Ganztag als Erfolgsgeschichte: Käthe-Kollwitz-Gesamtschule

Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbecker Land, eine gebundene Ganztagsschule, überzeugt durch ein durchdachtes Konzept, das auf sozialem Lernen, Förderangeboten und Partizipation fußt.

Schulleiterin Kathrin Haase (l.) und Jirka Picklaps, Mitglied der GTS-Steuergruppe© Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land

Als Kathrin Haase 2010 Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbecker Land wurde, stand die neu gegründete Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe vor großen Herausforderungen. Fünf Jahre später hat sich die Lage stark geändert: Die gebundene Ganztagsschule ist 2012 in einen ansprechenden Neubau gezogen – entworfen vom Architekten Wolf-Emanuel Linsenhoff  –, hat ein gutes Image, und die Nachfrage ist so groß, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden können. Während die Schule in den oberen Jahrgangsstufen dreizügig ist, startet sie im 7. Jahrgang sogar sechszügig.

Diese Entwicklung, die laut der Schulleiterin „trotz heftiger Konkurrenz“ im Umkreis erreicht worden ist, spiegelt sich auch im Andrang an den Tagen der Offenen Tür. „Die Fragen, die inzwischen von den Eltern gestellt werden, sind ganz andere als früher“, sagt Jirka Picklaps, Lehrer für Deutsch und Geschichte und Mitglied der Steuergruppe für die Ganztagsentwicklung. „Sie sind über unsere Schule orientiert und fragen gezielter nach, wie wir ihre Kinder genau fördern und welche Angebote wir dazu machen.“ Dass viele Ehemalige ihrer alten Schule einen Besuch abstatten, sei auch ein gutes Zeichen.

Kathrin Haase und ihr Kollegium haben in den letzten Jahren viel Arbeit in den erfolgreichen Schulentwicklungsprozess gesteckt und ganz konkrete Maßnahmen ergriffen. Eine grundlegende Entscheidung: „Es gab früher nur wenige Schuljahreshöhepunkte“, erinnert sich die Schulleiterin. „Also haben wir viele Kulturangebote und feste Termine eingeführt wie die Magic Night, an der die Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedliche Talente im Theater, Tanz, Zaubern, Singen, Musizieren und Sport zeigen können. Auch die Herbstrallye, die Sommerwoche und die Weihnachtsfeiern gehören dazu.“

Schulkultur macht Schülerzufriedenheit

Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land
© Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land

Die Schülerinnen und Schülern hätten im Schulalltag zu wenig Zeit, um zu zeigen, welche Talente in ihnen stecken, meint Picklaps. Daher brauche es solche Gelegenheiten. „Sie freuen sich auf diese Termine und nehmen gerne daran teil. Hier engagieren sich auch Jugendliche, die sich mit der Schule sonst schwer tun, sie schöpfen Selbstbewusstsein und identifizieren sich stärker mit der Schule.“ Einzelwettbewerbe gibt es kaum noch, stattdessen treten bei Wettbewerben Klassen gegeneinander an, um die sozialen Verbände zu stärken. Umfragen über die Zufriedenheit mit der Schule zeigen: Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl derer, die mit der Schule zufrieden sind, auf 80 Prozent verdreifacht. Das Ziel einer verbesserten Schulkultur ist auch auf diesem Wege erreicht worden.

Die Schule nahm am Schulnetzwerk der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Brandenburg teil. Das Kollegium tauschte sich dort intensiv mit anderen Ganztagsschulen aus Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern aus, über differenzierten Unterricht, Lernpläne, Inklusion und Ganztagsangebote. Zu einigen Schulen bestehen auch nach Ende des Netzwerks noch Kontakte.

Die Ganztagsangebote wurden strukturiert. „Immer nur eine Flamme für sich wirkt nicht“, hat Schulleiterin Haase festgestellt. Alle Maßnahmen sollten aus ihrer Sicht miteinander verbunden sein. Die Steuergruppe richtete drei Bereiche für die Angebote ein: Lernen, Soziales und Freizeit. Ein entscheidender Baustein im Bereich „Lernen“ ist die Kleingruppe für Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen, in der sie gezielt gefördert werden.

Fördern durch Angebote

© Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land

„Uns ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler an unserer Schule verbleiben, daher setzt die Fördergruppe in der 7. Jahrgangsstufe ein“, berichtet Schulleiterin Haase. Bei manchen Schülerinnen und Schülern lässt ab der 3. Stunde die Konzentration nach. Individuell können sie von der 3. bis zur 7. Stunde lernen, gehören aber weiter fest zu ihrer Klasse, wie die Schulleiterin betont. Sie können in der Fördergruppe mit rund 15 Jugendlichen lernen, Mathematik und Deutsch, aber es heißt auch: „Lernen lernen“. Manche benötigen mehr Unterstützung in der Organisation ihrer Arbeitsweisen.

