Echte Teilhabe, also Partizipation, ist der Kern demokratischer Schulen. Sie muss aus demokratischen Werten und dem Prinzip der Chancengerechtigkeit begründet und gelebt werden. Partizipation erstreckt sich auf alle relevanten Bereiche von Schule: vom Schulklima bis zum Curriculum wie im transatlantischen Projekt "Hands Across the Campus". Eine Begriffsbestimmung im Rahmen unserer Reihe "Apropos" Ganztagsschulen.
Kaum ein Begriff aus dem ABC der Ganztagsschulen ist so erklärungsbedürftig wie "Partizipation". Das fängt schon mit der offenkundigen Vieldeutigkeit des Wortes an. Es leitet sich aus dem Lateinischen "particeps" ab und bedeutet: "Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung oder Mitbestimmung". Teilhabe oder Mitwirkung - aber woran eigentlich? An der Demokratie, der Zivilgesellschaft, dem Arbeitsleben, am Schulleben, gar am Unterricht?
Bedeutung hat das Wort bereits in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Politologie, Soziologie oder Erziehungswissenschaft erlangt. Dort steht es im Zusammenhang mit der Demokratisierung von Regierung, Parlament, Interessenorganisationen, Zivilgesellschaft oder von Schule.
Mit dem Start des Investitionsprogramms "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) im Jahr 2003, spätestens seit dem ersten Ganztagsschulkongress 2004 geriet das Thema Partizipation im Rahmen des Begleitprogramms "Ideen für mehr! Ganztägig lernen." der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zunehmend in den Fokus der Ganztagsschulen.
Von der Partizipation hängt einiges für die Ganztagsschulen ab. Da bald jede fünfte Schule in Deutschland, also fast 7.000 Ganztagsschulen aus den Mitteln des IZBB gefördert werden, kommt es neben der Akzeptanz durch alle Akteure auf deren Qualität an. Die Qualität von Ganztagsschulen wiederum wird durch die Partizipation gestärkt: "Akzeptanz, Angebotsnutzung und Partizipation (sind gerade) in der Entwicklungsphase" von großer Bedeutung, belegt die "Studie zur Entwicklung der Ganztagsschulen" (StEG).
Klassenrat, Projektlernen, lokale Bildungslandschaft
Partizipation - aber woran? An schülerorientierten Beteiligungsformen. Diese bieten den Rahmen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler in spezifischen Gremien der Ganztagsschule Verantwortung übernehmen: im Klassenrat, wo die Kinder und Jugendlichen ihre Angelegenheiten basisdemokratisch aushandeln, beim Projektlernen, wo sie Handlungskompetenz beweisen, oder in der lokalen Bildungslandschaft, wo sie sich mit außerschulischen Bildungspartnern wie Jugendeinrichtungen verzahnen.
Ein spezifisches Merkmal der Partizipation an Ganztagsschulen - daran erinnert Steinl - ist aber neben dem Plus an Zeit die Raumsituation. Fast 7.000 neue Ganztagsschulen bedeuten nicht zuletzt, dass durch die Verbesserung der Infrastruktur an vielen Schulen in Deutschland auch die Chancen steigen für ein demokratisches Schulleben, das die Beteiligung von Lehrkräften, Eltern, außerschulischen Partnern oder Schülerinnen und Schülern forciert.
An der Bereitschaft der Jugendlichen zur Partizipation kann jedenfalls kaum gezweifelt werden: So zeigen diverse Studien, dass das tatsächliche Engagement der 14- bis 24-Jährigen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung verhältnismäßig hoch ist, so die Erziehungswissenschaftlerin Angelika Eikel in "Demokratische Partizipation in der Schule" (2006).
Autor/in: Peer Zickgraf
Datum: 10.10.2008
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