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"Partizipation bedeutet, die Kinder ernst zu nehmen"

Die Schülerin Sophie Heydenreich und der Schüler Maximilian Plümer von der ecolea - Internationale Schule Rostock haben an ihrer Schule ein Wörtchen mitzureden. Obwohl sie eine ganz normale Schülerlaufbahn verfolgen, haben sie bereits eine klare Vorstellung davon entwickelt, wie Partizipation ihre Zukunftschancen beeinflusst. Mehr Verantwortungsübernahme an der Ganztagsschule stärkt ihr Selbstbewusstsein. Auch das Schüler-Lehrerverhältnis wird dadurch belebt, was dem Schulerfolg und der Zukunft der Kinder und Jugendlichen zugute kommt.

Sophie Heydenreich und Maximilian Plümer

Online-Redaktion: Könnt Ihr Euch beide bitte mal vorstellen.

Sophie: Ich bin Sophie Heydenreich, 13 Jahre alt, und besuche die Klasse 7a. Meine Hobbys sind Tanzen, Lesen und draußen die freie Natur, wo ich mich gerne mit meinen Freunden treffe.

Maximilian: Ich bin Maximilian Friedrich Plümer, 11 Jahre alt, und gehe in die Klasse 5a. Mein Hobby ist Fußball.

Online-Redaktion: Wie sieht ein Tag an Eurer Ganztagsschule aus?

Sophie: Ich gehe sehr gerne in die Ganztagsschule, weil es hier sehr schön ist. Die Schule besuche ich seit 2006. Ich habe schon vorher gehört, dass sie sehr gut sein soll.

Wir arbeiten sehr viel in Gruppenarbeit, und dabei kann man sich gut austauschen. Außerdem werden wir sehr gut in die Schule integriert. Wir können schon um halb acht in die Schule kommen.

Wenn man seine Hausaufgabe vergessen hat, kann man sie im Offenen Beginn erledigen, etwas lernen oder sich einfach mit den Klassenkameraden austauschen. Der Unterricht beginnt dann um 8:15 Uhr. In der ersten Viertelstunde haben wir einen Morgenkreis, und dann gibt es den ganzen Vormittag Unterricht.

Um 12:45 Uhr beginnt die Mittagspause, und in der Mensa bekommen wir ein sehr leckeres Essen. Anschließend gibt es noch ein letztes Unterrichtsband, und danach beginnt die Nachmittagsbetreuung. Dort können wir Angebote wahrnehmen, die von Sport, Sprachen, Kunst bis zu Knobeleien reichen. Es gibt aber auch die Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung. Natürlich gibt es auch viele Angebote wie Segelkurse, die außerhalb der Schule stattfinden.

Maximilian: Mir gefällt an der ecolea, dass man hier ganz schnell Freunde findet. Außerdem hört man von der Schule viel Gutes und das, was man hört, stimmt auch.

Ich muss immer sehr früh gegen 6:00 Uhr aufstehen und habe einen langen Schulweg von einer Stunde bis hierher. Um 7:45 Uhr bin ich meistens in der Schule, denn mein Papa arbeitet in Rostock-Warnemünde. Die Schule beginnt um 8:15 Uhr. Vor Unterrichtsbeginn tausche ich mich gerne mit meinen Freunden aus.

Zum Beispiel über Hausaufgaben, die wir vergessen haben  oder über persönliche Dinge. Nach dem Mittagessen haben wir noch ein Unterrichtsband, und danach nehme ich jeden Dienstagnachmittag an einer Arbeitsgruppe teil.

Online-Redaktion: Gibt es noch Zeit, um sich als Schülerin am Schulleben zu beteiligen?

Sophie: Wir haben jeden Freitag einen Klassenrat. Dabei setzt sich die Klasse mit dem jeweiligen Klassenlehrer zusammen - wir haben ja zwei - und dann sprechen wir über unsere "Ich wünsche mir"- Liste, die die ganze Woche über im Klassenraum aushängt. Dort können die Schülerinnen und Schüler verschiedene Angelegenheiten aufschreiben, die sie gerne verbessern möchten. Diese Dinge werden zum Beispiel im Klassenrat diskutiert. Größere Angelegenheiten werden dann an Frau Bull weitergeleitet.

