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Thüringen: Qualitätsrahmen für die Ganztagsschule notwendig

Von der Zukunftswerkstatt "Quo vadis – Wohin geht die Ganztagsschule in Thüringen?" gingen viele Impulse für die Weiterentwicklung aus. Sagt Ines Opolka, die Leiterin der Serviceagentur "Ganztägig Lernen" Thüringen.

Online-Redaktion: „Quo vadis – Wohin geht die Ganztagsschule in Thüringen?“ lautete der Titel der Zukunftswerkstatt am 16. Januar in Jena. Haben Sie Antworten gefunden?

Ines Opolka: Einfache Antworten gibt es sicher nicht. Wir hatten einen ausgesprochen regen Austausch und haben herausgearbeitet, wo die Ganztagsschule in Thüringen heute steht, was schon gut gelungen ist und wo etwas getan werden muss.

Online-Redaktion: Beginnen wir mit dem, was die Schulen, aber hoffentlich auch die Eltern zufrieden stellt...

Opolka: Der quantitative Ausbau ist weit vorangeschritten. 75 Prozent aller Schulen in Thüringen arbeiten inzwischen ganztägig. Rund die Hälfte davon sind Grundschulen. Jetzt muss es darum gehen, den qualitativen Ausbau voranzubringen.

Online-Redaktion: Die große Mehrzahl der Grundschulen in Thüringen arbeitet mit einem Hort zusammen an, wobei die Horte zur Schule gehören und im Schulgesetz verankert sind. Sind das aber schon Ganztagsschulen?

Bild von der Veranstaltung "Quo Vadis Ganztagsschule Thüringen"
Meinungsaustausch bei der Veranstaltung "Quo Vadis Ganztagsschule Thüringen"© Matthias Eimer

Opolka: Ich denke, das muss man differenzieren. Diese offene Form der Ganztagsschule hat ihre Berechtigung. Und zwar überall dort, wo der Bedarf nach Betreuung und der Wunsch nach flexiblen Wahlmöglichkeiten besonders groß ist. Gleichzeitig gibt es den Wunsch vieler Schulen, aber auch der Eltern, diese additive Form weiterzuentwickeln. Immer häufiger geht es um die Entwicklung von Lernzeiten und die pädagogisch konzeptionelle Verknüpfung von Vor- und Nachmittag. An der teilgebundenen und gebundenen Ganztagsschule sind die Voraussetzungen für Rhythmisierung, mehr individuelle Förderung und zwar der Leistungsstärkeren wie -schwächeren besser. Viele Schulen streben daher diese Form an, wie die Zukunftswerkstatt bestätigte.

Online-Redaktion: Zurück zu den positiven Erkenntnissen der Zukunftswerkstatt. Welche haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgemacht?

Opolka: Hervorzuheben ist die Erfahrung, dass überall dort, wo Kommunen an der Entwicklung von Ganztagsschulen beteiligt sind, ein Raum für mehr Miteinander, also auch für die Öffnung der Schule nach außen, entsteht. Die Akzeptanz für Ganztagsschulen insgesamt hat deutlich zugenommen. Begrüßt werden die Einführung von Lernzeiten sowie die Einbindung von Schulsozialarbeitern und anderen pädagogischen Fachkräften.

Ausgesprochen dankbar zeigen sich die Schulen für die ausgebauten Unterstützungssysteme und da besonders für die Angebote der Serviceagentur. Weiter können wir festhalten: Diejenigen, die sich anderen Professionen öffnen, haben damit ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Aber ich will nicht verhehlen, dass wir im Bereich der Kooperationen noch qualitativen Nachholbedarf haben. Positiv ist sicher die neue Verwaltungsvorschrift, die teil- und vollgebundenen Ganztagsschulen mehr Lehrerwochenstunden zugesteht. Interessant fanden wir darüber hinaus die Erkenntnis, dass Schulen, in denen der Schulleiter innovativ ist, besonders gut vorankommen. Das unterstreicht die Bedeutung der Führungskraft.

Online-Redaktion:  Halten sich Thüringens Gymnasien, was den Ganztag angeht, ähnlich wie in anderen Bundesländern eher zurück? Von 96 bieten nur 23 Ganztagsbetreuung an.

Opolka: Ich kann das natürlich nicht wissenschaftlich belegen. Aber nach meinem Eindruck herrscht bei Gymnasiallehrern manchmal noch ein anderes Bildungsverständnis. Aus Gesprächen höre ich immer wieder heraus, dass es ihnen stärker um Wissensvermittlung geht, nicht zuletzt weil der Lehrplan drängt.

