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Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz: Bewährte Konzepte

Qualität der gymnasialen Ausbildung ohne Abstriche und „Keine(r) ohne Abschluss“ sind Eckpunkte des Ganztagsschulausbaus in Rheinland-Pfalz. Kultusministerin Vera Reiß spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Online-Redaktion: Frau Ministerin, Rheinland-Pfalz hat 2001 mit dem Ausbau der „Ganztagsschule in Angebotsform“ begonnen. Der derzeitige Anteil soll „nach Bedarf“ ergänzt werden. Gibt es noch Anträge auf Einrichtung einer Ganztagsschule?

Vera Reiß
Kultusministerin Vera Reiß© Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz

Vera Reiß: Mit dem 2001 gestarteten Landesprogramm zum Ausbau von Ganztagsschulen, in dem das Land zu 100 Prozent die zusätzlichen Personalkosten übernimmt und zudem die Schulträger bei baulichen Maßnahmen unterstützt, ist mittlerweile ein praktisch flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz entstanden. 1.143 der rund 1.500 allgemeinbildenden Schulen machen ein Ganztagsschulangebot.

Bei den 107 verpflichtenden Ganztagsschulen und den derzeit 613 Ganztagsschulen in Angebotsform, die nach einem einheitlichen Rahmenkonzept ausgestaltet sind, gibt es dabei einen sehr hohen Grad an Verbindlichkeit und Verlässlichkeit für Schülerinnen, Schüler und Eltern. Und das ist verbunden mit pädagogisch sehr hochwertigen Angeboten und häufig auch mit der von Pädagogen stark befürworteten Rhythmisierung des Unterrichtstages. Auf beides legen wir besonderen Wert!

Was die Nachfrage nach neuen Ganztagsschulen angeht: Nach wie vor gibt es Anträge auf die Einrichtung neuer Ganztagsschulen nach dem Landesprogramm, die wir auch bewilligen, um das Angebot weiter abzurunden. Zum kommenden Schuljahr 2016/2017 werden so sieben neue Ganztagsschulen in Angebotsform starten, weil Eltern, Schulen und Schulträger dies gemeinsam wollen.

Online-Redaktion: Was erwarten die Eltern von Ganztagsschulen? Gibt es regionale Unterschiede oder Unterschiede nach Schularten?

Reiß: Eltern wollen immer ein bestmögliches Bildungsangebot für ihr Kind, und sehr viele Eltern wünschen sich dauerhaft verbindliche Zeitstrukturen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Beides bieten die Ganztagsschulen, die nach dem Landesprogramm ausgestaltet sind. Sie bieten beispielsweise regelmäßige, von Lehrkräften betreute zusätzliche Lern- und Übungszeiten an, machen Angebote zur Förderung von besonderen Begabungen und Talenten, führen Lese- und Sprachfördermaßnahmen durch, bieten eine vertiefte Berufsorientierung an und machen Angebote im erlebnispädagogischen, sportlichen und musischen Bereich – oft auch in Kooperation mit außerschulischen Partnern. Mit zunehmendem Alter der Kinder wird das Interesse an einem solchen Ganztagsschulangebot geringer, außerdem sind die Teilnahmequoten in Ballungsräumen tendenziell höher als auf dem flachen Land.

Grundschule Trierweiler
© Grundschule Trierweiler

Es gibt allerdings auch Eltern, die lieber flexibel entscheiden wollen, ob und wann ihr Kind ein Ganztagsangebot wahrnimmt. Daher unterstützt das Land finanziell auch die mehr als 400 Ganztagsschulen in offener Form, die solche Ganztagsangebote machen und die von den kommunalen Schulträgern verantwortet und organisiert werden. Aus pädagogischer Sicht machen die verbindlichen Formen der Ganztagsschule allerdings mehr Sinn und daher unterstützen wir in erster Linie deren Ausbau.

Online-Redaktion: Eine Besonderheit in Rheinland-Pfalz ist die verbindliche Verknüpfung von G8 und Ganztag. Wie hat sich das Konzept bewährt?

Reiß: Das Konzept der G8-Ganztagsgymnasien hat sich ganz hervorragend bewährt. Für uns war in der Diskussion um eine mögliche Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von Anfang an entscheidend, dass einerseits die Qualität der gymnasialen Ausbildung auch in acht Jahren ohne Abstriche gewährleistet bleiben muss. Und dass andererseits der Unterricht so organisiert sein muss, dass die Schülerinnen und Schüler nicht übermäßig belastet werden. Beides ist mit dem Konzept der G8-Ganztagsgymnasien gewährleistet.

