Sophie-Scholl-Gesamtschule Hamm

Manfred Lindemann leitet die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Hamm. Sein Credo: "Keine Schülerin, kein Schüler darf verloren gehen". Das Kollegium lässt jeder Schülerin und jedem Schüler individuelle Förderung und Wertschätzung angedeihen. In diesem Jahr schaffte es die Schule unter die Top-20 der Bewerber um den Deutschen Schulpreis.

Schülerinnen und Schüle in Laborkitteln bei einem Experiment

"Mehr als 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen von unserer Schule mit einem Abschluss ab, der besser ist als der zum Ende der Grundschule prognostizierte. Die Lernstandserhebungen sind überwiegend besser als die der Schulen mit vergleichbarem Standorttyp", ist Lindemann stolz. Das sind bei derzeit mehr als 1.200 Schülerinnen und Schülern jede Menge Einzelerfolge. Die aber wiederum entspringen auch dem guten sozialen Klima, das an der Schule herrscht. "Hier gibt es ein starkes Wir-Gefühl", betont Lindemann. Fachliche Leistungen und soziales Engagement werden angemessen gewürdigt. Das zeigen eine Vielzahl von Veranstaltungen und Maßnahmen wie "Der Tag der Besten", an dem herausragende Leistungen der Jugendlichen vor Publikum gewürdigt werden oder das "Bild des Monats", eine Ausstellung mit besonders gelungenen Werken.

Kooperatives Lernen

"Das Kerngeschäft aber ist der Unterricht", betont Lindemann. Die Sophie-Scholl-Gesamtschule setzt auf das Konzept des kooperativen Lernens. Geachtet wird unter anderem darauf, dass an den Schülertischen immer eine leistungsgemischte Sechser-Gruppe sitzt. Starke Schüler helfen schwächeren. Dabei erlaubt die Arbeit im Team keinen Rückzug Einzelner. Zunächst muss jeder selber denken. Dann werden die Ergebnisse zusammengetragen, und es wird eine gemeinsame Betrachtungsweise erstellt. Jeder muss damit rechnen, diese vorzutragen. Aber: Jeder kann bei der Präsentation auf den Rückhalt der Gruppe vertrauen, niemand steht alleine da. Lindemann: "Das stärkt das Selbstbewusstsein. Im Wesentlichen geht es beim kooperativen Lernen darum, die Kinder und Jugendlichen an einem aktiven Lernprozess zu beteiligen, in dem Problemlösungsstrategien und langfristige Lernstrategien entwickelt werden." Rund 60 Lehrerinnen und Lehrer haben in den vergangenen Jahren gleichzeitig in mehreren ganztägigen Fortbildungen die Grundlagen des Konzepts erlernt und wenden es nun in der Praxis an.

 

Leuchtturmprojekte: Senioren-Internetcafé und Mitmachlabor

Senioren in einem Klassenraum vor Computern

Auch die Schülerinnen und Schüler sind an der Sophie-Scholl-Gesamtschule Lehrende. So unterrichten sie seit drei Jahren Seniorinnen und Senioren im Internet-Café der Schule, vermitteln diesen Kenntnisse im Umgang mit dem Computer. Entstanden ist das Projekt über eine Kooperation mit dem Sozialamt. Lange Wartelisten zeugen vom Erfolg der Aktion. Für Schulleiter Lindemann ist es eine klassische "Win-Win-Situation": "Die Schüler sind stolz und erfahren Anerkennung. Die Senioren fühlen sich sichtlich wohl inmitten der Jugend und lernen etwas." Zum Abschluss des Kurses versüßen sich Jung und Alt die gemeinsam verbrachte Zeit noch dazu mit Kuchen.

