Bundeskongress des Ganztagsschulverbandes 2024 : Datum:

Der Bundeskongress des Ganztagsschulverbandes e.V. fand in diesem Jahr zum Thema „Kulturelle Bildung mit Ganztag“ in der Alten Kongresshalle München statt.

Vom 17. bis 20. November 2024 fand in München der Bundeskongress des Ganztagsschulverbandes e.V. statt. 500 Teilnehmende aus Schulen, Bildungsinstitutionen, Ministerien und Behörden aller 16 Länder kamen diesmal in der Alten Kongresshalle zum Thema „Kulturelle Bildung mit Ganztag“ zusammen.

Die Teilnehmenden nahmen den Auftrag mit, trotz aller Herausforderungen und Hürden die kulturelle Bildung zu stärken. Welche Bedeutung dieser zukommt, verdeutlichte die Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e. V., Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss. „Es geht dabei auch um Demokratie und Mitgestaltung sowie die kritische Auseinandersetzung zwischen dem Selbst und der Welt.“

Die Zustimmung der Teilnehmenden, die in den zahlreichen Workshops diskutierten und Ganztagsschulen mit wegweisenden Konzepten besuchten, war ihr ebenso gewiss wie dem Leitenden Ministerialrat und Abteilungsleiter für Pädagogische Grundsatzfragen im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus Michael Rißmann. Rißmann betonte mit Blick auf den Ganztag und den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab 2026: „Der Ganztag ist ein zentrales Thema im Ministerium, er befindet sich unter den Top 5.“ Zugleich sagte er: „Wir wollen keinen Aufbewahrungs-, sondern einen Bildungsganztag. Da spielt die kulturelle Bildung eine zentrale Rolle.“

Dies hob auch Eva Reiter, die Bundesvorsitzende des Ganztagsschulverbandes e.V. und Ganztagskoordinatorin an der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg, hervor. „Kulturelle Bildung mit Ganztag bietet uns die Möglichkeit, die Schulgemeinschaft zu stärken und Lernen vielfältig zu gestalten. Kulturelle Bildung ist ein wesentlicher Baustein, um die Teilhabe junger Menschen an der Gesellschaft zu ermöglichen. Kunst und Kultur fördern nicht nur die individuelle Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler, sondern tragen zur Entfaltung einer demokratischen Schulkultur bei, in der alle mitwirken können. Sie schaffen Räume, in denen junge Menschen ihre Position finden und erfahren, wie sie Gemeinschaft mitgestalten können. Daraus erwachsen vielfältige Chancen, die wir gerade in diesen Zeiten aktiv nutzen müssen!“

Bedenken, dass dies immer und überall umgesetzt werden kann, unterstrichen die Ergebnisse einer Umfrage, die der Ganztagsschulverband während des Kongresses durchführte: 99 Prozent der Befragten stufen den Zugang zu Angeboten kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche als ausgesprochen wichtig oder wichtig ein. 90 Prozent meinen jedoch, dass der Zugang zu kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche nach wie vor eng vom sozialen und finanziellen Status der Familien abhängt. Fazit der Umfrage ist die Sorge, dass es (Ganztags-)Schulen nicht ausreichend gelingt, Angebote kultureller Bildung durchzuführen. Als wesentliche Ursache dafür sehen knapp 59 Prozent die fehlenden personellen Ressourcen für die Planung und Umsetzung von Kooperationen in der regionalen Bildungslandschaft. Mehr als ein Viertel der Befragten gab zudem an, kein oder zu wenig Geld für derartige Kooperationen nutzen zu können.

Einen weiteren Höhepunkt des Kongresses bot die angeregte und vielschichtige Podiumsdiskussion unter dem Titel „Quo vadis Ganztag“. Eva Reiter, Ruth Johnke, Schulleiterin der Adolf-Reichwein-Schule Nürnberg, sowie Helmut Klemm, Schulleiter der Eichendorffschule Erlangen, diskutierten mit Barbara Klamt (Evangelische Jugendsozialarbeit ejsa), der Münchner Stadträtin Julia Schönfeld-Knorr (SPD) und Hannah Mader von der Stadtschülerinnenvertretung München.

Stadträtin Julia Schönfeld-Knorr gab sich überzeugt: „Kulturelle Bildung ermöglicht für Schülerinnen und Schüler den anderen Blick auf die Dinge, auch jenseits der Vorgaben aus den Lehrplänen.“ Schülerin Hannah Hader wünschte sich, dass Schule ein „Wohlfühlort“ sein sollte: „Dazu gehört auch, dass es für uns Möglichkeiten gibt, uns einfach mal zurückzuziehen. Auch dafür ist Ganztag gut.“ Schulleiter Helmut Klemm betonte: „Wir brauchen Klarheit darüber, warum wir Ganztag brauchen. Und dann müssen wir alle zusammen dafür werben, um Widerstände und Bedenken zu überwinden.“

Cover Kongress Frankfurt 2025
© Ganztagsschulverband e.V.

Ein Schwerpunkt der Podiumsdiskussion war der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter. Dieser wird auch das zentrale Thema des nächsten Ganztagsschulkongresses 2025 sein. Der Jubiläumskongress „Rechtsanspruch als Chance - Vielfalt und Individualität (in) der Ganztagsschule“ zum 70-jährigen Bestehen des Ganztagsschulverbandes wird vom 24. bis 26. September 2025 in Frankfurt am Main, der der Stadt der Gründung des Verbandes, stattfinden.

Quelle: Ganztagsschulverband