Deutscher Schulpreis 2012 für die Evangelische Schule Neuruppin

Riesenjubel bei der Evangelischen Schule Neuruppin. Das Gymnasium, zu dem seit 2004 eine Grundschule und seit 2009 die Oberschule gehören, wurde am heutigen Dienstag (12. Juni 2012) in der Parochialkirche in Berlin mit dem Deutschen Schulpreis 2012 ausgezeichnet.

Schüler im Klassenraum
Bild aus der Evangelischen Schule Neuruppin© Theodor Barth

Es war kurz nach 12.30 Uhr, da lüftete Ex-Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog das Geheimnis und verkündete: "Der Schulpreisträger 2012 ist die Evangelische Schule Neuruppin." Seine Worte gingen da schon fast im Jubel der Ausgezeichneten und im Beifall der 14 weiteren nominierten Schulen unter. Schulleiterin Anke Bachmann ging sichtlich gerührt aufs Podium, um den Preis entgegenzunehmen. Die Frage, was denn wohl das schädlichste für eine Schule sei, beantwortete sie dann spontan: "Schlechte Laune ist das schädlichste." Die Laune wird garantiert in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten gut sein, zumal der Preis, der von der Robert Bosch-Stiftung und der Heidehof Stiftung seit 2006 ausgeschrieben wird, satte 100.000 Euro beschert. Das stand in diesem Moment der Freude aber nicht im Mittelpunkt. Anke Bachmann lauschte zustimmend dem Rat Roman Herzogs: "Machen Sie es wie im Fußball. Lassen Sie den Pokal im Kollegium kreisen und nehmen ihn dann wieder gut an sich."

Für die Jury steht fest: "Dieses Gymnasium ist in allen Qualitätsbereichen exzellent." Neben dem hohen Niveau des Unterrichts beeindruckte das Expertenteam das Schulklima: "Die Schüler werden im täglichen Schulbetrieb für ethisch-soziale Fragen sensibilisiert und lernen früh Verantwortung zu tragen. Gymnasiasten unterrichten Grundschüler, Schüler der Mittel- und Oberstufe kümmern sich gemeinsam um das Management der Schulcafés", fasste Professor Michael Schratz als Sprecher der Jury zusammen. Die Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Stiftung, Dr. Ingrid Hamm, hob hervor, dass sich ihre Stiftung freue, eine Schule auszeichnen zu können, die gerade im Gymnasium hervorragende Arbeit leiste. "In den vergangenen sechs Jahren haben unterschiedlichste Schulformen in allen Teilen Deutschlands Schulpreise gewonnen. Gute Bildung ist überall möglich", betonte sie.

Eine Schule mit christlichem Leitbild

Die Evangelische Schule in privater Trägerschaft gilt als erste Neugründung einer konfessionellen Schule im Land Brandenburg (1993). Sie steht unter dem christlichen Motto: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Die Schule besteht aus zwei Gebäuden mit zusammen 21 Unterrichtsräumen und den nötigen Fachräumen. Es gibt eine Aula, eine Cafeteria, Bibliothek, Verwaltungs- und Vorbereitungsräume sowie ein Lehrerzimmer. Beide Häuser sind behindertengerecht. Der Schulgarten ist 1999 mit dem ökumenischen Umweltpreis ausgezeichnet worden. Er ist der erste schulische Bibelgarten in Brandenburg.

Bild aus der Erich Kästner-Schule, Bochum© Theodor Barth

Die Ganztagsschule betreibt das Schülerradio "Fischfunk". Im Juni 2001 startete das "Schülercafé Tasca" erstmals als Projekt bis 2003. Seit Januar 2006 ist es eine dauerhafte Einrichtung, die seit Mai 2006 als Schüleraktiengesellschaft firmiert. Im Schülerwettbewerb "Europas kulturelle und historische Spuren im Land Brandenburg" gingen 2008 die Preise eins bis drei in der Kategorie Sekundarstufe II an Schüler des Grundkurses Geographie der 12. Klasse.

Mehr als 1000 Bewerbungen seit 2006

Nicht geringer fiel gestern der Jubel bei vier weiteren Preisträgern aus. Es sind die Erich-Kästner-Gesamtschule (Bochum), die Paul-Martini-Schule für Kranke (Bonn), die Schule am Pfälzer Weg (Bremen) sowie die Schule Rellinger Straße (Hamburg). Den Hauptpreis der Jury, der eine Schule würdigt, die unter ungewöhnlichen, oft ungünstigen Bedingungen Hervorragendes leistet, gewann die August-Claas-Hauptschule (Harsewinkel). Alle fünf Schulen erhalten als Preisgeld 25.000 Euro. Sämtliche nominierten, aber nicht unter die ersten sechs gekommenen Schulen, erhalten einen Anerkennungspreis von jeweils 2.000 Euro.

Lehrer und Schüler beim gemeinsamen Gitarrespielen
Bild aus der Paul-Martini-Schule, Bonn© Theodor Barth

Mehr als 1000 Schulen haben sich seit 2006 um den Deutschen Schulpreis beworben. In diesem Jahr waren es 122 gewesen, aus denen die aus Bildungsexperten zusammengesetzte Jury schließlich 15 Schulen nominierte. Sie besuchten die Schulen und nahmen sie unter verschiedensten Kriterien, angefangen von Leistungen der Schüler, über Umgang mit Vielfalt bis hin zu Unterrichtsqualität, Schulklima und Bereitschaft zur Weiterentwicklung unter die Lupe.

Roman Herzog mahnt zu mehr Zusammenarbeit zwischen Schulen

Während der Feierstunde mahnte Roman Herzog eine größere Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Schulen, zum Transfer und Erfahrungsaustausch an. Ihm dankte Berlins Ex-Bildungssenator Prof. Dr. Jürgen Zöllner nochmals für seine "Ruck-Rede".  "Wer hätte damals schon gedacht, dass sich anschließend die Schule immer stärker in Richtung Ganztag verändert und die frühkindliche Bildung so in den Fokus rückt", sagte er. Zugleich erinnerte er daran, dass Ganztag nicht Betreuung heiße, und forderte: "Wir müssen Mut zur individuellen Förderung haben." Dabei könne der Wert der Lehrerinnen und Lehrer nicht hoch genug angesiedelt werden: "Aber er bemisst sich, wie man am Beispiel Finnlands sieht, nicht am Gehalt, sondern in deren gesellschaftlicher Stellung." Dass gute Schule ohne engagierte und gute Lehrkräfte nicht gelingen kann, machten die Schulleiterinnen und Schulleiter auf der Bühne und in Gesprächen hinter den Kulissen deutlich. Christof Bosch als Sprecher der Familie Bosch machte deutlich: "Lehrer - das ist eine der wichtigsten Aufgaben  im Staat."

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