Ein Jahresende bringt Jahresrückblicke mit sich. Auch wir lassen noch einmal die interessanten Ganztagsschulen, die wir vor Ort besuchen durften, die Gespräche mit Bildungsexperten und die zahlreichen Veranstaltungen Revue passieren. Der erste Teil unseres Jahresrückblicks umfasst die Monate Januar bis Juni.
Januar: Ganztagsschulen - ob gerade im Aufbau oder schon etabliert - können Unterstützung immer gut gebrauchen. Die Resonanz auf die Einrichtung der Regionalen Serviceagenturen in den Ländern beweist dies. Am 18. Januar ist es auch in Hamburg so weit: Björn Steffen stellt mit einer Auftaktveranstaltung seine Agentur vor. "Wir verfolgen eine Philosophie der Nachfrageorientierung und stellen uns der großen Vielfalt der Schulen und den immer neuen Fragestellungen", erklärt er. Einer der Gäste, der Schauspieler und Ganztagsschulbotschafter Peter Lohmeyer, lobt die Ganztagsschulen für ihre Angebotsvielfalt, kritisiert aber auch, dass alle Veränderungen nur im Schneckentempo vorankämen. Kein Wunder, meinte Steffens Kollegin Angela Kling: "Schulen sind oft wie schwer beladene Tanker. Wir Agenturmitarbeiter sind wie Lotsenboote, die dieser Flotte den Kurs weisen wollen."
In Rheinland-Pfalz ist die Ganztagsschulentwicklung schon weit vorangeschritten: Seit 2001 sind 304 Ganztagsschulen in Angebotsform gegründet worden. Auf einem Ganztagsschulkongress in Mainz am 30. Januar bilanziert die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen vor rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern dies stolz. Doch die Ministerin gibt auch zu bedenken, dass "die Ganztagsschule nicht per se die bessere Schule ist, sondern sich die Qualität am Engagement entscheidet". Besonders erfreulich sei, dass sich an manchen Ganztagsschulen eine "ausgeprägte Kooperationskultur durch Teamarbeit im Kollegium und mit den außerschulischen Partnern" entwickelt habe. Auf dem Kongress präsentierten sich die unterschiedlichsten Kooperationspartner - von Aikido bis zur Wald-AG - und belegen diese Beobachtung eindrucksvoll.
Nicht nur der Blick über den Schulzaun kann neue Ideen bringen, auch der über Landesgrenzen kann Impulse setzen. Zwei Schulleiter berichten zu Jahresbeginn aus ihrem Alltag. Eric Pateyron, Schulleiter der École Honoré de Balzac im französischen Nanterre, und Helmut Wagner von der Grund- und Hauptschule Mainz-Mombach schildern in Interviews die neuen Herausforderungen, denen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich gegenüber sehen.
"Für uns als Schulen ist es schwer geworden, weil die Gesellschaft ,alles und sofort' haben will", meint Pateyron. "Aber Wissen braucht Zeit und Mühe. Das Wichtigste ist für mich, dass die Lehrerinnen und Lehrer verstehen, dass die Zusammenarbeit in der Schule nur mit Partnern erfolgreich sein kann. Lehrer können heutzutage nicht mehr als Einzelkämpfer erfolgreich sein."
Helmut Wagner beschreibt die Schulleiterrolle so: "Ein Schulleiter sollte ein Pädagoge und gleichzeitig ein Organisator sein. Außerdem Schlichter, Psychologe, also eine Art Seelsorger, der sich alles anhört. Ohne diese Kombination ist es schwer, eine Schule auf Erfolgskurs zu bringen und zu halten. Ganz wichtig ist auch ein kooperativer Umgang mit Eltern, mit den Kollegen und den Schülern." Und die Ganztagsschule? "Wir stellen fest, dass Schüler, die am Nachmittagsangebot teilnehmen, ihre positiven Eindrücke auch den anderen Kindern mitteilen, die nicht am Ganztagsangebot teilnehmen, und diese dadurch neugierig machen", erklärte Wagner. "Wenn die Hausaufgaben erledigt werden können und das AG-Angebot zufrieden stellt, ist dies die beste Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler für den Ganztag zu motivieren. Auf jeden Fall entwickeln verhaltensauffällige Schüler und Kinder aus schwierigen häuslichen Verhältnissen durch die Nachmittagsangebote eine höhere Motivation."
