Ganztag an der Oberschule Brand-Erbisdorf: „Gemeinsam lernen“

An der Oberschule Brand-Erbisdorf, einer offenen Ganztagsschule in Sachsen, greifen Unterricht, Förderangebote, Arbeitsgemeinschaften und Berufsorientierung erfolgreich ineinander. Das Motto der Schule lautet dabei: „Gemeinsam lernen und die Persönlichkeit stärken“.

© Oberschule Brand-Erbisdorf

430 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die dreizügige Oberschule Brand-Erbisdorf (Landkreis Mittelsachsen) von der 5. bis zur 10. Klasse. Die Oberschule bietet einen integrierten Haupt- und einen Realschulzweig an. Da die offene Ganztagsschule in einem ländlichen Raum liegt, müssen 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die aus vielen kleinen Ortschaften kommen, die bis ins Erzgebirge reichen, die Schule mit dem Bus anfahren. „Dementsprechend sind wir gezwungen, unseren Tagesrhythmus an die Busfahrzeiten anzupassen“, erklärt Schulleiterin Martina Kilian. „Die Ganztagsangebote enden jetzt so, dass es allen Kindern möglich ist, diese wahrzunehmen.“

Insgesamt seit acht Jahren macht die Oberschule Ganztagsangebote, wobei es sich laut Martina Kilian, die seit fünf Jahren die Schule leitet, zu Beginn um ein sehr begrenztes Angebot von höchstens zwei Arbeitsgemeinschaften mit Projektcharakter handelte. „Heute ist unser Ganztagsangebot viel schlüssiger“, findet die Schulleiterin. Die Impulse zum Ausbau des Ganztags kamen von Schulleitung und Kollegium gleichermaßen: „Wir waren uns einig, den Ganztag stärker auszubauen. Es kamen aber auch Signale von Seiten der Eltern, die sich ein umfangreicheres Angebot für ihre Kinder wünschten.“

Schüler beim Basteln
© Oberschule Brand-Erbisdorf

Die Schülerinnen und Schüler wurden vor vier Jahren befragt, was sie sich an Angeboten wünschten. Ein Ergebnis aus der Befragung ist das „Herzstück“ der Ganztagsschule, so Martina Kilian: der Schulclub. Ab 6.45 Uhr öffnet dieser mit dem Eintreffen der ersten Schülerinnen und Schüler und kann nach dem Unterricht von 14.30 bis 15.30 Uhr ebenfalls besucht werden. Hier können sich die Jugendlichen selbst beschäftigen, lernen, lesen oder spielen. Von 13.00 bis 14.30 Uhr ist auch die Lernwerkstatt geöffnet, in der die Schülerinnen und Schüler Hausaufgaben erledigen oder für Klassenarbeiten üben können. Die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer unterstützen unter anderem diejenigen Jugendlichen, die zu Hause eine solche Hilfe nicht erhalten.

Hauptaugenmerk auf Förderkonzept

In Klassenstufe 5 testet die Schule die Schülerinnen und Schüler mit einem selbst entwickelten Test im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften und im Bereich Deutsch und Sprachen, in der Sozialkompetenz und in der Motorik, um deren Leistungsstand zu erfassen. „Weil es viele Kinder mit Schwierigkeiten in der Motorik gibt, haben wir extra ein entsprechendes Förderangebot eingerichtet“, berichtet Martina Kilian. Förderunterricht und Lerncoaching unterstützen die Schülerinnen und Schüler; AG-Angebote wie die Schülerzeitung knüpfen an Stärken einzelner Jugendlicher an. Beim Lerncoaching lernen die Jugendlichen das Lernen. In Absprache mit den Eltern schließen die Schülerinnen und Schüler hier Zielvereinbarungen ab, was sie erreichen möchten.