"Wie bekomme ich ein gekochtes Ei in eine Flasche hinein?" Die Antwort auf diese Frage gibt A.L.EX, ein weiteres Leuchtturm-Projekt der Schule. A.L.EX steht für "Anfassen, Lernen und Experimentieren". Auch im Mitmachlabor der Sophie-Scholl-Gesamtschule haben wieder Schülerinnen und Schüler "die Hosen" beziehungsweise weiße Kittel an. Auch hier sind wieder sie es, die anderen etwas beibringen, diesmal den Jüngeren: Kostenlos können Grundschulklassen in den naturwissenschaftlichen Räumen der Sophie-Scholl-Gesamtschule der Schöpfung auf den Grund gehen. Bei den Experimenten werden sie von den Jungs und Mädchen der Labor-Arbeitsgemeinschaft betreut, die sie in die Geheimnisse von Rotkohlsaft, Milch und anderen "merkwürdigen Stoffen" einweihen.


 

Eigene Musikklassen

Großgeschrieben wird an der Ganztagsschule auch Kunst, seit 2008 vor allem die Musik: So gibt es unter den sechs Eingangsklassen immer eine "Big-Band-Klasse", in der jeder Schüler bzw. jede Schülerin ein Instrument spielt.  Gemeinsames Musizieren ist darin bis zur achten Klasse Pflicht, gemeinsame Auftritte - auch außerhalb der Schule - sind die Kür. Theaterprojekte, bilingualer Unterricht, vielfältige sportliche Aktivitäten und aktive Unterstützung bei der Berufsfindung runden das Angebot der Sophie-Scholl-Schule ab.

Schülerinnen und Schüler mit Blasinstrumenten im Musiksaal

Und es wird immer weiter ausgebaut: Neu eingeführt wurde im vergangenen Schuljahr der Kurs "Schüler helfen Schülern". Dort helfen ältere Schülerinnen und Schüler jüngeren, fachliche Inhalte auf- und nachzuarbeiten, sich auf Klassenarbeiten vorzubereiten und die Hausaufgaben anzufertigen. Lehrkräfte stehen ihnen dabei zur Seite und geben Hinweise und Hilfestellungen bei fachlichen und methodischen Fragen.

Ebenfalls ganz neu ist das Lernstudio. In dem zum Lernzentrum umgestalteten Raum haben Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, während der Unterrichtszeit selbstständig an Themen vertiefend zu arbeiten. Sie können im Internet recherchieren, Nachschlagewerke und Schulbücher nutzen sowie weitere Lern- und Übungsmaterialien ausprobieren.

Werteerziehung und religiöse Orientierung

Dass es in der Sophie-Scholl-Gesamtschule um mehr als die Vermittlung von Fachwissen geht, lässt sich daran erkennen, dass "die Kirche in die Schule kommt", wie es Manfred Lindemann formuliert. So ist eine Halbtagsstelle mit einer Schulseelsorgerin besetzt. Die Schule selbst bietet zu feierlichen Anlässen wie Einschulung, Ostern, Schulentlassung Gottesdienste an. Als Highlight stehen zudem seit rund zehn Jahren "Tage der religiösen Orientierung" im Jugendhaus der Benediktinerabtei Gerleve auf dem Programm - ein freiwilliges Angebot an Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 und 12. Drei Tage lang wird die Bedeutung von Glauben und Religiosität für das eigene Leben erörtert. Mögliche Themen sind die Gestaltung der eigenen Zukunft, der Umgang mit Grenzerfahrungen, die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens.

Seit dem Schuljahr 1999/2000 beteiligt die Sophie-Scholl-Schule sich an dem Modellversuch "Islamische Unterweisung in deutscher Sprache". Insgesamt nehmen in jedem Schuljahr rund 60 Schülerinnen und Schüler, deren Familien aus der Türkei, Marokko, Bosnien, Afghanistan oder Pakistan kommen, am Islamunterricht teil. Schließlich werden im Fach "Praktische Philosophie" auch Sinn- und Wertefragen in einer religions- und weltanschauungsneutralen Form behandelt. "All das dient unserem großen Ziel, die Schule zu einem gesellschaftlichen Spiegelbild und zu einem Ort gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz zu machen", sagt der gute Hirte Lindemann...

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