Über das ganze Land verteilt setzen 21 der 151 Gymnasien im Land dieses Konzept um, das immer nur bei einem nachgewiesenen Elterninteresse auf gemeinsamen Wunsch der jeweiligen Schulen und ihres Schulträgers eingerichtet wurde. Die G8-Ganztagsgymnasien bieten nicht nur zusätzliche Lernzeitstunden bis zur Klassenstufe 9, sie rhythmisieren auch die Unterrichtstage – das heißt Pflichtunterricht, Übungs- und Vertiefungsphasen, kreative und sportliche Aktivitäten sowie Entspannungsphasen wechseln sich sinnvoll miteinander ab. Und selbstverständlich ist in die Tagesstruktur auch ein geregeltes Mittagessen in einer schuleigenen Mensa integriert.

Online-Redaktion: Das Projekt „Keine(r) ohne Abschluss“ baut auch auf den Ganztag. Inwiefern können Ganztagsangebote das Erreichen eines qualifizierten Schulabschlusses unterstützen?

Reiß: Wie ich schon beschrieben habe, ermöglicht der erweiterte zeitliche Rahmen der Ganztagsschulen eine Vielzahl von Maßnahmen, die der individuellen Förderung dienen. Zusammen mit der Möglichkeit, den Bezug zur beruflichen Praxis zu intensivieren – auch durch Einbeziehung von außerschulischen Kooperationspartnern wie der Arbeitsagenturen, Kammern und Unternehmen –, und einer Rhythmisierung des Schultages, die den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler mit teilweise schwierigen Bildungsbiografien entgegenkommt, können in Ganztagsschulen zusätzliche Kompetenzen aufgebaut und Hemmschwellen auf dem Weg zum Abschluss abgebaut werden.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielt die Kooperation mit außerschulischen Partnern?

©  Augustiner-Realschule plus Hillesheim

Reiß: Ein Kernbestandteil unseres Landesprogramms war von Anfang an immer, dass Ganztagsschule im Wesentlichen von Lehrkräften gestaltet wird. Wir haben allerdings – ebenfalls von Anfang an – das Ausbauprogramm auch als Möglichkeit gesehen, durch Kooperationsprojekte mit außerschulischen Partnern Schule zu öffnen und zu bereichern. Mit 28 Institutionen und Verbänden hat das Land daher Rahmenvereinbarungen geschlossen, in denen die Modalitäten für den Personaleinsatz der Partner und für die Zusammenarbeit vor Ort verbindlich geregelt werden. Die Partner decken mit ihren qualifizierten Fachkräften im laufenden Schuljahr rund ein Viertel der zusätzlichen Angebote von Ganztagsschulen ab.

Online-Redaktion: Wie bedeutsam ist die Frage von offenen und gebundenen Ganztagsschulen?

Reiß: Bei oberflächlicher Betrachtung mag diese Frage nicht so bedeutsam sein, bei genauerem Hinsehen allerdings gewinnt sie schon stark an Bedeutung. Die Angebote offener Ganztagsschulen decken in erster Linie den von Eltern geltend gemachten Betreuungsbedarf ab. Ganztagsschulen mit einem verlässlichen und verbindlichen pädagogischen Konzept und einer hohen Verbindlichkeit der Teilnahme – wie unsere Ganztagsschulen in Angebotsform – bieten die Chance, die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler ganz entscheidend zu verstärken und Schule als Lernort im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Lebensort zu machen.

Britta Hüning
© Britta Hüning

Wir haben immer wieder bescheinigt bekommen: Die Ganztagsschule in Angebotsform erfüllt nicht nur die Wünsche sehr vieler Eltern nach einem verlässlichen und pädagogisch hochwertigen schulischen Angebot, sondern sie entspricht auch den Ganztagsschulkonzepten nahezu aller maßgeblichen Bildungsforscherinnen und -forscher, erfolgreichen Konzeptionen im In- und Ausland und den Vorstellungen der Wirtschaft sowie der Arbeitnehmervertretungen. Ich bin zutiefst überzeugt, solche Ganztagsschulen haben das Potenzial, unsere Gesellschaft positiv zu verändern.

Online-Redaktion: Welche Unterstützung erhalten Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz für ihre Qualitätsentwicklung?

Reiß: Zusammen mit dem Pädagogischen Landesinstitut bietet das Bildungsministerium sowohl zentrale als auch regionale Fortbildungsveranstaltungen für alte, neue und mögliche künftige Ganztagsschulen an. Wir haben ein Beraternetzwerk für die Ganztagsschulen und ein Netz von Hospitationsschulen aufgebaut. Es gibt eine ganze Reihe von Seminar- und Workshop-Angeboten der pädagogischen Serviceeinrichtungen im Land, regelmäßige Fortbildungsangebote für außerschulische Fachkräfte und: Jede Ganztagsschule in Angebotsform hat zudem ihr eigenes Fortbildungsbudget, mit dem sich maßgeschneiderte Beratungen einkaufen kann.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

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