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Mecklenburg-Vorpommern: "Abwechslungsreichen Ganztag gestalten"

Schritt für Schritt geht Mecklenburg-Vorpommern zu teilgebundenen und gebundenen Ganztagsschulen – in Kooperation mit Jugendarbeit, Sport, Kultur und Umweltbildung. Bildungsminister Mathias Brodkorb spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Bildungsminister Mathias Brodkorb© Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Online-Redaktion: Herr Minister, Mecklenburg-Vorpommern hat bereits früh mit dem Ausbau gebundener Ganztagsschulen begonnen, vor allem bei den weiterführenden Schulen. Wie ist der derzeitige Stand?

Mathias Brodkorb: Mecklenburg-Vorpommern hat ein dichtes Netz an Ganztagsschulen. 75 Prozent aller Schulen in der Sekundarstufe I machen heute Ganztagsangebote. Zu Beginn meiner Amtszeit im Jahr 2011 habe ich allerdings den Ausbau von Ganztagsschulen gestoppt, weil er zu Lasten der sonderpädagogischen Förderung finanziert worden war. Das war ein ungewöhnlicher Schritt, aber er war richtig. Im vergangenen Jahr haben wir ein Ausbauprogramm für Schulen mit Ganztagsangeboten auf den Weg gebracht. Bis zum Jahr 2020 soll es mindestens 10.000 weitere Ganztagsplätze geben. Das Geld dafür steht schon bereit.

Im Schuljahr 2016/2017 stellt das Land insgesamt 26 Millionen Euro für den laufenden Betrieb und den weiteren Ausbau für Schulen mit Ganztagsangeboten zur Verfügung. Im kommenden Schuljahr werden 73 Prozent der Ganztagsschulen eine teilweise gebundene oder gebundene Form haben. Ich finde, diese Zahlen können sich sehen lassen.

Schülerinnen und Schüler vor dem Eldenburg-Gymnasium Lübz
Mit IZBB-Mitteln gefördert: Eldenburg-Gymnasium Lübz© Britta Hüning

Online-Redaktion: Gibt es Unterschiede zwischen den Schularten in der Gestaltung des Ganztags? Wie sieht das beispielsweise bei den Grundschulen oder den Regionalen Schulen mit angeschlossener Grundschule aus?

Brodkorb: An den allgemein bildenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei Modelle: Ganztagsschulen umfassen bei uns den Sekundarbereich I, also die Jahrgangsstufen 5 bis 10. Sie können eine gebundene, teilweise gebundene oder offene Form haben. Außerdem gibt es bei uns die vollen Halbtagsgrundschulen. Das sind Grundschulen mit festen Öffnungszeiten, die zusätzlich zum Pflichtunterricht weitere pädagogische Angebote in den Tagesablauf integrieren. Der Zeitrahmen kann dabei bis zu sechs Stunden betragen. Anschließend besuchen die Schülerinnen und Schüler den Hort und werden durch Erzieherinnen und Erzieher betreut. An Regionalen Schulen mit Grundschulen existieren beide Modelle nebeneinander.

Online-Redaktion: Auf dem Ganztagsschulkongress in Rostock 2014 sagten Sie, eine Ganztagsschule müsse etwas anderes sein als „nicht enden wollender Unterricht“. Was sollte eine Ganztagsschule bieten, um Schülerinnen und Schüler gut zu bilden?

© Regionale Schule mit Grundschule Dassow

Brodkorb: Vor allem einen abwechslungsreichen Tag, damit Schülerinnen und Schüler gern in die Schule kommen. Ich habe da großes Vertrauen in die Schulleitungen und in unsere Lehrerinnen und Lehrer, die wissen, wie sie einen abwechslungsreichen Schultag für Kinder und Jugendliche gestalten.

Online-Redaktion: Wie unterstützt das Land die Kooperation mit außerschulischen Partnern, zum Beispiel mit der Jugendhilfe oder mit der Kulturellen Bildung?

