Bilanz und Ausblick: Studie zum Ganztag wird fortgeführt

StEG, die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen", wird bis 2015 weitergeführt und startet 2012 mit einer Befragung von Schulleiterinnen und Schulleitern. Das Besondere: Statt bisher 14 Länder werden sich künftig alle Bundesländer an der Begleitforschung des Bundes beteiligen. Das Ziel: In der Fortsetzung der Studie steht die Qualität der Ganztagsangebote und die individuelle Förderung im Fokus.

Die wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Begleitforschung zum Ausbau der Ganztagsschulen durch die Bundesregierung stehen inzwischen gedruckt und gebunden zum Nachlesen bereit. Eine ganze Reihe wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren haben sich zusammengetan, um unter Leitung prominenter Bildungsforscher einen Band herauszugeben, in dem die untersuchten Wirkungen von Ganztagsschulen nach Schwerpunkten sortiert und erläutert werden. Mehr als 350 Seiten "Wissen über Ganztag", angereichert mit Grafiken und Tabellen, sind so entstanden. Danach verbessern Ganztagsangebote bei regelmäßiger Teilnahme insbesondere in der Grundschule und in den Klassen 5 bis 7 das Sozialverhalten und bei hoher Qualität der Angebote insbesondere auch die Schulfreude und die Schulmotivation.

Gruppenfoto StEG-Team
Das StEG-Team: Vorne von links: Bettina Arnoldt, Heinz Günter Holtappels, Katja Tillmann, Natalie Fischer, Felix Brümmer. In der Mitte: Christine Steiner, Karin Lossen, Peter Furthmüller, Wolfram Rollett, Ludwig Stecher. Hinten: Ivo Züchner, Hans Peter Kuhn, Stephan Jarsinski, Eckhard Klieme, Thomas Rauschenbach

Noch ein Fazit vorweg: Der Besuch von Ganztagsschulen alleine bewirkt noch keine Wunder, so formulieren es die Autoren selber. Wenn jedoch Angebotsqualität und die Schüler-Betreuer-Beziehung stimmen, dann profitieren Schülerinnen und Schüler insbesondere in ihrem schulischen Wohlbefinden und in ihrer Lernzielorientierung vom Besuch einer Ganztagsschule. Oder anders: "Einer der wichtigsten Faktoren hinsichtlich einer qualitativen Anreicherung der Lernkultur ist . das Schulklima" (S. 347), fassen die Professoren Eckhard Klieme (DIPF, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung) und Thomas Rauschenbach (DJI, Deutsches Jugendinstitut) in ihrer Bilanz zusammen.
 
Das StEG-Team: Vorne von links: Bettina Arnoldt, Heinz Günter Holtappels, Katja Tillmann, Natalie Fischer, Felix Brümmer. In der Mitte: Christine Steiner, Karin Lossen, Peter Furthmüller, Wolfram Rollett, Ludwig Stecher. Hinten: Ivo Züchner, Hans Peter Kuhn, Stephan Jarsinski, Eckhard Klieme, Thomas Rauschenbach

Aufatmen: Weniger Stress mit Hausaufgaben

Stichwort Klima: Abseits der Wirkungen von Ganztagsschulen auf innerschulische Kooperationen, Schulnoten, Sozialverhalten, Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern oder Freizeit- und Bildungsaktivitäten der Kinder gehören die Konsequenzen auf das Familienleben zu den Ergebnissen, die über den schulischen Rahmen hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Die Sorge immer noch vieler Eltern, der Besuch einer Ganztagsschule könne das Familienklima verschlechtern oder die gemeinsamen Aktivitäten einschränken, lässt sich aus den StEG-Daten nicht ablesen.

Titelseite der Studie "Ganztagsschule: Entwicklung, Qualität, Wirkungen"

Ivo Züchner vom DIPF hat sich dieses Schwerpunktes angenommen und die Daten zur Elternbefragung ausgewertet. Er schreibt mit Blick auf ressourcenärmere Familien: "Diese Eltern fühlen sich . entlastet und unterstützt, und in diesen Familien zeigt sich eine positivere Bewertung der Familienbeziehungen und des Familienklimas bei Ganztagsschulbesuch des Kindes." (S. 310) Entlastung spüren alle Eltern insbesondere dadurch, dass die Hausaufgaben überwiegend in der Schule erledigt werden. Da in der StEG-Befragung - wie zumeist in Elternbefragungen zur Schule - weit überwiegend die Mütter geantwortet haben, ist in Familien, die für sich eine Verbesserung des Familienklimas feststellen, stärker die Beziehung zwischen Mutter und Kind erfasst als die zwischen Vater und Kind. Wenn auch behutsam, so geben die Daten darüber hinaus Anhaltspunkte dafür, dass tendenziell bildungsferne Eltern eine ihre Erziehung unterstützende Funktion der Ganztagsschule wahrnehmen. Signifikant profitieren über alle Milieuunterschiede hinweg Eltern von einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Während dabei einkommensstärkere Eltern ihre Berufstätigkeit mit dem Ganztagsschulbesuch ihrer Kinder ausweiten, nutzen einkommensschwächere Eltern das schulische Angebot, um beruflich wieder einzusteigen.

Freizeit: Ganztag baut Unterschiede ab

Die Autorinnen und Autoren der Studie sind sich einig, dass Ganztagsschulen im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Erwartung, Unterschiede in der Herkunft der Kinder zu kompensieren, entsprechen. "Schaut man auf den Zugang zu spezifischen außerunterrichtlichen Aktivitäten, so zeigt StEG ... , dass die Ganztagsschule zum Abbau herkunftsbedingter Unterschiede beiträgt. Die Teilnahme an musisch-kulturellen Angeboten sowie an Sportangeboten im Rahmen des Ganztagsbetriebes ist über die Sozialschichten gleich verteilt. Dies steht im Gegensatz zur Teilnahme an entsprechenden außerschulischen Angeboten der Sportvereine, der Musik- und Kunstschulen." (S. 346), so die Autoren. Von der Fortführung der Studie erhoffen sie sich noch mehr Erkenntnisse darüber, was genau die spezifischen Qualitätsmerkmale von Ganztagsangeboten sind und wie diese auf den einzelnen Schüler wirken.

StEG wird vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, dem Deutschen Jugendinstitut, dem Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund sowie von der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Die bisherigen Ergebnisse (2005 - 2010) sind im Verlag JUVENTA als Buch erschienen: Fischer, N./Holtappels, H.-G./Klieme, E./Rauschenbach, T./Stecher, L./Züchner, I. (Hrsg.) (2011): Ganztagsschule: Entwicklung, Qualität, Wirkungen. Längsschnittliche Befunde der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Weinheim und Basel: Juventa. ISBN 978-3-7799-2156-1.

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