Unterstützung für Ganztagsschulen in Niedersachsen

Das Land Niedersachsen hat mit der "Zukunftsoffensive Bildung" sein Unterstützungssystem für Ganztagsschulen ausgebaut. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt spricht im Interview über die aktuellen Entwicklungen.

Online-Redaktion: Frau Ministerin, wie stellt sich die Ganztagsschulsituation in Niedersachsen aktuell dar?

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt© Nigel Treblin/Niedersaechsische Landesregierung

Frauke Heiligenstadt: Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung: Gut 60 Prozent unserer Schulen haben schon ein Ganztagsangebot, und es machen sich überall im Land weitere Schulen auf den Weg. Auch in den ländlichen Regionen. Worüber ich mich aber noch mehr freue, ist die Tatsache, dass sich unsere Ganztagsschulen auch qualitativ sehr gut entwickeln. Unser Bestreben, den Ganztag auf allen Ebenen auszubauen, kommt an. Mit unserer „Zukunftsoffensive Bildung“ haben wir den Ganztagsschulen weitere finanzielle Spielräume ermöglicht, und seitdem ist nochmal ein richtiger Qualitätsschub zu spüren. Mit mehr Ressourcen können jetzt ganz andere pädagogische Konzepte entwickelt werden, und das machen viele Schulen auch.

Online-Redaktion: Welche finanzielle Unterstützung leistet das Land?

Heiligenstadt: Mit der Zukunftsoffensive Bildung haben wir die Ressourcen für die Schulen deutlich erhöht und investieren in dieser Legislaturperiode 420 Millionen Euro zusätzlich allein in den Ganztag. Die Schulen erhalten also deutlich mehr Finanzmittel. Damit können sie zum Beispiel auch Personal von Kooperationspartnern bezahlen. Für die Sachausstattung sind bei uns die Schulträger, also meist die Kommunen, zuständig. Hier bin ich sehr dankbar, dass ganz viele mit dem Land an einem Strang ziehen und die Schulen beispielsweise mit Mensen ausstatten. Das Engagement gerade der großen Städte in Niedersachsen ist hier wirklich vorbildlich.

Online-Redaktion: Welche qualitativen Ziele verfolgt das Ministerium mit der Zukunftsoffensive Bildung?

Logo Zukunftsoffensive Bildung
© Niedersachsen.de

Heiligenstadt: Mehr Lehrerstunden in das System Ganztag zu bringen, heißt für mich mehr Qualität und Fördermöglichkeiten. Wenn mehr Lehrkräfte Angebote machen oder als Ansprechpartner dienen, dann kann in den zusätzlichen Förder- und Übungszeiten Lernstoff aufgeholt werden. Oder Schülerinnen und Schülern können besondere Begabungen und Neigungen vertiefen.

Gleichzeitig sollen die Schulen offen bleiben können für den Input, der von außerschulischen Partnern kommt – für Sportvereine, Musikschulen, die Feuerwehr, um nur einige zu nennen. Das Engagement in Niedersachsen ist groß. Ganztag macht die Schule bunt, und alle Schülerinnen und Schüler profitieren davon. Sie können Dinge ausprobieren, für die sie sonst vielleicht nicht die Möglichkeit gehabt hätten. Mehr Bildungschancen und Teilhabe sind für mich eine große Motivation für den Ganztagsausbau.

Online-Redaktion: Präferiert das Land beim Ausbau eine bestimmte Ganztagsform?

Heiligenstadt: Wir geben den Schulen auch hier viele Spielräume und ermöglichen alle Organisationsformen. Schulen nehmen dies wahr und wandeln ihr offenes in ein gebundenes oder teilgebundenes um, was mich sehr freut. Wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, den Schulen viele Wahlmöglichkeiten zu lassen, auch inhaltlich.

Es gibt Eltern, für die kommt nur ein offenes Angebot infrage, andere wünschen sich mehr Betreuungszeiten und mehr pädagogische Möglichkeiten, etwa eine andere Rhythmisierung des Schulalltags. Wir machen ganz viel möglich, zum Beispiel auch nur einzelne Ganztagsschulzüge. Die Schulen gestalten das Angebot nach ihren Bedürfnissen, wir geben die guten Rahmenbedingungen dafür.

von-Ravensberg-Schule Bersenbrück© Britta Hüning

Online-Redaktion: Welche Rolle können Ganztagsschulen in der aktuellen Flüchtlingssituation spielen?

Heiligenstadt: Eine ganz entscheidende, davon bin ich überzeugt. Deutsch lernt man nicht nur im Unterricht, sondern auf dem Schulhof, beim gemeinsamen Musizieren, bei kulturellen Angeboten oder beim Sport – also im Ganztag! Hier lernen sich die Kinder auch noch besser kennen. Alles in allem bieten die Ganztagsschulen also beste Voraussetzungen für Integration.

