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Gestatten, dass ich mich vorstelle: Das IZBB im Saarland

Ist es in sechs Jahren Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) gelungen, eine Modernisierung des saarländischen Bildungssystems herbeizuführen? Die erste IZBB-Schulbaudokumentation, die am 19. August 2009 im saarländischen Kultusministerium der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, zeigt, dass im Saarland eine neue Ära kindgerechter und familienfreundlicher Freiwilliger Ganztagsschulen eingeläutet wurde.

Das IZBB-Programm zum Ausbau der Ganztagsschulen zählt zu den großen bundesweiten Investitionsvorhaben in Sachen Bildung - Grund genug, dass sich die Öffentlichkeit zunehmend für die Frage interessiert, wie die Bundesmittel verwendet wurden. Seit dem Jahr 2003 stehen den 16 Ländern bis 2009 im Rahmen des IZBB vier Milliarden Euro zur Verfügung.

Als das IZBB im Herbst 2003 gestartet wurde, wurde im Saarländischen Bildungsministerium rasch ein multiprofessionelles Team aufgestellt, dessen Aufgabe es war, das IZBB-Förderprogramm nach Erlass der Umsetzungsrichtlinien effizient umzusetzen. Schließlich sollten die Schulträger so schnell wie möglich ihre Schulbauprojekte in Angriff nehmen können.

Rasche Bildung einer IZBB-Koordinierungsstelle

So wurde im Saarland die IZBB-Koordinierungsstelle ins Leben gerufen. Dort waren sowohl pädagogische als auch baufachliche sowie haushalts- und verwaltungsmäßige Fachkompetenzen gebündelt, erläutert Karin Schmitz, die bis 31. Dezember 2008 der IZBB-Koordinierungsstelle angehörte und am 1. Januar 2009 die Referatsleitung des Haushaltsreferates im saarländischen Bildungsministerium übernommen hat. Für das IZBB-Programm galt: "Die Aufstellung eines guten Teams war für die effiziente und schnelle Umsetzung des Programms ausschlaggebend".

Annegret Kramp-Karrenbauer

Bereits nach der ersten Umsetzungsphase des IZBB-Programms in den Jahren 2004/2005 wurde die Idee im Saarland geboren, die Auswirkungen des Investitionsprogramms auf die sich mehr und mehr verändernde Schullandschaft anschaulich in Form einer Broschüre zu dokumentieren. Schule ist schließlich zum Lern- und Lebensort geworden. Dies spiegelt sich sowohl in den pädagogischen Konzepten und Leitbildern der Schulen als auch in den räumlichen Veränderungen und qualitativen Verbesserungen in den Schulgebäuden wider.

Schulbau wirkt in den öffentlichen Raum

Das Saarland hat bis heute rund 55 Mio. Euro verbaut - davon  47 Mio. Euro aus den zur Verfügung stehenden 49 Mio. Euro an Bundesmitteln, 5 Mio. Euro von Seiten der Schulträger und 3 Mio. Euro aus dem 10 Mio. umfassenden landeseigenen IZBB-Programm. Letzteres wurde aufgelegt, um bedarfsorientiert die Projekte, die wegen Erschöpfung der IZBB-Bundesmittel nicht mehr durchgeführt werden konnten, doch noch zu realisieren. Noch nicht verbaute Mittel sind bereits bewilligt oder stehen kurz vor ihrer Bewilligung. Es wurden bereits 600 Projekte an rund 300 allgemeinbildenden Schulen zum Abschluss gebracht.

Heute ist im Saarland ein nahezu flächendeckendes Netz ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote an allgemein bildenden Schulen zu verzeichnen. Damit belegt das Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern einen Spitzenplatz. Investitionen in die Schulgebäude sind Maßnahmen dauerhafter Natur und darüber hinaus von großem öffentlichen Interesse: Generationen von Schülerinnen und Schülern sind ebenso von ihnen betroffen wie Lehrerinnen und Lehrer.

Auch die außerschulischen Partner beziehungsweise das Stadtviertel spüren die Auswirkungen neu gestalteter oder renovierter Schulgebäude. Schulbauten sind ein Spiegel spezifischer Bildungshorizonte. Sie wirken auch anregend auf ihr öffentliches Umfeld. Mit dem Saarland hat nun das erste Land eine Dokumentation des IZBB-Schulbaus geleistet.

Doris Giegold und Karin Schmitz

In Gestalt einer professionell und edel gestalteten Broschüre, die auf rund 60 Seiten die ganze Vielfalt der IZBB-Projekte im Land unter dem Titel "SchulRäume - Architekturwettbewerb für Schularchitektur im Saarland" entfaltet. Die Broschüre ist die Frucht einer Kooperation zwischen dem Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, der Architektenkammer des Saarlandes sowie der Ingenieurkammer Saarland.

