"Jahrbuch Ganztagsschule 2015" erschienen

"Veränderte Kindheit und Jugend, verändertes Lernen, veränderte Schule" ist das Thema des neuen Jahrbuchs Ganztagsschule 2015.

Das neue Jahrbuch Ganztagsschule 2015 ist erschienen, bereits zum zweiten Mal unter dem neuen Herausgeberkollegium Sabine Maschke, Gunild Schulz-Gade und Ludwig Stecher und nun erstmals auch mit neuem „Gesicht“: einem sparsamer, heller und freundlicher gestalteten Einband, der der Reihe gut tut.

Buchcover Jahrbuch Ganztagsschule 2015
© Wochenschau Verlag

„Potenziale der Ganztagsschule nutzen“ ist das Jahrbuch überschrieben. Der oben zitierte Untertitel deutet schon an, dass die Ganztagsschule im Zusammenhang von Veränderungen gesehen wird: der Schülerinnen und Schüler, der Institutionen und der Praxis in diesen Institutionen. Die Herausgeber und Autoren gehen davon aus, dass „die Bedingungen des Aufwachsens rasanten Veränderungen unterworfen“ sind, was wiederum „Veränderungen in den Sichtweisen .... und Zukunftswünschen der Kinder und Jugendlichen selbst“ bewirke. Diesem „Leitthema“ widmen sich im ersten Teil Sabine Maschke und Ludwig Stecher („Kindheit und Jugend heute: appsolutely smart“), Klaus Zierer („Lernen heute“) sowie Hans Brügelmann und Axel Backhaus („Schule heute – und morgen“).

An Kinder und Jugendliche richteten sich „eine Menge Erwartungen ..., die mit Leistung und Erfolg zu tun haben“, gleichzeitig gebe es „unzählige Optionen“ für die junge Generation. Dieses Resümee ziehen Maschke & Stecher aus der Studie „Jugend.Leben“ in NRW, die sie mit einer Vorgängerstudie vergleichen konnten, um so Entwicklungen zwischen 2001 und 2012 darzustellen. Interessant sind viele Einzelergebnisse der Befragungen von 10 bis 18-Jährigen zu den Themen Familie, Schule und Gleichaltrigengruppe. Dem Thema Lernen und Unterricht widmet sich Klaus Zierer detailliert anhand der Ergebnisse der viel zitierten Hattie-Studie „Visible Learning“ (2009), deren Kern darin besteht, zu zeigen, welche Effekte welcher schulischen Maßnahme sich auch empirisch nachweisen lassen. Interessant, weil in einem anderen Format, ist schließlich auch das Gespräch zwischen dem Erziehungswissenschaftler Hans Brügelmann und dem Leiter der Arbeitsstelle „Blick über den Zaun“ Axel Backhaus über die Anforderungen an Schulen („Schulen können keine Inseln bleiben“).

Das Grundgerüst des Jahrbuchs ist insgesamt beibehalten worden („Leitthema“, „Grundlagen“, „Wissenschaft und Forschung“, „Praxis“, „Bericht aus den Bundesländern“, „Rezensionen“).

Zu den „Grundlagen“ gehört die Qualität von Ganztagsschulen. Bärbel Brömer und Susanne Frühauf von der hessischen Schulinspektion stellen hier den Hessischen Referenzrahmen Schulqualität und die Qualitätskriterien für eine „gute Ganztagsschule“ vor. Forschungsergebnisse werden diesmal u.a. zum Thema „Resilienz in der Ganztagsschule“ (Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Kerscher-Becker) und zur Architektur und Ausstattung (Andrea Richter) berichtet.

Szene aus dem Schulunterricht
© Britta Hüning

Erfahrungsberichte aus der Praxis thematisieren die Mittagspause (Stefan Verlemann, Gesamtschule Lotte-Westerkappeln), Kooperation (Michael Schmitt, Waldschule Obertshausen) sowie Lehrerarbeitsplätze (Egon Tegge, Goethe-Gymnasium Hamburg) und die Funktion der Ganztagskoordination (Eva Reiter, Stadtteilschule Alter Teichweg Hamburg). Albert Berger von der PH Karlsruhe fügt dem Überlegungen zur multiprofessionellen Zusammenarbeit in der Ganztagsgrundschule hinzu.

Als Bundesland, aus dem berichtet wird, ist diesmal Nordrhein-Westfalen dran. Hier geht es um den „Spagat“ offener Träger des Ganztags zwischen Qualitätsanspruch und Fachkräfte bedarf (Nicole Börner u.a.).

Abgerundet wird das Heft durch die Rubrik „Ausland“. Der Blick über den Tellerrand erlaubt nicht nur, anderswo gute Beispiele zu finden für das, was möglich ist, weil ein Schultag bis in den Nachmittag fast überall ganz selbstverständlich ist. Auch manche Frustration über das, was noch nicht so richtig läuft, relativiert sich, wenn man sieht, dass Kernprobleme sich doch meist erstaunlich ähneln. In dieser Ausgabe richtet sich der Blick auf die niederländische „Brede School“ (Manuela du Bois-Reymond) und den Kanton Luzern in der Schweiz (Josy Jurt Betschart).

Rezensionen zu neu erschienenen Büchern zur Ganztagsschule schließen das Jahrbuch ab.

Das Jahrbuch Ganztagsschule 2015 zeigt das Spektrum der Themen und wichtige Aspekte der Praxisentwicklung im Ganztag. Mit Bezug zum Leitthema hätte man sich auch im „Praxis“-Teil Stimmen von Schülerinnen und Schülern gewünscht, die oft in den Debatten etwas zu kurz kommen. Die Anregungen des Jahrbuchs lassen sich schon einmal nutzen, um Schülerinnen und Schüler in der eigenen Schule zu dem einen oder anderen Thema gezielt zu befragen, wie es beispielsweise die hessische Schulinspektion empfiehlt.

Maschke, S., Schulz-Gade, G. & Stecher, L. (Hrsg.): Jahrbuch Ganztagsschule 2015: Potenziale der Ganztagsschule nutzen. „Veränderte Kindheit und Jugend – verändertes Lernen – veränderte Schule“. Schwalbach/Ts.: Debus Pädagogik Verlag.

Quelle: Wochenschau-Verlag
 

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