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Hamburger Ganztagsschule nimmt Kurs auf Olympia

Die Hamburger Stadtteilschule Alter Teichweg kooperiert mit dem benachbarten Olympiastützpunkt. 230 Nachwuchs-Spitzensportler erhalten hier schulische Bildung und sportliche Ausbildung – ermöglicht durch einen ausgeklügelten Ganztagsbetrieb.

Schüler Teve Knüppel liest in einem Wörterbuch in einer Sporthalle
Ruderer Teve Knüppel© Claudia Pittelkow

Ein ganz normaler Schultag beginnt für den 15 Jahre alten Teve Knüppel um 6.30 Uhr mit zwei Stunden Rudertraining auf der Hamburger Außenalster. Danach schnell duschen und ab in die Schule, wo um 10 Uhr der Unterricht beginnt. Von 12.30 bis 13.30 Uhr ist Mittagspause, danach Unterricht bis 16 Uhr. Und dann? Freunde treffen, Playstation spielen oder einfach chillen? „Dafür habe ich keine Zeit, denn von 16.30 bis 19.30 Uhr stehen Krafttraining und Ausdauersport auf dem Stundenplan“, erzählt der Zehntklässler.

Der hohe Trainingsaufwand zeigt Erfolg: Der Leistungssportler hat die Deutsche Rudermeisterschaft der B-Junioren gewonnen und sich damit für die U-18-Nationalmannschaft qualifiziert. Auch seine Schulnoten können sich sehen lassen. Denn seine Ganztagsschule, die „Eliteschule des Sports“ in Hamburg-Dulsberg, macht es ihm möglich, Unterricht, Training und Wettkampf unter einen Hut zu bekommen.

© Claudia Pittelkow

Deutschlandweit gibt es 43 Eliteschulen des Sports – eine davon liegt in Hamburg: Seit 2006 darf sich die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg mit dem Titel schmücken. Die Auszeichnung wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an Schulen vergeben, für die die spitzensportliche Talentförderung im Mittelpunkt steht. Diese Eliteschulen des Sports sind immer an Olympiastützpunkte angebunden.

Die Stadtteilschule Alter Teichweg kooperiert seit 1998 mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein am Sportpark Dulsberg. Die sportliche Förderung und die Durchführung der Trainingseinheiten im Rahmen des Schulunterrichts erfolgt in enger Kooperation mit den beteiligten Fachverbänden. Zurzeit gibt es in den Jahrgängen 5 bis 13 jeweils eine Sportklasse, in Klasse 12 und 13 sind es momentan sogar zwei. Rund 20 der sportbegabten Schülerinnen und Schüler wohnen zurzeit im zugehörigen Internat.

Ganztagsbetrieb ermöglicht flexible Gestaltung des Stundenplans

Hier haben sportbegabte Schüler die Möglichkeit, schulische Bildung und sportliche Ausbildung miteinander zu verbinden. Die Hamburger Eliteschule des Sports ist eine Ganztagsschule – was insbesondere für die sportbegabten Schülerinnen und Schüler von enormem Vorteil ist: Im Rahmen des Ganztagsbetriebs kann die Schule den jungen Sporttalenten eine an das intensive Training angepasste flexible Gestaltung der Stundenplanung anbieten.

Schulleiter Björn Lengwenus
Schulleiter Björn Lengwenus© Claudia Pittelkow

Klassenarbeits- und Klausurtermine können an die Erfordernisse der Schüler angepasst werden, Fehlzeiten wegen Lehrgängen oder Wettkampfteilnahmen sind erlaubt. In der schuleigenen Mensa gibt es außerdem jeden Mittag ein speziell ernährungswissenschaftlich überwachtes Sportleressen. „Die Jugendlichen opfern viel Freizeit und verzichten auf vieles, um Leistungssportler zu sein“, so Schulleiter Björn Lengwenus. „Dafür müssen wir als Schule die bestmöglichen Bedingungen schaffen.“

