"Ganztagsangebote - eine Lösung der bildungspolitischen Herausforderungen"

"Ganztagsangebote sind eine Lösung für die bildungspolitischen Herausforderungen", betonte die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Dr. Martina Münch, gegenüber www.ganztagsschulen.org am Rande der landesweiten Fachtagung "GANZ NAH DRAN" am 27.09.2011 in Jüterbog.

Eine Frau steht an einem Rednerpult und spricht in ein Mikrofon.
Dr. Martina Münch, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport © Frank Buschner

Die Ministerin hob die zunehmende Bedeutung lokaler Bildungslandschaften hervor. "Sie prägen Bildungsbiografien", erklärte sie vor mehr als 100 Vertreterinnen und Vertretern von Städten, Gemeinden, Ämtern und Schulen. Sie waren der Einladung des Projektverbundes kobra.net gefolgt, der gemeinsam mit dem Städte- und Gemeindebund Brandenburg sowie dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg zu der Fachtagung "GANZ NAH DRAN" eingeladen hatte.

Erforderlich sind nach Auffassung von Dr. Münch Modelle interkommunaler Zusammenarbeit. Nötig seien sie unter anderem für eine erfolgreiche Umsetzung der durch die UN-Behindertenrechtskonvention vorgegebenen Aufgabe der Inklusion. "Sie kann nur im Zusammenwirken aller Partner gelingen", argumentierte die Ministerin. Das gelte im Übrigen auch für die Herausforderungen, die der demografische Wandel für die Kommunen und Städte bereithalte. Angesichts des für 2020 nochmals prognostizierten demografischen Einbruchs stünden insbesondere ländliche Regionen vor der Frage, wie sie die erforderliche Infrastruktur aufrechterhalten könnten. "Notwendig sind dann lokale Vernetzungen von Schulen etwa mit Vereinen, Musikschulen, Volkshochschulen sowie Kultur- und Bildungseinrichtungen. Diese Kräfte kann man im Ganztag bündeln", glaubt Dr. Münch im Gespräch mit www.ganztagsschulen.org.

Karl-Ludwig Böttcher; Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg© Frank Buschner

Zugleich nahm die Ministerin Kinder und Jugendliche in den Blick: "Wenn sie früher aus der Schule kamen, waren entweder die Mutter oder die Großmutter zuhause. Heute sind sie sich vielfach selbst überlassen. Das kann verlorene Zeit bedeuten." An Schulen mit Ganztagsangeboten könnte diese genutzt und junge Menschen über den Unterricht hinaus gefördert werden.

Die Bedeutung von Bildung als Standortfaktor hob auch der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher, hervor: "Menschen, die sich an einem Ort ansiedeln wollen, fragen nach der dort existierenden Bildungs- und Betreuungslandschaft." Weil Schulen heute mehr als reine Lehranstalten seien, solle man zudem auf Schließungen möglichst verzichten. "Wenn wir Schulen schließen, schließen wir Orte des Gemeinwesens."

Zwei Leitlinien des bildungsbezogenen Infrastrukturumbaus in Abwanderungsgebieten lassen sich nach Auffassung des Soziologen Dr. Heinz-Jürgen Stolz (Deutsches Jugendinstitut) benennen. Erstens müssten die personellen, sächlichen und finanziellen Bildungsressourcen "im System bleiben", um der Region mittelfristige Standortvorteile zu verschaffen. Zweitens müsse die notwendige Anpassung der Infrastrukturen im Rahmen einer Aushandlungs- und Beteiligungskultur vereinbart werden. "Auf diese Weise kann man zu lokal angepassten und von den Praktikern vor Ort mit getragenen Lösungen kommen", erklärte Dr. Stolz gegenüber www.ganztagsschulen.org.

Vier Personen sitzen auf einem Podium im Halbkreis und diskutieren.
Fachgespräch am Ende der Veranstaltung (v. l.): Dr. Klaus Schorner (Moderation), Christine Schaade (Sprecherin des Landeselternrates Brandenburg), Andreas Hilliger (Abteilungsleiter Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg), Bianka Petereit (Referatsleiterin Städte- und Gemeindebund Brandenburg) (Foto: Frank Buschner)© Frank Buschner

So könne man gleich drei Herausforderungen bei der Entwicklung des Ganztags gerecht werden. Erstens ließe sich ein besserer Personal- und Betreuungsschlüssel für die verbliebenen Kinder und Jugendlichen realisieren und durch die somit erweiterten Verfügungszeiten für Lehr- und Fachkräfte mittelfristig auch eine Qualitätsverbesserung des Ganztagsangebotes erreichen. Zweitens könnte man durch lokale Ressourcenbündelung zu einer optimal abgestimmten und intensivierten Nutzung vorhandener - auch außerschulischer - Lernorte für den Ganztag kommen. Und drittens bedürfe es - vielleicht noch mehr als anderswo - in Abwanderungsregionen einer lokal abgestimmten Schulnetz- und Bildungsplanung, teilweise auch über Gebietskörperschaftsgrenzen hinaus. "Auf diese Weise könnten gefährdete, wohnortnahe Schulstandorte erhalten werden", glaubt der Soziologe.

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