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Gemeinsam einen GANZen TAG gestalten

"Gemeinsam den GANZen TAG gestalten" war das Motto des Forums GanzTagsSchule 2016, das die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ in Essen veranstaltete.

Schülerinnen präsentieren ihre Lerndokumentation "GoLDschatz"
© Gottfried-Kinkel-Schule / Christian Daitche; FOTOBONN

Als Achim Nöhles, Schulleiter der Schule am Lerchenweg in Monheim, ein Organigramm seiner Schule an die Wand wirft, erklärt er den anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern seines Themenforums rasch: „Sie müssen das jetzt im Einzelnen nicht lesen.“ Das wäre so schnell auch gar nicht möglich, denn die zahlreichen Kästen mit den vielen Namen, die mit Pfeilen aufeinander Bezug nehmen, würden jedem Großunternehmen zur Ehre gereichen.

Das Organigramm verdeutlicht die kurz zuvor vom Rektor aufgestellte These: „Die Zeiten der klassischen Grundschullehrerschule sind vorbei.“ Und es versinnbildlicht das Oberthema des Ganztagsforums NRW der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Nordrhein-Westfalen an diesem Tag: Ganztagsschule ist das gemeinsame Projekt verschiedener Partner.

Von Lernzeiten bis Kinderschutz

350 Teilnehmende sind am 3. Februar 2016 in das Haus der Technik gekommen, um sich in Vorträgen und zehn Themenforen über Beispiele gelungener Zusammenarbeit zu informieren. Aber das Motto „Gemeinsam den GANZen TAG gestalten“ bezieht sich nicht nur auf den Inhalt der Veranstaltung, sondern auch auf die Form. So sind alle Anwesenden eingeladen, sich auch selbst einzubringen und in einen regen Austausch zu treten.

Schülerinnen und Schüler beim Bouldern
© Gottfried-Kinkel-Schule / Christian Daitche; FOTOBONN

An Pinnwänden besteht die Möglichkeit, zu den unterschiedlichen Themen wie Kinderschutz, Inklusion, Lernzeiten, Kommunale Bildungslandschaften und Partizipation wie in einer Kontaktbörse Angebote und Gesuche einzutragen. In der parallel zu den Themenforen stattfindenden VeränderBAR diskutieren und beraten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen in Tischgesprächen und Kleingruppendiskussionen.

Die Themenforen veranschaulichen Kooperation an konkreten Schulbeispielen. In Monheim am Rhein, einer Kleinstadt mit 43.000 Einwohnern zwischen Düsseldorf und Köln, ist es zum Beispiel nicht nur die innerschulische Kooperation, die das Schulleben der Schule am Lerchenweg prägt, sondern die enge Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene zwischen Schulamt, Jugendamt, der AWO als Träger der offenen Ganztagsschule und der Grundschule.

Rektor Achim Nöhles, seit 23 Jahren in Monheim tätig, berichtete in seinem Themenforum „Steuerung und Kooperation von Schule, Jugendhilfeträger und Kommune“, er sei nicht zuletzt deshalb in der Stadt „hängen geblieben, weil die Leute dort so gut zusammen arbeiten“.

Monheim: „Hauptstadt für Kinder“

Der Bedarf an Ganztagsschulplätzen in Monheim war in den letzten Jahren trotz sinkender Schülerzahlen hoch, und er wächst weiter. Das merkt auch die Schule am Lerchenweg. Von 340 Schülerinnen und Schülern sind 240 in Ganztagsklassen angemeldet. Nöhles hat zum nächsten Schuljahr Anträge von Eltern ablehnen müssen. Der Schulleiter ist nicht glücklich mit der Situation und möchte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit dem Land steht er in Verhandlungen über ein Pilotprojekt als gebundene Ganztagsschule. Bisher sieht Nordrhein-Westfalen nur offene Ganztagsgrundschulen vor, doch Nöhles hält die gebundene Form für pädagogisch sinnvoller und könnte so vor allem noch mehr Kindern einen Ganztagsschulplatz bieten. „Die Anmeldezahlen geben es auf jeden Fall her.“

Schüler mit bunten Händen
© Gottfried-Kinkel-Schule / Christian Daitche; FOTOBONN

Den Rückhalt der Stadt Monheim als Schulträger hat er. Die Kommune setzte sich 2010 zum Ziel, „Hauptstadt für Kinder“ mit einer 100-prozentigen Versorgung mit Ganztagsschulplätzen zu werden, was laut Achim Nöhles „Kräfte freigesetzt hat“: „Wir sind weggekommen vom Klagen und haben uns stattdessen darauf fokussiert, was zu tun ist, um dieses Ziel zu erreichen.“ Nun gibt es gemeinsame Sitzungen des Schul- und des Jugendhilfe-Ausschusses, erweiterte Trägerkonferenzen mit Schulträger, Schulen und Ganztagsträgern, multiprofessionelle Teams, einen Pool der Kinderschutzfachkräfte und die Offene Kinder- und Jugendarbeit in den Schulen. „Die Kooperation erfolgt auf Augenhöhe“, betont der Schulleiter.

