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Partizipation macht Spaß

Rund 120 Ganztagsschulen hatten sich im Wettbewerb "Zeigt her eure Schule" 2007/2008 der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und des Bundesministerium für Bildung und Forschung engagiert, 42 hatten am Ende Bewerbungen eingereicht, die Jury kürte acht Preisträgerschulen. "Beteiligung. Gemeinsam gestalten" lautete das Motto, und die am 27. Mai 2008 in Berlin ausgezeichneten Schulen bewiesen, wie vielgestaltig Partizipation aussehen kann.

Die diesjährige Runde im Wettbewerb "Zeigt her eure Schule" war eine besonders anspruchsvolle. Unter der Überschrift "Beteiligung. Gemeinsam gestalten" wollten die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Ganztagsschulen auszeichnen, die ihr Schulleben durch besondere Partizipationsprojekte bereichern - sei es durch die Beteiligungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, der Eltern oder außerschulischen Partnern.

Aber zur Teilnahme reichte es nicht, einfach nur ein Projekt zu beschreiben, das an der Schule besteht oder gelaufen ist - oder der Hinweis auf einen bestehenden Klassenrat. Stattdessen sollten Projekte von ihrer Idee über ihre Verwirklichung bis zu zukünftig geplanten Weiterentwicklungen mit Hilfe einer detaillierten Wettbewerbsmappe dokumentiert werden - möglichst von allen Beteiligten gemeinsam.

Dieser "nicht ganz einfache Prozess", wie Heike Kahl, die Geschäftsführerin der DKJS, den Wettbewerbsverlauf über mehrere Monate umschrieb, sorgte dafür, dass von den 120 Ganztagsschulen, die sich bundesweit engagierten, am Ende im April nur noch 42 übrig waren. "Manche Schulen haben offen zugegeben, dass sie die intensive Begleitung ihres Projekts nicht leisten konnten."

Beeindruckende Vielfalt

Für die Jury war es Anfang Mai schwer genug, aus der Menge der Einsendungen acht Preisträger auszuwählen. "Es ging nicht darum, die besten zu küren, sondern diejenigen Schulen, die sich an einem Punkt besonders ausgezeichnet haben - nämlich alle am Schulleben Beteiligten einzubinden", so Heike Kahl. "Sämtliche Projekte sind getragen vom Bestreben, Schul- und Lernkultur zu verändern. Es ging für die Schulen nicht darum, schöne Fassaden aufzubauen, sondern wir wollten in die Kochtöpfe schauen, um zu sehen, was funktioniert und was nicht." Fehler und Rückschläge müsse man dabei einkalkulieren und so seien diese den Teilnehmerschulen nicht zu deren Nachteil angerechnet worden.

"Wir waren beeindruckt von der Vielfalt gelungener Partizipationsprozesse", berichtet Karin Babbe, Schulleiterin der Erika-Mann-Schule in Berlin Wedding und,Sprecherin der Jury, "und haben daher auch beschlossen, keine Rangfolge bei den acht Preisträgern vorzunehmen." Der Jury sei wichtig gewesen, dass die Ganztagsschulen dokumentierten, wie die Partizipationsprozesse begleitet, Stolpersteine bewältigt und die Nachhaltigkeit gesichert wurden.

Die Jury setzte sich aus Schülern, Lehrern, Wissenschaftlern, Eltern und Vertretern der Länder zusammen. Die Juroren bearbeiteten in Tandems je drei Mappen, die schließlich den anderen Mitgliedern vorgestellt und mit diesen "heiß diskutiert" wurden, wie sich Karin Babbe erinnert. Sie selbst nahm aus dieser Arbeit mit, dass "Partizipation Spaß macht".

"Diese Schulen durchweht ein Wind der Beteiligung"

Am 27. Mai 2008 war es dann so weit: In einer feierlichen Zeremonie im Tipi am Kanzleramt zeichneten Eva-Luise Köhler, die Schirmherrin der DKJS, und Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen und außerschulischen Partner der acht Ganztagsschulen aus.

Bevor die beiden Laudatoren das Wort auf der Bühne ergriffen, nahmen sie sich viel Zeit, mit den Preisträgerschulen ins Gespräch zu kommen und die von den Schulen mitgebrachten Materialien, Bilder und Plakate anzuschauen. Eva-Luise Köhler, die selbst als Sonder- und Grundschullehrerin tätig gewesen ist, interessierte sich dabei auch für Themen, die nicht unmittelbar mit dem Wettbewerb zu tun hatten, so nach den Erfahrungen der Gesamtschule Kaiserplatz aus Krefeld mit dem jahrgangsgemischten Unterricht.