Online-Redaktion: Vor welchen Herausforderungen steht Thüringen nach Ansicht der Zukunftswerkstatt?  

Opolka: Da ist zum einen die angestrebte und von vielen gewünschte Weiterentwicklung des offenen Ganztags hin zur teil- und vollgebundenen Form. Vor allem aber benötigen wir nach Ansicht der Teilnehmenden einen klar definierten, systematischen und strukturierten Qualitätsrahmen. Er soll, so der Wunsch aus der Werkstatt, in der bereits aktiven ministerialen Arbeitsgruppe unter Einbindung der Experten vor Ort, der Basis also, Schulleiterinnen und Schulleitern, aber auch anderer Professionen, entwickelt werden.

Porträtfoto Ines Opolka
Ines Opolka, Leiterin der Serviceagentur "Ganztägig Lernen" Thüringen © Kerstin Zillmer

Online-Redaktion: Muss dafür das Rad in Thüringen neu erfunden werden?

Opolka: Keinesfalls. Wir sind im bundesweiten Netzwerk aktiv und schauen auch gerne über den Tellerrand.

Online-Redaktion: Wurden bei Ihrer Veranstaltung Ideen zur Organisation von Kooperationen entwickelt?

Opolka: Wir waren uns alle über die Notwendigkeit der Öffnung von Schule nach außen, des Zusammenwirkens der Professionen und der Kooperation mit außerschulischen Partnern, einig. Aber wir wissen auch, dass da noch einige Hürden und Ängste zu überwinden sind. Angedacht wurde von den Teilnehmenden eine Art Kooperationsagentur, die in den Kommunen angesiedelt ist. Beispielsweise kann es da zu einer Verzahnung mit den Bildungsbüros, die im Rahmen des Programms Lernen vor Ort in den Kommunen etabliert wurden, kommen.

Online-Redaktion: Welche Schritte werden folgen?

Opolka: Wir werden den Diskurs mit den Expertinnen und Experten weiterführen. Wir streben die schrittweise Erweiterung der ministerialen Arbeitsgruppe, etwa um Schulleitungen und externe Fachleute, an. Diese Runde trifft sich bereits im Februar.

Online-Redaktion: Ihr Fazit der Zukunftswerkstatt?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen Notizen an einer Pinnwand
© Matthias Eimer

Opolka: Entscheidend war, dass wir unseren Blick noch stärker auf Qualitätsfragen gerichtet haben. Wir haben jetzt in der Arbeitsgruppe noch einmal den Hinweis erhalten, in diese Richtung weiterzuarbeiten. Wichtig war deshalb auch, dass die Sichtweisen der Schulen auf den Tisch gekommen sind: Es braucht Handlungssicherheit sowohl für die pädagogische Gestaltung des Ganztags als auch für die langfristige Perspektive um Standort und Ausstattung. Wir betrachten die Veranstaltung als vollen Erfolg. Es war genau der richtige Zeitpunkt für sie. Wir spüren seit einiger Zeit verstärkt das Bedürfnis der Schulen nach einer klaren Definition für eine gute Ganztagsschule. Die Qualitätsentwicklung findet jeden Tag in den Schulen vor Ort statt. Dennoch braucht es eine Orientierung, und die ist sicher nicht im stillen Kämmerlein zu entwickeln.

Online-Redaktion: Abschließend die Frage: Wo stehen Thüringens Ganztagsschulen heute, und wo werden sie in zehn Jahren stehen?

Opolka: Ich würde sagen, jenseits all des bereits Erreichten muss sich noch einiges tun. Wir müssen sicher noch stärker die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler betrachten und in die Entwicklung von Ganztagsschulen einbeziehen. Es gibt eben nicht das eine Konzept, das auf jede Schule eins zu eins übertragbar ist. Da brauchen wir Kreativität und Flexibilität. Es wird und soll immer Unterschiede zwischen den Ganztagsschulen geben. Das belegt dann auch, dass auf die jeweiligen Bedürfnisse vor Ort eingegangen wird. Wenn uns das gelingt, ist mir um die Ganztagsschule von Thüringen in zehn Jahren nicht bange. 
 

Ines Opolka, Diplompädagogin, ist Leiterin der Serviceagentur "Ganztägig Lernen" Thüringen  sowie der Regionalstelle Thüringen der DKJS.

 

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