Grundschule St. Nikolai: Voll Vertrauen in vollgebundenen Ganztag

Im Hamburger Stadtteil Eppendorf liegt die Grundschule St. Nikolai, eine vollgebundene Ganztagsschule mit dem Schwerpunkt Inklusion. Mit dem Neubau im nächsten Jahr wird die Schule vierzügig.

Jugendstilhäuser, Alsterkanäle, grüne Parks, schicke Läden und Restaurants: Eppendorf gehörte immer schon zu Hamburgs „besseren Gegenden“ und gilt heute als bevorzugtes Wohnquartier für Familien mit Kindern – wenn man es sich leisten kann. Der Stadtteil ist gefragt, Wohnraum und Parkplätze sind knapp, und die Grundschule St. Nikolai im Herzen des Viertels wird angesichts der stetig wachsenden Schülerzahlen langsam zu eng.Deshalb soll die Ganztagsschule mit Schwerpunkt Inklusion im nächsten Jahr einen Erweiterungsbau mit neuer Mensa und neuer Sporthalle bekommen. „Darüber sind wir sehr glücklich“, sagt Schulleiterin Inken Schwanholz.

Vollgebundene Ganztagsschule mit Inklusion

Die geplanten Zubauten sollen ermöglichen, dass die Schule künftig noch mehr Schülerinnen und Schüler aufnehmen und vierzügig werden kann. Gleichzeitig sollen genügend Freiflächen zum Toben und Spielen übrig bleiben. Wenn die Bauarbeiten im Sommer 2018 abgeschlossen sein werden, können insgesamt 440 Schülerinnen und Schüler – rund 140 mehr als heute – am Standort in der Robert-Koch-Straße lernen.

Grundschule St. Nikolai
Die Grundschule St. Nikolai bekommt 2017 einen Neubau.© Claudia Pittelkow

Für die vollgebundene Ganztagsgrundschule stehen künftig neben dem denkmalgeschützten Hauptgebäude eine neue Pausenhalle mit Mensa, neue Fach- und Klassenräume sowie zwei neue Sporthallen zur Verfügung. Als Schwerpunktschule Inklusion benötigt die Schule zudem rollstuhlgerechte Klassenräume. Schwanholz: „Barrierefreiheit ist für uns von entscheidender Wichtigkeit.“ Der ausgewählte Architektenentwurf berücksichtigt diese Vorgaben. Rund 8,5 Millionen Euro investiert die Stadt Hamburg in das Bauprojekt.

Einst „Hilfsschule“, später Privatschule, heute staatliche Grundschule

Aus historischer Sicht hat die Grundschule St. Nikolai ihren Schwerpunkt Inklusion mit in die Wiege gelegt bekommen – und auch den Ganztag. In den 1950er Jahren erbaut, war sie in der Nachkriegszeit der erste schulische Neubau für eine sogenannte Hilfsschule. Hierzu gehörte die damals erforderliche flache Bauweise mit Verbindung zum Garten und den Klassenräumen, die bewusst häusliche Geborgenheit ausstrahlen sollten.

Schulleiterin Inken Schwanholz© Claudia Pittelkow

Als die Förderschule 2005 in einen anderen Stadtteil umzog, setzte sich in Eppendorf zeitgleich ein engagierter Elternkreis von Gemeindemitgliedern der Hauptkirche St. Nikolai für die Gründung einer neuen „Schule unterm Kirchturm“ ein. So wurde 2006 die Bugenhagenschule der evangelischen Stiftung Alsterdorf gegründet, ganztägig und integrativ. Doch der Schulbetrieb lief nicht so gut wie erhofft, die Anmeldezahlen sanken. Immer mehr Eltern wollten ihre Kinder lieber an einer staatlichen Schule anmelden. 2011 wurde die Bugenhagenschule in eine staatliche Grundschule umgewandelt.

Stetig steigende Schülerzahlen

Seitdem leitet Inken Schwanholz die Schule, die fortan St. Nikolai Grundschule hieß. Ganztag und Inklusion gingen nahtlos in das Konzept der neuen staatlichen Schule über. Die Hauptkirche St. Nikolai als bewährter Begleiter blieb der Schule als neuer Kooperationspartner für die Randzeiten- und Ferienbetreuung erhalten. Beinahe komplett neu ist hingegen das Kollegium. „Nur drei der ehemaligen Bugenhagen-Lehrkräfte sind bei uns geblieben“, berichtet Schwanholz.

Heute arbeiten in der Schule 29 Lehrerinnen und Lehrer sowie vier Sonderpädagogen, vier Erzieher und zwei Sozialpädagogen. Seit der Verstaatlichung wächst die Schule stetig, für die aktuell rund 300 Schülerinnen und Schüler wurde ein dritter Zug eingerichtet, der vierte soll nach dem Umbau folgen. Auch im Vorschulbereich tat sich ordentlich etwas: 2011 war die neue Grundschule noch ohne Vorschulklassen gestartet, mittlerweile gibt es schon zwei.

