auf unserer Homepage. Was ihr da nicht findet, ist unser Zusammenhalt!“

Urkunden erhielten außerdem noch die Schule an der Elbe, die Goldbek-Schule, die Irina-Sendler-Schule, die Grundschule Molkenbuhrstraße und die Stadtteilschule Öjendorf. Am Ende der Veranstaltung resümierte Angela Hellberg als Mitglied der Jury: „Alle eingereichten Unterlagen sind mit viel Herzblut erstellt worden.“ Die Bewertung sei deshalb nicht einfach gewesen. „Es waren auf jeden Fall allesamt tolle Konzepte“, so Hellberg.

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