Februar: Hoher Besuch im deutschen Bildungswesen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Prof. Vernor Munoz Villalobos aus Costa Rica, reist kreuz und quer durch die Republik, um sich ein Bild von der Struktur des Bildungswesens und der Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen zu machen. In Köln beeindruckt den Sonderberichterstatter ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes Projekt zur Integration und Förderung der Kinder von Roma und Sinti. "Das Projekt ist vorbildlich für den Versuch, wenigstens einigen Kindern aus der extrem unterprivilegierten Gruppe der Roma eine Chance auf Bildung zu eröffnen", lobte er. Es solle unbedingt auf Dauer institutionalisiert werden.
Bewegung ist für Kinder und Jugendliche genau so wichtig wie die kognitiven Herausforderungen. Die BLK-Fachtagung "Bewegung, Spiel und Sport im GanzTag" geht am 1. Februar 2006 in Soest der Frage nach, wie sich sportliche Angebote erfolgreich in Ganztagsschulen verankern lassen. Prof. Roland Naul, Sportpädagoge der Universität Duisburg-Essen, mahnt: "Es geht nicht um eine zeitliche Verdoppelung des Sportunterrichts oder eine örtliche Verlagerung des Vereinssports, vielmehr ist ein eigenes Konzept zu entwickeln. Wir benötigen einen neuen, ganzheitlichen Bezug, der Bildung, Erziehung und Betreuung in einen fachlichen Kontext bringt." In der Ganztagsschule müsse ein aktiver Lebensstil vermittelt werden, um der oft gerade in bildungsfernen Familien grassierenden Bewegungsarmut entgegenzuwirken. "Die Alltagsmotorik ist verschwunden", so Naul. "Sie kann nicht durch zwei mal zwei Stunden Schul- und Vereinssport kompensiert werden."
Seit zwei Jahren beteiligen sich zehn sächsische Ganztagsschulen an einem Modellprojekt, bei dem die Entwicklung und die Effektivität der Ganztagsangebote untersucht werden. Prof. Hans Gängler von der Technischen Universität Dresden zieht im Interview eine Zwischenbilanz: "Es gibt eine sehr hohe Elternzufriedenheit von durchschnittlich 80 Prozent. Bei den Schülerinnen und Schülern überwiegen ebenfalls positive Stimmen. Sie erwähnen besonders zwei Punkte: Sie fühlen sich entspannter und schätzen das Zusammensein am Nachmittag. Je älter sie werden, desto eher vermissen sie dann allerdings eine ,unbeaufsichtigte' Freizeitgestaltung. Bei der Lehrerschaft zeigt sich eine Dreiteilung: Engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind im Großen und Ganzen mit ihren Ergebnissen zufrieden, eine weitere Gruppe beobachtet die Entwicklung neutral, und eine kleine Gruppe steht dem Ganzen skeptisch gegenüber, weil sie zusätzliche Arbeit befürchtet."
März: Dass eine Ganztagsschule mehr sein kann als eine Ansammlung bestuhlter Zimmer, beweist das Lise-Meitner-Gymnasium in Böblingen, das unter anderem mit 267.000 Euro aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) des Bundes einen Umbau finanziert hat, der den Schülerinnen und Schülern nun Orte für Stillarbeit und Orte für Bewegung bietet. Schulleiter Hans Oberhollenzer berichtet: "Das IZBB hat definitiv nicht nur die räumliche Situation verbessert, sondern eine Wechselwirkung zwischen Raum und Unterrichtspraxis befördert und starke Impulse in Richtung Schulentwicklung gegeben. Die Study Hall hat zum Beispiel eine ganz neue Aufgabenkultur befördert. Für die Kolleginnen und Kollegen ist das eine Herausforderung, die Wochenplanarbeit für diesen Bereich aufzustellen. Es gibt keine Aufgaben von heute auf morgen mehr. Das wirkt sich auf die gesamte didaktische methodische Planung des Unterrichts aus."
