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Studie: "Ausbau der Ganztagsschule sollte sich am Leitbild der individuellen Förderung orientieren"

51,1 Prozent aller Schulen in Deutschland bieten Ganztagsangebote an. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die diese nutzen, ist von 26,9 auf nunmehr 28,1 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt und heute (5. Juni 2012) vorgestellt wurde.

Zugang zu einer gebundenen Ganztagsschule, in der die Teilnahme am ganztägigen Unterricht für alle Schüler verbindlich ist, haben laut Untersuchung 12,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler. Das entspricht einer Steigerung zwischen den Schuljahren 2009/2010 zu 2010/2011 von 0,8 Prozent. Dieser Form der Ganztagsschule attestiert die Studie besonders große Möglichkeiten, das soziale und kognitive Lernen zu fördern.

Die gebundene Ganztagsschule ist zugleich der teuerste Schultyp unter den Ganztagsmodellen. In einer zweiten aktuellen Studie hat der Essener Bildungsforscher Professor Klaus Klemm berechnet, dass die Länder 9,4 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr investieren müssen, wenn alle Schüler ganztägig unterrichtet werden. Der größte Teil dieser Zusatzkosten entfiele auf die Länder Nordrhein-Westfalen (2 Mrd.), Bayern (1,7 Mrd.) und Baden-Württemberg (1,4 Mrd.).

Damit die Ganztagsschule ihr Potenzial ausschöpfen kann, nennt die DJI-Studie drei wesentliche Faktoren: erstens eine regelmäßige Teilnahme aller Schüler, zweitens eine hohe Qualität der Lernangebote und drittens eine Einbettung in kommunale Bildungslandschaften - also die Zusammenarbeit etwa mit Kindertagesstätten, anderen Schulen, Ausbildungsbetrieben, Musikschulen und Sportvereinen. Diese Erkenntnisse decken sich mit Ergebnissen der StEG-Untersuchung (Ganztagsschule: Entwicklung und Wirkungen), an der das Deutsche Jugendinstitut auch beteiligt ist.

Der DJI-Direktor und Bildungsforscher Prof. Dr. Thomas Rauschenbach bemängelt als Autor der Studie, dass der Ausbau der Ganztagsschulen bislang höchst unterschiedliche Organisationsformen und Typen hervorgebracht habe: Offene, gebundene oder teilgebundene Ganztagsschulen, also mit freiwilliger bis verpflichtender Teilnahme, variierten erheblich in Zeitstruktur, Kooperationen, Angeboten und individueller Förderung.
 
Auch beim quantitativen Ausbau offenbart die Studie große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die meisten Ganztagsschulen gibt es in Sachsen mit 96,5 Prozent aller Schulen. Dort nutzen mit 73,3 Prozent auch die im Ländervergleich meisten Schüler entsprechende Angebote. Die wenigsten Ganztagsschulen weist Sachsen-Anhalt mit 24,6 Prozent aller Schulen auf. Den deutschlandweit geringsten Anteil von Schülern, die am Ganztag teilnehmen, hat Bayern mit 10,5 Prozent.

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2013-03-18T17:25:42 / 14468