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„Wir haben eine sehr heterogene Schülerschaft“, erklärt Schulleiterin Kilian. Im Unterricht legt die Schule daher auch einen größeren Wert auf Differenzierung, um allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden zu können. In Sachsen wird von den Schulen auch ein pädagogisches Konzept gefordert, um die Jugendlichen aus dem Hauptschulzweig integrativ zu unterrichten. „Unser Hauptaugenmerk lag auf der Veränderung des Förderkonzeptes“, berichtet Martina Kilian. „Wir versuchen, mit offenen Unterrichtsformen und differenzierten Aufgabenstellungen die Stärken der Kinder zu entdecken und ihre Schwächen zu minimieren. Dabei greifen Unterricht, Ganztagsangebote und Berufsförderung, die bei uns ab der 5. Jahrgangsstufe einsetzt, ineinander.“

„Wichtig war es uns auch, spezielle Angebote für Jungen zu machen“, erinnert sich die Schulleiterin. „Am Anfang war das Angebot doch sehr mädchenlastig. Jetzt haben wir Angebote wie 'Bastler und Tüftler', das von einem sehr engagierten Vater angeboten wird. Da basteln die Jungen an Fahrrädern und Motorrädern, nehmen Motoren auseinander – und da kommt natürlich auch schon ein bisschen Berufsorientierung mit ins Spiel.“Wenn Schülerinnen und Schüler bestimmte Stärken und Interessen offenbaren, bemüht sich die Oberschule, hier entsprechende Schnuppertage oder Praktika in Betrieben zu vermitteln. „Unser Hauptziel ist, dass jeder Jugendliche, der unsere Schule verlässt, einen Ausbildungsplatz erhält“, meint Martina Kilian.

Stolz auf die Berufsorientierung

Auf die Berufsorientierung sind Schulleitung und Kollegium besonders stolz. Die Oberschule hat schon zahlreiche Auszeichnungen wie das Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung und den Schule-Wirtschafts-Preis Sachsen bekommen und viele Partner in der Wirtschaft gewinnen können. „Wir stehen im intensiven Austausch mit den Betrieben und fragen dort auch deren Vorstellungen ab. Zudem laden wir Wirtschaftsvertreter auch zu den Elternabenden ein“, erzählt die Schulleiterin.

Gruppenfoto mit Lehrerin, Schülerin und Sozialpädagogin
(v.l.n.r.): Schülersprecherin Carolin Ferenc, Lehrerin für Berufsberatung Steffi Schaarschuh, Ganztagskoordinatorin Christiane Schmidt, Diplom-Sozialpädagogin Kristin Gelbricht und Schulleiterin Martina Kilian© Redaktion www.ganztagsschulen.org

Die Oberschule Brand-Erbisdorf nahm am Netzwerk der Ganztagsschulen der Servicestelle „Ganztägig lernen“ Sachsen teil, in dem man sich durch gegenseitige Hospitationen Anregungen holen konnte. „Der Austausch zu ganz konkreten Problemen hat uns sehr geholfen“, erinnert sich Martina Kilian, „zum Beispiel wie man verlässliche Partner gewinnt.“ Nachdem es zu Beginn schwierig gewesen sei, Kooperationspartner zu finden, sei man nun in der glücklichen Lage, langjährige und verlässliche Partner zu haben. So machen nun ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Sportvereine und Eltern Angebote.

Der Kontakt zu den Kooperationspartnern läuft hauptsächlich über die Ganztagskoordinatorin Christiane Schmidt; die Schulleitung lädt aber auch alle außerschulischen Partner und Vertreter der Kommune regelmäßig zu Treffen ein. „Wir versuchen, in der Kommune präsent zu sein“, berichtet Schulleiterin Kilian. „Wenn beispielsweise irgendwo ein Fest stattfindet, sind wir mit unserer Tanz-AG mit einer Vorführung dabei. Es ist uns wichtig, dass wir ein Bestandteil des kommunalen Lebens sind.“