Das Land Berlin zieht am 17. und 18. März eine Zwischenbilanz des bisher Erreichten im Ganztagsschulbereich. Rund 400 Interessierte nehmen am 1. Berliner Forum der Ganztagsgrundschulen teil. Bürgermeister Klaus Wowereit erklärt zur Eröffnung: "Mit der Ganztagsschule wollen wir die Zukunftsfähigkeit der Kinder entwickeln, uns um Kinder kümmern, die in schwierigen gesellschaftlichen Verhältnissen leben, und sie zur Selbstständigkeit zu befähigen." Die Schule am Friedrichshain stellt ihre Neuorganisation des Förderunterrichts vor, die laut Schulleiterin Christiane Kose eine nachweisliche Leistungssteigerung bei den Schülerinnen und Schülern erbracht hat: "Die Kinder sind über Erfolgserlebnisse froh, die sich nun auch im Fachunterricht einstellen. Sie sind arbeitsfähiger als früher, als man oft eine halbe Stunde damit verbracht hat, die Klasse ruhig zu bekommen."
20 Expertinnen und Experten aus der Soziologie, den Erziehungswissenschaften und der Geschichtswissenschaft aus fast allen Staaten Europas und aus den USA treffen sich am 31. März und 1. April in Potsdam, um über den Zusammenhang von Wohlfahrtsstaat, öffentlicher Erziehung und Kinderbetreuung zu debattieren. Einer der Wissenschaftler ist der Soziologe Prof. Hans Bertram, Mitautor des Siebten Familienberichts der Bundesregierung "Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit", der Ganztagsschulen als "überfällige Entwicklung" bezeichnet und ausführt: "In zehn Jahren werden wir in Deutschland ein perfektes System der Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren haben."
April: "Wir müssen weg von der Frage, wie ein Kind sein muss, um der Schule gerecht zu werden, hin zur Frage, wie eine Schule sein muss, um dem Kind gerecht zu werden", fordert Oggi Enderlein. Die Leiterin der Werkstatt "Schule wird Lebenswelt" im Rahmen des Begleitprogramms "Ideen für mehr! Ganztägig lernen" referiert vor rund 40 Lehrerinnen und Lehrern in der Erfurter Puschkinschule über die "Veränderte Kindheit und die Konsequenzen für die Schule". Die Puschkinschule ist seit zwei Jahren gebundene Ganztagsschule und muss sich über sinkende Schülerzahlen keine Sorgen machen. Nach anfänglicher Skepsis sind die Eltern vom Konzept der Schule überzeugt, da es merklich positive Auswirkungen auf die Kinder zeige. So meint eine Mutter über ihren Sohn: "Er geht gern in die Schule, ist entspannter und aufnahmebereiter. Besonders bei den Hausaufgaben hat ein deutlicher Qualitätssprung stattgefunden." Oggi Enderlein hebt auf die Möglichkeiten zur Bewegung und Selbsterfahrung ab, die Ganztagsschulen bieten können. Den Schülerinnen und Schülern fehlten heutzutage die sinnlichen Erfahrungen. "Mit der Ganztagsschule besteht die Chance, den Kindern das zurückzugeben, was sie brauchen", meint die Diplompsychologin.
Mit Hilfe der Regionalen Serviceagentur "Ganztägig lernen" Nordrhein-Westfalen haben sich landesweit Qualitätszirkel gebildet, die in den Kommunen ihre Ganztagsschulentwicklung vorantreiben. Betreut werden diese Zirkel von Dr. Rainer Strätz vom Sozialpädagogischen Institut (SPI) in Köln. "Seitdem ich mich mit der Schulbildung beschäftige, war mir klar, dass wir mit der Trennung von Halbtagsschule und offener Jugendarbeit am Nachmittag nicht konkurrenzfähig sein würden", meint der Wissenschaftler. "Nötig ist eine Vernetzung dieser beiden Teile zu einem Lebensort, an dem die Kinder gefördert werden."