„Statt zu sanktionieren, wollten wir zusätzliche Angebote für die Schülerinnen und Schüler schaffen“, erläutert Lehrer Picklaps. „Manche Schülerinnen und Schüler empfinden es als Makel, nicht an einem Gymnasium zu sein, und sind von Anfang an frustriert. Hier ist es wichtig, dass die Lernfrustration rausgenommen wird.“

Zwei Arbeitsgemeinschaften pro Woche sind in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Pflicht. Mehr ist natürlich immer möglich. Für Jugendliche, die Busfahrzeiten bis zu 90 Minuten zu absolvieren haben – 85 Prozent sind Fahrschüler –, ist das oft eine organisatorische Frage. Dennoch sind manche Schülerinnen und Schüler an allen fünf Wochentagen bei den AGs dabei, die von Kooperationspartnern und Eltern geleitet werden.

Basketball ist durch die Kooperation mit ALBA Berlin eine Domäne der Schule geworden, die schon zweimal im Finale von „Jugend trainiert für Olympia“ vertreten war. Die Sporthalle ist der Schulleiterin zufolge im einstündigen Mittagsband „immer überfüllt“. Das „Ruhe bitte!“-Angebot im Mittagsband ist auf Wunsch von Schülerinnen und Schülern eingeführt worden: Hier können sie sich einfach in einem stillen Raum ausruhen.

„Soziales Lernen den ganzen Tag“

Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land
© Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land

In den zwei wöchentlichen Arbeitsstunden – so heißen in Brandenburg die Lernzeiten in rhythmisierten Ganztagsschulen – können die Klassenlehrerinnen und -lehrer, die immer zu zweit eine Klasse leiten, mit den Jugendlichen individuell entscheiden, was sie mit den Jugendlichen üben wollen. „Wenn die Klasse in Chemie Probleme hat, kann in der Arbeitsstunde entsprechend Chemie geübt werden“, erzählt Jirka Picklaps. Es gibt in den Arbeitsstunden auch drei interessegebundene Klassen ab der 7. Jahrgangsstufe in den Bereichen Sport, Ästhetik (Musik und Kunst) und Informatik.

Der dritte Baustein der Schulentwicklung ist das soziale Lernen. „Wir haben Schülerinnen und Schüler mit heftigen Erfahrungen, die man niemandem wünscht und die sie in ihrem Alter nicht machen sollten“, berichtet Kathrin Haase. „Soziales Lernen den ganzen Tag“ ist das Motto, um alle Jugendlichen mitzunehmen. Das Jugendamt des Landkreises finanziert zurzeit eine Stellen für Schulsozialarbeit. Gespräche mit dem Jugendamt werden geführt. Unterstützt wird die Schule durch den Projektverbund „kobra.net – Kooperation in Brandenburg“ mit der Landeskooperationsstelle Schule - Jugendhilfe.

Viele Maßnahmen wie die Einführung von Klassenräten, die Streitschlichter und die Aufsichtsschüler in den Pausen kamen seit dem Schuljahr 2011/12 hinzu. Ab der 8. Jahrgangsstufe findet ein Kommunikationstraining statt: Hier lernen die Schülerinnen und Schüler Kommunikationsmodelle und Konfliktlösungsstrategien kennen. „Das ist die Höchstform von Selbstregulierung“, findet Jirka Picklaps, „und man merkt, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständiger werden. Den Spendenlauf für Flüchtlinge haben sie selbst initiiert, und die Brettspiel-AG sowie die LEGO Mindstorms-AG haben sie organisiert. Da müssen wir Lehrerinnen und Lehrer gar nichts machen. Und man merkt, dass es inzwischen bis in die Kurse der 12. / 13. Jahrgangsstufe hochgewachsen ist.“

Umbauphase ist abgeschlossen

© Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbecker Land

Um alle Vorhaben umzusetzen, haben sich Lehrerteams gebildet, die sich einmal im Monat treffen. Die Schulleitung berät sich regelmäßig mit den Jahrgangs- und Fachleitungen. „Die Zahl der Gesamtkonferenzen und vor allem deren Länge haben sich über die Jahre deutlich reduziert, da nun viel in den Teams abgesprochen wird“, berichtet Picklaps. Einmal im Schulhalbjahr sorgt eine Transferkonferenz für die Weitergabe relevanter Informationen an alle Kolleginnen und Kollegen.

„Wir haben sehr viel gearbeitet in den letzten Jahren, um dahin zu kommen, wo wir jetzt stehen.“ Schulleiterin Kathrin Haase ist stolz auf das während des Aufwachsens der Schule Erreichte. Statt 300 Schülerinnen und Schülern im Jahr 2010 sind es derzeit 860. Das Kollegium ist entsprechend mitgewachsen. „Die Umbauphase ist nun abgeschlossen, und wir können unseren Blick verstärkt nach innen richten“, erklärt die Pädagogin. Ein Augenmerk will die Schule auf die Weiterentwicklung der Lernkultur mit differenzierendem Unterricht legen.

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