Demnächst im Ganztag: "Schule aus, Ferien an!"

Ferienbetreuung oder Bildung mit Spaß? Städte, Gemeinden, Vereine, freie Träger und Ganztagsschulen geben alles, um Kindern und Jugendlichen einzigartige Sommerferien zu bieten.

Britta Hüning
© Britta Hüning
„Ganztagsschule statt Urlaub am Meer“, titelte eine Zeitung vor einigen Jahren. „Kreidestaub statt Meeresbrise, Pausenhof statt Strand“ hieß es im Artikel, und das Wort „Schulferien“ war in Anführungszeichen gesetzt. Die Zeiten, da Kinder, die an Ferienspielen teilnehmen, bedauert wurden, dürften inzwischen vorbei sein. Wer sich die Ferienprogramme anschaut, wird zugeben, dass ziemlich viel dazu gehört, täglich ein vergleichbares ganztägiges Unterhaltungsprogramm zu bieten.

Die Realität sieht auch eher so aus, dass es vielerorts heißt: „Leider ausgebucht!“, es Wartelisten gibt und manchmal die Plätze verlost werden. Eine Elterninitiative in Bad Oldesloe hat dieses Thema kürzlich kritisch angesprochen. Gute Ferienangebote sind wichtig, denn mangelnde Anregung in der langen Ferienzeit führt zum „summer gap“, zu Lernlücken, die manche Kinder regelrecht zurückwerfen, während andere gestärkt durch viele Erlebnisse und neues Wissen das Schuljahr beginnen.

„Schule ist super – während der Ferien“

In der Grundschule Am Gleisberg in Mainz-Gonsenheim dreht man die Sache kurzerhand um: Mit einem Plakat „Schule ist super – während der Ferien“ und einem lachenden Frosch – dem Schulmaskottchen – wird die von Eltern und Schulförderverein mit dem Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum GoFi organisierte Ferienbetreuung angekündigt.

© Grundschule Am Gleisberg Mainz-Gonsenheim

„Ferien – fertig –los“ heißt es, organisiert vom Jugend- und Familienbildungswerk in Zusammenarbeit mit dem Personal der OGS, in der St. Norbert-Schule Vreden. In der Grundschule Scheeßeler Kehre in Hamburg sind die Ferien „immer ein besonderes Highlight im GBS-Jahr“. Die Kinder sitzen keineswegs bei Kreidestaub oder auf dem Pausenhof, sondern machen Ausflüge zu Indoorspielplätzen, in den Hochseilgarten, die Puppenwerkstatt, die Malschule, in Museen oder die Fußballstadien des HSV und des FC St. Pauli.

Einmal Bademeister, Feuerwehrmann, Pilot oder Bürgermeister...

In Wuppertal haben Kinder und Jugendliche Oberbürgermeister Andreas Mucke ganz auf ihrer Seite: „Schule ist wichtig, aber Ferien sind klasse“, heißt es in seinem Grußwort zum Ferienprogramm. Das reicht von der „Wilden Wasserwoche“ und der Spieleolympiade mit Billard- und Kickerturnier über den Kinderferienzirkus bis zu „offenen Treffs“ in den Jugendzentren der Stadtteile. Spielmobile reisen – mit Überraschungen im Gepäck – auf Schulhöfe und Spielplätze, und die ansässigen Vereine bieten Sportkurse mit allen denkbaren Sportarten, einschließlich „Cheerleading“ beim LTV Wuppertal. Getanzt werden darf bei „Salsa in der City“ auf dem Geschwister-Scholl-Platz.

„Schule aus, Ferien an!“ meldet Schwabach, wo Oberbürgermeister Matthias Thürauf und das Team der Kommunalen Jugendarbeit einladen, „Schwabachs Fledermäusen auf der Spur“ zu sein, „Hinter den Kulissen des Parkbades“ zu erfahren, was ein Bademeister für wichtige Aufgaben hat, im Flugsimulationscenter Nürnberg als Pilot ins Cockpit zu steigen oder einen Tag in der Einsatzzentrale der Schwabacher Feuerwehr zu verbringen.

