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"Wir wollen den Weg der gebundenen Ganztagsschule weiter verfolgen"

Bremen gehört zu den Ländern, die sich schon früh auf den Weg zum Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen gemacht haben. Heute sind nahezu 100 Prozent der Oberschulen ganztägig arbeitende Schulen, aber auch die Gymnasien schlagen zunehmend den Weg zur Ganztagsschule ein. Welche zukünftigen Herausforderungen und Prioritäten sich bei dem flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen in der Bildungspolitik stellen, erläutert die Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Renate Jürgens-Pieper.

Online-Redaktion: Wo steht Bremen heute im bundesweiten Vergleich zu 2003?

Renate Jürgens-Pieper: Ich habe keinen vollständigen Überblick über die Ganztagsschulentwicklung in anderen Bundesländern, weil die Entwicklung sehr unterschiedlich und vielfältig ist. Wir können uns in der Kultusministerkonferenz (KMK) ja kaum auf eine Definition einigen, was Ganztagsschulen ausmacht. Ich denke, dass Bremen im Vergleich zu den anderen Bundesländern, was den Ausbau gebundener Ganztagsschulen betrifft, sehr weit fortgeschritten ist. Im Bereich der Sekundarstufe I sind wir quantitativ sehr weit.

Die Elternzufriedenheit ist hoch, allerdings müssen wir noch für eine größere Akzeptanz werben. Mit dem nächsten Programm, das hoffentlich mit der nächsten Legislatur kommt, werden alle Schulen über ein Mittagessen und ein Nachmittagsangebot verfügen, das, was die Rhythmisierung des Tages angeht, unterschiedlich weit entwickelt sein wird. Alle Bremer Gymnasien verfügen über ein Essensangebot und Räumlichkeiten für den Nachmittag. Sie sind zwar noch nicht alle pro forma Ganztagsschulen, arbeiten aber bereits ganztägig. Auch die Oberschulen, die sich in der Entwicklung befinden, wollen alle Ganztagsschulen werden.

Online-Redaktion: Wo gibt es noch Knackpunkte?

Jürgens-Pieper:  Bei den Ganztagsschulen der ersten Stunde besteht Nachholbedarf. Durch die steigende Akzeptanz des Mittagessens sind die Essenszahlen dermaßen gestiegen, dass die Größe der Küchen nicht ausreicht. Wir müssen dort also angesichts der steigenden Nachfrage nach Ganztagsangeboten ein Modernisierungsprogramm auflegen. Gerade die räumlichen Fragen drängen, auch bei den Lehrerarbeitsplätzen. Die Studie zur Entwicklung der Ganztagsschulen (StEG) hat aufgezeigt, dass Lehrerarbeitsplätze ein großes Thema für Lehrkräfte sind. Wenn man ganztägig arbeitet, braucht man auch einen vernünftigen Arbeitsplatz.

Online-Redaktion: Wieso setzt Bremen hauptsächlich auf die gebundene Form? Spielen hier spezifische soziale Indikatoren eine Rolle?

Renate Jürgens-Pieper (Senatorin für Bildung und Wissenschaft), Bettina Bundszus (Leiterin des Referates Frühe und Allgemeine Bildung, BMBF), Dr. Natalie Fischer (Koordinatorin der StEG-Studie), Christel Hempe-Wankerl (Ganztagsschulreferentin): v.l.n.r.© Alexandra Brietzke

Jürgens-Pieper: Die StEG-Studie hat dargestellt, dass die Ganztagsangebote sich nicht nur positiv auf das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler auswirken, sondern auch indirekt auf die Benotung wirken. Unser Wunsch ist: Wir wollen mehr Kinder zu besseren Leistungen bringen. Das ist Bremens Anliegen schlechthin. Und da erzielt die Verpflichtung für die Schülerinnen und Schüler, über mehrere Jahre - also nicht nur sporadisch mal ein Angebot wahrzunehmen - an der Ganztagsschule teilzunehmen, nach unserem Empfinden und auch nach den StEG-Ergebnissen besseren Resultate.

Online-Redaktion: Wie bewerten Sie die Ergebnisse der StEG-Studie, die während der Bremer Fachgespräche von der Koordinatorin der Studie, Dr. Natalie Fischer, vorgestellt wurden?

Jürgens-Pieper: Die Zufriedenheit, die vielfach von den Eltern geäußert wurde, ist sehr positiv zu sehen. Aber es zeigt sich auch, dass es Schwierigkeiten sowohl im Unterricht als auch im Schulleben gibt, dadurch dass Schülerinnen und Schüler ein problematisches Sozialverhalten an den Tag legen. Die Bildungsferne der Familien und Armut sind Risikofaktoren, die den Schulabschluss der Kinder gefährden. Deshalb müssen wir in Ganztagsschulen eine Lern- und Lebenskultur entwickeln, um positiv auf das Sozialverhalten und die Schulleistungen einzuwirken. An dieser Stelle unterstützen uns die Erkenntnisse der StEG-Studie sehr.

Online-Redaktion: Welche Akzente möchten Sie als Bildungssenatorin in der zukünftigen Entwicklung der Ganztagsschulen setzen?

Jürgens-Pieper: Wir wollen den Weg der gebundenen Ganztagsschule weiter verfolgen. Dies definiert das künftige Arbeitsfeld: die Bereitstellung von Räumlichkeiten und die qualitative Weiterentwicklung von Lernkultur im ganztägigen Arbeiten. Vor allem brauchen wir dringend bessere Räumlichkeiten. Wir haben äußerst unterschiedliche Schulgebäude, die teilweise aus der wilhelminischen Zeit und teilweise aus den 1950er und 1960er Jahren stammen: Wir haben aber zum Glück festgestellt, dass man mit guten Architekten auch in solchen alten Gebäuden mit kreativen Maßnahmen weiter kommt. Es lassen sich durchaus auch dort Jahrgangsteammodelle, Mensen und Freizeitbereiche realisieren. Die Gebäude werden dabei durch Glas und lichtdurchflutete Räume aufgewertet.

Auf der anderen Seite brauchen wir mehr Lehrerstunden, ergänzt um sozialpädagogische und ehrenamtliche Kräfte. Diese sollten in einer Ganztagsschule, die auch ganztägig rhythmisiert ist, zusammen arbeiten. Sie sollen Arbeits- und Übungsphasen sowie Projektlernen anbieten und dabei vor allem dafür sorgen, dass die Kinder verstärkt selbstständig lernen. Die Lehrerkooperation wird dabei in Jahrgangsteams organisiert - und all dies geht nur im ganztägigen Lernen.

Online-Redaktion: Sie befinden sich auf dem richtigen Weg?

Jürgens-Pieper: Ich hoffe, dass dies der richtige Weg ist. Wir werden dabei durch die wissenschaftlichen Studien unterstützt. Für unsere Schulentwicklung haben wir uns sehr viel Expertenrat gerade von jenen eingeholt, die in der Bildungsforschung bekannt sind: Nicht nur Prof. Klieme mit der StEG-Studie, sondern auch Bildungsexperten wie Prof. Baumert, Prof. Prenzel und Prof. Köller waren in Bremen und haben uns Empfehlungen gegeben, was wir angesichts der schwierigen Bremer Ausgangslage mit dem Pisa-Platz 16 tun sollten, um trotz der Schwierigkeiten der Schülerschaft und der Belastung der Lehrkräfte eine Schulreform zu verwirklichen, die gute Ergebnisse bringt.

Kategorien:  Köpfe - Politik

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