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Hessen: Ganztagsprogramm mit Profil

Beim „Pakt für den Nachmittag“ übernehmen in Hessen Land und Schulträger gemeinsam Verantwortung. Kultusminister Prof. Alexander Lorz spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Online-Redaktion: Herr Minister, Hessen hat seit dem „Ganztagsprogramm nach Maß“ in allen Schularten die Ganztagsangebote ausgebaut. Wie ist der Stand heute?

Alexander Lorz: Der Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen beziehungsweise von Schulen in ganztägiger Form ist in Deutschland insgesamt in den vergangenen Jahren sehr gut vorangekommen. Dies gilt auch für Hessen. Während im Schuljahr 2001/2002 lediglich 138 Schulen in ganztägiger Form arbeiteten, hat sich seitdem die Anzahl kontinuierlich erhöht und umfasst derzeit über 1.000 Schulen der Primarstufe, der Sekundarstufe I und der Förderschulen. Das entspricht einem Anteil von etwa 57 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen der Grundstufe und der Sekundarstufe I inklusive der Förderschulen.

Kultusminister Alexander Lorz© Kultusministerium Hessen

Damit hat sich die Zahl der ganztägig arbeitenden Schulen in Hessen gegenüber dem Beginn des Ganztagsschulausbaus im Jahr 1999 vervielfacht. Schon heute finanziert Hessen rund 2.000 Stellen für Lehrkräfte und pädagogisches Personal nur für das Ganztagsprogramm des Landes. Dies entspricht einem Volumen von annähernd 100 Millionen Euro. Beim Ausbau der Ganztagsangebote handelt es sich um das größte Investitionsprogramm in der hessischen Bildungsgeschichte und einen der Schwerpunkte in der laufenden Legislaturperiode.

Online-Redaktion: Welche Schwerpunkte setzt der neue „Pakt für den Nachmittag“, und wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit den Kommunen?

Lorz: Mit dem „Pakt für den Nachmittag“ sind wir auf dem besten Weg, ein neues Ganztagsprofil für Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen zu etablieren. Bei der Umsetzung übernehmen in Hessen zum ersten Mal Land und Schulträger gemeinsam Verantwortung für ein verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot an Grundschulen und Förderschulen an fünf Tagen in der Woche von 7.30 Uhr bis 17.00 Uhr.

Ziel des Pakts für den Nachmittag ist es, auf der Basis vorhandener Strukturen und auf der Grundlage einer gemeinsamen Konzeptentwicklung vor Ort bedarfsorientierte, ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote zu schaffen. Die Angebote des Landes im Ganztagsbereich sollen mit den Bildungs- und Betreuungsangeboten der Kommune verzahnt werden, Jugendhilfe und Angebotsträger sind eingebunden. So kann ein für die Kommune passgenaues, integriertes und freiwilliges Ganztagsangebot an Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen bereitgestellt werden.

Die Zahlen sind sehr erfreulich: So ist der Pakt im Schuljahr 2015/2016 an 57 hessischen Schulen mit insgesamt sechs Schulträgern, darunter Kassel und Frankfurt, gestartet. Bereits zum kommenden Schuljahr wird der Pakt zudem auf weitere Schulträger ausgeweitet. Ziel ist es, bis zum Ende der Legislaturperiode an allen Grundschulen, die es wünschen, ein gemeinsames Ganztagsangebot von Land und Kommunen einzurichten.

© Waldschule Obertshausen

Online-Redaktion: Was erwarten die Eltern von Ganztagsschulen? Gibt es regionale Unterschiede?

Lorz: Eine kontinuierliche und vor allem in den Grundschulen wachsende Nachfrage und Akzeptanz ist überall zu verzeichnen. Der Wunsch nach einem verlässlichen und qualitativ hochwertigen Ganztagsangebot ist aber insbesondere in städtischen Milieus groß. Dort sind häufig beide Eltern berufstätig, und Kinder können nicht von Großeltern oder anderen Verwandten betreut werden. Aber auch im Umland von Ballungszentren gibt es immer mehr Familien, die diesen Wunsch äußern. Dort gehört für viele Eltern das tägliche Pendeln zu ihrem Arbeitsplatz zum Alltag. Und nicht zuletzt wächst die Nachfrage im ländlichen Raum stetig.

