(Beginn des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])

Qualitätsentwicklung und Mindeststandards in den Ländern

Auf dem 4. Ganztagsschulkongress "Ganztagsschulen werden mehr - Bildung lokal verantworten" tagte ein Qualitätsforum der Länder, das sich aus Repräsentanten der Kultusministerien und Experten aus den Bereichen Schule, Fortbildung und Universität zusammensetzte und das über Qualitätsentwicklung an Ganztagsschulen diskutierte. Welche Qualitätsstandards sollten die Ganztagsschulen bundesweit entwickeln? Die Online-Redaktion fragte Wolf Schwarz vom Hessischen Kultusministerium nach den Gemeinsamkeiten und Standards bei der Qualitätsentwicklung in den Ganztagsschulen.

Wolf Schwarz

Online-Redaktion: Was waren die Schwerpunkte der Diskussion im Qualitätsforum der Länder und welche gemeinsamen Ergebnisse hat sie im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung erbracht?

Schwarz: Ich denke, es ist grundsätzlich deutlich geworden, dass lokale und regionale Netzwerke und eine gemeinsame Bildungsplanung von Schulen, Kommunen, Schulträgern und dem Land eine unverzichtbare Unterstützung beim Aufbau und der Weiterentwicklung von Ganztagsschulen darstellen. Insofern war das Thema des Kongresses genau richtig gesetzt.

Online-Redaktion: Neben dem quantitativen spielen die qualitativen Aspekte der Ganztagsschulentwicklung eine zunehmende Rolle. Verschiedene Qualitätsmodelle haben sich in den Ländern herausgebildet. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Ländern und worin unterscheiden sie sich?
 
Schwarz: Zunächst einmal gibt es so viele Gemeinsamkeiten, dass es sich lohnt, sie hervorzuheben:

  • Alle Länder haben die IZBB-Mittel genutzt, um den Ausbau der Ganztagsschulen entscheidend voranzutreiben; die Zahl der Ganztagsschulen hat sich dadurch mehr als verdoppelt.
  • Alle Länder haben eigene Ganztagsschul-Programme aufgelegt und vor allem finanzielle Ressourcen bereitgestellt, ohne die das pädagogische Personal für die Ganztagsschulen überhaupt nicht zur Verfügung stehen würde.
  • Alle Länder haben verschiedene Ganztagsschultypen entwickelt, für die in der Kultusministerkonferenz mit den Modellen der gebundenen, teilgebundenen und offenen Ganztagsschulen auch eine gemeinsame Definition gefunden worden ist.

Die Unterschiede bestehen in den Schwerpunktsetzungen, also z. B. darin, ob für bestimmte Schulformen ein Schwerpunkt gesetzt wird (z. B. Grundschule wegen des Betreuungsbedarfs oder Hauptschule, um sie pädagogisch zu unterstützen, oder Gymnasien wegen der ohnehin erhöhten Stundentafel aufgrund von verkürzter Gymnasialzeit u. a. m.) und wie diese Schwerpunktsetzungen mit Ressourcen ausgestattet werden.

Online-Redaktion: In welcher Form hat das Schwerpunktthema "Bildung lokal verantworten" des 4. Ganztagsschulkongresses in Berlin die Qualitätsdiskussion beeinflusst?

Schwarz: Die lokale Bildungsplanung und deren Umsetzung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen um einen (vorgegebenen) Qualitätsrahmen auszugestalten und die Ganztagsschule auch dauerhaft in der Gemeinde zu verankern. Nur wenn Kommunen und Schulträger sich mit "ihren" Ganztagsschulen identifizieren und damit die Schulen und das Land in ihren Anstrengungen unterstützen, werden sie auf Dauer Erfolg haben.

Online-Redaktion: Was sind die Mindestanforderungen für Qualität an Ganztagsschulen und welche verbindlichen Standards sollte es dafür geben?