Für die Schülerbeteiligung steht darüber hinaus noch eine Sozialfläche zur Verfügung, wo wir uns auch treffen, um Schülerangelegenheiten zu besprechen. Dort können auch die Lehrerinnen und Lehrer teilnehmen, und wir sprechen über Dinge, die uns angehen. Wenn etwas Größeres vorgefallen ist, wird das natürlich auch besprochen.

Außer dem Klassenrat gibt es noch einen Schülerrat. Dort werden Angelegenheiten besprochen, die über die Klasse hinausgehen, zum Beispiel wie der Schulhof verbessert werden könnte. Er wird im Moment erweitert, und Schülerwünsche sollen dabei auch integriert werden. Es gibt im vorderen Bereich eine Spielecke mit Kletterfelsen und Sitzmöglichkeiten für die kleineren Schüler.

Die größeren Schüler wollen schon mal gerne sitzen, etwas erzählen, Quatsch machen, was man halt so macht. Deswegen wird der hintere Bereich des Schulgebäudes mehr nach den Vorstellungen der Größeren gestaltet.

Online-Redaktion: Wie sieht Deine Rolle im Klassenrat aus?

Sophie: Wir haben zwei Klassensprecher, immer ein Mädchen und einen Jungen, und die beiden machen das auch sehr gut. Ich bin ganz normale Schülerin und kann meine Meinung zu einem Thema frei äußern. Im Klassenrat kommt einer nach dem anderen dran, und die Meinung der einzelnen wird auch respektiert.

Ein Klassenlehrer ist übrigens immer dabei, der das Geschehen beobachtet. Die Leitung des Klassenrates liegt aber bei den Klassensprechern. Sie nehmen die einzelnen Schülerinnen und Schüler dran. Wenn Dinge vorkommen, die uns nicht gefallen, werden sie im Klassenrat geklärt.

Es gibt außer dem Klassenrat auch verschiedene Dienste, vom Aquariumsdienst bis zum Materialdienst, und dann gibt es noch einen Ordnungsdienst, der aus zwei Personen besteht. Sie müssen den Raum ausfegen, den Müll herunterbringen, die Tafel wischen, also möglichst den Raum sauber halten.

Online-Redaktion: Welches sind die Dauerbrenner, mit denen Ihr Euch im Klassenrat beschäftigt?

Sophie: Es kommt immer wieder vor, dass jemand geärgert wird. Der entsprechende Schüler muss sich dann nach einer Klassenratssitzung entschuldigen. Bei schwerwiegenderen Problemen sprechen wir darüber natürlich auch regelmäßig im Klassenrat. Zum Beispiel, wenn Sachen aus Versehen beschädigt worden sind, müssen diese Vorfälle geklärt werden, bis der Beschädigte etwas Neues bekommt oder die Sache repariert worden ist.

Online-Redaktion: Wie hat sich denn Euer Verhältnis zu den Lehrerinnen und Lehrern entwickelt?
 
Sophie: Die Lehrerinnen und Lehrer gehen sehr gut mit uns um, und sie respektieren uns auch. Wir respektieren sie aber auch. Zu den Halbjahreszeugnissen gibt es auch Einzelgespräche mit den Schülern, und die Lehrer sagen uns ganz ehrlich, wie sie uns einschätzen.

Sie sagen: "Du warst sehr gut, Du kannst noch dies oder das verbessern" oder: "Halt Dich mal ein bisschen ran!" Sie geben also eine respektvolle Rückmeldung.

Online-Redaktion: Was bedeutet eigentlich für Dich das Wort "Partizipation"?

Sophie: Für mich bedeutet es, dass wir in den Schulalltag integriert werden, und dass wir bei bestimmten Dingen mitreden dürfen. Wichtig dabei ist, dass wir uns an der Schule wohlfühlen. Dazu gehört, dass wir sagen, was wir wollen und was wir nicht wollen.