Schülerrat bewegt eine Menge

„Es hat sich alles sehr eingespielt“, berichtet die GTA-Koordinatorin, die auch für das Abrechnungswesen zuständig ist. „Wir hätten zum Beispiel die sehr beliebte Reiter-AG eingebüßt, weil unser Partner, ein Reiterhof, geschlossen hatte. Das sprach sich rum, und eine Kollegin kam auf mich zu, die meinte, sie könne das übernehmen – und jetzt läuft das wieder wunderbar.“

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Wer ein AG-Angebot anwählt, verpflichtet sich für ein halbes Jahr. Schnuppertage zu Schuljahresbeginn erleichtern den Schülerinnen und Schülern die Wahl. Die AGs werden an allen fünf Tagen angeboten, wobei der Dienstag der Haupt-AG-Tag mit den meisten Angeboten bildet. An diesem Tag finden keinerlei andere schulische Veranstaltungen statt, sodass wirklich alle Jugendlichen die Chance haben, hier mitzumachen. Umgekehrt kann dann das Kollegium diesen Tag für Fortbildungen und Dienstberatungen nutzen.

Mit dem Schülerrat besteht ein partizipatives Element an der Schule. Schülersprecherin Carolin Ferenc berichtet: „Ich sammele selbst Ideen durch mein Mitwirken im Landesschülerrat und bitte unsere Klassensprecherinnen und -sprecher immer wieder, Ideen zu sammeln und Initiativen einzubringen. Da können wir eine ganze Menge bewegen.“

Außengelände als Rohdiamant

Diplom-Sozialpädagogin Kristin Gelbricht hat in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern in den Klassen den Klassenrat eingeführt, der wöchentlich oder alle zwei Wochen durchgeführt wird. „Es gibt einen Briefkasten, in dem die Anliegen gesammelt werden. Die Themen sind da ganz unterschiedlich. Die Kinder beschäftigt Positives wie Projekttage, Abschlussfeiern oder Wandertage, oder auch kritische Anliegen: Was tun, wenn jemand in der Klasse stört, oder die Sitzordnung.“ Bei gravierenden Veränderungsanträgen wie Neuanschaffungen oder der Hausordnung, welche die ganze Schule betreffen, befassen sich jeweils die Lehrerkonferenz, der Elternrat und der Schülerrat damit, bevor in der Schulkonferenz darüber insgesamt abgestimmt wird.

Die Ganztagsschule Brand-Erbisdorf legt viel Wert auf das eigenständige Arbeiten der Schülerinnen und Schüler, aber auch auf das gegenseitige Unterstützen und das Einbeziehen der Eltern. Bei vielen Schulfesten und -projekten helfen ältere Schülerinnen und Schülern den jüngeren, was laut Schulleiterin Kilian hervorragend klappt und auch das Schulleben prägt. Nicht umsonst lautet ein Motto „Gemeinsam lernen und als Persönlichkeit stark werden“.

Schüler mit einer gebastelten Brücke
© Oberschule Brand-Erbisdorf

Der Ruf der Schule hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert, was sich in steigenden Schülerzahlen niederschlägt. Die Kommune realisiert daher für das kommende Schuljahr einen Anbau, damit die Oberschule vierzügig werden kann. Bereits jetzt macht sich die räumliche Beengung bemerkbar. Stück für Stück erschließt die Schule über die Ganztagsschule das große Außengelände, das für Martina Kilian „ein Rohdiamant“ ist, zum Beispiel mit der Einrichtung eines Grünen Klassenzimmers, einem Hasenstall, einem Insektenhotel und einem Schulgarten.

„Ich denke, dass wir in den vergangenen Jahren sehr viel geschafft haben“, erklärt Christiane Schmidt, „und auch den Schülerinnen und Schülern gerecht geworden sind. Es gibt nichtsdestotrotz immer etwas zu verbessern und neue Träume, was man noch machen könnte. Aber momentan können wir zufrieden sein.“

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