Brodkorb: Wir haben in den vergangenen Jahren viel unternommen. Seit dem Schuljahr 2014/2015 können bei uns Vereine, Verbände und Institutionen aus den Bereichen Jugendarbeit, Sport, Kultur, Umweltbildung Ganztagsangebote in den Schulen gestalten. Sie können sich dafür bei den Schulen bewerben. Da gibt es tolle Beispiele: Die Regionale Schule „Caspar David Friedrich“ in Greifswald beispielsweise hat gemeinsam mit der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“, der Udo-Lindenberg-Stiftung, der Stage-Entertainment und der Uni-Medizin Greifswald das Musical-Projekt „Hinterm Horizont“ umgesetzt. Das Gymnasiale Schulzentrum in Barth und die Vorpommersche Landesbühne in Anklam haben Friedrich Schillers „Räuber“ einstudiert. Das Robert-Stock-Gymnasium Hagenow und die Rock-Pop-Schmiede Göhlen haben für die Klassen 7 und 8 ein Chorprojekt aufgelegt.

Schülerinnen und Schülber auf der Bühne
Musical "Kwela, Kwela" in der Schule am Bodden Neuenkirchen© Schule am Bodden

Gerade im künstlerischen Bereich ergeben sich viele Möglichkeiten. Wenn Musikschulen, Kultur- und Sportvereine Angebote in Ganztagsschulen oder vollen Halbtagsgrundschulen machen, kann das eine wertvolle Bereicherung für die Schülerinnen und Schüler sein. Bis zu 18 Millionen Euro aus der Finanzierung der Ganztagsschulen können so genutzt werden. Das entspricht in etwa einem Umfang von 250 Lehrerstellen.

Online-Redaktion: Von Schulbesuchen wissen wir, dass viele Schulen vom Ganztag überzeugt sind, ob in Feldberg, Garz oder Gingst. Doch es gibt auch Herausforderungen. Ein Schulleiter sagte augenzwinkernd mit Blick auf die Abhängigkeit vom ÖPNV: „Wir unterrichten so lange, bis der Bus kommt.“

Brodkorb: Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland. Viele Schülerinnen und Schüler sind auf den Schulbus angewiesen, um zur Schule zu gelangen und wieder nach Hause zu fahren. Das müssen Schulen berücksichtigen. Das Land fördert deshalb den Ausbau von teilweise gebundenen und gebundenen Ganztagsschulen, in denen die Teilnahme an Ganztagsangeboten verpflichtend ist.

Golf mit dem Garzer Sportverein: Regionale Schule "Am Burgwall"© Regionale Schule "Am Burgwall" Garz

Wenn eine größere Zahl von Schülerinnen und Schülern an diesen Angeboten teilnimmt, kann einerseits die Schule besser planen. Andererseits fahren die Schülerinnen und Schüler zum selben Zeitpunkt nach Hause. Wird es dennoch einmal schwierig, lehrt mich meine Erfahrung: Es ist alles eine Sache der Absprache. Wer miteinander redet, kann Probleme lösen, die zuvor unlösbar scheinen.

Online-Redaktion: An wen können sich Ganztagsschulen wenden, wenn sie Unterstützung in ihrer Schulentwicklung brauchen?

Brodkorb: Zunächst einmal helfen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schulabteilung und auch die Kolleginnen und Kollegen in den unteren Schulbehörden immer weiter, wenn Ganztagsschulen Unterstützung brauchen. Wenn es um ganz konkrete Fragen bei der Begleitung, Beratung und Weiterentwicklung geht, dann sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ bei der RAA in Waren/Müritz sehr gute Ansprechpartner. Der Bund hat sich bedauerlicherweise aus der Finanzierung der Serviceagenturen zurückgezogen. Mecklenburg-Vorpommern hat sich jedoch dazu entschlossen, dieses Angebot weiter aufrecht zu erhalten und mit Landesmitteln zu finanzieren.

Schülerinnen und Schüler bei einer Paddeltour
© Regionale Schule mit Grundschule Gingst

Online-Redaktion: Gibt es Schwerpunkte, die Ihnen für die Zukunft besonders wichtig sind?

Brodkorb: In Mecklenburg-Vorpommern soll der Ausbau von Ganztagsschulen und vollen Halbtagsgrundschulen Schritt für Schritt weitergehen. Ganztagsschulen und volle Halbtagsgrundschulen sind wichtig. Sie machen neue Lernformen möglich, weil Schüler und Lehrer durch eine andere Organisation des Schulalltags mehr Zeit haben. Außerdem sorgen Ganztagsschulen und volle Halbtagsgrundschulen dafür, dass Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können, da ihre Kinder am Nachmittag gut betreut werden.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

 

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