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Bier: „Die Serviceagentur hat uns viele Türen geöffnet“

Die Kooperation zwischen der Vernetzungsstelle Schulverpflegung und der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ im Saarland trägt Früchte. Davon ist Christoph Bier, Leiter der Vernetzungsstelle und einer der Sprecher der bundesweiten Vernetzungsstellen, überzeugt.

Online-Redaktion: Man könnte von einem kleinen Jubiläum sprechen. In diesem Jahr feiert  die Zusammenarbeit zwischen der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Saarland, die heute im saarländischen Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz angesiedelt ist, und der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ ihr fünfjähriges Bestehen. Erinnern Sie sich noch an die Ursprünge?

Schülerinnen und Schüler in der Mensa
© Britta Hüning

Christoph Bier: Wir als Vernetzungsstelle waren angesiedelt in der LandesArbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung  Saarland e. V., die über einen sehr hohen Vernetzungsgrad im Land verfügt. Eines Tages ist die Serviceagentur auf uns zugekommen. Wir waren uns schnell einig, dass eine enge Kooperation bei diesem wichtigen Thema den Lehrkräften, besonders aber auch den Trägern der Nachmittagsbetreuung und den dort Tätigen und damit letztendlich den Schülerinnen und Schülern zugute kommen wird. Denn es geht einerseits um gesundheitsförderliches, qualitativ hochwertiges Essen in der Schule, aber eben auch um mehr – nämlich darum, Ernährungs- und Verbraucherbildung in den Regelunterricht zu implementieren.

Online-Redaktion: Welche Bilanz der Kooperation ziehen Sie heute?

Bier: Eine sehr gute. Was die Zusammenarbeit zwischen Serviceagentur und uns angeht, kann ich nur sagen: Sie ist stets geprägt von einem kollegialen Miteinander auf Augenhöhe. Ich glaube, beide Seiten hatten viele gemeinsame Ziele, zwei habe ich schon beschrieben. Und ich kann festhalten: Die Serviceagentur hat uns viele Türen in Ganztagsschulen geöffnet. Dort wird sie als wichtigster Ansprechpartner betrachtet und genießt ein sehr hohes Ansehen.

Die Serviceagentur war und ist auch für uns eine ganz wichtige Anlaufstelle. Sie hat uns unter anderem geholfen, vielleicht sogar erst ermöglicht, die Verantwortungsstrukturen im Ganztag zu verstehen oder Papiere und Beschlüsse, die das Mittagessen regeln, wie das Förderprogramm Ganztagsschule und das Eckpunktepapier Ganztagsschule, zu finden. Das hat uns die Arbeit deutlich erleichtert.

Online-Redaktion: Die wie aussieht?

Bier: Unsere größte Aufgabe lautete: beraten, beraten, beraten. Dies ist uns wohl auch gelungen. Denn wir konnten in den vergangenen Jahren ein substanzielles Bewusstsein für gute Schulernährung schaffen. Es ist zwar immer schwierig, die Wirkung der eigenen Arbeit einzuschätzen. Aber ich bin überzeugt, dass wir etwas bewegt haben. Unser Angebot fiel auf fruchtbaren Boden, sonst wären die Schulen und Träger der Nachmittagsbetreuung nicht zu unseren Fortbildungen gekommen. Wir arbeiten bevorzugt mit denen, die wollen.

Online-Redaktion: Das klingt danach, dass es manch einen gibt, der nicht will...

© Christoph Bier

Bier: Auch das gehört zu einer kritischen Analyse: Lehrerinnen und Lehrer erreichen wir fast nicht. Sie fühlen sich nach wie vor nicht verantwortlich für das Thema Ernährung beziehungsweise Schulverpflegung. Die Begründung dafür liegt auch im System der Freiwilligen Ganztagsschule, das im Saarland 90 Prozent aller Ganztagsschulen umfasst. Der Nachmittag wird dort von Trägern der Nachmittagsbetreuung gestaltet. Und diese sind auch für die Mittagsverpflegung verantwortlich, nicht die Schulleitung oder der Schulträger. Unser Ziel muss es also in erster Linie sein, an die Träger der Nachmittagsbetreuung heranzukommen. Das haben wir vielfach auch erreicht.