Online-Redaktion: Ist das für Dich schon die Keimform der Demokratie?

Sophie: Ich finde, dass Partizipation und Demokratie zusammengehören. Unter Demokratie verstehe ich, dass jeder seine Meinung frei äußern kann und sie auch respektiert wird.

Online-Redaktion: Maximilian, wie beteiligst Du Dich am Schulleben, und was bedeutet für Dich Partizipation?

Maximilian: Ich bin im Essen-Chipdienst, das heißt, ich hole immer die Essenchips, die ich an die betreffenden Schülerinnen und Schüler austeile. Es gibt rote Chips, da steht Essen 1 drauf, und gelbe Chips, da steht eine 2 drauf. Die Chips teile ich jeden Tag aus. Mehr Dienste habe ich aber nicht.

Was mir an der Partizipation gefällt, ist Folgendes: Wenn die Lehrer den Schulhof verändern wollen, besprechen Sie das mit uns. Das heißt, wir können unsere Vorstellungen in die Schulhofgestaltung einbringen.

Partizipation bedeutet für mich, dass die Kinder mehr mitreden können, und dass wir von den Lehrerinnen und Lehrern ernst genommen werden. Sie bestimmen nicht alleine, sondern fragen uns Kinder. Wenn wir nicht mitbestimmen könnten, wäre vieles an der Schule anders. Ich finde die Schule auch deswegen gut, weil sie Partizipation von Schülern zulässt. Daher ist sie für mich eine ideale Schule.

Online-Redaktion: Sophie, wie sieht Deine ideale Schule aus?

Sophie: Nun, die Schule gefällt mir deswegen so gut, weil sie die Schülerinnen und Schüler so gut integriert, und das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt.

Sicherlich gibt es noch ein paar kleine Sachen, die man verändern könnte. Zum Beispiel würde ich mir wünschen, dass wir stärker in die Gestaltung des Klassenraums einbezogen werden. Am Ende des Schuljahres besprechen sich die Lehrerinnen und Lehrer übrigens darüber, was gut oder schlecht gelaufen ist. Ich wünsche mir, dass wir auch an diesen Besprechungen beteiligt werden.

An unserer Schule gibt es übrigens eine sehr gute räumliche Ausstattung. Wir haben Ruheräume, in denen wir uns mal zurückziehen können, und es gibt sehr schöne Klassenräume.

Im Großen und Ganzen können wir den Klassenraum so zusammenstellen, wie wir es uns wünschen. Auch im Erdgeschoss der Schule gibt es noch weitere Räume wie den Nachmittagsbetreuungsraum sowie eine gute Ausstattung  für die Ganztagsbetreuung.

Online-Redaktion: Welche Zukunftspläne hast Du, und wie unterstützt Dich die Schule dabei  diese in die Wirklichkeit umzusetzen?

Sophie: Darauf werden wir momentan in der Schule vorbereitet. Der siebte Jahrgang hat ein Projekt im Rahmen der Sozialkundetage  und dort werden wir auch auf die Berufswahl vorbereitet. In der achten Klasse müssen wir ein Praktikum machen und dabei hat sich für mich ergeben, dass ich wohl in den ärztlichen Bereich gehen möchte.
 
Online-Redaktion: Was sagen eigentlich Deine Eltern, wenn Du mit Ihnen über Deine Schule sprichst?

Sophie: Ich spreche sehr offen mit ihnen darüber, was mir gefällt und was mir nicht so gut gefällt. Außerdem bekommen sie regelmäßig einen Elternbrief, wo sie darüber informiert werden, was in der Schule passiert. Es geht dabei etwa um ein bestimmtes Projekt, worüber wir uns dann austauschen.

Meine Eltern bekommen natürlich auch mit, welche schulischen Leistungen in Form von Tests oder Klassenarbeiten wir erbringen. Sie sind sehr zufrieden damit, wie wir an der ecolea gefördert werden und auf unsere Zukunft vorbereitet werden.

Kategorien:  Schule vor Ort - Partizipation

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