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Auf den Ganztag gut vorbereitet: Grundschule Hohenhameln/Clauen

Immer mehr Schulen werden Ganztagsschulen. Die Bedingungen dafür sind sehr unterschiedlich. Der offene Ganztag der Grundschule Hohenhameln/Clauen im Landkreis Peine (Niedersachsen) schließt zum Beispiel mehrere Schulstandorte ein.

Schulgebäude der Grundschule Hohenhameln/Clauen
© Grundschule Hohenhameln/Clauen

Im Schuljahr 2015/2016 ist es für viele Schulen endlich soweit: Sie können sich auf den Weg zur Ganztagsschule machen. Wir möchten wissen, wie so ein Umgestaltungsprozess in der Praxis verläuft. Was ist zu bedenken? Womit beginnen sie? Und wie überwinden sie die Anfangsschwierigkeiten? In unserer Reihe „Auf den Ganztag gut vorbereitet“ fragen wir Schulleitungen nach ihren Erfahrungen.

Online-Redaktion: Frau Nave-Wolpers, Ihre Grundschule besteht aus zwei zusammenwachsenden Schulen...

Birgit Nave-Wolpers: Das stimmt. Es gibt den Hauptstandort in Hohenhameln und die kleine Außenstelle in Clauen. Das Zusammenwachsen begann vor etwa fünf Jahren. Aufgrund der zurückgehenden Schülerzahlen zog man damals in Clauen die Schulleitung ab und legte die zwei etwa vier Kilometer entfernten Standorte zusammen. Inzwischen sind die Schülerzahlen stabil, wir unterrichten insgesamt 290 Schülerinnen und Schüler.

Online-Redaktion: Wie halten Sie den Kontakt zwischen den Standorten? Telefonieren Sie viel, oder fahren Sie hin und her?

Stefanie Heyne und Birgit Nave-Wolpers von der Grundschule Hohenhameln/Clauen
Konrektorin Stefanie Heyne (l.) und Schulleiterin Birgit Nave-Wolpers © Grundschule Hohenhameln/Clauen

Nave-Wolpers: Beides. Ich bin seit dem 1. September an dieser Schule und dies sofort als als Schulleiterin. Mit einer Schule mit Außenstelle hatte ich noch überhaupt keine Erfahrungen. Als der Stundenplan erstellt wurde, habe ich darum gebeten, an einem Tag ein bis zwei Stunden in Clauen eingeplant zu werden, damit alleine dadurch der Kontakt gewährleistet ist. Einmal wöchentlich gibt es eine Dienstbesprechung, und das gesamte Kollegium ist dann hier vor Ort in Hohenhameln. Alle zusammen sind wir 30 Personen, einschließlich pädagogischer Mitarbeiterinnen, für die wir die Besprechungen auch geöffnet haben. Meist kommen ein bis zwei pädagogische Mitarbeiterinnen zu diesen Treffen.

Online-Redaktion: Wann starten Sie als Ganztagsschule?

Nave-Wolpers: Am 1. Februar 2016, und der Berg auf meinem Schreibtisch wird immer größer.

Online-Redaktion: Wie kommt es, dass Sie mitten im Schuljahr starten? Das ist ja eher ungewöhnlich...

Nave-Wolpers: (lacht) An unserer Schule ist manches ungewöhnlich! Der Wunsch des Schulträgers, hier eine Ganztagsschule einzurichten, besteht schon lange. Aber die Leitungssituation an der Schule war über die letzten fünf Jahre durch viele Wechsel geprägt. So verzögerte sich der Start. Ursprünglich sollte es mit Schuljahresbeginn losgehen. Als sich heraus kristallisierte, dass ich zum Schuljahresstart als neue Rektorin anfangen würde, und mit mir auch eine neue Konrektorin, ist der Start der Ganztagsschule noch einmal verschoben worden.

Online-Redaktion: Wo Sie gerade buchstäblich mittendrin in den Vorbereitungen stecken – was müssen Sie aktuell organisatorisch erledigen?

Schüler im Unterricht
© Britta Hüning

Nave-Wolpers: Der Ganztag kann nicht in unseren Gebäuden stattfinden, weil wir über keine Mensa verfügen. Es hat zwar verschiedene Überlegungen gegeben, angefangen bei einem Anbau über andere kuriose Ideen, wie hier das Mittagessen gestaltet werden könnte. Schlussendlich ist aber entschieden worden, im Schulzentrum der Haupt- und Realschule die Mensa mit zu nutzen. Das ist problemlos möglich, weil die Mensa dort nicht ausgelastet ist. Aktuell müssen wir organisieren, wie unsere Schülerinnen und Schüler dorthin kommen und zu welchen Zeiten sie dort essen können.

