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Deutsche Schule Quito: integrativ und erfolgreich

Sanft schmiegt sich ein kleines Dorf ins Tal Cumbayá. Doch was wie ein Dorf mit vielen jungen, fröhlichen Menschen wirkt, ist die Deutsche Schule Quito in Ecuador. Großzügig und hell liegt sie da - geradezu einladend für die rund 1.600 Schülerinnen und Schüler.

Schulgelände der Deutschen Schule Quito in Ecuador

Sie fühlen sich wohl, lernen und leben hier gerne. Davon ist Schulleiter Dr. Hans-Joachim Czoske überzeugt. Und das nicht nur wegen des sieben Hektar großen Grundstücks mit all seinen modernen Unterrichtsräumen und den weiten Grünflächen. Die 1917 gegründete Deutsche Schule Quito ist die älteste private Schule Ecuadors und eine der größten deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen im Auftrag des Auswärtigen Amtes weltweit gefördert werden. Sie gehört mit ihrer pädagogischen und akademischen Qualität und ihrem multikulturellem Profil auch zu den besten Schulen des Landes.

Ein Junge und ein Mädchen im Klassenraum

Im Oktober 2010 wurde sie "Exzellente Deutsche Auslandsschule". Wörtlich heißt es im Inspektionsbericht: "Die Deutsche Schule Quito zählt nicht nur zu den renommierten und besten (Privat-)Schulen Ecuadors, sondern hat auch in der Bund-Länder-Inspektion ein hervorragendes Gesamtergebnis erzielt. Die aktuelle Momentaufnahme zeigt eine Schule, die unter den deutschen Schulen im Ausland eine führende Position in nahezu allen Bereichen vorweisen kann. Die einzelnen Feststellungen im Inspektionsbericht zu den jeweiligen Merkmalen lesen sich häufig wie das Portfolio einer Modellschule, die die richtigen und wichtigen Aspekte von Schulentwicklung nicht nur aufgreifend anpackt, sondern konsequent und nachhaltig weiterverfolgt."

Schulleiter Dr. Hans-Joachim Czoske an seinem Schreibtisch

Dr. Hans-Joachim Czoske weiß: "Dieses hohe Qualitätsniveau ist ein Ergebnis der engen und guten Zusammenarbeit der ganzen Schulgemeinschaft: Schüler, Eltern, Lehrerschaft, Vorstand, Rektorat, Verwaltung und jeder Person, die an und mit der Schule arbeitet." Und das sind viele. Zu ihnen zählen die Mitarbeiter der eigenen psychologischen Abteilung ebenso wie die der Schule angehörige Ärztin und eine Krankenschwester.

Unterricht orientiert sich an Rahmenlehrplänen Baden-Württembergs

Eine Abschlussklasse in grünen Gewändern

1.600 Kinder und Jugendliche aus 30 Nationen besuchen diese internationale Begegnungsschule. Die meisten starten im Kindergarten und wechseln dann über die Grundschule in die Sekundaria I und II. Einige nutzen anschließend auch das Angebot der Berufsschule. Das viel zitierte längere gemeinsame Lernen wird hier praktiziert. Zwei Jahren Kindergarten, der aus 14 Gruppen besteht, folgen sechs Jahre Grundschule und dann der Wechsel in die Sekundaria. Vom Kindergarten bis zur 9. Klasse gibt es eine deutsche Klasse. Von Klasse 10 bis 12 wird in zwei Parallelklassen auf das deutsche Abitur vorbereitet. Jedes Jahr legen ca. 40 Schülerinnen und Schüler, etwa Zweidrittel von ihnen stammen aus Familien ohne deutschsprachigen Hintergrund, nach 12 Jahren die deutsche Reifeprüfung ab.

Foto einer Unterrichtssituation

Zusätzlich werden alle deutschen Abschlüsse einschließlich der Fachhochschulreife angeboten. Alle Schülerinnen und Schüler legen zudem das ecuadorianische Bachillerato ab. Dem Unterricht in der Deutschen Schule liegen die Rahmenlehrpläne Baden-Württembergs zugrunde. "Pro Jahr nehmen mehr als 50 Absolventen ein Studium in Deutschland auf - mit Blick auf die Nachhaltigkeit der schulischen Arbeit und den Studienstandort Deutschland eine herausragende integrative Bildungsleistung", so Dr. Czoske.

Außenansicht der Deutschen Schule Quito in Ecuador

Und auch nach dem Schulabschluss muss die "schöne" Zeit in der Gemeinschaft dieser Schule nicht enden. Das weltweit größte Berufsbildungszentrum einer deutschen Auslandsschule bietet für die Schulabgänger mit Bachillerato/Abitur die vier Ausbildungsberufe "Industrie", "Groß- und Außenhandel", "Büro" sowie "Spedition und Logistik" dreisprachig an. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und steht auch nicht Deutsch sprechenden Seiteneinsteigern offen, wenn diese zuvor einen einjährigen Kompaktkurs in Deutsch belegen.
 

Klare pädagogische Grundsätze

Was macht diese Schule aus? Geprägt wird die Atmosphäre von klaren pädagogischen Grundsätzen und einem demokratisch erstellten Schulentwicklungsplan, ständig evaluierter Unterrichtqualität, aber auch von gemeinsamen nachmittäglichen Sport-, Kunst- und Musikarbeitsgemeinschaften. Man findet eine Antwort ebenso in der 62 Seiten umfassenden Schulordnung, die Eltern und Schüler mit der Aufnahme in die Schule als verpflichtend akzeptieren. Leistung und Disziplin sind ausdrücklich erwünscht. Auch legt die Schule besonderen Wert auf soziale Aktivitäten, Engagement für die Umwelt, Förderung der Persönlichkeit im ganzheitlichen Sinne.