In Bild, Text und Zahl informiert die Broschüre über die Entwicklung des IZBB im Saarland. Diese ist laut Annegret Kramp-Karrenbauer "eine Erfolgsstory". Die saarländische Bildungsministerin bemerkte, dass es eine echte Freude sei, die Dokumentation anzuschauen. "Sie zeigt, dass Schule heute etwas anderes ist als vor 50 Jahren." Schulbau im Saarland sei echte Vielfalt, die belege, dass individuelle Lösungen neue Räume sowie qualitative Verbesserungen an den Schulen schaffe.

Kaum eine Schule mehr ohne Ganztagsangebote

Das IZBB habe dem Schulbau Dynamik gegeben: "So konnte eine moderne und bedarfsorientierte Infrastruktur saarlandweit nahezu flächendeckend geschaffen werden. Mehr als 90 Prozent der allgemeinbildenden Schulen sind heute in der Lage, ein flächendeckendes Nachmittagsangebot anzubieten." In der Broschüre findet sich neben dem Grußwort der Bildungsministerin und des Präsidenten der saarländischen Architektenkammer, Herbert Kiefer, auch ein lesenwerter Aufsatz des bekannten Architekturpsychologen Prof. Christian Rittelmeyer unter der Überschrift "Schulbaudiskussion und Schulbauforschung: Eine Zwischenbilanz".

Welchen Stellenwert das Thema Schulbau national und international genießt, verdeutlicht der Paradigmenwechsel ("spatial turn") in den Erziehungswissenschaften, der den Blick auf räumliche Bildungslandschaften und veränderte Aufgabenstellungen von Schulen wie Frühförderung, Flexibilisierung des Unterrichts- und der Raumgestaltung, selbstständiges Lernen, Ganztagsunterricht, Schulverbünde, außerschulische Kooperationen und Schule als Lebensraum richtet. Rittelmeyer führt aus: "Die Frage nach den Qualitätskriterien guter Schularchitektur steht gegenwärtig ganz oben auf der reformpädagogischen Agenda."

Qualitätskriterien guter Schularchitektur: Der Wettbewerb

Nachdem der Erziehungswissenschaftler Resultate der internationalen Schulbauforschung vorstellt, wendet er sich den Problemen der Verständigung zwischen Planern und Nutzern zu. Schließlich stellt er Kriterien schülergerechter Schulbauten dar. "Die Schularchitektur soll anregungs- und abwechslungsreich, nicht langweilig beziehungsweise monoton sein." Ferner sollen die Räume und Gebäudeformen sowie das Interieur freilassend, nicht bedrängend oder beengend wirken. Außerdem sollen die Schulgebäude Wärme und Weichheit statt Kälte und Härte ausstrahlen.

Seelenlose, asbestverseuchte "Schulen zum Fürchten" gehören hoffentlich der Vergangenheit an. Dies bringen nicht nur die elf ausgewählten IZBB-Projekte zum Ausdruck, die im Rahmen des Architekturwettbewerbs von einer achtköpfigen Jury ausgewählt wurden - landesweit gab es über 50 Einreichungen. Die prämierten Projekte sind auch Beispiele für die räumliche Unterstützung einer neuen Pädagogik: "Schulen müssen die Sinne ansprechen und Gebrauchswert, ästhetischen Wert sowie Ortsbezug in eine selbstverständliche Balance bringen", so Herbert Kiefer, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes in seinem Grußwort.

Die Schulträger öffnen sich für kindgerechte Schulbauten

Offensichtlich sind die Schulträger zunehmend bereit, den Paradigmenwechsel hin zu einer nutzerorientierten pädagogischen Architektur nachzuvollziehen. Das bedeutet mit den Worten von Kiefer die Bereitschaft, "sich um eine kindgerechte, qualitätvolle und nachhaltige Architektur im Schulbereich zu bemühen, wodurch bei der nachwachsenden Generation das Bewusstsein für Baukultur erzeugt wird". Die neue Pädagogik und gebrauchswertorientierte Architektur verdankt sich Kiefer zufolge der Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler heute nicht mehr vier bis fünf Zeitstunden in der Schule verbringen, sondern den ganzen Tag.