Konzept: Ganztägiger Unterricht und Arbeitsgemeinschaften

Von den zahlreichen unterschiedlichen Möglichkeiten, die der Ganztag bietet, hat sich die Eppendorfer Grundschule für die gebundene Form entschieden. Das heißt: Unterricht bis nachmittags, alle Kinder besuchen die Schule verpflichtend montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr. Einmal in der Woche wird der Unterricht im Klassenverband für anderthalb Stunden unterbrochen. In dieser Zeit wählen die Kinder sich Arbeitsgemeinschaften – beispielsweise Theater, Chor, Tanz, Computer, Spanisch oder Schülerzeitung –, die nicht von Lehrkräften oder Erziehern ausgerichtet werden, sondern von Externen.

Schulhof
Schulhof© Claudia Pittelkow

„Diese AGs bereichern das Schulleben“, sagt Schulleiterin Schwanholz. Nach 16 Uhr, freitags schon ab 13 Uhr, übernimmt der Kooperationspartner, die Hauptkirche St. Nikolai, bis 18 Uhr die „Spätschicht“ und bietet für alle Kinder, die länger bleiben, spannende Kurse in kleinen Gruppen an. Das Angebot ist groß und richtet sich nach den Kinderwünschen.

Rhythmisierung: Durch jahrelanges Ausprobieren optimale Taktung gefunden

Ganztägiger Unterricht ist eine große Herausforderung – für Lehrkräfte und für Schülerinnen und Schüler. Swantje König, stellvertretende Schulleiterin, berichtet aus ihrem Alltag: „Wenn in der letzten Stunde einer ersten Klasse Mathematik im Stundenplan steht, muss man natürlich methodisch anders herangehen, als wenn es in der ersten Stunde wäre, wenn die Kinder noch ausgeruht sind. Man muss zum Beispiel mehr Lernspiele einbauen.“

Hohe Schulverbundenheit© Claudia Pittelkow

Mittlerweile sei der Tag an der Grundschule St. Nikolai gut strukturiert, doch herauszufinden, was am besten funktioniert, habe seine Zeit gebraucht. König: „Wir haben in den vergangenen Jahren drei Taktungen ausprobiert und nun die optimale Taktung gefunden.“ Die sieht so aus: Der Schultag beginnt mit einem 90-Minuten-Block, dann folgen einstündige Unterrichtseinheiten, dazwischen gibt es halbstündige Pausen. Die 45-Minuten-Taktung wurde komplett abgeschafft. Unterrichtsstunden und Pausen finden im ausgewogenen Wechsel statt.

Umwandlung in vollgebundenen Ganztag: Immer ein Wagnis

Die Umwandlung in eine vollgebundene Ganztagsschule ist immer ein Wagnis. Was halten die Eltern davon, wenn ihre Kinder plötzlich den ganzen Tag in der Schule bleiben sollen? Anke Strade, Mitglied des Elternrats und berufstätige Mutter, erinnert sich noch gut an die Umstellung. „Mein ältestes Kind war früher in der Halbtagsschule und anschließend im Hort. Und nun sollte mein jüngstes Kind den ganzen Tag lernen? Also ehrlich: Anfangs war ich ganz schön skeptisch“, sagt sie.

Grundschule St. Nikolai
Eppendorferin Anke Strade engagiert sich im Elternrat.© Claudia Pittelkow

Doch inzwischen ist die zweifache Mutter vom gebundenen Ganztagsmodell überzeugt. „Der Tag ist gut durchstrukturiert, die Kinder müssen nach der Schule keine Hausaufgaben mehr erledigen und werden zu eigenständigem Lernen angehalten.“ Was ihr ebenfalls wichtig ist: Das Personal ist beständig. Strade: „Wenn von morgens bis abends immer die gleichen Lehrkräfte und Erzieher im Einsatz sind, schafft das einfach Vertrauen.“ Hinzu kommt, dass die Kinder sich stark mit ihrer Schule identifizieren. Schulleiterin Schwanholz bestätigt diese hohe Schulverbundenheit.

Inklusion als Schwerpunkt

Die Grundschule St. Nikolai ist eine Schwerpunktschule Inklusion, in der Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam lernen. Ein Sonderpädagoge prüft den sonderpädagogischen Förderbedarf. Falls Förderbedarf in den Bereichen „Sprache“, „emotionale und soziale Entwicklung“, „körperliche und motorische Entwicklung“, „Sehen“ oder „Hören“ diagnostiziert wird, können die Kinder mit zusätzlicher Unterstützung die Lernziele des Hamburger Bildungsplans erreichen.

Inken Schwanholz: „Die Akzeptanz ist groß, da in fast jeder Klasse, von der ersten Klasse an, Inklusionskinder sitzen.“ Maximal vier gibt es pro Klasse mit durchschnittlich 23 Kindern. Dadurch würden die Schülerinnen und Schüler von klein auf hohe soziale Kompetenzen erwerben, Anders-Sein wird zur Normalität. „Denn eigentlich ist doch jedes Kind anders“, betont die Schulleiterin.

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