Mai: Zum zweiten Mal zeichnet die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Ganztagsschulen im Wettbewerb "Zeigt her eure Schule" aus - rund 100 haben sich beworben, elf sind schließlich am 2. Mai in die Berliner Königliche Porzellanmanufaktur eingeladen. Diesmal werden besonders gute Kooperationsbeispiele honoriert. Als primus inter pares geht die Gesamtschule des Saarpfalz-Kreises im saarländischen Bexbach ins Ziel. Diese Schule ist erst seit einem Jahr Ganztagsschule und hat bereits eine Fülle an Kooperationspartnern aus Wirtschaft, Kommune, Umweltschutz, Kultur, Bildung und Sozialeinrichtungen gewonnen. "Der Wettbewerb hat bei uns in der Schule ganz viel ausgelöst, wir haben enorm von anderen Preisträgern gelernt", sagt eine Lehrerin, die vom ersten Platz völlig überrascht ist.
"Gute Schulen ernten noch immer zu wenig Anerkennung", meint Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Aus diesem Grunde begrüßt er den Wettbewerb "Zeigt her eure Schule". Entscheidend sind für ihn die "Ideen aller Beteiligten und ihre Umsetzung". Die Qualität von Schule müsse so verändert werden, dass sich Freude am Lernen einstelle. "Diese Schulen sind Orte, an denen man selbst gern gelernt hätte", findet Eva Luise Köhler, die Vorsitzende der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Die Verantwortung der Eltern für die Erziehung der Kinder und die Bildung in Ganztagsschulen schließen sich nicht aus, wie früher vielfach gemutmaßt worden sei. Gute Schulen sind für Eva Luise Köhler "keine abgeschlossenen Einrichtungen".
Rund 450 Ganztagsinteressierte finden sich am 5. und 6. Mai in Cottbus ein, um am Brandenburger Ganztagsschulkongress "Ganztag in Brandenburg gemeinsam gestalten" teilzunehmen. 25 Aussteller sind mit Ständen auf der Messe vertreten und präsentieren Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnern von Ökologischen Projekten über Bewerbungstraining und Naturerlebnisunterricht bis zum Schulgolf. "Wir respektieren, fordern und fördern jedes Kind nach seinen individuellen Fähigkeiten", betont Bildungsminister Holger Rupprecht. "Kinder aus bildungsfernen Familien erleben ein anregungsreiches Umfeld, das ihnen ansonsten leider oft nicht zugänglich ist. Schulen mit Ganztagsangeboten im Land Brandenburg orientieren sich an einem modernen Bildungsverständnis, das sich nicht nur auf kognitives Wissen beschränkt, sondern auch soziales Lernen einbezieht und Kompetenzen wie Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit und schließlich soziales Verantwortungsbewusstsein umfasst. Wir sind dabei noch lange nicht am Ziel, aber auf dem richtigen Weg."
In Frankfurt am Main erleben 70 hessische Schulen am 16. Mai ihren Auftakt ins Ganztagsschulleben. Auf einer zentralen Auftaktveranstaltung können sich diese Schulen darüber informieren, welche Chancen und Herausforderungen auf Ganztagsschulen warten. Der Andrang spricht für sich: Mit 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die Veranstaltung der Regionalen Serviceagentur Hessen ausgebucht. Die Anwesenden können sich über die pädagogischen Anforderungen ebenso in Kenntnis setzen wie über die Ausgestaltung von Honorar- und Arbeitsverträgen. Für die die neu ins Landesprogramm aufgenommenen Schulen geht es laut Wolf Schwarz, Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium, darum, die qualitative Entwicklung der Ganztagsschulen voranzubringen. Dabei stünden pädagogische Profile, infrastrukturelle Aspekte, aber auch die Entwicklung vergleichbarer Standards für die ganztägigen Angebote im Vordergrund.
Die Vorgänge in der Berliner Rütli-Hauptschule machen bundesweit Schlagzeilen. Dass eine Hauptschule nicht zwangsläufig aus dem Ruder laufen muss, beweisen die Berliner Beispiele der Werner-Stephan-Schule, der Riesengebirgs-Oberschule und der Heinrich-von-Stephan-Schule - Schulen, die vor 30 Jahren ein Bild boten, wie die Rütli-Schule im April 2006. Eine Antwort dieser Schulen auf ihre Probleme ist die Vernetzung: In Projekten wie "Schulen übernehmen Verantwortung" - ein lernendes Netzwerk von zehn Berliner und Brandenburger Schulen - gehen Schulen Zweier-Kooperationen, so genannte Tandems, ein, die "Anschlüsse zwischen den Schulformen schaffen sollen." Dort lernen sie, im Tandem mit einer Schule einer anderen Schulform eine Kooperationspartnerschaft über zunächst zwei Jahre zu etablieren. Ein Kernziel der Zusammenarbeit ist die Einrichtung einer Ganztagsschule.