"Diese Schulen durchweht ein Wind der Beteiligung", lobte die Schirmherrin. "Hier muss man nicht gegen Windmühlen kämpfen, wenn man Beteiligung einfordert, sondern Beteiligung wird wert geschätzt." Besonders schön sei, dass viele der eingereichten Projekte auf die Initiative der Schülerinnen und Schüler zurückgingen. "Während der Durchführung der Projekte lernen die Kinder und Jugendlichen, als Team zusammen zu arbeiten, und können jetzt mit Stolz auf das gemeinsam Erreichte zurückblicken", so Eva-Luise Köhler weiter.

Nicht nur in den Schulen selbst wuchs ein Gemeinschaftsgefühl heran, auch unter den Gewinnerschulen entwickelte es sich. Dazu trug ein Vorbereitungstag am Tag vor der Preisverleihung bei, auf dem sich alle Beteiligten kennen lernten und ihre Projekte einander präsentierten. Einen Eindruck von den Aktivitäten dieses Tages inklusive gemeinsamer Spree-Fahrt konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Preisverleihung mit Hilfe eines kleinen und feinen Kurzfilms verschaffen, der etwas vom Geist der gegenseitigen Wertschätzung vermittelte. Dies setzte sich auf der Bühne fort, als sich die Preisträgerschulen als Tandems gegenseitig dem Publikum vorstellten und dabei auch mitteilten, über den Wettbewerb hinaus Kontakt halten und teilweise sogar Schulpartnerschaften gründen zu wollen, was Eva Luise Köhler für eine besonders schöne Folge des Wettbewerbs hielt.

Für eine positive Lernatmosphäre einsetzen

Die Sekundarschule "Johannes Gutenberg" aus dem sachsen-anhaltischen Wolmirstedt konnte dabei als Beispiel für eine Schule gelten, bei deren Projekt nicht alles glatt lief, was die Beteiligten aber nicht entmutigte, und am Ende ein zwar anderes, aber gleichfalls bemerkenswertes Projekt herauskam. Eine Umfrage der Schülervertretung unter den 338 Schülerinnen und Schülern unter der Überschrift "Fühlt sich an unserer Schule wirklich jeder wohl?" ergab, dass sich die meisten Kinder und Jugendlichen eine neue Turnhalle wünschten. Doch da die Schule schon für andere Investitionen Mittel von Bund und Land erhalten hatten, gab es zur Erfüllung dieses Wunsches und dessen Umsetzung unter Beteiligung der Schülerschaft kein weiteres Geld.

Stattdessen griffen die Schülervertreter andere Punkte aus der Umfrage heraus, so den Wunsch nach mehr Sauberkeit in den Toiletten. Der Schülerrat formulierte sieben Bitten an die Schülerinnen und Schüler, selbst dafür zu sorgen, dass die Toiletten nicht mehr verschmutzt würden. Tatsächlich verbesserte sich die Lage, so dass das Projekt im Rahmen eines Wettbewerbs "Sauberer und ansprechender Klassenraum" ausgeweitet wurde. Hier  bewerteten die Reinigungskräfte die Bemühungen der Schülerinnen und Schüler und kamen zusammen mit den anderen Beteiligten zum Schluss: "Die Klassenräume sind ansprechender geworden." Solche Projekte, die von Seiten der Schule mit einem Aktivitätspass bescheinigt werden, sollen demnächst noch mehr Mitschülerinnen und Mitschüler dazu bringen, sich selbst für eine positive Lernatmosphäre einzusetzen.

An der Janusz-Korczak-Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Gütersloh erarbeiteten Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern eine neue Schulordnung, um sie besser im Bewusstsein der Schülerschaft zu verankern. Die Kinder und Jugendlichen initiierten zahlreiche originelle Ideen, um das Bekanntmachen der neuen, kurz gehaltenen Schulordnung zu erreichen: Die neue Schulordnung wurde bei den Fünftklässlern mit einem Quiz bekannt gemacht, für ältere Schülerinnen und Schüler gab es einen Fotowettbewerb und in den Pausen wurde ein Film über die Schulordnung gezeigt.

"In unserer Schule soll jeder seinen Platz finden"

Ebenfalls für ein störungsfreies Miteinander soll das Projekt "Zivilcourage" sorgen, dass Schülerinnen und Schüler auszeichnet, die sich für andere einsetzen. Bisher blieb es den Klassenlehrerinnen und -lehrern vorbehalten, couragierte Schülerinnen und Schüler vorzuschlagen. Nun wählt eine von einer Schülerarbeitsgruppe zusammengestellte Jury aus einem Mitglied des Jugendparlaments, einem Schülervertreter, einem Lehrer und einer Person aus dem öffentlichen Leben der Stadt Gütersloh die Preiswürdigen aus.