Online-Redaktion: Damit hat sich eventuell die Qualität der Mittagsverpflegung verbessert, doch konnten Sie das Thema wie von Ihnen angestrebt, auch im Unterricht und den Ganztagsangeboten platzieren?

Bier: Das ist genau das Problem. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“, die mit ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern besetzt ist, hat uns geholfen, zumindest den Gedanken einer Ernährungs- und Verbraucherbildung in manche Schulen zu bringen. Ohne diese Unterstützung wäre das sehr schwierig, mancherorts sicher sogar unmöglich geworden. Denn nach wie vor existiert an zu vielen Schulen keine Schnittstelle zwischen Vor- und Nachmittag. Das sind vielfach noch zwei Welten und das erschwert die Arbeit natürlich für alle. Einmal hatten wir es tatsächlich und ebenfalls dank Unterstützung durch die Serviceagentur in die Lehrplankommission der Erweiterten Realschulen geschafft. Ziel war, das Thema Ernährung in dem Fach Arbeitslehre als verbindliches Element zu erhalten. Leider konnten wir nichts bewegen.

Online-Redaktion: Warum nicht und wie sah es an anderen Schulformen aus?

Bier: Zwar konnten wir in vielen Punkten einen Konsens finden. Doch die Einflussmöglichkeiten unserer Gesprächspartner waren geringer, als wir im Vorfeld angenommen hatten. In anderen Schulformen existiert unseres Wissens kein Fach, in dem systematisch und curricular Ernährungs- und Verbraucherbildung eingebunden sind.

Köchin
© Britta Hüning

Online-Redaktion: Sind Sie frustriert?

Bier: Ich kann einfach nicht verstehen, warum Ernährungsbildung nicht schon längst fester Bestandteil des Regelunterrichts ist. Aber ich gehöre zu den Menschen, die lieber auf das Positive schauen. Mit unserer Überzeugungsarbeit bei den Trägern der Nachmittagsbetreuung bin ich sehr zufrieden. Das spüren wir in unseren Fortbildungsveranstaltungen. Viele, die dorthin kommen, haben ein Gespür für die Bedeutung gesundheitsförderlicher, ausgewogener und ressourcenschonender Ernährung. Ihnen fehlt aber mitunter das Wissen, wie sie diesem Ziel näher kommen. Das ändert sich dank unserer Fortbildungen. Und die Qualität des Essens in Ganztagsschulen ist ganz sicher gestiegen.

Online-Redaktion: Welche Inhalte konnten die Vernetzungsstelle in ihren Fort- und Weiterbildungen vermitteln?

Bier: Nachhaltige Ernährung, Regionalität, Grundlagen der Ernährungslehre, DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung, Hygiene, Akzeptanzsteigerung, Partizipation, Schnittstellenmanagement, Beschwerdemanagement, Ernährungsbildungskonzepte, Kostenstrukturen in der Schulverpflegung, Essverhalten… Das sind alles wichtige Themen.

Online-Redaktion:  Blicken wir in die Zukunft: Wie wird sich Ihre Kooperation mit der Serviceagentur gestalten?

Bier: Nun, das hängt natürlich ganz maßgeblich davon ab, welche Möglichkeiten die Serviceagentur auch künftig anbieten kann. Wir wünschen uns, dass sie weiterhin ein so wertvoller Partner bleibt. Die Basis für diese kollegiale und wechselseitig fruchtbare Zusammenarbeit wurde in den vergangenen Jahren immer stärker ausgebaut. Es ist im Interesse der Sache zu wünschen, dass wir unsere gemeinsamen Ziele weiterverfolgen können. Schließlich wollen wir noch einiges bewegen. Sei es bei den Inhalten – da planen wir das für eine Mensa wichtige Thema pädagogische Architektur aufzugreifen. Oder sei es bei unseren Dauerbrennern: die Qualität der Schulverpflegung weiter zu steigern und Ernährung als Bildungsauftrag in den Unterricht und Ganztag aufzunehmen.

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