Schulleiter, Bürgermeisterin und Architekt mit Urkunde

Der öffentliche Impuls, den der Wettbewerb den Schulträgern vermitteln soll, kommt wie folgt zum Ausdruck: "Die elf ausgewählten Schulbauten, die in der vorliegenden Broschüre ausführlich gezeigt werden, können nach Ansicht der Kommissionsmitglieder eine Vorbildfunktion für zukünftige Schulbauprojekte haben und Schulträgern sowie Architekten als Anreiz dienen, sich für eine qualitätvolle Gestaltung von Schulen einzusetzen."

Saarländische Bauprojekte machen Schule

Die glücklichen Gewinner des Wettbewerbes, die von Annegret Kramp-Karrenbauer am 19. August 2009 im Saarbrücker Bildungsministerium eine Urkunde überreicht bekamen, werden in der Broschüre ausführlich in Bild und Text dargestellt. Die Preisträger, die von einer fachkundig besetzten siebenköpfigen Jury ermittelt wuden, verteilen sich über alle Schulformen, allerdings dominieren sechs Grundschulen, gefolgt von zwei Gesamtschulen, ferner finden sich zwei Gymnasien sowie eine Erweiterte Realschule unter den Preisträgern wieder.

Die Schulen heißen der Reihe nach: Grundschule Altes Rathaus Wallerfangen (Architekt Calogero Cascino), Grundschule Brotdorf (Architekt Kurt Kühnen), Grundschule Nalbach (Architekten Alt & Britz), Grundschule Orscholz Mettlach (Architekt Kurt Kühnen), Grundschule Scheidt Saarbrücken (Architekten Hepp & Zenner), Grundschule Turmschule Dudweiler (Architekten Stolpe + Ruck), Grundschule Wiesentalschule St. Ingbert (Architekten Stolpe + Ruck), Gesamtschule Bellevue Saarbrücken (Innenarchitektin Sabine Waschbüsch + Architektin Elisabeth Groß), Gesamtschule Sulzbach (Architekten Hepp & Zenner), Aula Lebach: Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach, Johannes-Kepler-Gymnasium in Lebach und die Nikolaus-Groß-Schule, Privatschule in Lebach (Architekten Becker u. Wender), Erweiterte Realschule Lebach (Architekt Herbert Kiefer).

Verbindung von Altem und Neuen

Ein Beispiel für die enge Kooperation von Schulträger (Gemeinde Wallerfangen) und dem Kultusministerium ist die Modernisierung der Grundschule Wallerfangen. Die Schule, die in dem denkmalgeschützten Gebäude des historischen Rathauses untergebracht ist, wurde für 2,4 Millionen Euro renoviert. Während der Denkmalschutz (Außengebäude) über das Dorferneuerungsprogramm finanziert wurde, fand parallel dazu der Innenausbau aus Mitteln des IZBB statt.

"Der Umbau fand in guter Zusammenarbeit mit der Gemeinde sowie dem Kultusministerium statt", erläutert Calogero Cascino. Für den Architekten ist das 1878 von Adolphe de Galhau erbaute Gebäude, das den damaligen Gewächshäusern nachempfunden ist, eines der schönsten Schulgebäude im Saarland. Dementsprechend heißt es in der Broschüre: "Es ist gelungen, eine moderne, zeitgemäße Schule in historischen Gebäuden unterzubringen, mit der sich die Kinder wie auch die Eltern identifizieren. Im ehemaligen Schulhaus sind Gymnastikraum und die Räume für die Freiwillige Ganztagsschule untergebracht.

Schule im Saarland zum Lebensraum geworden

Vergegenwärtigt man sich die anderen Preisträger, fällt auf, dass mit relativ geringen Mitteln viel erreicht werden kann. Dazu gehören behindertengerechte Lösungen, Niedrigenergiegebäude, die Einführung erneuerbarer Energien, kindgerechte Farbkonzepte oder die Akustik der Decken.

Wichtig war es auch, die Beteiligten an einen Tisch zu kriegen und pädagogisch orientierte Gesamtkonzeptionen zu entwickeln, erklärt Beatrice Zeiger, Leiterin der Stabsstelle Familie, Betreuung und Bildung. Auch schon mit kleinen Maßnahmen, z.B. mit dem Einbau von akustischen Decken, kann etwas für das Lernklima in einer Klasse getan werden. Es lohnt sich die Preise zu vergleichen, da gute Qualität nicht immer viel kosten muss.

Doch die Entwicklung im Bereich der Schulbauten und des Ausbaus der Ganztagsschulen bleibt damit nicht stehen: das Konjunkturpaket II des Bundes und der Länder wird zu 65 Prozent für den Bereich Bildung verausgabt. Im Saarland trifft jetzt schon zu, was andernorts noch eingelöst werden muss: Die Schule ist nicht zuletzt aufgrund der IZBB-Schulbauten ein Lebensraum geworden.

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