Das von der Bertelsmann-Stiftung entwickelte internetbasierte Instrument zur Selbstevaluation in Schulen (SEIS) wird ab Oktober von sieben Bundesländern und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), die sich im Konsortium "SEIS Deutschland" zusammengeschlossen haben, übernommen.
"Nach den äußerst positiven Erfahrungen von 28 Pilotschulen in Rheinland-Pfalz mit diesem Zusatzangebot zur schulischen Qualitätsentwicklung werden auch wir allen Schulen künftig die Möglichkeit zu einem Generalcheck mit Hilfe standardisierter Datenerhebungen und Fragebögen für Lehrkräfte, Schülerinnen, Schüler und Eltern anbieten. Für die Schulen im Land wird der Zugang zu den Informationen und Materialien dabei kostenlos sein", betonte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen nach der Unterzeichnung des SEIS-Übergabevertrags durch den Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung Gunter Thielen und die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann für die beteiligten Bundesländer.
"In der Pilotphase haben seit Mitte 2006 in Rheinland-Pfalz die zehn Schulen des Schulversuchs Selbstverantwortliche Schule sowie 18 Ganztagsschulen das SEIS-Instrumentarium erprobt. Ihr Urteil darüber fiel insgesamt sehr positiv aus. Mit Hilfe von SEIS erhielten die Schulen nach ihrem eigenen Urteil einen Überblick über die eigenen Stärken, Schwächen und Entwicklungsfelder, der in dieser Detailliertheit gar nicht oder nur mit sehr großem Aufwand zu erhalten gewesen wäre. Daher wollen wir ab dem Jahr 2009 allen Schulen im Land die Chance geben, dieses Unterstützungsangebot zur eigenen Weiterentwicklung und zu Qualitätssteigerung von Schule in Anspruch zu nehmen", sagte Doris Ahnen. Die Selbstevaluation mit Hilfe von SEIS sei eine sehr gute Ergänzung zu den Rückmeldungen, die die Schulen durch die Besuche der Teams aus der Agentur Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS) erhielten. Die bei dem Einsatz von SEIS eigentlich anfallenden Servergebühren von 100 Euro pro Schule werde das Land übernehmen.
SEIS ist ein softwaregestütztes Selbstevaluationsinstrument im Internet, das es Schulleitungen und Kollegien ermöglicht, ihren Schulentwicklungsprozess mit Hilfe objektiver Daten und objektivierten Urteilen verschiedener Beteiligter zu überprüfen und besser zu planen. Es basiert auf einem international anerkannten Leitbild von "guter Schule", das eine hohe Übereinstimmung mit dem in Rheinland-Pfalz vorhandenen "Orientierungsrahmen Schulqualität" aufweist. SEIS stützt sich auf Befragungen von Schülern, Eltern, Lehrern, Ausbildern und nicht-pädagogischen Mitarbeitern und eignet sich für alle Schulformen. Dazu gehören wissenschaftlich geprüfte und praxiserprobte Fragebögen sowie im Ergebnis ein klar strukturierter Schulbericht, dessen Daten einerseits auf der Zeitschiene für ein und dieselbe Schule als auch mit den Daten anderer Schulen mit einem vergleichbaren Umfeld und ähnlichen Bedingungen verglichen werden können.
Zudem bietet SEIS Hilfestellungen für die Planung neuer Schritte in schulischen Qualitätsprogrammen und ermöglicht einen Erfahrungsaustausch mit anderen SEIS-Schulen, deren Zahl mittlerweile bei 3.500 liegt. An dem Länderkonsortium "SEIS Deutschland" sind die Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und die Zentralstelle für die deutschen Auslandsschulen beteiligt. In der Pilotphase hätten sich für die 18 beteiligten Ganztagsschulen und die zehn Schulversuchsschulen eine Reihe wertvoller Rückmeldungen ergeben, hielt Bildungsministerin Ahnen fest. Weiterentwickelt werden soll nach Einschätzung der befragten Lehrerinnen und Lehrer, der Schülerinnen und Schüler und der Eltern die Kooperation von Schulen verschiedener Schularten.
Die Stärken der teilnehmenden Schulen liegen demnach:
im Umgang mit der Lernzeit,
in der regelmäßigen Rückmeldung von Erfolgen und Handlungsfeldern,
in der gegenseitigen Unterstützung,
in den Lernangeboten zum Lesen,
in den Lernangeboten zum Fach Deutsch,
in den musisch-künstlerischen Angeboten,
in der Förderung einer selbständigen Lernplanung und
in der Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler an Entscheidungen zum erweiterten Lernangebot
Den beteiligten Ganztagsschulen wurde darüber hinaus unter anderem mehrheitlich bestätigt, sie sorgten dafür, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben beziehungsweise Hausaufgaben in der Schulzeit erledigten. Die Schulen des Schulversuchs erhielten beispielsweise die Rückmeldung, sie förderten erfolgreich die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Lernzeiteinteilung und Selbstbeurteilung.
Mehr Informationen zu SEIS sind im Internet zu finden unter: www.das-macht-schule.de
Ausführliche Ergebnisse des SEIS-Pilotprojekts in Rheinland-Pfalz sind dokumentiert unter: www.ganztagsschule.rlp.de und auf dem Bildungsserver Rheinland-Pfalz unter svs.bildung-rp.de/projekt/unterstuetzung.html
Interessierte Schulen können sich mit den beiden SEIS-Landeskoordinatoren – Johannes Miethner und Heinz Willi Räpple – in Verbindung setzen unter: Johannes.Miethner@ifb.bildung-rp.de oder raepple@mbwjk.rlp.de