Britta Hüning
© Britta Hüning

In Tuttlingen war 2015 das Sommerferienprogramm ein voller Erfolg. So lädt Oberbürgermeister Michael Beck erneut Kinder und Jugendliche zum „SCHOOL´s OUT-Grillen und Chillen!“, zu Stadtralley, Fahrradwerkstatt und Bumerang bauen, Kreativbacken und Bio-Gärtnern oder “Spiel und Spaß mit den ASB-Rettungshunden“, schließlich noch zur großen Party Ende August ein. In Rödermark bekommt Bürgermeister Roland Kern ernste Konkurrenz, denn in der KiSS, der Kinderspielstadt, mit eigener Währung, Tageszeitung und TV wählen die „RÖMKids“ ihren eigenen Bürgermeister und die Stadträte.

Ferienhits in Newtown Winestreet

Neustadt an der Weinstraße ist für seine „Ferienhits“ bekannt. Im CIRCUS SOLUNA kann man die Sterne sehen, Jonglage und Fakir-Künste trainieren, beim Ausflug ins Technik-Museum Speyer ein echtes Space Shuttle erkunden und schließlich bei der "International Open Youthwork Production Newtown Winestreet" Filmgeschichte mitschreiben.

„Raus aus der Stadt – rein in die Natur“, zum Beispiel zum „Edelsteinwaschen am Laacher See“ empfiehlt der „Mayener Ferienchecker 2016“, den die Stadtjugendpflege und das Jugendhaus Mayen erstellt haben, tatkräftig unterstützt vom Eifelmuseum, der Familienbildungsstätte, der Evangelischen Kirchengemeinde, der Caritas und der Lebenshilfe Mayen.

„Hurra, ich lerne häkeln!“

Ältere kennen noch den Handarbeitsunterricht oder das Schulfach „Nadelarbeit“. Ob Knöpfe annähen, Socken stopfen oder Sticken als Kulturtechniken inzwischen vermisst werden, man sich für schlechtere Zeiten wappnen will oder Handarbeiten einfach nie außer Mode kommen – in den Ferien kann man es lernen. „Nähen für Kinder im Grundschulalter“ und „Nähen für Teens“ stehen in Koblenz auf dem Programm. „Hurra, ich lerne häkeln!“ heißt es in Stuttgart. In Netphen können beim „Häkel- und Strickspaß“ Flip-Flops, Taschen und Kissen entworfen werden. Und beim „Häkeln für Anfänger“ im Fellbacher Ferienspaß kann man sogar eine Handy-Tasche häkeln.

Britta Hüning
© Britta Hüning

Wer den Handarbeiten nicht so zugeneigt ist, kann sich in den „Ferienspielen Netpherland“ aber auch für Selbstverteidigung, Tennis, Mountainbiken oder Kartslalom entscheiden, im Erste-Hilfe Kurs lernen, wie man Verbände anlegt und einen Notruf absetzt, oder einfach gemütlich am Lagerfeuer grillen. Auch die Fellbacher Vereine bieten mehr: Segelfliegen über der Ostalb oder „Moonlight-Bowling am Vormittag“. Wer will, kann „Junior Retter“ werden, Ukulele spielen lernen und mit „Mathematik: Fit in die 5. Klasse“ kommen. In der Schulküche der Albert-Schweitzer-Schule Schmiden wird schließlich ungarisch und lombardisch gekocht.

Leben wie Robinson Crusoe

Tschamp heißt das Ferienprogramm in Augsburg, dessen Maskottchen das „jumpende“ Känguru ist. Die „Tschampyons“ können basteln, experimentieren, sportlich aktiv sein, einen „Hauch von Wildnis und Abenteuer im echten Indianertipi mit Lagerfeuer“ oder das Piratencamp der DLRG-Jugend erleben. „Sechs Wochen volles Programm“ verspricht Eberswalde: mit Zelten am Werbellinsee, Besuch des Finower Wasserturms, Schatzsuche, Bibliotheksquiz, Kinderzirkus, Fußballschule und „Spielen aus Omas Zeiten“.