Anders als in Deutschland werden die Leistungen der Kinder und Jugendlichen viermal pro Jahr und Fach in einer Partialnote dokumentiert. Die Notenskala umfasst 5 bis 20 Punkte. Schulleiter Czoske hält viel von diesem differenzierten Punktesystem: "So können wir feine Leistungsunterschiede, vor allem aber auch kleine Fortschritte dokumentieren, und der Schüler sieht, dass er sich gesteigert hat, auch wenn das noch keine komplette Note ausmacht. Das motiviert."

Elitenbildung und Förderung gleichermaßen

Schüler in einer Sitzgruppe

Die Schule verschweigt ihr Ziel nicht: "Im Ergebnis will die Deutsche Schule Quito mit ihrer Arbeit begabten und leistungsstarken Jugendlichen den Weg in Führungspositionen ebnen. "Aber natürlich nehmen wir uns auch derjenigen an, die zusätzliche Unterstützung benötigen", sagt Czoske. So wird etwa für Seiteneinsteiger ein so genannter Nivellierungsunterricht in Spanisch und Englisch oder Deutsch  angeboten. Insbesondere in der Grundschule garantiert Team-Teaching eine gesonderte Förderung, da stundenweise die Lerngruppen halbiert werden können oder die zweite Lehrkraft ganz gezielt einzelne Schülerinnen und Schüler betreuen kann.

Die Erkenntnis, dass sich Kinder in jungen Jahren deutlich leichter tun, eine fremde Sprache zu erlernen, bleibt in Quito nicht ohne Folge. Im Kindergarten wurde über viele Jahre die Deutsch-Förderpuppe "Pauli" zur spielerischen Frühsprachbegegnung mit 2 mal 25 Minuten  pro Woche eingesetzt. Doch "Pauli" nimmt nun Abschied. Schulleiter Dr. Czoske: "Ab dem kommenden Schuljahr intensivieren wir deutlich den Spracherwerb Deutsch, indem wir ein Tandem-Immersionskonzept praktizieren werden, Annäherung also an natürliche Spracherwerbssituationen wie beim Erlernen der Muttersprache." Die Fremdsprache Deutsch wird direkt in den normalen Alltagsablauf des Kindergartens integriert. Eine spanischsprachige und eine deutschsprachige Erzieherin arbeiten in enger Kooperation zusammen, die Kinder erleben täglich beide Sprachen in für sie bedeutsamen Handlungszusammenhängen und Alltagssituationen.  Angesichts der Tatsache, dass der große Teil der Schülerinnen und Schüler aus Ecuador stammt, eine überaus sinnvolle Maßnahme. Ist Dr. Czoske überzeugt.

Schüler bei Dunkelheit mit Laternen

Dass sich so viele ecuadorianische Eltern für die Deutsche Schule entscheiden und bereit sind dort 370  Euro Schulgeld zu bezahlen, begründet Czoske so: "Die Eltern wissen, dass wir ihre Kinder hier in jeder Beziehung - fachlich, sozial, emotional - gut auf das Leben vorbereiten. Sie wollen ihren Kindern beste Startchancen garantieren." Dank der Subventionen aus Deutschland ist das Schulgeld im Vergleich zu anderen internationalen Schulen in Quito so, dass sich auch Familien die Schule leisten können, denen sonst der Zugang zu einer Schule mit hochwertigen internationalen Bildungsabschlüssen finanziell verwehrt bliebe. Hinzu kommt, dass die Schule großzügig Stipendien vergibt. Dr. Czoske bringt es auf den Punkt: "Wir wollen die akademische Elite des Landes ansprechen und fördern, nicht die Finanzelite."

Kompetenz und Disziplin

Zu der hohen Akzeptanz der Deutschen Schule Quito trägt auch das "Kompetenzzentrum Ausbildung und Beruf" bei. In vier großen Bereichen bietet es den Schülerinnen und Schülern Orientierungshilfen: Persönlichkeitsbildung, Diagnostik und individuelle Beratung, Praxiserfahrung durch Praktika im In- und Ausland sowie nationale und internationale Studien- und Berufsorientierung. So sollen die jungen Menschen im Laufe ihrer Schullaufbahn befähigt werden, sich selbst Antworten auf die Fragen: "Wer bin ich?", "Was kann ich?" und "Was will ich?" zu geben.

Die Überlegung "Was will ich?" müssen sich die Schülerinnen und Schüler nicht stellen, wenn es um die tägliche Kleidung angeht. Diese ist vorgeschrieben: Es gibt eine Alltags-, eine offizielle und eine Sportuniform, die je nach Anlass getragen wird. Rock und Jeans sind in der Regel aus grauem Kaschmirstoff, Polohemden und T-Shirts flaschengrün mit eingesticktem Namen der Schule. Schulleiter Czoske glaubt: "Den Eltern wird damit die Sorge um die tägliche Kleidung für den Schulbesuch ihrer Kinder genommen. Gleichzeitig wird konkurrenzhaftes Modeverhalten unter den Schülern vermieden."

Spricht man Dr. Hans-Joachim Czoske auf die nächsten fünf Jahre an, an deren Ende die Schule Quito 100 Jahre alt wird, hat er eigentlich nur einen Wunsch: "Möge die bisherige Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden, gemäß dem Motto der Schule: 'Eine Schule mit Tradition, eine Schule mit Perspektiven, eine Schule in Bewegung'."

Kategorien:  Schule vor Ort - Schulporträts

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