Lichtschwerter, fliegende Teppiche und kleine Helden

Einen würdigen Rahmen fand das Team der pädagogischen Partner von medien+bildung.com für die Präsentation der bunten und vielfältigen Filme von Schülerinnen und Schülern der Medien-AGs in Mainzer Ganztagsschulen. Am 26. Juni 2009 hieß es in einem kommunalen Kino im hessischen Gustavsburg: Film ab!

Abbildung eines Plakats im Stil von Star Wars.
Das Einladungsplakat für den Filmnachmittag im Komki-Kino

An diesem Nachmittag des 26. Juni 2006 herrscht nicht gerade Kinowetter im hessischen Gustavsburg, direkt an der Mündung von Main und Rhein, gegenüber der Stadt Mainz. Und schon gar nicht, wenn die Leinwand nicht in einem gut klimatisierten Kinopalast steht, sondern in einem kleinen Zirkuszelt in der prallen Sonne, das zum Vorstellungsbeginn schon gut aufgeheizt ist.

Die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die zusammen mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden an den ungewöhnlichen Spielort der "Freunde des Kommunalen Kinos Mainzspitze e.V." gekommen sind, stören sich nicht an den Temperaturen. Sie sind einfach nur neugierig, was gleich für rund 90 Minuten über die Leinwand flimmern wird. Denn in manchen der auf dem Programm stehenden 40 Kurzfilme sind sie selber die Stars.

Mit dem selbstbewussten Slogan "Die Zeit ist reif für intergalaktisch gute Filme!" hatte das Mainzer Regionalbüro von bildung+medien.com die kleinen Filmschaffenden und Darsteller zu dieser Werkschau eingeladen. Präsentiert wurde ein Querschnitt aus der Schaffensperiode von 14 Ganztagsschulen in Mainz und Umgebung des sich dem Ende entgegen neigenden Schuljahrs. "Anfang dieses Jahres haben wir vereinbart, dass wir die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler aus den Arbeitsgemeinschaften in einem öffentlichen Rahmen angemessen präsentieren wollen", erklärt die Medienpädagogin Maren Risch.

"Ein tolles Gefühl für die Kinder"

Als Kooperationspartner ist medien+bildung.com, eine Tochter der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) in Ludwigshafen, seit inzwischen sechs Jahren in Ganztagsschulen tätig. In rund 50 Schulen aller Schulformen bieten Medienpädagoginnen und Medienpädagogen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Medien zu verstehen, selbst zu gestalten und kritisch zu hinterfragen. Vor zwei Jahren ist das Regionalbüro Mainz gegründet worden. Das Medienpädagogen-Team Maren Risch, Christian Gottas und Tobias Härtling arbeitet zusammen mit zwei Honorarkräften als Leiterinnen und Leiter der Medien-AGs, die in der Regel einmal wöchentlich für 90 Minuten im Nachmittagsbereich der Ganztagsschulen stattfinden.

Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen die kleinen und großen Zuschauer das Geschehen auf der Leinwand

In der Eifel hatte medien+bildung.com bereits gute Erfahrungen mit einem solchen Rahmen gesammelt. Christian Kleinhanß, der Pädagogische Leiter der Lernwerkstatt Ganztagsschule, berichtet: "Für die Kinder ist das ein tolles Gefühl und ein intensives Erlebnis, wenn der eigene Film auf der Leinwand läuft. Das wollten wir beibehalten." In der Eifel war der Kinonachmittag in einem Programmkino veranstaltet worden: "Manche Kinder sind zuvor noch nie in einem Programmkino gewesen", erinnert sich Kleinhanß. "Das ist natürlich auch toll, wenn wir sie durch so eine Aktion in ein solches Kino locken können."

Teamarbeit ist das Wichtigste

Auch bei der Arbeit mit den Medien in den Arbeitsgemeinschaften werden die Schülerinnen und Schüler mit Neuem konfrontiert - und das bezieht sich nicht nur auf die technischen Aspekte, eine Kamera zu bedienen oder den Ton aufzunehmen. "Manche Kinder und Jugendlichen sind absolut nicht kritikfähig und können ihre Stärken und Schwächen schwer einschätzen", erklärt Maren Risch. "Im Laufe eines Schuljahres bessert sich das. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, ob sie besser vor oder hinter der Kamera aufgehoben sind, sie entwickeln ein Körpergefühl und erweitern ihre Ausdrucksformen."

Dies geht einher mit der Verbesserung des Zusammenspiels der Kinder und Jugendlichen untereinander. "Teamarbeit ist bei der Filmarbeit das Allerwichtigste - und da hapert es oft. Aber nach und nach lernen die Kinder, dass es darauf ankommt, sich auf den anderen verlassen zu können", so die Medienpädagogin. "Sie begreifen, dass jemand sich darum kümmern muss, damit der Akku der Kamera nicht auf dem Schreibtisch liegen bleibt und auch aufgeladen ist." Die Gruppen - immer zwölf Schülerinnen und Schüler - unterhielten sich mit den Pädagoginnen und Pädagogen laufend über Verbesserungen und lernten auch aus Fehlern.

Diese Herausforderungen lassen sich meistern. Es gibt aber in der Zusammenarbeit mit den additiv arbeitenden rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen institutionell bedingte Knackpunkte, die schwieriger zu lösen sind. "Wir arbeiten hauptsächlich mit 5. und 6. Klassen zusammen", erläutert Maren Risch, "und wenn wir am Nachmittag mit den Arbeitsgemeinschaften starten, sind die Kinder häufig schon ermüdet. Es ist dann schwierig, sie noch mal zu motivieren." Daneben lasse manchmal die Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium zu wünschen übrig - will heißen: Sie findet oft gar nicht statt. "Wir freuen uns über gute Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern. Wir sitzen doch in einem Boot", hofft Maren Risch auf ein Umdenken unter manchen Schuldächern.