Online-Redaktion: Hessen hat einen Qualitätsrahmen für Ganztagsschulen festgelegt. Welche Bedeutung hat die Qualität der Ganztagsangebote? Und welche Unterstützung erhalten die Schulen, um die Qualität weiter zu entwickeln?

Lorz: Die Qualitätsentwicklung des Ganztags hat in Hessen eine hohe Priorität, denn es ist aus unserer Sicht nicht ausreichend, schulische Ganztagsangebote lediglich in quantitativer Hinsicht auszubauen. Da auch der Ausbau der Qualität damit Schritt halten soll, haben wir mit dem seit November 2011 geltenden Qualitätsrahmen für ganztägig arbeitende Schulen den Schulen ein Instrument an die Hand gegeben. Er wurde in Zusammenarbeit mit Experten entwickelt und beschreibt den Erwartungshorizont, dient Schulen als Orientierungshilfe und unterstützt ihre Qualitätsentwicklung. Mit dem Qualitätsrahmen lässt sich messen, ob und inwieweit es der Schule und den in ihr engagierten Personen und Professionen gelingt, die Lern- und Entwicklungsprozesse der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielt die Kooperation mit außerschulischen Partnern?

Lorz: Die Kooperation mit außerschulischen Partnern unterstützt Schulen dabei, im Unterricht und darüber hinaus Kindern vielfältige Lernanregungen zu geben – mit Angeboten, die sie fördern, bereichern und ihr Interesse wecken. Daher kommt dieser Kooperation hohe Bedeutung zu. Außerschulische Partner sind Teil des Schullebens, bringen neue Ideen in das ganztägige Arbeiten und unterstützen das ganzheitliche Lernen. Eingebunden sind unter anderem Einrichtungen der Jugendhilfe, ansässige Musikschulen, kulturelle Einrichtungen, Sportvereine sowie weitere Institutionen und Initiativen.

Carl-Schurz-Schule
© Carl-Schurz-Schule

Online-Redaktion: Wie bedeutsam ist die Frage von offenen und gebundenen Ganztagsschulen in Hessen?

Lorz: Uns ist bewusst, dass es eine steigende Nachfrage nach Ganztagsangeboten gibt. Dazu gehören sowohl offene als auch gebundene Angebote. Eine signifikante Zahl von Eltern wünscht für ihre Kinder eine gebundene Ganztagsschule im Sinne eines verlässlichen Angebotes. Das sind jedoch bei weitem nicht alle. Deshalb hat für uns die Wahlfreiheit oberste Priorität. Für besonders interessant halte ich das Konzept der teilgebundenen Ganztagsschule, das insbesondere für größere Systeme Chancen bietet. Hier wird ein Teil der Parallelklassen als gebundene Ganztagsklassen organisiert, und die weiteren Parallelklassen arbeiten als Klassen mit offenem Ganztagsangebot. Damit können Eltern für ihre Kinder wählen, ob diese den verpflichtenden Ganztagsschulzweig, ein offenes Angebot oder ausschließlich den regulären Unterricht besuchen sollen.

Online-Redaktion: Gibt es Schwerpunkte für die Zukunft, die Ihnen besonders wichtig sind?

Lorz: Uns ist besonders wichtig, dass Eltern zwischen den verschiedenen Formen der Betreuung, der ganztägigen Angebote und verbindlichen Ganztagsschulen bzw. Ganztagsschulzweige frei wählen können. Daher streben wir gemeinsam mit den Schulträgern eine am Bedarf orientierte Versorgung vor allem über den Pakt für den Nachmittag an. Gleichzeitig möchten wir auch den Anteil von gebundenen oder teilgebundenen Ganztagsschulen in der Primarstufe erhöhen. Dafür werden zusätzliche Mittel bereitgestellt. Die Schaffung eines landesweiten Angebots im Grundschulbereich hat Priorität.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

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