Außerdem ist die Frage zu klären, welche Räume wir dort für die Ganztagsangebote nutzen können. Erst sollte es ein ganzer Gebäudetrakt sein, mittlerweile ist das Ganze für den Anfang auf vier Räume beschränkt. Diese müssen noch komplett eingerichtet werden. Leider geht das alles auf den letzten Drücker, aber schneller war die Organisation innerhalb dieser kurzen Zeit inklusive der Absprachen und Koordination mit allen Beteiligten nicht möglich.

Online-Redaktion: Werden auch Lehrkräfte am Nachmittag tätig sein?

Nave-Wolpers: Ja. Der vorgerechnete Bedarf sind 18 Lehrerstunden für den Nachmittagsbereich. Meine Kolleginnen werden sich hauptsächlich in den Arbeitsgemeinschaften engagieren. Um die Hausaufgabenbetreuung reißt sich hier momentan niemand, denn zwei Hausaufgabenstunden werden mit lediglich einer Arbeitsstunde angerechnet. Ich kann die Kolleginnen da auch verstehen. Es leuchtet mir ein, dass eine Betreuung des Mittagessens nicht einer Lehrerstunde entspricht. Aber eine vernünftige Hausaufgabenbegleitung ist mindestens so viel wert wie eine AG-Stunde. Diese Regelung ist für uns unbefriedigend, wobei die Betreuung des Mittagessens und die Hausaufgabenbetreuung in jedem Fall geregelt sein wird.

Online-Redaktion: Welche Arbeitsgemeinschaften wird es geben?

Nave-Wolpers: Wir bieten verschiedene Sportangebote an, wobei die Schwierigkeit besteht, dass uns zum 1. Februar noch keine Sporthalle zugesagt werden kann. Dann gibt es unter anderem wahrscheinlich eine Musical-AG, eine Schach-AG, eine Erste Hilfe-AG und eine AG Schüler helfen Schülern.

Sportunterricht
© Britta Hüning

Online-Redaktion: Gab es Vorbehalte gegenüber der Ganztagsschule im Kollegium?

Nave-Wolpers: Es ist mir berichtet worden, dass es vor meiner Zeit solche Vorbehalte gegeben hat, aber momentan stehen meine Kolleginnen der Ganztagsschule sehr positiv gegenüber. Gerade auch für die Integration von Flüchtlingen ist das ein Vorteil. Aktuell haben wir zehn Kinder und bekommen bald noch zwei weitere dazu.

Online-Redaktion: Wie werden Sie den Tag zeitlich strukturieren?

Nave-Wolpers: Unser offener Ganztag wird montags bis donnerstags stattfinden. Der Unterricht endet um 12.45 Uhr. Danach startet der Transport der Schülerinnen und Schüler zum Schulzentrum. Dort gibt es das Mittagessen, das von einem Caterer angeliefert wird. Anschließend ist Hausaufgabenzeit, und bis 15.30 Uhr finden Arbeitsgemeinschaften statt. Unser Schulträger, die Gemeinde, bietet darüber hinaus eine sogenannte Randbetreuung bis 17 Uhr und eine Betreuung am Freitag an.

Online-Redaktion: Wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich angemeldet?

Nave-Wolpers: Die Eltern und die Kinder können die Tage einzeln anwählen. Es gibt bisher zwischen 70 und 75 Anmeldungen täglich.

Online-Redaktion: Ist die Teilnahme am Mittagessen verpflichtend, wenn ein Kind am Ganztag teilnimmt?

© Britta Hüning

Nave-Wolpers: Ich kann niemanden zwingen, aber ich habe es den Eltern wirklich sehr nahegelegt, ihr Kind anzumelden. Es gibt derzeit schon eine von der Gemeinde organisierte Mittagsbetreuung. Dort sitzen einige sogenannte Brotdosenkinder neben den Kindern, die richtig zu Mittag essen. Die Situation ist für mich sehr unbefriedigend. Von daher stand auf unserer Anmeldung für den Ganztag auch die Anmeldung für das Mittagessen.

Online-Redaktion: Was muss jetzt noch geschehen, damit Sie ruhig an den Start gehen können?

Nave-Wolpers: Eine Sache, die mir bis heute morgen noch auf der Seele lag, war eine vertragliche Geschichte. Wir wollten trilaterale Verträge schließen, bislang war dies aber nur in einigen Großstädten möglich. Wie ich jedoch heute erfahren habe, bekommen wir zum Glück ebenfalls diese Möglichkeit.So muss ich als Schulleiterin nicht mit allen Kooperationspartnern einzelne Verträge abschließen, sondern die Gemeinde Hohenhameln schließt die Verträge ab und bezahlt das Personal. Der Verwaltungsaufwand wird wesentlich geringer für uns sein. Jetzt steht nur noch die Einrichtung der Räume an und dann kann es losgehen!

Online-Redaktion: Frau Nave-Wolpers, vielen Dank für das Gespräch!


 

Kategorien:  Schule vor Ort - Schulporträts

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