Schwarz: Ich denke, länderübergreifend gibt es gemeinsame Merkmale von Ganztagsschulen, die man als Mindestanforderungen verstehen mag.
Dazu zählen:

  • ein verlässliches Bildungs- und  Betreuungsangebot vor und nach dem Unterricht;
  • das Angebot eines warmen Mittagessens;
  • eine Hausaufgabenbetreuung;
  • Bewegungs- und Ruheangebote;
  • Förderunterricht und Wahlangebote mit Bezug auf die Stundentafel und den Fächerkanon.

Standards, die dann auch mit Indikatoren und Evaluierungen zu verbinden wären, sind das nicht, sie müssten durch die einzelnen Länder entwickelt werden. Aus der Sicht der Schulen, vor allem aber aus der Sicht von Eltern und Schülern ist es aber auf jeden Fall zu begrüßen, wenn ich mich darauf verlassen kann, dass beispielsweise die Angebote einer offenen Ganztagsschule in Frankfurt in Umfang, Struktur und Zeitplan dem entsprechen, was in einer offenen Ganztagsschule in Kassel oder über das Land hinaus, z.B. in Hannover, darunter verstanden wird.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielen internationale Beispiele für die Qualitätsdiskussion in den Ländern?

Schwarz: Die Ganztagsschule in den OECD-Ländern stellt sich unterschiedlich in Organisation, Struktur und Inhalten dar. In den Bundesländern können wir deshalb aber auch Strukturen und Modelle, die am besten in unsere Bildungslandschaft und zu unseren pädagogischen Ansprüche passen, zum Vorbild nehmen und sie für unsere Bedürfnisse nutzen. Vieles ist einfach nicht eins zu eins übertragbar, auch wenn es auf den ersten Blick wünschenswert erscheint.

Online-Redaktion: Was sind wichtige Instrumente der Qualitätsentwicklung in Hessen?

Schwarz: Das wichtigste Instrument für uns ist die gelebte Praxis unserer Ganztagsschulen - mittlerweile organisiert jede vierte allgemeinbildende Schule in Hessen ein Ganztagsangebot. Dafür haben wir ein gut funktionierendes Feedback-System aufgebaut, das die Ganztagsschul-Arbeitskreise bei den Staatlichen Schulämtern mit der Serviceagentur "Ganztägig lernen" und den lokalen und regionalen Planungen der Schulträger vernetzt. Diese vernetzte Kooperation bildet für das Ministerium bei seinen Planungen eine wesentliche Grundlage, die durch Grundsatztagungen, Fachtagungen und Fortbildungen ergänzt wird.

Online-Redaktion: Wie sehen die Perspektiven für Qualitätsentwicklung aus?

Schwarz: Auf mittlere Sicht sollte die bestehende Ganztagsschulrichtlinie durch einen Qualitätsrahmen für Ganztagsschulen ergänzt werden - so wie er allgemein für Schulen schon besteht.

Dabei sind dann aber die verschiedenen Ganztagsschulmodelle und deren Ressourcen genauso in Rechnung zu stellen wie die besonderen Ansprüche und Voraussetzungen der verschiedenen Schulformen. Grundschulen und Gymnasien können nicht über einen Leisten geschoren werden, Förderschulen und Gesamtschulen haben z. T. gleiche, aber auch zu einem Gutteil verschiedene Aufgaben und Merkmale, sie alle sind dabei zu berücksichtigen.

Wolf Schwarz ist Ministerialrat und als Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium für das hessische Ganztagsprogramm nach Maß verantwortlich.

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt.
Wir bitten um folgende Zitierweise: Autor/in: Artikelüberschrift. Datum. In: http://www.ganztagsschulen.org/xxx. Datum des Zugriffs: 00.00.0000

 
(Ende des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
 

(Beginn der inhaltlichen Zusatzinformationen [zum Inhalt Taste I, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
 
(Ende der inhaltlichen Zusatzinformationen)