"Von drei Schulen wären zwei zu retten, wenn sie einen vernünftigen Ganztag organisieren würden", betont Jens Großpietsch, Rektor der Heinrich-von-Stephan-Schule. Die Schülerinnen und Schüler sollen Verantwortung für die eigenen Lernprozesse übernehmen und ihr soziales Leben durch selbstständige Regelung der Konflikte sowie durch Einübung verbindlicher sozialer Regeln unter Beweis stellen. Dazu gehört für Großpietsch auch Disziplin: "Sie brauchen verlässliche Respektpersonen und absolut verbindliche Regeln, die sie gerade zu Hause nicht lernen können."
Juni: Auf der Tagung "Brennpunkt Hauptschule" der Friedrich-Naumann-Stiftung am 6. Juni in Berlin erntet sie für ihre Aussage, die Migranten würden sich in Deutschland immer fremder fühlen, Protest aus dem Publikum: Tülay Usta ist Vorsitzende des Türkischen Elternvereines Berlin-Brandenburg, der mitten im Berliner Kiez liegt. Seit 20 Jahren bemüht sich der Verein um einen Dialog zwischen Migranten und Einheimischen. Mehr Bildungsgerechtigkeit verspricht sich der Türkische Elternverein von den Ganztagsschulen. Sie sollten weiter ausgebaut und Vor- und Nachmittag möglichst rhythmisiert werden. "Auch die traditionellen Migranteneltern sind sich bewusst, dass ohne Bildung heutzutage nichts mehr geht, und wissen, dass ihre Kinder in den Ganztagsschulen ihre Hausaufgaben erledigen können", erklärt Tülay Usta.
Wieder eine ausgebuchte Tagung: Am 23. und 24. Juni bietet die Regionale Serviceagentur Thüringen in Erfurt das Thema "Schulfördervereine als Unterstützungssystem in, an und um Schule" an und trifft offenbar einen Nerv. "Ohne Fördervereine kann eine Ganztagsschule nicht funktionieren", behauptet Ines George, Lehrerin und Ganztagsschulkoordinatorin an der Staatlichen Regelschule Stadtilm. Fördervereine sind eine Art privates Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" engagierter Eltern, Lehrer und Bürger vor Ort, ein Förderprogramm, das auch zur Öffnung von Schule zum Umfeld beiträgt. Sie verwandeln sich zu Maßnahmenträgern der Jugendarbeit. Denn Landesmittel zum Aufbau einer ganztägigen Betreuung durch die Jugendhilfe landen nicht selten auch bei den Schulfördervereinen. Früher sind Fördervereine "Geldgeber" gewesen, heute sind sie "Arbeitgeber". Der Förderverein ist "ein Instrument, mit dem die Ganztagsschule schnell und flexibel auf die Anforderungen des Umfelds reagiert", so Serviceagentur-Leiterin Rosa Maria Haschke.
Film ab! Im Herbst 2005 bekam das Berliner Filmteam von mmpro.film- und medienproduktion vom Bundesministerium für Bildung und Forschung den Zuschlag, den Dokumentarfilm "Zeit für mehr" zu drehen. Jetzt sind die Dreharbeiten in vollem Gange. Einen bedeutenden Part im Film, der acht Ganztagsschulen bundesweit vorstellt, spielt die Otto-Hahn-Realschule in Bitburg - nicht zuletzt wegen ihres engagierten Direktors Johannes Roß-Klein. Auch seine Schule verzeichnet dank des Ganztagsangebots gegen den Trend steigende Anmeldezahlen. Als wesentlichen Pluspunkt schildert der Rektor die Öffnung der Schule nach außen: "Wir werden in unserer Kommune und in der Presse viel mehr wahrgenommen als früher. Wir erhalten Spenden von Institutionen und Vereinen, die einfach begeistert sind, was sich bei uns tut." Die offene Atmosphäre der Otto-Hahn-Realschule kommt auch dem vierköpfigen Filmteam zu Gute.
Autor/in: Ralf Augsburg
Datum: 29.12.2006
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