In Sankt Augustin bringen „Spielewagen August“ und „Spielebus Hotti“ die Angebote direkt in die Wohnquartiere. Außerdem laden das Kinder- und Jugendzentrum HOTTI, der Stadtjugendring und der Verein zur Förderung der städtischen Jugendeinrichtungen zur „Reise durch Europa“ und zur „Sportolympiade“. Für die Waldwoche „Leben wie Robinson Crusoe!“ sind wald- und wetterfeste Kleidung, Mücken- und Zeckenschutz sowie müllfreie Rucksackverpflegung mitzubringen!

„Ich und mein Kuscheltier – wir zwei spielen Klavier“

Jede Menge Ferienspaß 2016 bietet Neuss mit „Disneys großer Woche”, in der sich das Jugendzentrum der Reformationskirche in ein Filmstudio verwandelt, oder der Theaterwoche „Fluch der Meere“ des Eigen-art Theaters mit Piraten, Meerjungfrauen und Seeungeheuern. Dazu gehören auch die Aktionswoche „Natur am Rhein und Umgebung erleben“ mit Bogenschießen und Wikingerschach sowie zahlreiche Kurse und Workshops – vom „Traumfänger basteln“ bis zur „Hutwerkstatt“, von Fußball, Indoor-Soccer, Rudern und Wasserski bis zum Action Painting auf den Spuren von Jackson Pollock.

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Ob Flörsheimer Ferienspiele, „Stadt-Land-Fluss“ in Bensheim, „Bamberger Ferienabenteuer“ oder „Tummelferien“ in Hasbergen – Ferienprogramme sind immer auch bürgerschaftliches Engagement. In Deißlingen läuft es so: Das Amt für Familie, Soziales und Ehrenamt schreibt im März Vereine, Kirchen, Organisationen, Firmen etc. an und veröffentlicht einen Artikel im Lokalblatt. Wer sich mit einem Angebot beteiligen möchte, meldet sich oder gibt bis Mitte Mai einen Veranstaltungsbogen ab. Im Juni wird das Programm an die Schulen verteilt, im Rathaus ausgelegt und online veröffentlicht.

Ein lokales Programm kann dann so aussehen wie der „Eberbacher Ferienspaß“, der von den „Spürnasen“ im Polizeirevier Eberbach über die „Kinderbäckerei“ im Café Viktoria, die Lesenacht in der Buchhandlung Greif bis zum ,„Husky-Streicheltag“ reicht. Es gibt Schnuppertennis beim Tennisclub Blau-Weiß, Schnupperkegeln beim KC 80 Eberbach, Schnupperbogenschießen beim SSV Pleutersbach und einen „Schnuppertag auf dem Segelflugplatz“. Und in der Musikschule heißt es „Ich und mein Kuscheltier – wir zwei spielen Klavier“.

Viel Lärm um nichts

Selbstverständlich locken auch wieder die Lesesommer, an denen die örtlichen Bibliotheken beteiligt sind: der Sommerferien-Leseclub (SFLC) in Bayern, der „Lesesommer Rheinland-Pfalz“, der „Buchdurst-Sommer“ in Hessen, der „Buchsommer“ in Sachsen, der FerienLeseClub in Schleswig-Holstein, der „Lesesommer XXL“ in Sachsen-Anhalt, der JULIUS-Club Niedersachsen und „FerienLeseLust“ Mecklenburg-Vorpommern.

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Ein Highlight hält Stuttgart bereit: Das Musical-Projekt der Robert-Koch-Realschule, Ganztagsschule mit musischem Profil, zeigt vom 18. bis 21. Juli 2016 die Shakespeare-Komödie „Viel Lärm um nichts“. Wer keine Karten mehr bekommt oder wem die Anreise zu weit ist, dem sei die Verfilmung von Kenneth Branagh (1993) – mit Denzel Washington, Keanu Reeves und Kate Beckingsale –empfohlen, die auch heute noch einen vergnüglichen Sommerfilmabend garantiert!

Erholsame und erlebnisreiche Sommerferien
wünscht Ihre Redaktion
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