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"Wir haben uns wie Stars gefühlt"

Viele neue Talente wurden bei "Klappe, die Zweite!" entdeckt. Das zweijährige Projekt, an dem Schulen und Kooperationspartner aus 14 Ländern beteiligt waren, wurde mit der Prämierung der besten Filme (Publikumspreis) im Berliner Kino Arsenal abgeschlossen. Etliche Projekte werden aber vor Ort weiter existieren. Sie brauchen Mut und Ausdauer, um sich nicht von Misserfolgen abschrecken zu lassen. "Wir bleiben dabei und werden unser Ding durchziehen!", meinte deswegen eine 15-jährige Schülerin, die mit ihrem markanten Bühnenauftritt brillierte.

"Klappe, die Zweite" hat neue Talente entdeckt und auch Träume wurden wahr. Dies wurde deutlich, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 13. und 14. November 2009 zum letzten Mal im Kino Arsenal in Berlin zusammen kamen. Auf dem Programm standen die Vorführung des Bundesfilms, sowie die Präsentation der Einzelfilme aus 14 verschiedenen Projekten und fünf Ländern (Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen). In die mit Spannung erwartete Aufführung mischte sich auch Abschiedsschmerz, denn mit der Verleihung des Publikumspreises endet auch das Projekt "Klappe, die Zweite!".

Der Bundesfilm, der auch auf dem 6. Ganztagsschulkongress im bcc Kongresscenter am 11. und 12. Dezember 2009 vorgeführt wird, füllte den etwas sperrigen Begriff "Inklusion" mit Inhalt. Da die Ergebnisse der Filmprojekte vielfältig ausfielen, war es eine gute Entscheidung von Linda Broschkowski und Ephraim Broschkowski (künstlerische Leitung), diese in Form einer Collage zu präsentieren. Dabei wurde das Thema "Inklusion" nicht nur in den Beiträgen umgesetzt, sondern durch das gemeinsame Gestalten aller Beteiligten auch gelebt.

In der anschließenden Fishbowl tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Thema "Stärkung der Teilhabe durch Medienprojekte" aus. Dabei wies Claudia Wenzel von der Internetplattform www.filmlehrer.de darauf hin, dass es wichtig ist, mehr Lehrerinnen und Lehrer für die Filmbildung an den Schulen zu gewinnen. Eine große Bedeutung habe das persönliche Engagement des einzelnen Lehrers und seines jeweiligen Vorwissens. Der Aufbau von Netzwerken unterstütze die punktuellen Ansätze dabei, stärker in die Breite zu gehen. Immerhin sei die Filmbildung in Berlin bereits ein Baustein der Lehrerbildung. Schwieriger sei es, das Thema Filmbildung fächerübergreifend in die Lehrpläne zu integrieren.

"Selber die Kamera bedienen, ist besser als dahinter zu stehen"

Was ist wichtiger: das Ergebnis eines Film- und Medienprojektes oder der Prozess? Hierzu gab es unterschiedliche Meinungen. Für Maren Wurster von Vision Kino steht das ergebnisorientierte Arbeiten im Vordergrund: "Die Kinder und Jugendlichen fragen: Wie kommt man zu einem guten Ergebnis?" Auf diese Frage reagierte Izzet Yavus von der Erich-Kästner-Schule, Baunatal: Der 15jährige nahm den freien Platz in der Fishbowl ein: "Es ist wichtig, wenn die Lehrkräfte uns dabei unterstützen, die Richtung zu finden." Dann komme es aber darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für den Prozess übernehmen.

Er habe in seinem Filmteam gute Erfahrungen damit gemacht, selbstständig die Termine der Fachleute von der Technik oder den Filmakteuren zu organisieren. "Selber die Kamera zu bedienen, ist viel besser als dahinter zu stehen." Dem konnte Frank Weiershäuser vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Kassel nur zustimmen. Wichtig sei der Prozess, der so weit gehe, dass sich die Erwachsenen überflüssig machten. Weiershäuser machte darauf aufmerksam, dass viele Schulgebäude nicht zum Lernen einladen - da sei es angesagt, dass die Schülerinnen und Schüler den Ort mitgestalten.

"Wir bleiben dabei und werden unser Ding durchziehen!"

Mit der 16-jährigen Schülerin Saskia Sörmer von der Ganztagsschule "G.E. Lessing", Salzwedel ergriff erneut eine Schülerin in der Fishbowl das Wort. Ihre Schule sei bei der Renovierung von den Schülerinnen und Schülern mitgestaltet worden: "Die Schule ist jetzt richtig cool." Mit dem Filmprojekt sei eine tolle Zusammenarbeit im Team entstanden - da habe es richtig Spaß gemacht, im Rahmen ihres Hip Hop-Projektes zu tanzen und zu singen: "Wie haben uns bei den Auftritten mit dem Musiker Derya Takkali wie Stars gefühlt."   