Online-Redaktion: Die Arbeit der Serviceagentur "Ganztägig lernen" der DKJS ist beendet. Wer führt die Unterstützung der Ganztagsschulen fort?

Heiligenstadt: Wir streben eine Beratung und Unterstützung unserer Ganztagsschulen an, die keine Parallelstruktur durch eine externe Agentur erfordert. Wir besitzen im Kultusministerium, aber auch in den nachgeordneten Schulbehörden bereits viel Wissen zu ganztagsspezifischen Themen, das noch weiter ausgebaut werden soll. Die Steuerung wird eine neue Koordinierungsstelle „ganztägig bilden“ bieten, die hier im Kultusministerium angesiedelt ist und sich noch im Aufbau befindet.

Eine Plattform dafür wird unsere eigene Homepage www.ganztagsschule-niedersachsen.de bieten. Hier gibt es auch viel Material für die Schulen, zum Beispiel die Schriftenreihe „Forum Ganztagsschule Niedersachsen“, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigt. Möglichkeiten zum Austausch für die Schulen bieten sich auch auf den von uns angebotenen Fachtagen Ganztagsschule oder über die Netzwerkschulen, die bundesweit engagiert sind.

Online-Redaktion: Welche Themen vermitteln die Fachtage Ganztagsschule?

von-Ravensberg-Schule Bersenbrück
von-Ravensberg-Schule Bersenbrück© Britta Hüning

Heiligenstadt: Durch die Aufstockung der Ressourcen haben sich gerade in den vergangenen Monaten viele Ganztagsschulen in Niedersachsen auf den Weg gemacht, ihre pädagogischen Konzepte zu erweitern. Ziel der Fachtage ist es, diese Schulen, aber auch Halbtagsschulen, die ein Ganztagsangebot entwickeln wollen, mit Impulsen und weiterführenden Anregungen zu begleiten und zu unterstützen. Darum haben wir in enger Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Kultusministerium, der Niedersächsischen Landesschulbehörde und dem Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung dieses neue Veranstaltungsformat konzipiert.

Es umfasst vier Themenblöcke: erstens die Ausgestaltung des Tagesablaufs in der Ganztagsschule mit Rhythmisierung und Verzahnung, zweitens die Chancen zur Weiterentwicklung der Ganztagsschule und die Gestaltung von Veränderungsprozessen, drittens die Kooperation mit der Fragestellung, wie multiprofessionelle Zusammenarbeit in der Ganztagsschule gelingen kann. Und viertens die Fragen der rechtlichen Gegebenheiten in der Ganztagsschule und der Vertragsgestaltung.

Online-Redaktion: Wer organisiert und moderiert die Fachtage?

Heiligenstadt: Die Fachtage werden von Teams unterschiedlicher Professionen durchgeführt: Von der Fachberatung Ganztagsschule, von der Schulentwicklungsberatung, von der Fachberatung für Unterrichtsqualität, vom Fachbereich Service und von Expertinnen und Experten aus der Praxis unter Einbindung der regionalen Kompetenzzentren. Durch die Praxisnähe der Moderatorinnen und Moderatoren erreichen wir einen möglichst großen Informationsgewinn für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Online-Redaktion: Welche Erfahrungen haben Sie mit den Fachtagen bisher gemacht?

Heiligenstadt: Sehr gute! Im vergangenen Schuljahr haben wir landesweit zehn Fachtage durchgeführt und hatten so viele Anmeldungen, dass wir gar nicht alle Interessierten berücksichtigen konnten. Darum haben wir in diesem Schuljahr fünf weitere Veranstaltungen geplant, die ebenfalls gut nachgefragt werden. Und weil sie so gut nachgefragt werden, ist angedacht, die Fachtage Ganztagsschule weiterzuentwickeln und das Veranstaltungsformat damit weiter auszubauen.

von-Ravensberg-Schule Bersenbrück© Britta Hüning

Mit den Fachtagen haben wir den Grundstein für die Wissensvermittlung der neuen Koordinierungsstelle „ganztägig bilden“ gelegt. Der große Vorteil an diesem Format ist, dass hier auf der einen Seite Fachleute Wissen, Kenntnisse und Ideen für die Ausgestaltung der Ganztagsschule bieten, auf der anderen Seite gibt es viele Möglichkeiten, sich fachlich auszutauschen. Wir merken, dass die neuen Rahmenbedingungen, die wir den Schulen bieten, hier mit Leben gefüllt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen die Fachtage, um sich Anregungen für den neuen pädagogischen und organisatorischen Gestaltungsspielraum vor Ort zu holen.

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