Schüler fliegen durch die Lüfte

Einen Schritt in die Richtung zu stärkerer Zusammenarbeit zwischen den außerschulischen Pädagogen und den Lehrkräften wird das im nächsten Schuljahr startende Projekt "My Mobile: Handys im Unterricht" bringen, bei dem die beiden Berufsgruppen in Tandems die Klassen leiten werden. In dieser Reihe werden laut der Medienpädagogin diejenigen Kompetenzen, welche gleichsam alle Schülerinnen und Schüler im Gebrauch von Mobiltelefonen beweisen, mit Unterrichtsinhalten verbunden: "Wir können mit dem Handy Vokabeln lernen oder Versuche photographieren, die dann zu einer PowerPoint-Präsentation verarbeitet werden", gibt Maren Risch Beispiele. "Wir müssen weg von der Bespaßung hin zu Bildungsangeboten."

Zuschauer sitzen in einem abgedunkelten Raum vor einer Leinwand, auf der ein Film läuft.
Die Zuschauer sind die Stars: Kleine Heldinnen und Helden blicken von der Leinwand im Komki-Zelt

Die 40 in Gustavsburg aufgeführten Kurzfilme, deren Länge zwischen einer halben Minute und acht Minuten variierte, verrieten beides: Spaß und Bildung. Der Enthusiasmus der Schülerinnen und Schüler war augenfällig. Geradezu verblüffend waren die Tricks und technischen Mittel, mit denen das Aufgezeichnete nachbearbeitet worden war: Da verkleinern sich Schülerinnen und Schüler auf Mausgröße, verschwinden aus dem Bild, verwandeln sich, fliegen in bester "Superman"- oder "Aladin"-Manier durch die Lüfte oder kämpfen als Zahnspangen tragende Jedi-Ritter mit Lichtschwertern ein Duell im Schulflur.

Sogar mit dem aufwendigen Greenscreen-Verfahren waren einige Filme gestaltet: Dabei wird beim Drehen bis auf die Köpfe der Schauspielerinnen und Schauspieler oder weitere Körperteile alles, was später nicht im Bild auftauchen soll, mit grünem Tuch abgedeckt. In der Nachbearbeitung werden dann andere Bilder per Computer über diese "leeren" grünen Bereiche gelegt, sodass alle möglichen Bildkombinationen ermöglicht werden. "Wir haben schon gewitzelt, dass unser Kollege Christian Gottas einen regelrechten Greenscreen-Wahn entwickelt hat", meinte Maren Risch.

Besonders gelungen war diese Arbeit der AG des Rabanus-Maurus-Gymnasiums, die in ihrem fünf Minuten langen Streifen "Helden" die Geschichte des Onkels einer Schülerin erzählten, der unter Oberst Gamal Abdel Nasser mehrmals im Gefängnis saß: Der Kopf der Schülerin, welche die Geschichte erzählte, wurde in die bebilderte Handlung eingeblendet, in der ihre Mitschülerinnen und Mitschüler das Erzählte nachstellten.

Spannende Debatten um Medienethik

Eine Beobachtung der Medienpädagogin: "Nicht wenigen Kindern mangelt es heutzutage an Phantasie. Wenn man ihnen freistellt, eine eigene Geschichte zu erzählen, fällt ihnen oft nichts ein. Es ist dann ein tastender, mühsamer Prozess, eine Handlung zu entwickeln." So knüpften einige der Kurzfilme denn auch an Motive aus dem Fernsehen wie "Deutschland sucht den Superstar" oder Filme wie "Star Wars", "The Matrix" oder "Der Herr der Ringe" an. Dies brachte aber auch Kleinode wie "Titanik" des Gymnasiums Theresianum hervor, dessen Schülerinnen und Schüler das Melodram in eineinhalb Minuten nacherzählten.

Daneben hatten die Schülerinnen und Schüler auch Trickfilme, Interviews und Fotostorys gedreht. "In diesem Schuljahr haben wir viel ausprobiert, besonders die Greenscreen-Experimente haben die Kinder und Jugendlichen begeistert", so Medienpädagoge Christian Gottas. "Wir geben den Schülerinnen und Schülern nichts vor, sondern gehen von ihren Interessen aus", betont Christian Kleinhanß. "Manchmal müssen wir im Nachhinein zensierend eingreifen, wodurch sich eine spannende Situation ergibt. Wir führen dann mit den Kindern und Jugendlichen praktisch eine Debatte über Medienethik, und dieses Verständnis zu entwickeln, ist wichtig."

Das Medienpädagogen-Team des Mainzer Regionalbüros von medien+bildung.com (v.l.n.r.): Christian Gottas, Maren Risch und Tobias Härtling

Den Zuschauerinnen und Zuschauern machte der Nachmittag jedenfalls Spaß - ebenso wie dem medien+bildung-Team. "Wir werden so eine Vorführung jetzt zur Tradition machen", kündigte Maren Risch an.

Zukünftig werden mehr Schülerinnen und Schüler in den Genuss der Medienbildung kommen, denn zum nächsten Schuljahr erhöht sich die Zahl der Schulen, die mit medien+bildung.com in Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten, um zehn bis zwölf Schulen auf dann rund 60 Ganztagsschulen.

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