Nach Saskia setzte sich Berta Longardt, 15 Jahre, in die Fishbowl und führte aus, dass sie sich zu Beginn des Filmprojektes nicht getraut habe, in die Tanzschule zu gehen. Doch dann habe ihr der Tanzlehrer Abdul Karim Adnan, genannt "Eddy", Mut zum Tanzen von Hip Hop gemacht: "Unser Tanzlehrer hatte tolle Ideen." Berta, die im Ural (Sibirien) geboren wurde, war es bereits gewohnt, in der russischen Schule vorzusingen. "Die Klassen wurden für die Eltern hübsch gemacht, und jeder musste ein Lied singen, das er im Unterricht gelernt hat."

Dementsprechend  hinterließ sie bei der Vorführung des Bundesfilms einen ganz starken Eindruck: Man sieht dort die 15jährige bei Filmaufnahmen in einem Tonstudio vor einem Mikrofon. Die Bühnensituation macht ihr nicht etwa bange, vielmehr wächst sie beim Singen Hip Hop, den sie in russisch vorträgt, regelrecht über sich hinaus. Den Zuschauer beeindruckte sie mit ihrer markanten, rauchigen Stimme. Berta meinte denn auch während der Diskussion, sie spüre das Zeug, eine "richtige Rapperin" zu werden. Das Filmprojekt hat dazu beigetragen, dass sich ihre Schulleistungen deutlich steigerten. Vor allem hat es dazu beigetragen, dass Vielfalt an ihrer Schule gelebt werde.

Medienprozesse sind team- und schülerorientiert

Nun möchten Berta und ihre Mitstreiter dafür sorgen, dass das Projekt, das gemeinsam mit der Tanzschule Müller und dem Offenen Kanal Salzwedel durchgeführt werde, auch über den Abschluss von "Klappe, die Zweite" hinaus bestehen bleibt: "Wir bleiben dabei und werden unser Ding durchziehen!" Dabei wird sie durch die Lehrerin Undine Stribrny tatkräftig unterstützt, die meinte: "Das Projekt wird mit den fünften und sechsten Klassen weitergeführt. Der schulische Nachwuchs war ganz begeistert von der Arbeit um den Tanzlehrer 'Eddy'."
  
 Jens Carstensen, Musiklehrer der Immanuel-Kant-Schule, hat mit seinen Schülerinnen und Schülern einen internationalen Preis in Tokio für einen Filmbeitrag zum Mahnmal in Berlin sowie weitere bei "Kinder zum Olymp!" gewonnen. Carstensen hatte bereits im ersten Themenatelier Kulturelle Bildung, dem Vorgängerprojekt eine aktive Rolle gespielt: "Medienprozesse sind teamorientiert und ein Kontrast zur Vereinzelung im Unterricht  - im Film geht es nicht ohne Team." Für die Kinder und Jugendlichen sei es eine wichtige Erfahrung, dass die Film- und Medienprojekte keinen Notenzwang ausüben. Stattdessen unterstützen sie die informelle Qualifikationen wie Medienkompetenzen und die kreativen Potenziale der Schülerinnen und Schüler.

Inklusion von Mädchen und Jungen mit Roma-Hintergrund

Ein Beispiel dafür, dass Inklusion ihren Praxistest im Alltag bestehen muss, war das Filmprojekt des Journalisten Nils Neubert. Das Besondere seines Projektes war die Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern der GGS Spörkelhof. Dass einige Teilnehmerinnen des Projektes aus Romafamilien stammen, zeigte wie bereichernd die Arbeit mit Filmprojekten für die Ganztagsschulen ist.

Die 10-jährige Viktoria Udorovic beispielsweise meinte: "Mir hat die Arbeit mit Film viel Spaß gemacht - ich habe dabei für das Leben gelernt." Dass Viktoria schulische Erfolge vorweisen kann, erfüllte ihre Mutter, die ihre Tochter nach Berlin begleitete mit Stolz. Bald wird Viktoria von der Grundschule in die Realschule übergehen. Auch Valessia Udorivic hat die Arbeit mit Nils Neubert viel gegeben: "Es ist pure Magie, mit dem Film zu arbeiten", meinte die Cousine von Viktoria.

Zum Abschluss von "Klappe die Zweite" wurden mehreren Filme noch ein Publikumspreis verliehen. Zuvor hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance, ihre Lieblingsfilme zu bewerten. Die Preisverleihung selbst war von einer bewegenden Stimmung begleitet. Alle spürten, dass sie eine tolle Zeit erlebt haben und sich gemeinsam weiterentwickelt haben.

 Nun müssen die Projekte lernen, sich vor Ort ganz eigenständig zu behaupten. Sie müssen Sponsoren und andere Unterstützer auftreiben, um ihre finanziell kostspieligen Filmprojekte, die sich dem Gedanken der Inklusion verschrieben haben, am Laufen zu halten. Sie brauchen Mut und Ausdauer, um sich nicht von Misserfolgen abschrecken zu lassen. Doch vor allem müssen sie an sich selbst glauben.

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