Rund 1.100 Schülerinnen und Schüler besuchen die Ganztagsschule, 230 von ihnen sind Nachwuchsleistungssportler und werden als „Olympia-Schüler“ intensiv betreut. In jedem Jahrgang ist mindestens eine Sportklasse eingerichtet, in denen die besten jungen Schwimmer, Leichtathleten, Ruderer, Judoka, Basketballer, Handballer, Volleyballer, Hockeyspieler, Badminton- und Tennisspieler aus Hamburg und Schleswig-Holstein für Olympia trainieren. Alle Sportklassen werden durch die gesamte Mittelstufe von einem Klassenlehrer – dem Tutor – begleitet, in der Oberstufe erfolgt meist ein Wechsel. Die Tutoren haben ihre Sportklassenschüler genau im Blick und stehen außerdem im persönlichen Kontakt mit den Trainern. Tutorin Angelika Peter: „Wenn ein Schüler beispielsweise das ganze Wochenende hindurch Wettkämpfe hatte, kann ich sagen: Morgen hast du schulfrei, damit du dich erholen kannst.“

Sportschüler sind ehrgeizig – im Sport und im Unterricht

Tutorin Angelika Peter© Claudia Pittelkow

Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Schwächelt ein Schüler etwa im Fach Deutsch, werden – in Absprache mit dem Trainer – zwei Einheiten Training gestrichen. Die Lehrerin für Mathematik und Sport kann sich als frühere Basketball-Leistungssportlerin gut in ihre Schüler hineinfühlen und weiß, unter welcher Doppelbelastung die Athleten stehen. „Da müssen wir als Schule flexibel sein“, sagt Peter. Das heißt im Klartext: sportbedingte Fehlzeiten kommen nicht ins Zeugnis, nach einem Wettkampfwochenende werden grundsätzlich keine Klausuren geschrieben, und es kann auch mal vorkommen, dass den Schülern Klausuren zum Trainingsort hinterhergeschickt werden. Peter: „Auf diese Weise können wir Nachschreibetermine vermeiden.“

Schule nimmt Rücksicht auf Trainings- und Wettkampfplanung

In der Eliteschule des Sports steht der Fokus auf Leistungssport - aber natürlich muss alles andere auch stimmen, sprich: die schulischen Leistungen. Denn um aufgenommen zu werden, müssen die Schüler nicht nur sportlich etwas drauf haben, sondern auch schulisch geeignet sein: gutes Realschulniveau oder Gymnasialniveau ist Voraussetzung. Dabei „geht die „Schule vor“, stellt Christian Andresen, Sportkoordinator der Schule fest. Deshalb werde auch vor jeder Freistellung geprüft, ob das schulisch möglich ist. „Sonst wird das Trainingslager abgesagt“, so Andresen. „Die Schüler brauchen eine gute Ausbildung, denn vom Sport können später nur die wenigsten leben.“

Christian Andresen in seinem Büro
Sportkoordinator Christian Andresen© Claudia Pittelkow

Trotz der Doppelbelastung von Unterricht und Leistungssport funktioniert der Schulalltag reibungslos. „Unsere Sportschüler sind sehr ehrgeizig, zielstrebig und ausdauernd“, erklärt Christian Andresen. Das zeige sich nicht nur bei den sportlichen Leistungen, sondern wirke sich auch in den anderen Unterrichtsfächern positiv aus.

„Bereits in der Sekundarstufe I sind unsere Sportschüler deutlich leistungsorientierter als andere Schüler“, hat er festgestellt. Möglicherweise habe diese Zielstrebigkeit einen positiven Einfluss auf die anderen Schüler der Mittelstufe, die zehn Stunden wöchentlich mit den Olympia-Schülern gemeinsam unterrichtet werden. Gute schulische Leistungen sind für die Athleten unerlässlich: Wer in der 10. Klasse keine positive Prognose für die Oberstufe hat, kann die Sportlerkarriere gleich an den Nagel hängen, denn im Ausbildungsbetrieb bleibt mit Sicherheit keine Zeit mehr für Trainingseinheiten oder Wettkämpfe. Deshalb werden die Schüler intensiv gefördert – mit Erfolg: Rund 90 Prozent der Sportschüler erreichen die gymnasiale Oberstufe.

