Wer ein zentrales Haus der Ganztagsschulen sucht, findet es mitten in Berlin, am Alexanderplatz: das berliner congress center (bcc), ein auffälliges, modernes, aber zeitloses Haus. Im Sonnenschein glänzt von Ferne die runde Aluminiumkuppel, im Innenbereich bietet die Kubusform des denkmalgeschützten Gebäudes genug Raum für Foren, Workshops, Ausstellungen und festliche Versammlungen. Zwei schwungvolle Wendeltreppen führen ins Obergeschoss, das den Zugang zum blau-violett beleuchteten Kuppelsaal freigibt.
Der Saal, der an ein Laboratorium für Innovation und kreative Ideen erinnert, war Ort des Auftaktes und des künstlerischen Finales "OzonTanz" für die rund 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den 16 Ländern zwischen Rostock und Freiburg. Dort begegneten sich jene Geister und Akteure, die die Veranstalter des Ganztagsschulkongresses ausdrücklich gerufen hatten: die Schulen und ihre Kooperationspartner.
Die Bühne des Kuppelsaales entpuppte sich als ein kreatives Feld der Begegnung und des Dialoges für Politik und Wissenschaft, Jung und Alt sowie Pragmatiker und Kreative, Pädagogen und außerschulische Kräfte. Sie alle engagierten sich - wie einen Tag zuvor Bundespräsident Horst Köhler in seiner bildungspolitischen Grundsatzrede - für anhaltende Innovationen im Bildungssystem.
Die Gretchenfrage der Generationen
Geballte wissenschaftliche Kompetenz des Kongresses konzentrierte sich in dem Kuppelsaal. Dort moderierte Dr. Petra Gruner vom BMBF eine wissenschaftliche Vortragsreihe, die renommierte Vertreterinnen und Vertreter der Ganztagsschule aus Deutschland und Europa zusammenbrachte. Die Botschaften, die die überwiegend der Wissenschaft zugehörigen Experten den Praktikern überbrachten, machten Mut, sie regten aber auch zum Nachdenken an.
Lernende Schulen - so ein weiterer Eckpfeiler - brauchen lernende Kommunen und eine lernende Verwaltung: "Schulen und Kommunen brauchen gemeinsame Zielvereinbarungen und Qualitätsinstrumente". Dritter Eckpfeiler: Schule und Partner wachsen am ehesten zusammen, "wenn sie gut sind". Vierter Eckpfeiler: Geförderte Ganztagsschulen sollten nur noch mit ganztagsspezifischen Lehrerarbeitsmodellen arbeiten dürfen: "Die Präsenszeiten der Lehrerinnen und Lehrer sind der zentrale Zugang zum guten Ganztag". Vor diesem Hintergrund stellte sich eine der wichtigsten Fragen: Wie können die neu entstandenen Ganztagsschulen nach ihrem euphorischen Start den qualitativen Erwartungen der Gesellschaft auf Dauer gerecht werden?
Lernende Schule sucht Partner
"Partner gesucht": diese Kontaktanzeige an der Stellwand im Untergeschoss des bcc war nicht zur privaten Anbahnung von Kontakten gedacht. "Wir sind freiwillig hier, um die Leute zu vernetzen", erläutert die 17jährige Schülerin Claudia Schönsee. An der Stellwand hängt ein Korb mit zahlreichen ausgefüllten "Kooperations-Profilbögen". "Trotz Vortragsreihe, trotz zahlreicher Foren", so Schönsee, sei das Interesse bei allen Ländern sehr groß. Rund 70 ausgefüllte Bögen in eineinhalb Tagen haben die 130 Schülerinnen und Schüler der Servicestelle Jugendbeteiligung und des SV Bildungswerkes im Rahmen des Programmpunktes "Kooperation konkret" zusammengetragen. "Agentur für Schulbegleitung sucht Netzwerk für Schulberatung", zwecks "Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Bundesländern", so der Wortlaut einer der vielen Kontaktanzeigen, den die orange gekleidete Schülertruppe entgegennahm.
"OzonTanz" meets "RHYTHM IS IT!"
Für solche kulturellen Projekte brauchen "die Lehrer aber die professionelle Unterstützung von außen", so die Erkenntnis von Royston Maldoom: "Der Tanz hat eine körperlich-geistige Verwandlungskraft, weil er eine gesellschaftliche Kunstform ist, die mit allem arbeitet, was wir sind", fügt der charismatische Tanzchoreograph aus England hinzu.
Autor/in: Peer Zickgraf
Datum: 29.09.2006
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