"In unserer Schule soll jeder seinen Platz finden", lautet das Motto der Erweiterten Realschule Klarenthal im Saarland. Und der Platz, genauer: der Schulhof, war das Problem. Die Schülerinnen und Schüler wollten sich nicht länger mit dem Betonfriedhof zufrieden geben und konzipierten mit den Umweltlehrern eine Umgestaltung unter Einbeziehung eines angrenzenden Brachgeländes, auf dem mit Hilfe von Eltern, Sponsoren und weiteren außerschulischen Mitstreitern Lehrgarten, Blumenwiesen, ein Garten für alle Sinne, Riechecken, ein Kleintiergehege, Hügelbeete, ein Lehmhäuschen und ein Freiluftklassenzimmer entstehen.

In der Gesamtschule Kaiserplatz im nordrhein-westfälischen Krefeld engagieren sich Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen als Lern-Coaches in ihrer Freizeit für Kinder aus der 5. Klasse, die trotz Förderunterrichts den Anschluss im Fach Englisch zu verlieren drohten. Durch diesen Einsatz der älteren für die jüngeren Schülerinnen und Schüler haben sich nicht nur die Leistungen der Fünft-, sondern auch der Elftklässler verbessert, sondern auch das Schulklima insgesamt. Nun planen die Schülerinnen und Schüler, dieses Projekt auf andere Fächer und Jahrgänge auszuweiten.

"Gemeinsam kann man etwas bewegen"

"Auf den Schulgarten und den Schulteich können die Schülerinnen und Schüler der Grundschule ,Am Albertschacht' stolz sein, denn sie haben sie selbst angelegt", erklärte Eva-Luise Köhler bei der Prämierung der Schule aus dem sächsischen Freital-Wurgwitz. Kinder einer 4. Klasse hatten Projektgruppen gebildet und außerschulische Partner wie den Naturschutzbund und einen Architekten gesucht, um ihren Schulteich zu retten. "Diese Schule hat sich nach außen geöffnet, was für Ganztagsschulen unerlässlich ist", lobte die DKJS-Schirmherrin.

Mit einem ganz anders gelagerten Projekt konnte die Diesterweg-Schule aus Koblenz in Rheinland-Pfalz punkten: Hier versammelt eine Theater-AG viele verschiedene Arbeitsgemeinschaften wie Chor, Percussion, Textiles Gestalten, Schülerpresse, Tanz, Schulband, Neue Medien, Musik und Photo unter dem Bühnendach, um sich mit der Lebenswelt der Schülerschaft auseinander zu setzen. Unter dem Titel "Agro - eine Minute Mitleid" sind schon mehrere Stücke in der Förderschule aufgeführt worden. Diese Theater-AG, an der auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern mitwirken, ist nun fester Bestandteil der Ganztagsschule.

An der Osterfeldschule im nordrhein-westfälischen Unna erschallte der nur allzu bekannte Satz "Das Essen schmeckt nicht!". Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule wollten sich damit nicht abfinden, schrieben an die Catering-Firma, besuchten die Großküche und äußerten ihre Wünsche. Darüber hinaus nahmen sie aber auch ihr eigenes Verhalten in den Blick und stellten Regeln für ein besseres Miteinander in der Mensa auf, um die Lautstärke zu mindern und die Sauberkeit zu verbessern. Ein Kernsatz in Sachen Tischetikette: "Alles probieren!"

Die 25. Grundschule in Dresden schien der Jury besonders wegen ihrer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort preiswürdig. Alle Beteiligten haben einen so genannten Gemeinschaftstag etabliert, der die Zusammenarbeit zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und den Eltern weiter befördert. Jeden Dienstag von 14.00 bis 15.30 Uhr treffen sich alle, um an vom Schülerrat ausgewählten Themen wie "Vom Korn zum Brot" mitzuwirken. Obwohl keine Verpflichtung zur Teilnahme besteht, sind fast alle Kinder dabei.

Andreas Storm fasste den Geist, der all diese Beispiele auszeichnet und für noch viele weitere steht, zusammen: "Gemeinsam kann man die Welt ein bisschen besser machen. Die Haltung, selbst etwas bewegen zu können, sollte nicht nur in der Schule vorherrschen." Von den mit jeweils 3.000 Euro und eine Einladung zum Ganztagsschulkongress in Berlin ausgezeichneten Schulen wünschte sich der Parlamentarische Staatssekretär, dass sie "Leuchttürme sind, die andere Schulen inspirieren".

Kategorien:  Schule vor Ort - Partizipation

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