Schulinternes Nachhilfesystem

Der Tagesablauf eines Nachwuchs-Spitzensportlers hat es in sich – der anfangs beschriebene Schultag des Ruderers Teve Knüppel ist da keine Ausnahme: Ab Klasse 10 stehen täglich acht Stunden Schule und sechs Stunden Training auf dem Plan (in Klasse 11 sogar bis zu acht Stunden). Sportkoordinator Andresen meint dazu: „Bei diesem streng durchgetakteten Stundenplan ist die Schule der einzige Ort, in dem man für Entlastung sorgen kann.“

Sportklasse 6d im Trikot zum Mathe-Unterricht© Claudia Pittelkow

Im Rahmen des Ganztagsbetriebs sind deshalb in der Mittelstufe pädagogisch betreute Arbeitszeiten vorgesehen, in denen die Schüler ihre Hausaufgaben erledigen können. Neben variablen Klausurterminen und der Möglichkeit, Klassenarbeiten im Trainingslager zu schreiben, nimmt die Schule jahrgangsübergreifend Rücksicht auf die Bedürfnisse der leistungssportlichen Trainings- und Wettkampfplanung: Ab 8 Uhr stehen Trainingszeiten im Stundenplan, am Nachmittag steht statt der üblichen Neigungskurse Leistungssport auf dem Programm.

Zur weiteren Verbesserung der Doppelbelastung von Schule und Training wurde zudem ein schulinternes System von Nachhilfeunterricht eingeführt. Grundsätzlich können am Alten Teichweg alle Schulabschlüsse realisiert werden. Wie an sämtlichen Hamburger Stadtteilschulen haben die Schüler auch hier neun Jahre Zeit bis zum Abitur in Klasse 13, also ein Jahr länger als an den Hamburger Gymnasien. Schulleiter Björn Lengwenus hätte für seine Sportler-Schüler am liebsten noch etwas mehr Zeit. „Ich würde die Abiturzeit gerne von zwei auf drei Jahre, also bis Klasse 14, strecken, wie es in einigen östlichen Bundesländern bereits möglich ist.“ Ein entsprechender Antrag ist in Vorbereitung.

Die meisten Nachwuchs-Spitzensportler wollen Abitur machen

Judoka Blerina Seferi
© Claudia Pittelkow

Nach ihren Zukunftsplänen befragt, haben die Sportschüler der Eliteschule alle das gleiche Ziel: Erst mal ein gutes Abitur machen. „Ich möchte später auf jeden Fall studieren“, sagt der 15-jährige Feldhockeyspieler Anton Brinkmann. „In meiner Sportart sind die Chancen als Berufshockeyspieler eher begrenzt.“ Auch Judoka Blerina Seferi, die bei der Deutschen Meisterschaft den 3. Platz belegt hat, möchte Abitur machen und dann vielleicht studieren. Denn wie schnell die Sportlerkarriere beendet sein kann, hat die 16-Jährige gerade erlebt: „Ich habe mir den Fuß gebrochen und konnte lange nicht trainieren. Jetzt geht es zum Glück wieder.

Lernen, trainieren, schlafen - was für Außenstehende anstrengend klingen mag, ist für die jungen Spitzensportler gewohnte Routine. Um ihren Träumen von der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft oder den olympischen Spielen näherzukommen, verzichten sie auf viele Dinge, die für andere Teenager selbstverständlich sind. Partys zum Beispiel. „Ich habe keine Kraft und keine Zeit, mit alten Freunden feiern zu gehen“, erzählt der 17 Jahre alte Badminton-Leistungssportler Jan Völker. Aber das störe ihn nicht weiter, schließlich habe man als Spitzensportler andere tolle Erlebnisse, aktuell beispielsweise die U-19-Weltmeisterschaft in Südamerika.

Kategorien:  Schule vor Ort - Schulporträts

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