Ganztagsschule aus einem Guss

An der Schule am Lerchenweg, die 2005 startete und 2006 die erste Ganztagsklasse einrichtete, geht es konkret um ein qualitativ hochwertiges Angebot für die Schülerinnen und Schüler, „das es rechtfertigt, den ganzen Tag in der Schule zu verbringen“. Achim Nöhles hält ein solches Angebot nur mit einem multiprofessionellen Team für erreichbar.

Lehrkräfte, Förderlehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, Schulpsychologinnen und -psychologen, außerschulische Partner wirken an der Ganztagsgrundschule zusammen. „Ich bin den Großteil meiner Zeit damit beschäftigt, diese große Besetzung zu koordinieren“, erklärte der Rektor, aber „das macht eine gute Ganztagsschule aus“. Denn die Beteiligten bringen unterschiedlichen Sichtweisen auf die Kinder ein.

Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof der Gottfried-Kinkel-Grundschule
© Gottfried-Kinkel-Schule / Christian Daitche; FOTOBONN

Bereits bei Einführung der Ganztagsschule stellte man damals die Weichen zu einer engen Verzahnung. Statt eines eigenen Gebäudes für den Ganztagsbereich wurden die bestehenden Räume so umgebaut, dass sie doppelt nutzbar sind. Die Botschaft: Der Ganztagsbereich ist kein separater Part, sondern integraler Bestandteil der Schule. Und das kommt auch bei den Eltern so an: „Sie loben unsere Schule aus einem Guss“, freut sich Achim Nöhles.

Lehrkräfte gestalten den Unterricht gemeinsam mit Erzieherinnen und Erziehern. Die Teams stellen einen Wechsel zwischen Entspannung und Konzentration für die Schülerinnen und Schüler sicher. Für Absprachen gibt es wöchentlich eine Teamstunde. Teamentwicklung ist die Voraussetzung für das Funktionieren einer Ganztagsschule, und das stellt nach Einschätzung von Achim Nöhles hohe Ansprüche an alle Beteiligten.

Verzahnung ermöglicht hochwertige Angebote

Eine enge Zusammenarbeit kennzeichnet auch das Schulleben der Gottfried-Kinkel-Grundschule in Bonn, die Schulleiter Christian Eberhard im Themenforum „Lernzeiten in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule“ vorstellte. „Lernzeiten, Hausaufgaben oder Hausaufgabenbetreuung – egal, wie wir es nennen, es ist ein Thema, das uns ständig beschäftigt“, formulierte eine Teilnehmerin zu Beginn des Forums den Beratungsbedarf. „Es ist ein Dauerbrennerthema“, bestätigte eine Kollegin aus Pulheim.

Organigramm der Schule am Lerchenweg in Monheim
Das Organigramm der Schule am Lerchenweg in Monheim© Schule am Lerchenweg in Monheim

An der Gottfried-Kinkel-Grundschule, einer dreizügigen offenen Ganztagsschule mit rund 300 Schülerinnen und Schülern, von denen 240 im Ganztag angemeldet sind, arbeitet pro Klasse jeweils eine Lehrkraft fest mit einer Erzieherin oder einem Erzieher zusammen. „Mir ist der Verzahnungsgedanke wichtig“, berichtete Christian Eberhard. Verzahnung ermöglicht ein qualitativ hochwertiges Angebot mit Bildungsanspruch, und das habe auch viele Eltern bei der Wahl zum offenen Ganztag überzeugt. Die Schule gebe mit 36 Lehrerwochenstunden sechs mehr als vom Land vorgesehen in den Ganztagsbereich. Die Botschaft: Alle gestalten den ganzen Tag gemeinsam.

Fördern mit GoLDschatz

Die Lernzeit gestalten die Erzieherinnen und Erzieher am Montag, wenn Konferenzzeit ist, alleine, ansonsten von Dienstag bis Donnerstag gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern. Einmal die Woche treffen sich die Zweier-Teams. Zur organisatorischen Planung finden außerdem Pädagogische Tage statt. „Die Lehrerinnen und Lehrer schätzen, dass sie sich immer sofort mit jemand anderem über die Kinder austauschen können“, hat der Schulleiter beobachtet.

Die Lernzeit ist in der Gottfried-Kinkel-Grundschule keine Hausaufgabenbetreuung, sondern „FLiP-Zeit“. FLiP ist die Abkürzung für „Fördern, Lernen, individuelle Projekte“. Die Lehrer-Erzieher-Teams stellen individualisierte Wochenpläne zusammen. Die Kinder bearbeiten selbstständig die differenzierten FLiP-Aufgaben und werden dabei von den Pädagoginnen und Pädagogen begleitet. Die Aufgaben können sich aus dem Portfolio der Schülerinnen und Schüler, ihrem so genannten GoLDschatz, ergeben. GoLD steht für „Gottfried-Kinkel-Lerndokumentation“.

Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich laut Christian Eberhard wohl in der Ganztagsschule: „Nach ein paar Tagen schauen sie ihre Eltern mit dem 'Was willst du denn schon hier?'-Blick an“, wenn die sie abholen wollen.“

Lesetipp:
Herbert Boßhammer, Dörthe Heinrich, Birgit Schröder (Hrsg.): 10 Jahre offene Ganztagsschule in Nordrhein-Westfalen – Bilanz und Perspektiven. Reihe „Der GanzTag in NRW – Beiträge zur Qualitätsentwicklung“, Heft 26.

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